Neue Hoffnung für den Artenschutz

Über Artenschutz habe ich in diesem Blog immer wieder geschrieben. Meist ging es dabei um Probleme bei der Umsetzung. Jetzt gibt es zu diesem Thema mal eine gute Nachricht.

Bisher haben Wissenschaftler eine sehr hohe Messlatte angelegt, wenn es darum ging, eine Zahlengrenze festzulegen, ab der sie gefährdeten Tierarten noch Überlebenschancen in der Zukunft einräumen. Die meisten Forscher haben sehr rigoros eine Meinung vertreten: Für Arten, bei denen es einen enormen Aufwand erfordern würde, eine Population von 5000 zu erreichen, gebe es keine Hoffnung mehr. Man sollte dann die für Artenschutzprojekte vorhandenen Gelder lieber für andere Tiere einsetzen.

Jetzt aber hat sich ein Team britischer Wissenschaftler der Uni Durham auf eine andere Aussage festgelegt: Die Anzahl von Tieren einer gefährdeten Art wirkt sich nicht unbedingt auf ihre Überlebenschancen aus. In einer neuen Studie haben sie herausgefunden, dass die Populationsgröße, die eine Art für ihr langfristiges Überleben benötigt, sowohl innerhalb einer Art als auch zwischen den Arten unterschiedlich sein kann. Ein wichtiger Faktor dabei sind etwa die Bedingungen, unter denen die Tiere leben. Wenn die Tiergruppen einigermaßen stabil sind, würden schon Hunderte von Einzeltieren genügen, damit die Art nicht ausstirbt. Die Ergebnisse der Untersuchung sind in der Zeitschrift „Trends in Ecology und Evolution“ veröffentlicht.

Da könnte man also direkt Hoffnung schöpfen für Arten, von denen es nur noch sehr wenige Exemplare gibt, zum Beispiel für die schätzungsweise noch 450 Sibirischen Tiger oder die rund 1000 Berggorillas – wenn nicht wieder andere Wissenschaftler zu einem ganz anderen Ergebnis kommen!

Ein Silberstreifen am Horizont

urn:newsml:dpa.com:20090101:101208-99-02602Sie zählen zu den Tierarten auf unserer Erde, die am stärksten vom Aussterben bedroht sind: die Berggorillas. In den letzten Jahren gab es eigentlich immer nur neue Hiobsbotschaften, wenn es um ihren Bestand ging. Der nahm nämlich stetig ab. Trotzdem ging die Jagd auf diese faszinierenden Tiere ebenso weiter wie die Zerstörung ihres Lebensraums durch Abholzen von Bäumen.

Jetzt können Tierschützer endlich einmal eine gute Nachricht über diese Menschenaffen vermelden: Bei der neuesten Zählung von afrikanischen Berggorillas im Grenzgebiet zwischen Kongo, Ruanda und Uganda sind sie auf 480 Exemplare gekommen – das sind immerhin 100 Tiere mehr als bei der letzten Zählung dort, die  im Jahr 2003 stattfand.

Solche Zählungen werden mit sehr großem Aufwand durchgeführt, so dass man von einem korrekten Ergebnis ausgehen kann. Diesmal haben sechs Gruppen von Experten die Regenwälder der Vulkanberge des Virunga-Massivs auf einer Strecke von über 1000 Kilometern durchkämmt. In das Ergebnis der Zählung sind außer den Tieren, die direkt gesichtet wurden, auch eingesammelte Dungproben eingegangen. Auf diese Weise konnte man mit Hilfe von DNA-Tests die Tiere identifizieren.

So positiv die neue Zählung von Tierschutz-Organisationen wie etwa dem WWF bewertet wird: Jetzt darf man sich nicht auf der etwas verbesserten Situation ausruhen. Nach wie vor muss alles Menschenmögliche unternommen werden, um Wilderei und Abholzung der Regenwälder einzudämmen, damit sich der Berggorilla-Bestand weiter erholen kann. Denn weltweit schätzt man die Zahl der Berggorillas gerade mal auf 780 Tiere. Mehr als der berühmte Silberstreifen am Horizont ist die neueste Gorilla-Zählung im Virunga-Massiv also nicht.

Fernsehtipp: Berggorillas – nicht im Nebel

berggorillaAb und zu gebe ich hier ja gerne einen Tipp, wenn im Fernsehen ein vielversprechender Tierfilm gezeigt wird. Ich hoffe, das ist bei folgendem Streifen auch der Fall: Morgen, 14. Februar, strahlt das SWR Fernsehen um 17.15 Uhr in der Reihe „Länder – Menschen – Abenteuer“ einen Beitrag aus über „Berggorillas, Ugandas sanfte Riesen“.

Die Gorillaforscherin Martha Robbins sagt über sich selbst, sie sei eher zufällig an die Promatenforschung geraten. Egal – immerhin hat sie es zu einer der anerkanntesten „Primatologinnen“ auf der Welt gebracht. Sie erforscht im Auftrag des Max-Planck-Instituts Berggorillas in Ostafrika – und zwar in einer der gefährlichsten Krisenregionen der Welt. Auf ugandischer Seite wurde in den ältesten Urwäldern unserer Erde ein Gorilla-Schutzgebiet eingerichtet. Dort leben derzeit um die 320 Berggorillas – das ist rund die Hälfte der überhaupt noch existierenden Exemplare dieser Art.

Martha Robbins hat seit zehn Jahren einen 15-köpfigen Gorillaverband beobachtet und alle Verhaltensmuster dokumentiert. Da spielen sich anscheinend Dramen ab wie in einer Doku-Soap, Freundschaften und Feindschaften entstehen in guten wie in schlechten Zeiten, es geht um Liebe und Hass, Leidenschaft, Leben und Tod.

In dem Gebiet leben aber auch Menschen: Waldbewohner wie zum Beispiel die Batwa. Martha Robbins versucht, sie in die Naturschutzprojekte mit einzubeziehen. All das soll in dem Film zu sehen sein. Ein Team von „Länder – Menschen – Abenteuer“ hat die berühmte Wissenschaftlerin bei ihrer Arbeit begleitet. Sind wir mal gespannt, wie das Ergebnis ist!