Sie wurde beinahe selbst zum Tier

Heute würde eine Frau 80 Jahre alt, die Tiere so liebte, dass sie ihr Leben für sie opferte: Dian Fossey, die Autorin des berühmten Buchs „Gorillas im Nebel“, das Michael Apted 1988 mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle verfilmt hat (siehe Foto).

Fossey wurde am 16. Januar 1932  in San Francisco geboren und wollte eigentlich Tierärztin werden. Aber ihre Noten in den naturwisenschaftlichen Fächern am College waren nicht gut genug. So wurde Fossey zunächst Bewegungstherapeutin. Ihr Leben veränderte sich, als sie 1963 erstmals einen Vortrag über Berggorillas hörte, den der berühmte Anthropologe Louis Leakey hielt. Fossey hatte Blut geleckt und reiste nach Ostafrika, um selbst bei Forschungen über diese Tiere mitzuarbeiten. Was sie dort sah, versetzte ihr einen regelrechten Schock: Gorillas wurden von Wilderern regelrecht abgeschlachtet, Gorilla-Babys waren wahre Goldgruben für die Wilderer, die sie für teures Geld weiterverkauften.

Fossey kämpfte für eine finanzielle Unterstützung, um ein Forschungsprojekt mit den faszinierenden Menschenaffen starten zu können und rief 1967 in den Virunga Mountains (Ruanda) ein Foschungszentrum ins Leben – in 3000 Metern Höhe, in einer unwirtlichen, nebligen Gegend, in die sich die Berggorillas zurückgezogen hatten.

Fossey machte sich an die Beobachtung der Tiere, und es gelang ihr schließlich, direkt in Kontakt mit ihnen zu kommen. Sie lebte mit den Tieren zusammen und imitierte ihr Verhalten, bis die Gorillas sie schließlich in ihrem Verband akzeptierten. Im Laufe von 18 Jahren entwickelte sie tiefe Gefühle für die Tiere und entfernte sich gleichzeitig immer mehr von den Menschen.

Fossey konte nachweisen, dass Berggorillas mitnichten die grausamen Bestien waren, als die sie verschrieen waren, sondern vielmehr in sozialen Verbänden friedlich zusammenleben und sich besonders liebevoll um die Aufzucht ihres Nachwuchses kümmern. Das alles legte sie 1983 in ihrem Buch „Gorillas im Nebel“ dar; 1974 hatte sie bereits den Doktor in Zoologie an der Universität von Cambridge gemacht.

Doch trotz ihrer neuen wissenschftlichen Erkenntnisse schaffte Fossey es nicht, der Wilderei ein Ende zu bereiten – obwohl sie mit aggressiven Mitteln dagegen vorzugehen versuchte. Fossey machte sich damit äußerst unbeliebt, auch bei den Einwohnern in der Gegend ihrer Forschungsstation, weil sie sich weigerte, dort den Weg für Öko-Tourismus zu ebnen, der Geld ins Land gebracht hätte. Sie wurde immer wieder bedroht, nahm die Drohungen aber im Kampf für die Gorillas in Kauf. Am 27. Dezember 1985 wurde Dian Fossey von einem Mitarbeiter ihrer Station mit zertrümmertem Schädel neben ihrem Bett liegend tot aufgefunden. Der Mord wurde nie ganz aufgeklärt.

Dian Fossey hatte verfügt, auf dem Gorillafriedhof begraben zu werden. Dort liegt sie – neben ihrem einstigen Lieblingsgorilla, dem Gorilla-Mädchen Digit, zu dem sie eine besonders enge Beziehung entwickelt hatte.