Tiergarten ist und bleibt ein Besuchermagnet

Da werden alle Zoo-Gegner wieder mal eines Besseren belehrt – Zoos sind kein Auslaufmodell, wie sie es gern hätten: Der Tiergarten Nürnberg konnte bei seinem Rücklick auf das vergangene Jahr in Bezug auf Besucherzahlen das drittbeste Ergebnis seiner Geschichte präsentieren. 1.135.515 Menschen haben den Zoo am Schmausenbuck 2017 besucht (Foto: Michael Matejka). Das sind 4,4 Prozent mehr als 2016 und 5,6 Prozent mehr als der Wert im Fünf-Jahres-Durchschnitt. Und dabei gab es 2017 nicht einmal eine besonders große Attraktion wie in den beiden Jahren, als es noch mehr Besucher waren: 2008 war Eisbärenbaby Flocke ein absoluter Publikumsmagnet, 2011 die Eröffnung der Lagune.

Bei der Pressekonferenz zur Jahresbilanz 2017, die die Zooleitung heute abgehalten hat, war auch das Thema Artenschutz ein Punkt, dem man viel Bedeutung beimaß. Mit vier ausgewilderten Habichtskäuzen stieg die Gesamtzahl des aufgezogenen Nachwuchses des Tiergarten-Zuchtpaares bei dieser Tierart auf 32 Jungvögel seit 2003. 14 dieser Jungen wurden an den Nationalpark Bayerischer Wald abgegeben, 13 in das Biosphärenreservat Wienerwald und in das Wildnisgebiet Dürrenstein (Österreich). Fünf weitere junge Habichtskäuze gingen an Zuchtstationen. Im Naturpark Zillertal konnten zur Blutauffrischung drei Steinböcke im
Bereich der Greizer Hütte ausgewildert werden. In der Sierra Cazorla wurde wieder ein Bartgeier des Tiergartens ausgewildert, allerdings starb er zwei Monate später. Die Obduktion ergab, dass er einen Leberschaden hatte – wodurch, ist bisher noch nicht bekannt, dazu laufen noch Untersuchungen. In diesem Reservat haben auch schon früher ausgewilderte Bartgeier die ersten zwei Jungvögel erfolgreich aufgezogen. Der 2013 aus dem Tiergarten beigesteuerte Geier hat seit kurzem einen Partner und mit diesem ein Nest gebaut.

Auch bei ganz anderen Tieren, nämlich den Zieseln, erprobt man Wiederansiedlungsprojekte bzw. versucht man, den Bestand zu erhalten. So wurden aus dem Tiergarten im vergangenen Jahr 22 Ziesel zu einer kleinen Restpopulation auf einen Golfplatz bei Karlsbad in Tschechien gebracht. Sie sollen die Zahl der dort ansässigen Tiere verstärken und für eine Blutauffrischung sorgen. Für die Wiederansiedlung des Wisents in Spanien stellte der Tiergarten Nürnberg vier Tiere zum Aufbau der Zuchtgruppen zur Verfügung. Und noch ein großes Freilandprojekt gibt es: Die Wiederansiedlung der Kulane in der zentralkasachischen Steppe von Altyn Dala. Dafür wurden Kulane aufwändig aus dem 1200 Kilometer entfernten Nationalpark Altyn Emel umgesiedelt.

Ich denke, diese Projekte zeigen alle eindrucksvoll, wie Zoos zum Artenschutz und zur Artenvielfalt einen großen Beitrag leisten können. Die Zoobesucher sehen diese Leistung  erst mal nicht – deshalb muss man immer wieder darauf hinweisen, dass auch das zur Arbeit von modernen Tierparks gehört. Ich freue mich, dass der Tiergarten Nürnberg dabei schon so gute Erfolge erzielt hat.

Delfine aus dem EEP wurden noch nie ausgewildert

Mein Artikel in der „Nürnberger Zeitung“ über den Protest der Tierrechtler-Organisation PETA gegen Delfin-Umsiedlungen nach Lanzarote, über den ich hier auch geschrieben habe, ist auf großes Interesse gestoßen. PETA-Sympathisanten aus dem ganzen Bundesgebiet haben  reagiert. Darunter waren ganz offensichtlich gesteuerte Mails mit zum Teil mit fast identisch lautenden Sätzen. Verschiedene Absender haben mir  eine falsche Berichterstattung unterstellt und behauptet, Delfine aus dem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP seien durchaus immer wieder ausgewildert worden. Dies kann ich eindeutig widerlegen.

Der im Nürnberger Tiergarten tätige Meeresbiologe Lorenzo von Fersen ist für den Verein Yaqu Pacha auch international zuständig für den Schutz von Säugetieren, die im Wasser leben. Er hält wenig von betreuten Meeresbuchten, wie PETA sie fordert. Denn die Großen Tümmler würden auch dort irgendwo gegen eine Absperrung stoßen. Die Größe eines solchen „Sanctuarys“ könnte ja bei weitem nicht den bis zu 150 Kilometern entsprechen, die Tierrechtler immer für ein artgerechtes Leben von Delfinen reklamieren.

Bliebe also letztlich nur das Auswildern als Lösung, wenn man der Argumentation von PETA folgen würde, die eine Haltung von Delfinen innerhalb des EEP als „Gefängnis“ brandmarkt. Lorenzo von Fersen bestätigt meine bisherigen Beiträge: „Delfine aus dem EEP wurden noch nie ausgewildert.“ Das wäre sogar kontraproduktiv. Die IUCN, die sozusagen als Papst unter den einschlägigen Gremien gilt, ist weltweit zuständig für die Richtlinien bei der Auswilderung von Tieren. Sie lehnt darin diese Maßnahme bei Großen Tümmlern ab. Für eine Auswilderung Großer Tümmler gibt es auch gar keinen Anlass. Diese Delfine gehören nicht zu den bedrohten Arten. Und: Einige wenige EEP-Tümmler stammen noch aus Wildfängen vor Florida oder Kuba – zum Beispiel der mit seinen inzwischen etwa 55 Jahre alte Moby im Tiergarten Nürnberg.  Tiere wie er und seine Nachkommen haben im Mittelmeer nichts zu suchen.

Dass eine Auswilderung gründlich daneben gehen kann, hat der Fall des Schwertwals aus dem Film „Free Willy“ gezeigt. Die Aktion kostete Millionen – am Ende war er tot. Auch Auswilderungen, die der jetzige Tierbefreiungsaktivist und einstige „Flipper“-Trainer Rick O’ Barry anregte, haben nicht funktioniert.  Die Tiere waren nicht auswilderungsfähig. Bisher gibt es keine Auswilderung von Delfinen, deren Erfolg dokumentiert ist.

Erstes Wisentbaby in freier Wildbahn

Im April hatte ich über ein interessantes, wissenschaftlich begleitetes Auswilderungsprojekt geschrieben: Im Rothaargebirge (Nordrhein-Westfalen) lebt erstmals seit über einem Jahrhundert wieder eine Herde von Wisenten in freier Wildbahn. Nun gibt es schon die erste gute Nachricht über das Projekt zu vermelden: Die Leitkuh der Herde hat ein gesundes Kalb zur Welt gebracht.

Der kleine Bulle wurde auf den Namen Quintus getauft, weil er das fünfte Jungtier dieses Artenschutzprojekts ist, bei dem vorher – als die Wisentherde noch in einem großen Gehege in Gefangenschaft lebte – bereits vier Babys geboren worden waren. Die Mutter kümmert sich vorbildlich um Quintus, der laut den Wildhütern „putzmunter“ ist. Die Ranger raten allerdings Spaziergängern, die den Tieren begegnen, besonders großen Abstand zu halten, weil die Mutter ihren Nachwuchs instinktiv schütze und daher angriffslustiger als sonst sei.

Die im April freigelassene Herde hat mittlerweile ein Gebiet in der Größe von 2000 bis 2500 Hektar für sich erschlossen. Obwohl Wisente als sehr scheu gelten, lassen sich die im Rothaargebirge ausgewilderten Tiere immer wieder von Mountainbikern und Wanderern beobachten. Alles in allem ein Projekt, das vielversprechend angelaufen ist, und dem ich weiterhin gutes Gelingen wünschen möchte.

Weitere Informationen über das Projekt findet man hier.

Wisente wieder in freier Wildbahn

Sie waren in Deutschland vor etwa 90 Jahren schon vom Aussterben bedroht. Letztlich haben wir es Zoologischen Gärten zu verdanken, dass Wisente bei uns überlebt haben. Heute gibt es wieder fast 4000 Exemplare dieses größten europäischen Landsäugetiers, die alle von 12 (!) Tieren abstammen. Experten sehen den engen genetischen Pool der mächtigen Ur-Rinder durchaus als problematisch an.

In dieser Woche wird zum ersten Mal eine Wisent-Herde in Deutschland ausgewildert: im Rothaargebirge in Nordrhein-Westfalen. Zehn Jahre hat man in das Projekt investiert, in den letzten drei Jahren wurde die Herde, die acht Tiere umfasst, gezielt auf die Auswilderung vorbereitet. Sie lebt seitdem bereits im Rothaargebirge: In einem 88 Hektar großen Gehege, wo sie von Rangern betreut wird. Diese Ranger werden am Donnerstag auch den ersten Teil des vier Kilometer langen Zaunes abbauen. Die Herde kann sich dann frei in der Gegend bewegen. Man rechnet damit, dass sie nach und nach ein Gebiet von 2000 bis 3000 Hektar für sich beanspruchen wird. Am Anfang dürften die Rinder noch ganz in der Nähe bleiben und sich erst nach und nach weiter von dem bisher eingezäunten Gelände entfernen.

Wahrscheinlich, so nehmen die Betreuer an, werden die Wisente auch immer wieder zu ihren bisherigen Futterstellen zurückkehren. Im Winter sollen sie dort auch weiterhin versorgt werden, damit die Tiere kräftig genug bleiben. Die Herde wird von einer Leitkuh und einem Bullen angeführt. Drei Wisente haben ein Halsband um, das mit einem GPS-Sender ausgestattet ist, so dass man die Tiere nicht aus dem Blick verliert. Eine wirklich hundertprozentige Auswilderung wird es nicht nur wegen der Winterfütterung nicht sein: Die Betreuer werden wegen des schon angesprochenen engen Gen-Pools der Wisente künftig auch in die Struktur der Herde eingreifen. Sobald die weiblichen Jungtiere geschlechtsreif werden, soll der Bulle ausgetauscht werden, damit es nicht zur Inzucht kommt.

Trotz dieser Einschränkungen bleibt das Ganze aber ein spannendes Projekt, das bislang von drei Universitäten wissenschaftlich begleitet wird.

Hat Ric O´Barry den "Bambi" verdient?

Die diesjährige „Bambi“-Verleihung dürfte in die Mediengeschichte eingehen: Nicht nur die Verleihung des Medienpreises an den Rapper Bushido ist mehr als fragwürdig und hat bekanntlich Proteste ausgelöst. Nein, auch dass der Preis in der Kategorie „Unsere Erde“ an Richard O´Barry für sein Engagement als Delfinschützer geht, kann man durchaus kritisch hinterfragen.

Für viele Tierschutz-Aktivisten ist O´Barry eine Art Heiliger, allerdings einer, der sich vom Saulus zum Paulus gewandelt hat. Schließlich arbeitete er einst als Delfintrainer bei der Fernsehserie „Flipper“. Gut, er hat das später bedauert; man sollte ihm das also nicht sein Leben lang immer wieder aufs Brot schmieren. Und keiner kann wohl O´Barrys Verdienst vom Tisch wischen, das er sich durch den Film „Die Bucht“ erworben hat: So wurden Millionen von Menschen auf das sinnlose Abschlachten von Delfinen in der Bucht von Taiji aufmerksam und protestierten dagegen – wenn auch leider (noch?) nicht mit großem Erfolg.

Doch O´Barry schlägt auch manchmal über die Stränge. „Auswilderung“ lautet das Zauberwort, das er in Sachen Delfinhaltung gebetsmühlenartig wiederholt und als Allheilmittel betrachtet. Dass Auswilderung aber oft gar nicht möglich ist, hat er selbst schon schmerzhaft erfahren müssen. Bei publikumswirksam inszenierten Befreiungsaktionen hat er Tieren nämlich schon schwer geschadet.

Ein Beispiel gefällig? O.k.: 1996 konnten zwei zuvor in menschlicher Obhut gehaltene Delfine wenige Tage nach ihrer  „Befreiung“ vor der Küste Floridas durch den prominenten Tierrechtler gerade noch rechtzeitig gerettet werden; sie waren schwer verletzt und stark unterernährt, weil niemand sie auf das Leben in freier Wildbahn vorbereitet hatte. Das hatte schwerwiegende Konsequenzen: O´Barry und seine Organisation wurden wegen Verstoßes gegen das Gesetz zum Schutz im Meer lebender Säugetiere und wegen Tierquälerei zur Höchststrafe von 40 000 Dollar verurteilt. Damit nicht genug: Wegen unsachgemäßer und illegaler Auswilderung bekam er eine zweite Strafe aufgebrummt: 19 500 Dollar. Und auch das von O´Barry mit ins Leben gerufene „Sugarloaf Dolphin Sanctuary“ hat man geschlossen und die Delfine beschlagnahmt. Die Behörden konnten u.a. nachweisen, dass die Tiere nicht ausreichend von Veterinären versorgt wurden.

 

Der Tiergarten und die Uralkäuze

Wenn Zoos sich an Programmen zur Arterhaltung von bestimmten Tieren beteiligen, dann ist das nicht unbedingt spektakulär und für den Zoobesucher sichtbar. Es ist aber eine wichtige Aufgabe, die zoologische Gärten zu erfüllen haben.

Der Nürnberger Tiergarten ist mit mehreren Tierarten am Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP) beteiligt, aber auch darüber hinaus engagiert er sich für bedrohte Arten. So  zum Beispiel für den Uralkauz, die seltenste Eulenart in Deutschland.

Uralkäuze kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch im Bayerischen Wald vor – das war die westlichste Spitze ihres Verbreitungsgebiets. Dann verschwanden die Vögel von der Bildfläche. Seit Mitte der siebziger Jahre läuft im Bayerischen Wald ein Projekt zur Wiederansiedlung der Uralkäuze. Der Tiergarten Nürnberg, der Uralkäuze seit Jahrzehnten mit Erfolg züchtet, beteiligt sich seit Anfang an daran und hat bisher 13 Eulen zur Auswilderung  beigesteuert. Außerdem finanziert der Tiergarten genetische Untersuchungen dieser Tierart, die von der Technischen Universität München durchgeführt werden.

Auch im Biosphärenreservat Wienerwald wurde schon eine Reihe von Uralkäuzen in die Natur entlassen, darunter auch Jungtiere aus dem Tiergarten Nürnberg. Die Auswilderung wird durch Beobachtung der Vögel – das sogenannte Monitoring – überwacht und dokumentiert. Im Wienerwald soll mit dem Aufbau einer Uralkauz-Population eine Verbindung zum Bestand dieser Tierart in Slowenien hergestellt werden. Weitere Informationen hier.

Hier ist das gewünschte Foto

Im Dezember habe ich hier über die Freilassung von Meeresschildkröten auf den Seychellen geschrieben. Die Tiere waren im Frankfurter Zoo geschlüpft. Der Beitrag stieß auf großes Interesse, und Blog-Leserin „noske“ hatte sich ein Foto von der Freilassung gewünscht. Es war nicht ganz einfach, aber für meine Leser scheue ich keine Mühe, und auch wenn es einige Zeit gedauert hat, konnte ich nun endlich ein solches Foto bekommen, das ich hiermit veröffentliche.

FreilassungGeschickt hat mir das Bild Dirk Hausen vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn, der die kleinen Karettschildkröten beim Flug von Frankfurt in ihre Heimat begleitet hat. Auf dem Foto ist Elke Talma von der Marine Conservation Society Seychelles zu sehen. Sie zeigt interessierten Kindern eine der kleinen Meeresschildkröten, die die Kinder sonst in dieser Größe nie zu Gesicht bekommen würden. Die Freilassungsaktion wurde von einem Fernsehteam aufgenommen.
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Rettungsversuch für die Breitmaulnashörner

Die Geschichte von den Meeresschildkröten, über die ich hier kürzlich geschrieben habe, hat einigen Lesern gut gefallen, weil sie einen glücklichen Ausgang hatte. Deshalb möchte ich – schließlich haben wir ja immer noch Weihnachten – heute eine Tiergeschichte nachschieben, die zumindest auf ein Happy-End hoffen lässt.

urn:newsml:dpa.com:20090101:091218-99-04550Hier ist sie: Vier der letzten acht in Gefangenschaft lebenden Nördlichen Breitmaulnashörner sind vom tschechischen Zoo Dvur Kralove in Ostböhmen ins 6000 Kilometer entfernte Naturschutzreservat Ol Petaja in  Kenia umgesiedelt worden: zwei weibliche und zwei männliche Tiere. Die dickhäutigen Kolosse wurden per Flugzeug in ihre neue Heimat gebracht und haben den Transport gut überstanden.

Diese Nashornart gilt in freier Wildbahn als „vermutlich ausgerottet“, nachdem seit mehr als einem Jahr laut Weltnaturschutzunion IUCN kein Exemplar mehr gesichtet wirde. In Zoos leben weltweit außer den bisher sechs Breitmaulnashörnern in Dvur Kravole nur noch im Zoo von San Diego zwei Exemplare.

Nun will man durch Auswilderung von Zootieren in die freie Wildbahn versuchen, die Art zu retten. So etwas  ist in der Vergangenheit beispielsweise schon mit den Przewalskipferden – den Urwildpferden – gelungen. Der Versuch zur Auswilderung von Breitmaulnashörnern ist zunächst auf drei Jahre angelegt und wird komplett von Sponsoren finanziert.

In Gefangenschaft sind seit dem Jahr 2000 alle Versuche gescheitert, das Breitmaulnashorn vor dem Aussterben zu bewahren. Zwischen 1977 und 2000 waren im Zoo von Dvur Kralove noch fünf Breitmaulnashorn-Babys zur Welt gekommen – seitdem aber keines mehr. Das ist auch ein Grund dafür, dass sich der tschechische Zoo zu der Auswilderungs-Aktion entschlossen hat. Die vier Tiere, die in den Zoos von Dvur Kralove und San Diego übrig bleiben, sind nicht mehr zeugungsfähig.