Berliner Bärin Schnute ist tot

SchnuteGute zwei Jahre nach ihrer Gefährtin Maxi ist nun auch die Berliner Bärin Schnute gestorben. Sie wurde am Sonntag im Alter von 34 Jahren eingeschläfert. Ich habe in meinem Blog das Schicksal der beiden Berliner Stadtbärinnen ja immer verfolgt, zuletzt hier, deshalb möchte ich der Vollständigkeit halber auch den Tod von Schnute vermelden.

Schnute – und vor ihrem Tod auch Maxi – lebte in einem Gehege im Köllnischen Park und hatte seit langem schon gesundheitliche Probleme. Die Bärin litt vor allem auch an einer schmerzthaften Arthrose. Ein Tierschützer hatte zuletzt gefordert, Schnute einschläfern zu lassen. Zuvor hatte es auch Pläne gegeben, dass Schnute in einen Bärenpark umziehen sollte – das wollte man dem betagten Tier dann aber doch nicht mehr zumuten. Auch wenn die Haltung von Schnute längst nicht mehr zeitgemäß war – die meisten Berliner liebten sie heiß und innig und werden jetzt bei der Nachricht vom Tod ihres Wappentiers traurig sein.

Wozu braucht Knuts Mutter eine Ethik-Kommission?

ARCHIV - Der kondensierende Atem der Eisbärin Tosca ist am 29.01.2011 im Zoologischen Garten in Berlin bei strahlendem Sonnenschein zu sehen. Foto: Kay Nietfeld/dpa (zu dpa "Mutter von Eisbär Knut soll eingeschläfert werden" vom 23.06.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++Tosca (siehe Foto), die Mutter des berühmten Eisbären Knut, ist eingeschläfert worden. Für diese Entscheidung wurde zum ersten Mal im Berliner Zoo eine Ethik-Kommission einberufen, bestehend aus Tierärzten, Tierschutzbeauftragten, Kuratoren und Pflegern. Diese Kommission hatte die Entscheidung, die fast 30 Jahre alte Eisbärin einzuschläfern, in den letzten Tagen getroffen. Tosca war mittlerweile blind, taub und hatte keinen Geruchssinn mehr. So konnte sie nicht einmal mehr selbstständig ihr Futter finden. Deshalb wollte man der Eisbären-Seniorin unnötiges Leid ersparen.

Eine Entscheidung, die in einem Zoo eigentlich zum Alltag gehört. Gut, Eisbären sind besondere – auch umstrittene – Zootiere, aber das mit der Ethik-Kommission halte ich doch für reichlich übertrieben. Warum muss man das so hoch hängen? Ist doch klar, dass Tierärzte, Pfleger und Direktion in so einem Fall gemeinsam beraten, was das Beste für das Tier ist – und entsprechend handelt man dann.

Der Medien-Hype um Toscas Sohn Knut mag die Zooleitung dazu bewogen haben, mit der Ethik-Kommission an die Medien zu gehen. Auch die Kritik am früheren Zoodirektor, der mit seinen oft herzlos wirkenden Statements über seine Zootiere und über Zoos im Allgemeinen ein schlechtes Bild abgab. Aber eine Ethik-Kommission für Tiere ist in meinen Augen zu viel der Ehre. Und ich bin wirklich eine große Tierfreundin!

Tosca soll nun in das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) gebracht werden, wo Pathologen den Grund ihrer Krankheit untersuchen sollen.  Da frage ich mich auch: Was soll schon der Grund gewesen sein – Tosca war einfach altersschwach! In freier Wildbahn werden Eisbärenweibchen 25 bis 30 Jahre, also hatte sie ein stolzes Alter erreicht. Tosca wurde 1986 in Kanada geboren, gehörte später zum Staatszirkus der DDR und kam 1998 in den Berliner Zoo. Dort lebt jetzt nur noch eine Eisbärin, ebenfalls eine „alte Dame“: die 30-jährige Katjuscha. Da Eisbären Einzelgänger sind, kann sie ihren Lebensabend gut allein im Zoo verbringen – vielleicht sogar besser, als wenn es manchmal zu Streit zwischen den Tieren kommt. Das war in der Vergangenheit manchmal der Fall gewesen.

Knut ist seit vergangenem Jahr übrigens auch wieder in Berlin: Im Naturkundemuseum in der Invalidenstraße kann man ihn als Präparat bewundern.

Wohin mit Schnute und Maxi?

In Berlin begegnet man auf Schritt und Tritt dem Berliner Bären in allen Variationen. Das Wappentier der Stadt ist bei den Einwohnern aber auch in Form von echten Tieren besonders beliebt. In der Hauptstadt leben nicht nur in den beiden Zoos Bären. Es gibt auch die zwei Stadtbären – respektive Stadtbärinnen – Schnute und Maxi.

Die beiden alten Bärendamen haben schon 31 bzw. 26 Jahre auf dem Buckel und leben seit 1986 in einem Zwinger im Köllnischen Park, in der Nähe des Märkischen Museums. Der Bärenzwinger ist noch viel älter als die Tiere. Er stammt aus dem Jahr 1939. Tiergehege aus dieser Zeit entsprechen nicht den Anforderungen, die der Tierschutz heute stellen würde. Und so fordern Tierschützer eine artgerechtere Unterbringung von Schnute und Maxi in einer neuen Anlage. Sie haben sich zum „Berliner Bärenbündnis“ zusammengeschlossen, das Freiheit für Schnute und Maxi fordert.

Doch der Berliner Bezirk Mitte hat kein Geld und muss sparen. Deshalb gibt es Pläne, die zwei Braunbären ganz abzugeben. Zur Diskussion steht ein Park in Mecklenburg. Diese Überlegungen haben wiederum den Verein der Berliner Bärenfreunde auf den Plan gerufen. Sie räumen zwar ein, dass der Zwinger zu klein ist, möchten aber trotzdem, dass Schnute und Maxi bleiben, wo sie sind. Schließlich seien sie seit Jahrzehnten an ihre Umgebung gewöhnt. Sie seien auch zu alt für einen Umzug, man könne ihnen zum Beispiel keine Narkose mehr zumuten.

Das Bärenthema hat sich längst zum Politikum entwickelt, die Emotionen auf beiden Seiten kochen hoch. Der Bezirksbürgermeister befindet sich in einem Dilemma. Denn egal, wie die Entscheidung ausfällt – immer wird es auf einer Seite erboste Kritik daran geben.

Bruno lebt im Museum weiter

Heute vor fünf Jahren wurde der als „Problembär“ eingestufte Braunbär Bruno abgeschossen. Tierfreunde werden sich bestimmt erinnern: Bruno – amtlich war er unter der Bezeichnung JJ1 registriert – war von Italien nach Bayern eingewandert.

Es war der erste frei lebende Bär, der über 170 Jahre nach Ausrottung der Braunbären in Deutschland gesichtet wurde. Das war im Mai 2006. Nachdem er in Oberbayern Schafe, Hühner und Tauben gerissen hatte, wurde Protest in der Bevölkerung laut. Man befürchtete auch, dass er Menschen angreifen könnte. Zunächst versuchten finnische Jäger, die Erfahrung mit der Bärenjagd haben, mit Hilfe von Spürhunden, Bruno lebend zu fangen. Doch das missglückte. Nach etwa fünf Wochen wurde Bruno schließlich zum Abschuss freigegeben. Ein Jäger erlegte ihn im Rotwandgebiet beim Spitzingsee.

Bruno wurde ausgestopft und ist seit drei Jahren im Museum Mensch und Natur in München ausgestellt. Dort hat man ihn in eine Szenerie mit einem Bienenstock eingebaut: Bruno beim Honigschlecken. Außerdem gibt es ein Video, das die Wanderroute von Bruno zeigt, Zeitungsausschnitte mit Berichten über Bruno und seine Lebensgeschichte zum Nachlesen. An einer eigenen Wand findet man auf  Zetteln Kommentare zum Tod von Bruno. Vor dem fünften Todestag haben Museumsbesucher dort wieder neue Meinungsäußerungen hinterlassen.

Experten gehen davon aus, dass sich vorerst keine Bären dauerhaft in Bayern ansiedeln werden. Im gesamten Alpenraum sollen zurzeit an die 40 Braunbären leben, größtenteils gehören sie zu einem Wiederansiedlungsprojekt in Oberitalien. Einige Bären kommen auch immer wieder für ein paar Monate von Slowenien ins Grenzgebiet nach Österreich.

 

Vom Leben mit den Bären

Während es im Film für Bär Bruno ein Happy-End gab, haben seine Artgenossen in der Realität weniger Glück. Und das nicht nur in Bayern, wo der echte Bruno niedergestreckt wurde, sondern auch in Österreich: Auch dort sind in den Alpen eigens wiederangesiedelte Braunbären einfach abgeschossen worden. Das haben Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelt, und der WWF hat es nun publik gemacht.

Im Großraum Ötscher sind demnach zwischen 1994 und 2007 zumindest ein paar von den 20 ausgewilderten Bären illegal beseitigt worden. Blickt man auf ganz Österreich, so sind von den ursprünglich 35 dort lebenden Bären laut WWF nur noch zwei männliche Exemplare übrig. Die streifen durch die Wälder der Nördlichen Kalkalpen in den Bundesländern Niederösterreich, Steiermark, Oberösterreich und Salzburg. Hundertprozentig nachweisen konnte man den ungesetzlichen Abschuss aber bisher nur in einem Fall in Niederösterreich, wo es eine junge Bärin erwischt hat.

Auch am Dachstein wurde im vergangenen Sommer ein Bär gesichtet. Und nicht nur das: Er hat dort ungefähr 80 Schafe gerissen. Der Vermieter der Ferienwohnung, in der ich immer meinen Winterurlaub verbringe, ist ihm begegnet – allerdings war der Petz mindestens 100 Meter von ihm entfernt. Und da er seinen Hunger durch Schafe schon gestillt hatte, war die Situation wohl auch nicht sehr gefährlich. Für die Besitzer der Schafe ist aber ein ziemlich großer Verlust entstanden, den ihnen niemand – auch keine Versicherung – ersetzt.

Nach Meinung von Fachleuten des WWF ist nicht nur das verbotene Abschießen der Braunbären daran schuld, dass ihr Bestand so stark zurückgegangen ist. Man habe am Anfang auch zu wenige Bären ausgesetzt, um eine überlebensfähige Bärenbevölkerung aufzubauen. Deshalb wollen die Tier- und Naturschützer versuchen, deutlich mehr Bären in den Alpen anzusiedeln als bisher. Wenn das gelingt, werden allerdings auch neue Probleme auftauchen. Denn unser mitteleuropäischer Alpenraum ist inzwischen viel dichter besiedelt als früher, und das Nebeneinander von Tieren, Pflanzen und Menschen nicht mehr so einfach.