Hackordnung wie im Hühnerstall

Der Berliner Zoo kommt einfach nicht zur Ruhe seit Knut(s Tod). Mit dem Nachfolge-Männchen für den im März verendeten Eisbär-Superstar gibt es nun offenbar auch Probleme. Die Medien in Berlin springen gern auf das Thema auf, hier zum Beispiel.

„Troll“ heißt der neue Knut und kommt aus dem früheren Ostberliner Zoo, dem Tierpark in Friedrichsfelde. Troll ist aber kein Teenager mehr, sondern ein gestandener Eisbärenmann. Und das führt dazu, dass unter den Damen im Eisbärengehege ein Kampf um die Rangordnung ausgebrochen ist – kennt man ja bei Menschen auch (Stichwort „Zickenkrieg“). Sogar zu ausgeschlagenen Zähnen soll es unter den drei Weibchen Nancy, Katjuscha und Tosca (der Mutter von Knut) schon gekommen sein.

Besucher wiederum stehen am Gehege und zeigen sich entsetzt ob der Szenen, die sich dort abspielen. Tierschützer und solche, die sich selbst dazu ernannt haben, schreiben Protestbriefe an den Aufsichtsrat des Berliner Zoos. Sie wollen die Beißereien nicht länger ertragen und werfen dem Zoo sogar vor, er würde mit der neuen Zusammenstellung der  Eisbärengruppe einen „Tierversuch“ vor den Augen der Besucher durchführen.

Die Situation ist schwierig. In freier Natur sind Eisbären Einzelgänger, Mann und Frau treffen nur zur Paarung aufeinander und gehen dann wieder ihre eigenen Wege. Der Berliner Zoo möchte nach bzw. trotz Knut weiter Eisbären züchten. Also sorgt man für eine Begegnung zwischen den Eisbärendamen und Troll. Vielleicht wäre es besser, jeder aus dem Trio ein einzelnes Date mit Troll zu verschaffen, um blutige Auseinandersetzungen zu vermeiden? – Ich fürchte, dazu hat der Zoo nicht die räumlichen Voraussetzungen auf der Eisbärenanlage.

Die Besucher wollen Rangkämpfe, wie sie in der Natur – bei unterschiedlichsten Tieren und sowohl unter Weibchen als auch Männchen – vorkommen, anscheinend im Zoo nicht sehen. Sie zimmern sich mit Unterstützung der Boulevard-Presse ihre eigene heile Tierwelt zusammen. „Tosca darf endlich wieder knutschen“: Solche Schlagzeilen lesen sich auch in der Zeitung besser als „Beißereien im Eisbärengehege“. Knut passte da durch sein enges Verhältnis zu seinem „Ziehvater“ Thomas Dörflein gut ins Schema.

Vielleicht gibt es wahre Eisbärenliebe ja gar nicht unter Eisbären, sondern nur zwischen Mensch und Eisbär, wer weiß?

Streit um das Fell des Bären

Viereinhalb Monate ist der Tod des berühmten Eisbären Knut im Berliner Zoo jetzt her. Und nach wie vor gibt es ein Hickhack um die Frage, in welchem Rahmen das Naturkundemuseum in Berlin eine Möglichkeit für Abertausende Knut-Fans einrichtet, um sich an ihren Liebling zu erinnern. Schon kurz  nach Knuts Ableben hatte die Debatte begonnen – ich habe damals hier auch darüber geschrieben.

Immer noch liegen Knuts Fell und  Skelett sozusagen auf Eis. Genauer: Sie ruhen in einer speziellen chemischen Lösung in einer Kühlbox. Ursprünglich sollte Knut den Museumsbesuchern in ausgestopfter Form gezeigt werden. Doch der Tierpräparator konnte mit seiner Arbeit noch nicht beginnen, weil unklar ist, wie der bärige  Megastar präsentiert werden soll.

Es hatte nämlich zahlreichen Protest dagegen gegeben,  Knut auszustopfen – vor allem im Internet, aber auch vor dem Berliner Zoo mit einer Demonstration. Im Naturkundemuseum tüftelt man nun an einer Lösung, mit der man es allen Seiten recht machen kann. Gedacht wird offenbar daran, den ausgestopften Knut in Zusammenhang zu bringen mit dem Thema Klimaerwärmung und deren teils katastrophalen Folgen für Tiere (und auch für den Menschen).

Wie die Lösung auch aussehen mag – auf jeden Fall müssen sich alle Knut-Fans noch eine ganze Weile gedulden. Denn vor nächstem Jahr dürfte dieses Konzept kaum umgesetzt sein.

Wieder ein Todesfall im Berliner Zoo

Schon wieder gibt es eine Hiobsbotschaft aus dem Berliner Zoo.  Nur zweieinhalb Wochen nach dem Tod des berühmten Eisbären Knut ist ein weiterer Publikumsliebling gestorben: die Elefantenkuh Shaina Pali. Sie lag heute früh tot in ihrem Stall. Das Tier kam 2005 im Berliner Zoo zur Welt. Nebenstehendes Foto zeigt Shaina Pali an ihrem ersten Geburtstag, an dem sie vor begeisterten Zoobesuchern eine Gemüsetorte verspeisen durfte.

Während vonseiten des Zoos noch keine Angaben über die Todesursache gemacht werden – eine Sprecherin hat auf die Sektion des Tieres verwiesen, die Klarheit darüber bringen soll – gibt es bereits Spekulationen, dass Shaina Pali an einer Herpes-Virus-Infektion gestorben sein könnte. Dass eine solche Erkrankung äußerst tückisch verlaufen kann, räumte auch die Zoosprecherin ein.

Im Berliner Zoo hat man außerdem bereits schlimme Erfahrungen mit dieser Erkrankung gemacht. Shaina Pali war die Tochter von Elefantenkuh Pang Pha. Die hatte in dem Zoo schon einmal ein Baby zur Welt gebracht, das im Jahr 2000 an den Folgen einer Herpes-Virus-Infektion gestorben ist. Und auch der Vater dieses kleinen Elefanten erlag einer  solchen Infektion. Die Spekulationen, dass dieses Virus auch am Tod von Shaina Pali schuld sein könnte,  sind also nicht weit hergeholt.

 

Hirndefekt führte zu Knuts Tod

Jetzt ist es also amtlich: Das Ergebnis der Sektion des Berliner Eisbär-Stars Knut liegt vor. Darin wird bestätigt, dass Knut an einem Defekt des Gehirns gestorben ist, wie bereits in der vergangenen  Woche schon angenommen wurde.

Nach neuesten Erkenntnissen hat Knut einen Anfall erlitten, der durch eine Erweiterung der Hirnwasserkammern ausgelöst wurde. Dadurch haben sich die Druckverhältnisse im Gehirn stark verändert. Knut ist demnach offenbar schnell gestorben. Als er in das Wasserbecken seines Geheges stürzte, war er aber noch nicht tot.  Deshalb konnte noch Wasser in seine Lunge gelangen. Ertrunken ist er jedoch nicht, das hat die Sektion eindeutig ergeben.

Damit sind endgültig alle Spekulationen vom Tisch, dass Knut sterben musste, weil ihn die drei Berliner Eisbär-Damen so sehr gestresst hätten. Dieses Gerücht kursierte bei Knut-Fans in aller Welt. Auch ein Gendefekt als Todesursache kann nach dem Obduktionsergebnis ausgeschlossen werden. Und der Verdacht, dass Knut infolge eines epileptischen Anfalls starb, hat sich ebenfalls nicht erhärtet.

Traurig bleibt die Geschichte allemal, und der Berliner Zoo wird wohl noch eine ganze Weile daran zu knabbern haben.

Knut hat kein Glück mit den Frauen

urn:newsml:dpa.com:20090101:101019-10-11439Auch ein Eisbärenleben kann ganz schön hart sein. Das sieht man am Beispiel von Eisbär Knut im Berliner Zoo, der in seinem erst vier Jahre währenden Leben schon einiges wegstecken musste. Das begann schon kurz nach der Geburt, als seine Mutter Tosca ihn verstieß. Kaum hatte sich Knut an seinen menschlichen Elternersatz in Person von Tierpfleger Thomas Dörflein gewöhnt, erlitt der einen Herzinfarkt und starb. Später musste Knut bei seiner ersten Begegnung mit einem weiblichen Eisbären, es war Gianna aus München, eine schallende Ohrfeige einstecken.

Und jetzt wird er auch noch von den drei Eisbärdamen, mit denen er seit einiger Zeit das Gehege teilen muss, gemobbt. Seine eigene Mutter Tosca (24 Jahre alt) gehört zu diesem „Trio infernal“, außerdem die gleichaltrige Katjuscha und die 21-jährige Nancy. Sie führen immer wieder Attacken gegen den jungen Bären. Mal brüllen sie ihn laut an, mal beißen sie ihn – wenn auch nicht lebensbedrohlich, aber doch so, dass Knut es durch sein dickes Fell hindurch spürt. Der Ärmste scheint schon komplett eingeschüchtert und zieht sich oft auf einen schmalen Felsen oder in den – bei den Damen weniger begehrten – unteren Bereich des Geheges zurück, um seine Ruhe zu haben. Er kann sich einfach nicht gegenüber den drei kräftigen Bärinnen durchsetzen. Trotz der vielen kleinen Raufereien im Gehege spekuliert die Zooleitung immer noch darauf, dass Knut der neue Zuchtbulle in Berlin werden soll.

Doch zumindest im Augenblick ist Knut noch längst nicht so weit, um diese Aufgabe übernehmen zu können. Er müsste vor allem an Gewicht zulegen. Mit seinen 270 Kilo, die er jetzt auf die Waage bringt, ist er der weiblichen Übermacht nicht gewachsen. Und er interessiert sich auch viel stärker für die menschlichen Besucher als für seine Artgenossinnen. Möglicherweise sind ihm die drei auch zu alt. Das haben anscheinend auch Knuts Betreuer schon überlegt. Sie suchen jetzt in ganz Europa nach einer jüngeren Gespielin für Knut. Von Flocke war bislang nicht die Rede. Trotzdem darf man gespannt sein, wie es mit Knut und seinem schwierigen Verhältnis zu den Frauen weitergeht.

Eisbären-Karussell dreht sich

urn:newsml:dpa.com:20090101:100801-99-01867Jetzt dreht es sich wieder, das Eisbären-Karussell in der deutschen Zoolandschaft. Angeschoben haben es der Berliner Zoo und der Münchner Tierpark Hellabrunn: Die Münchner Eisbärin Gianna, die fast ein Jahr lang dem berühmten Eisbären Knut in Berlin Gesellschaft geleistet hat, ist wieder nach München zurückgekehrt. Dort ist die Eisbären-Anlage umgebaut worden.

Damit wurden die Spekulationen vieler Knut-Fans zunichte gemacht, die immer noch gehofft hatten, die beiden Tiere würden ein Paar werden. Da hat es wenig genützt, dass sowohl der Berliner Zoo als auch der Tierpark Hellabrunn immer wieder betont hatten, Knut und Gianna würden sozusagen nur eine vorübergehende Zweckgemeinschaft eingehen. Vor allem die eingefleischten Anhänger von Knut vermenschlichen ihren Liebling und hätten gern Schlagzeilen wie „Knut und Gianna: Die große Eisbären-Liebe“.
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Eisbärenhaltung in der Kritik

urn:newsml:dpa.com:20090101:100621-10-10421Das ist Wasser auf die Mühlen von „Peta“ (Menschen für den ethischen Umgang mit Tieren): Im Zoo von Wuppertal ist eine über 20 Jahre alte Eisbärin namens Jerka gestorben. Die Todesursache ist trotz Obduktion unklar. Man vermutet, dass eine Lebererkrankung zum Tod des Tieres geführt hat.

Unter einer Lebererkrankung hat möglicherweise auch Eisbär Lars kürzlich gelitten, der Vater des berühmten Knut. Er war im vergangenen Herbst aus dem Berliner Zoo nach Wuppertal umgezogen, um dort mit Jerka zusammen für Eisbären-Nachwuchs zu sorgen. Nach Angaben der Zooleitung geht es ihm mittlerweile wieder besser.

Nun hängen sich „Peta“-Vertreter an den Tod von Jerka, um wieder einmal gegen die Haltung von Eisbären in Zoos zu wettern. Es sei sehr merkwürdig, dass die Bärin in einem für Eisbären jungen Alter gestorben sei.  – Dass viele der in freier Natur lebenden Eisbären schon viel früher sterben, weil ihre Lebensbedingungen durch die Erderwärmung immer schlechter werden, darauf ging man seitens „Peta“ natürlich nicht ein.
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Flocke geht weg – Kritik am Tiergarten

Unsere «Flogge» verlässt Nürnberg bald. Mit dieser Entscheidung können sich manche Eisbären-Fans nur schwer anfreunden. Der Tiergarten steht bei ihnen in der Kritik, weil er angeblich sein Zugpferd gehen lässt. Und auch das «Marineland» in Antibes  (Südfrankreich), wo Flocke eine neue Heimat finden soll, halten einige für keine gute Wahl. Was ist dran an den Vorwürfen?

Er verliert die Geduld nicht, wenn er immer wieder aufs Neue erklären muss, warum die beliebte Eisbärin nicht am Schmausenbuck bleiben kann: Der stellvertretende Zoochef Helmut Mägdefrau verteidigt die Entscheidung des für Eisbären zuständigen Koordinators im Europäischen Erhaltungszucht-Programm (EEP), dass Flocke und Rasputin an die Côte d’Azur ziehen sollen. Im EEP wird europaweit geplant – lokale Vorlieben für ein bestimmtes Zootier kann da niemand berücksichtigen.

flockerasputinAußerdem betont die Tiergartenleitung, dass sie es für eine sehr gute Lösung hält, wenn Flocke mit ihrem Gefährten Rasputin (beide auf nebenstehendem Foto)  weiter zusammenbleibt, nachdem sich die beiden so gut aneinander gewöhnt haben. Dem Argument, Berlin hätte sich niemals von Knut getrennt wie Nürnberg nun von Flocke, weil man in der Hauptstadt auf eine solche Besucherattraktion nicht verzichten würde, hält Mägdefrau Folgendes entgegen: In Nürnberg hat Flocke zwar in ihrem ersten Jahr für ein Besucher-Plus von 19 Prozent gesorgt, im zweiten, als sie kein knuddeliges Baby mehr war, aber nicht mehr.

Mittlerweile kursiert über das «Marineland» das Gerücht, es sei eine Einrichtung, die mit enormem Energieaufwand betrieben werde. Dieser Zoo in Antibes hat sich auf Meeresbewohner wie Orcawale, Delfine, Robben, Haie, Pinguine und Seewasserfische spezialisiert. Kürzlich hat sich eine Frau aus Nürnberg verärgert an den Artenschutzbeauftragten des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland gewandt: Ausgerechnet Flocke, die zur «Botschafterin für den Klimaschutz» auserkoren wurde, gehe in einen «vollklimatisierten» Zoo. – Hat der Tiergarten versäumt, sich vorher in Sachen Klimaschutz über die Einrichtung zu informieren?

«Nein», sagt Mägdefrau und holt ein wenig aus. Für Eisbären werde in Antibes gerade die europaweit einzige Meerwasser-Anlage gebaut. Die funktioniert so: Man pumpt Wasser aus der Tiefe des Meeres, das ganzjährig eine konstante Temperatur von 14 Grad Celsius hat, und leitet es in die Eisbären-Anlage. Die Innenställe der Bären werden laut Mägdefrau zwar eine Klimaanlage besitzen, «aber nur für den Notfall, zum Runterkühlen, wenn es mal zu heiß wird». Aus dem Zoo San Diego wisse man jedoch, dass dies unter ähnlichen klimatischen Bedingungen so gut wie nie nötig sei – die «Weißen Riesen» bleiben bei großer Hitze einfach draußen.

Entgegen der weitverbreiteten Meinung, Eisbären bräuchten es kalt, hat man in Nürnberg ganz anderes beobachtet: Flocke und Rasputin, ebenso wie Vera, lieben die Wärme. «Selbst in der brütenden Mittagshitze legen sie sich auf die heißen Felsen in ihrer Anlage und sonnen sich. Da sind sie wie die Deutschen in Rimini», scherzt Mägdefrau.

Zurück zur Frage des Klimaschutzes im «Marineland» Antibes: Dort sei vor einem Jahr eine neue Abteilung für umweltfreundliches Zoo-Management eingerichtet worden, erzählt der Tiergarten-Vize. Der Zoo habe begonnen, mit Photovoltaik zu arbeiten und lasse Hybridfahrzeuge über sein Gelände fahren.

Eisbärenzucht in Zoos einstellen? – Nein!

Nun ist es wieder passiert: Wieder starb ein Eisbärenbaby in einem deutschen Zoo kurz nach der Geburt – diesmal in der  Stuttgarter Wilhelma. Dort hatte die Eisbärin Corinna (die Mutter von Wilbär, der mittlerweile in Schweden lebt) am 9. Dezember ein Junges zur Welt gebracht. Das Baby, ein weibliches Jungtier, wurde aber nur drei Tage alt, wie der Zoo erst jetzt bekanntgab. Die Kleine hat Fruchtwasser eingeatmet und ist an einem Lungenödem gestorben.

Damit zeigt es sich, dass die Eisbärenzucht in Zoologischen Gärten nicht einfach ist. Erinnern wir uns: Anfang dieses Jahres überlebten zwei Eisbärenbabys im Berliner Zoo nicht, im Dezember 2008 starben im Nürnberger Tiergarten die Zwillinge von Vera in der Wurfhöhle, und der Vollständigkeit halber seien auch noch die beiden toten Babys von Vilma im Januar 2008 im Nürnberger Tiergarten erwähnt.

Den Tod des Eisbärenbabys in Stuttgart werden jetzt sicher wieder verschiedene Tierschutz-Organisationen aufgreifen und als Beweis heranziehen, dass die Haltung von Eisbären in Zoos nicht artgerecht sei und deshalb einzustellen sei. Ich bleibe trotzdem bei meiner Meinung, dass die Eisbärenhaltung und -zucht in Zoos nicht aufgegeben werden sollte. In Nürnberg hat der Tiergarten jahrelang große Erfolge bei der Eisbärenzucht verzeichnen könen, und auch in anderen Zoos gibt es immer wieder Nachwuchs bei den Polarbären. Rückschläge kann man leider nicht ausschließen, aber sie sind zu verkraften. Auch in freier Natur kommt es zu Todesfällen bei Eisbärenbabys, nur hat man darüber kaum einen Überblick.

veraGerade in Zeiten des Klimawandels, in denen die natürlichen Lebensräume der Eisbären durch das Abschmelzen von Eisflächen weiter zurückgehen und damit die Eisbären zu einer immer stärker bedrohten Tierart werden, sollten Zoos an der Eisbärenhaltung und -zucht festhalten. Nur im möglichst direkten Kontakt mit diesen Tieren – wie ihn nur Zoos bieten – kann man den Menschen vor Augen halten, dass etwas gegen die Erderwärmung unternommen werden muss. Die Zoos können hier Aufklärungsarbeit leisten und sollten die Eisbären als Klimabotschafter heranziehen, wie das der Nürnberger Tiergarten auch getan hat.

Bären-Drama: Für manche ein gefundenes Fressen

Es war tatsächlich ein grausames Ereignis, das sich am vergangenen Wochenende im Zoo von Stralsund abspielte: Der Syrische Braunbär Balou griff aus heiterem Himmel seine Artgenossin Klara an, die mit ihm gemeinsam ein Gehege bewohnte. Vor den Augen der Zoobesucher ließ der Bären-Mann nicht mehr von ihr ab, bis sie völlig entkräftet zusammenbrach und starb.

Zooleitung und Tierpfleger stehen vor einem Rätsel und sind schockiert. Man hatte noch versucht, Balou mit Knallkörpern und Feuerlöschern von Klara abzulenken – doch vergeblich.

Der zehnjährige Balou und die neunjährige Klara lebten seit etwa einem Jahr in Stralsund zusammen. Er stammt aus der Schweiz, sie erblickte das Licht der Welt in Gotha. In Stralsund waren sie langsam aneinander gewöhnt worden und sollten für Nachwuchs sorgen.  Syrische Braunbären gehören zu den bedrohten Tierarten. Klara war zu Beginn sehr zurückhaltend und nervös gegenüber dem sehr selbstbewussten Balou gewesen. Nachdem die beiden  im Frühjahr schon einmal für einige Zeit voneinander getrennt wurden, schien Klara aber entspannter zu sein. Seitdem war man zuversichtlich, dass die beiden ein harmonierendes Bären-Paar würden.

Wie gesagt – ein schrecklicher Vorfall. Für manche Medien aber auch ein gefundenes Fressen. Die BZ spekuliert jetzt zum Beispiel, ob etwas Ähnliches auch passieren könnte, wenn demnächst Eisbär Knut und seine neue Gefährtin Gianna gemeinsam ins Eisbärengehege dürfen. „Kann Knut gefährlich für Gianna werden?“, lautet die BZ-Schlagzeile. Die Antwort sei mal dahingestellt. Eines aber dürfte sicher sein: Die Zeitung verkauft sich gut mit solchen unseriösen Spekulationen.