Wie bei den „Zehn kleinen Negerlein“

Der Wolf ist zurück. Eine Tierart, die ein Jahrhundert lang als bei uns ausgestorben galt. Die wir nur noch aus dem Märchen kannten, und zwar als „bösen Wolf“. Oder aus Zoologischen Gärten. Belesenen Zeitgenossen dürfte auch noch die Figur des Isegrim ein Begriff sein, ein Fabelwesen aus dem Epos Reineke Fuchs. Und dann haben die meisten von uns – zumindest hier in Bayern – auch schon mal die Wölfe im Nationalpark Bayerischer Wald gesehen. In freier Wildbahn hingegen, beispielsweise im „dunklen Wald“ (ebenso aus dem Märchen bekannt), da ist uns höchstens mal ein Fuchs begegnet.

Seit sich hierzulande die ersten Wölfe zögerlich in der Natur wieder angesiedelt haben, machen wir allerdings ein Riesenproblem daraus – ähnlich wie bei den Bären. Ich erinnere nur an den „Problembären“ Bruno. Der Wolf reiße Schafe, falle Touristen an, bedrohe die Existenz des Viehbestands von Bergbauern und sei überhaupt eine Gefahr für den Menschen. So liest und hört man es in den Medien. Und jetzt auch noch aus dem Nationalpark (bei Lindberg im Landkreis Regen) freigelassene Wölfe! Dass sich aus diesem Vorfall eine Tragödie entwickeln würde, war Tierfreunden wie mir von dem Augenblick an klar, als die Nachricht von der rätselhaften „Befreiungsaktion“ der sechs Tiere die Runde machte. weiter lesen

Um den Fischotter tobt ein Streit

In Niederbayern ist ein Streit entbrannt, der schwer zu lösen sein dürfte. Es geht um den Fischotter. Die Teichwirte im Bayerischen Wald beklagen in diesem Jahr eine wahre Fischotter-Plage. Weil ihnen die Otter die Fische aus ihren Teichen wegfressen würden, fühlen sich manche in ihrer Existenz bedroht.

Nun steht der Fischotter in Bayern auf der Roten Liste für gefährdete Arten. Eine Zeitlang befürchtete man sogar sein Aussterben. Mittlerweile hat sich der Bestand in manchen Regionen allerdings recht gut erholt. Für manche zu gut. Die Teichwirte jedenfalls und zuständige Fischereifachberater sind der Ansicht, dass die Otter überhandnehmen. Angeblich fangen sie nicht nur die Fischmengen, die sie wirklich benötigen, sondern würden alle Fische umbringen, die ihnen über den Weg schwimmen. Neben einigen Teichen sollen die Otter ihre Beute sogar regelrecht zu Haufen aufgetürmt haben. Inzwischen hat bereits eine Reihe von Teichwirten aufgegeben und den Betrieb eingestellt.

Genaue Zahlen zu den Otterbeständen liegen laut bayerischem Forstministerium zurzeit nicht vor. Man verspricht einen Bestandsbericht für den Bayerischen Wald, der in einigen Wochen erscheinen soll. Geschädigte Teichwirte fordern inzwischen sogar Schadensersatz von der Staatsregierung. Und: Einge Fischereivereine verlangen, das für den Fischotter geltende Jagdverbot wieder aufzuheben.

Dagegen läuft wiederum der Naturschutzbund Deutschland (NABU) Sturm. Dort hält man die Klagen über die Otter für überzogen. Der NABU ist der Auffassung, Teichwirte und auch einige Politiker machten den Fischotter zum Sündenbock, um von Problemen beim Fließwässerschutz abzulenken. Manche der Schwierigkeiten seien eindeutig vom Menschen verschuldet, nicht vom Otter. Die Naturschützer kritisieren zum Beispiel, in vielen Teichen würden natürliche Versteckmöglichkeiten fehlen und viel zu viele Fische gehalten. Die Otter würden auf die Massentierhaltung dann eben auf ihre Weise reagieren.

Ich glaube kaum, dass das Thema schnell vom Tisch sein wird. Der Streit dürfte noch weiter eskalieren und sich noch eine ganze Zeit lang hinziehen. Hoffentlich suchen die Teichwirte nicht ihr Heil in der Selbstjustiz und schießen einfach Otter ab, wenn es ihnen zu viel wird!

Der Tiergarten und die Uralkäuze

Wenn Zoos sich an Programmen zur Arterhaltung von bestimmten Tieren beteiligen, dann ist das nicht unbedingt spektakulär und für den Zoobesucher sichtbar. Es ist aber eine wichtige Aufgabe, die zoologische Gärten zu erfüllen haben.

Der Nürnberger Tiergarten ist mit mehreren Tierarten am Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP) beteiligt, aber auch darüber hinaus engagiert er sich für bedrohte Arten. So  zum Beispiel für den Uralkauz, die seltenste Eulenart in Deutschland.

Uralkäuze kamen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch im Bayerischen Wald vor – das war die westlichste Spitze ihres Verbreitungsgebiets. Dann verschwanden die Vögel von der Bildfläche. Seit Mitte der siebziger Jahre läuft im Bayerischen Wald ein Projekt zur Wiederansiedlung der Uralkäuze. Der Tiergarten Nürnberg, der Uralkäuze seit Jahrzehnten mit Erfolg züchtet, beteiligt sich seit Anfang an daran und hat bisher 13 Eulen zur Auswilderung  beigesteuert. Außerdem finanziert der Tiergarten genetische Untersuchungen dieser Tierart, die von der Technischen Universität München durchgeführt werden.

Auch im Biosphärenreservat Wienerwald wurde schon eine Reihe von Uralkäuzen in die Natur entlassen, darunter auch Jungtiere aus dem Tiergarten Nürnberg. Die Auswilderung wird durch Beobachtung der Vögel – das sogenannte Monitoring – überwacht und dokumentiert. Im Wienerwald soll mit dem Aufbau einer Uralkauz-Population eine Verbindung zum Bestand dieser Tierart in Slowenien hergestellt werden. Weitere Informationen hier.

Die mit den Wölfen leben

WolfUnsere Welt ist gläsern geworden: Wer an Daten herankommen will, kriegt sie auch: Das Paradies auf Erden für gezielte Kundenwerbung. So flatterte mir dieser Tage eine Karte aus Freyung ins Haus, die mich zu einem Natur-Erlebnis-Wochenende unter dem Motto „Auf den Spuren der Wölfe“ in den Bayerischen Wald locken soll.

Klingt nicht schlecht, muss ich zugeben: Geführte Tour durch das Tierfreigelände mit Besuch des Wolfsgeheges, das ist natürlich für mich der interessanteste Programmpunkt. Und das Schlossfest rund um das Schloss Wolfstein klingt ebenfalls recht vielversprechend. Auch die nicht wolfspezifischen Ausflugsziele treffen genau meinen Geschmack: Besichtigung des weltweit längsten Baumwipfelpfades mit 44 Meter hohem Baumturm. Dort wollte ich schon immer mal hin, seit meine Kollegen in der „Nürnberger Zeitung“ darüber einen Artikel veröffentlicht haben. Schließlich stelle ich mir auch die geführte Wanderung durch die Wildbachklamm „Buchberger Leite“ sehr reizvoll vor, die als eine der beeindruckendsten Schluchtenlandschaften Bayerns angepriesen wird.

Und dass dann obendrein ein gefüllter Rucksack unter dem Motto „Hungrig wie ein Wolf “ zu den „Inklusivleistungen“ gehört – ich muss mich wirklich wundern: Woher kennen die nur alle meine Vorlieben? Ist man im – von uns Mittelfranken oft ein wenig hochnäsig so genannten -Bayerisch Kongo derart vertraut mit den Wölfen, dass sogar die Tourist-Information genau weiß, wie sie unsere Art am einfachsten um den Finger wickelt? Es scheint so: Die mit den Wölfen leben, kennen eben am besten wölfische Stärken und Schwächen.

Vielleicht sollte ich mir ernsthaft überlegen, mein Blog „Achtung, Wolf!“ umzubenennen? Lieber irgendeinen Tarn-Namen suchen? – Aber das ist ja das Problem: Wölfe können sich schlecht verstellen – sonst wären wir womöglich Füchse. Und das wäre dann eine ganz andere Geschichte…