Der Kuss des Spinnenmännchens

Spinnen: Diese Tiere faszinieren mich immer wieder – auch wenn ich sie wie viele andere Menschen schon ein wenig unheimlich finde. Besonders gruselig ist für mich zum Beispiel das Phänomen, dass die Schwarze Witwe während der Kopulation das Männchen oft durch einen Biss tötet. Was da genau dahinter steckt, kann man hier nachlesen. Nun wurde eine neue Spinnengattung entdeckt, die auf Bisse beim Liebesspiel zu stehen scheint: Peter Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt kam der bislang unbekannten Gattung aus der Familie der Riesenkrabbenspinnen auf die Spur (Foto: Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung/John Leroy/dpa). An den Vorderkörpern der weiblichen Spinnen entdeckte er paarweise Bissspuren. Der Forscher geht davon aus, dass diese Verletzungen bei der Paarung entstanden sind. Bei den Männchen fand er keine solchen Bissspuren. Er vermutet nun, dass die Männchen bei der Paarung gegenüber den Weibchen etwas rabiater vorgehen.

Lebensraum der neu entdeckten Spinnenart ist der Sand in der südafrikanischen Wüste. Es handelt sich um nachtaktive Tiere, denen der Wissenschaftler den Namen „May bruno“ gab. Außer den Bissen sind bei diesen Spinnen Borstenbüschel an den Fußspitzen auffallend. Die haben wohl den Zweck zu verhindern, dass die Tiere in den Sand einsinken. Die Viecher sind auch nicht gerade klein: Ihre Beinspannweite wird mit acht bis zehn Zentimeter angegeben.

Weltrekord im Pazifik

grauwalIch gehöre normalerweise zu den Leuten, die es mit Rekorden oder – noch schlimmer – dem „Guinnessbuch der Rekorde“ – überhaupt nicht haben. Anders sieht das aber bei Rekorden aus, die Tiere erreicht haben. Und da hat mich jetzt die Leistung eines neun Jahre alaten Grauwal-Weibchens schwer beeindruckt. Es legte im Pazifischen Ozean in 172 Tagen eine Strecke von sage und schreibe 22 511 Kilometern zurück – die längste Distanz, die Menschen je bei einem Säugetier dokumentiert haben. Erst schwamm es innerhalb von 69 Tagen von der Küste der russischen Insel Sachalin bis vor die mexikanische Küste – 10 880 Kilometer -, danach kehrte das riesige Tier um und kam fast ein halbes Jahr später wieder dort an, wo es gestartet war. Dabei nahm es einen anderen Rückweg, was für seine hoch entwickelte Orientierungsfähigkeit spricht. Die bewundern auch die US-Forscher in ihrer Studie, die im britischen Fachmagazin „Biology Letters“ veröffentlicht wurde.

Wale überwinden so weite Entfernungen übrigens nicht aus Jux und Tollerei oder aus der Freude an Bewegung, wie es uns so mancher „Walfreund“, zum Beispiel vom WDSF, glauben machen will. Vielmehr tun die Tiere das, um in dem anderen Teil des Ozeans zu überwintern. Die Biologen aus den USA hatten sieben Grauwale mit Spezialsendern ausgestattet, die Signale übermitteln. Damit konnten sie verfolgen, wie die Wale durchs Meer ziehen – allen voran „Varvara“, wie die Wissenschaftler das Tier für sich genannt haben.

Nein – daraus wird kein Knoten!

Es ist immer wieder erstaunlich, womit Biologen sich befassen können. Manchmal gehen sie Fragen nach, die einem Normalsterblichen nicht einmal im Traum einfallen würden. Der Laie wundert sich zuerst, doch wenn man dann liest, zu welchen Ergebnissen die Wissenschaftler kommen, ist man fasziniert, auf welche Phänomene sie da wieder gestoßen sind.

So haben sich jetzt israelische Biologen mit dem Thema beschäftigt, warum Kraken sich nicht ständig selbst verknoten und verheddern. Schließlich befinden sich an jedem ihrer acht Arme Hunderte von Saugnäpfen. Normalerweise haften die bei Berührung sofort an jeder Oberfläche fest. Wenn sich ein Oktopus bewegt, streift er ständig seine eigenen Arme – da müsste er sich doch eigentlich an sich selbst festsaugen. Warum das nicht so ist, haben die Wissenschaftler nun erforscht. Das ist auch vor dem Hintergrund interessant, weil man weiß, dass sich die einzelnen Arme dieser Tiere voneinander unabhängig bewegen. Salopp ausgedrückt, weiß der Krake nicht, was jeder einzelne seiner acht Arme gerade tut.

Binyamin Hochner von der Hebrew University in Jerusalem und seine Mitarbeiter haben zur Lösung des Rätsels mit einzelnen, amputierten Armen von Kraken Experimente durchgeführt. Das ist möglich, weil sich die Extremitäten noch eine Stunde, nachdem sie abgetrennt wurden, weiter bewegen und sich an allem festsaugen, was ihnen in den Weg kommt. Bei den Versuchen blieben die Saugnäpfe aber nie an anderen Armen hängen. Nur wenn man den Armen die obere Haut entfernt hatte, taten sie es. Gegenständen, die von den Forschern mit Krakenhaut überzogen worden waren, wichen sie aus. Und sie blieben nur ganz schwach an Oberflächen hängen, die von den Biologen mit einem Extrakt aus den Krakenarmen behandelt worden waren. Die Forscher ziehen daraus den Schluss, dass die Oktopusse in ihrer Haut chemische Stoffe herstellen, die den Haftmechanismus der Saugnäpfe stoppen. Allerdings ist es noch nicht gelungen herauszufinden, um welche Substanz es sich dabei genau handelt. – Aber wir können uns trösten: Mit dieser Frage werden sich diese Wissenschaftler bestimmt als nächstes befassen, und sicher finden sie auch darauf wieder eine erstaunliche Antwort.

Emanzipierte Vogelweibchen

Vogelgesang, so heißt es landläufig, haben wir den männlichen Vögeln zu verdanken. Doch das haben Wissenschaftler nun widerlegt. Auch die Weibchen zwitschern bei den meisten Singvögeln, wie Forscher der Universität von Maryland (Baltimore) herausgefunden haben. Ihrer Studie zufolge ist es sogar eher die Regel als die Ausnahme, wenn Vogelweibchen singen. Bisher waren Ornithologen davon ausgegangen,  dass Vogelmännchen den Gesang in erster Linie bei der Brautschau einsetzen und mit ihrem Tirilieren Nebenbuhler ausstechen wollen. Die amerikanischen Biologen berichten über ihre Forschungsergebnisse im Online-Journal „Nature Communications„.

Karan Odom und ihre Mitarbeiter klopften in der Fachliteratur über 1000 beschriebene Arten ab. Bei 323 Spezies aus 34 von 44 untersuchten Singvogelfamilien stießen sie auf brauchbare Hinweise auf weibliche Vogelgesänge. Demnach hatten Facheute bei 229 Arten regelmäßiges Singen von Vogelweibchen beschrieben. Dies entspricht einem Anteil von 71 Prozent. Die Biologen bezogen in ihre Untersuchung auch die Zuordnung der singenden Weibchen zu einem auf Gendaten beruhenden Stammbaum der Singvögel ein. Dabei kam heraus, dass es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sozusagen schon seit Urzeiten einen weiblichchen Vogelgesang gibt.

Die Gleichberechtigung ist also auch in der Vogelwelt wesentlich weiter fortgeschritten als gedacht. Und wieder einmal hat sich eine alte Volksweisheit als Trugschluss erwiesen…

Eine tierische Sensation

Nein, das auf dem Foto ist kein Kleiner Panda. Obwohl eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem possierlichen Tierchen – der unvergessene Bernhard Grzimek verwendete dieses Wort gern in seiner Kultsendung „Ein Platz für Tiere“ – vorhanden ist. (Zum Vergleich bitte hier klicken, zu einem Blog-Eintrag über Kleine Pandas im Tiergarten Nürnberg.) Auf diesem Bild sieht man dagegen eine Tierart, die gerade erst entdeckt wurde: ein Olinguito.

Während die Kleinen Pandas oder Katzenbären, wie man sie auch nennt, aus Asien stammen und zur Gattung der Ailurus gehören, lebt der Olinguito in den nördlichen Anden und gehört zu den Olingos oder Makibären (wissenschaftliche Bezeichnung: Bassaricyon). Der Katzenbär hat – wer zu meinem frühren Beitrag geklickt hat, konnte es sehen – spitze Ohren wie eine Katze (!), der Olinguito runde Ohren wie alle (Maki-)Bären.

Genug der biologischen Systematik – zurück zur Neuentdeckung! Die ist einerseits eine Sensation, weil seit 35 Jahren erstmals wieder in der westlichen Hemisphäre ein neues Raubtier wissenschaftlich erfasst werden konnte. Andererseits ist die Geschichte, wie es dazu kam, fast interessanter als das Tier an sich. Denn den Olinguito haben Forscher nicht etwa bei einer Expedition in die Nebelwälder der Anden auf einem Baum sitzend gefunden. Vielmehr brachten ein paar ausgestopfte Tiere die Forscher auf die richtige Spur.

Und das geschah so: Eine Gruppe von Wissenschaftlern vom Smithsonian´s National Museum of Natural History in Washington D.C. wollte wissen, wie viele Arten von Makibären (oder Olingos, wie wir eben gelernt haben) wo genau existieren. Um das herauszufinden, untersuchten sie zunächst eine Reihe von Museums-Ausstellungsstücken dieser Art. Dabei bemerkten sie, dass einige Exemplare kleiner waren und ein dichteres Fell hatten und einen anders geformten Schädel sowie nicht die gleichen Zähne besaßen wie die übrigen Exponate. Den alten Museumsunterlagen zufolge stammten diese Tiere aus den nördlichen Anden, und zwar aus einem Gebiet, das 1500 bis 2700 Meter hoch liegt – höher als der bisher bekannte Lebensraum der Makis. Daher veranlassten die Wissenschaftler eine genetische Untersuchung dieser ausgestopften Tiere. Dabei stellte sich heraus: Es handelt sich um eine noch nicht beschriebene neue Art.

So kam es dann doch noch zu einer Expedition, bei der die Forscher tatsächlich einigen Olinguitos in freier Wildbahn begegneten. Das sind kleine, quicklebendige Raubtiere, die allerdings nur nachts munter sind, kaum ihre Bäume verlassen und – wenn sie Nachwuchs haben – jeweils ein Junges aufziehen. Und eines verhält sich bei den Olinguitos leider nicht anders als bei allen anderen Neuentdeckungen von Tieren in der letzten Zeit: Kaum wissenschaftlich erfasst, werden sie schon wieder als gefährdet eingestuft. Im Fall der Makibären ist bereits fast die Hälfte (genauer: 42 Prozent) ihres Lebensraums, die Nebelwälder in den Anden, zerstört, sei es durch Umwandlung des Waldes in Ackerland oder in Siedlungsflächen.

Nun will man die Olinguitos zu „Botschaftern“ für die bedrohten Nebelwälder in Ecuador und Kolumbien ernennen, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit über die putzigen Tiere auf dieses ernste Thema zu lenken. – Wie viel so was tatsächlich bringt, hat man ja bei Knut und Flocke gesehen, die für die Erhaltung ihres Lebensraums in der Arktis werben sollten: So gut wie nichts, fürchte ich. Oder bin ich da schon wieder zu negativ?

Lebenswichtige soziale Netzwerke

Wer sagt denn, soziale Netzwerke existieren erst seit Beginn des digitalen Zeitalters und funktionieren nur über Twitter, Facebook usw. ? Weit gefehlt! Völlig daneben liegt auch, wer annimmt, sie seien vom Menschen erfunden. Nein, es gibt auch verschiedene Tierarten, die schon vor langer Zeit soziale Netzwerke entwickelt haben. Für manche von ihnen ist es sogar lebenswichtig, gut in sozialen Netzwerken eingebunden zu sein. Sind sie es nämlich nicht, kann ihr Überlebenskampf noch viel härter werden, als er es für die meisten Tiere in freier Wildbahn sowieso schon ist.

Ein Beispiel gefällig? – Nehmen wir dafür die neuesten Ergebnisse von Wissenschaftlern der Universität St. Andrews in Schottland her, die sich den sozialen Verbänden bei Totenkopfaffen gewidmet haben. Die Forscher haben vor kurzem herausgefunden, dass diejenigen Gruppenmitglieder am schnellsten an unbekannte Futterquellen herankommen, die am besten sozial vernetzt sind. Für die Versuche arbeiteten die Wissenschaftler mit den „Bossen“ zweier Totenkopfaffen-Gruppen: Die beiden Affen bekamen jeweils ein verschlossenes Gefäß mit Futter präsentiert und wurden dann in unterschiedlichen Methoden trainiert, dieses Behältnis zu öffnen.

Nach der Schulung kehrten die Alpha-Tiere in ihren Affenstaat zurück (frei nach dem „Dschungelbuch“; leider steht unter dem YouTube-Video fälschlicherweise „Affenstall“ statt „Affenstaat“, wie es im Lied heißt, und der Name des Affenkönigs ist auch falsch geschrieben, richtig wäre Louie, nicht Lui). Die Forscher konnten genau folgende Abläufe beobachten: Die Gruppenmitglieder, die über die vielfältigsten sozialen Verbindungen verfügen, sind rascher in der Lage, sich die Technik von ihrem Chef abzuschauen und selbst anzueignen, als die Äffchen, die eher Randfiguren im Verbund sind. Und noch etwas stellten die Biologen fest. Etwas, das ich als Aufmunterung für diejenigen unter meinen Lesern betonen möchte, die – wie ich selbst – nicht mehr die Jüngsten sind: Das Alter der Affen spielte bei den Experimenten überhaupt keine Rolle!!! Dieser Aspekt des Studienergebnisses wundert mich allerdings überhaupt nicht. Ähnliches beobachte ich tagtäglich in meiner näheren Umgebung.

Die skurrilsten Arten

Immer wieder schreibe ich in diesem Blog über Tiere. die neu entdeckt werden. Die Universität von Arizona in Tempe veröffentlicht jedes Jahr eine Liste mit den zehn skurrilsten Entdeckungen des vergangenen Jahres im Tier- und Pflanzenreich. Ein paar Beispiele davon möchte ich vorstellen – da es sich hier um ein Tier-Blog handelt, natürlich nur Tiere, keine Pflanzen.

Auf die aktuelle Liste hat es  u.a. das hier abgebildete Tier (Foto: MBARI/dpa) geschafft. Es handelt sich um einen fleischfressenden Schwamm mit dem schönen Namen Chondrocladia lyra, der in über drei Kilometern Tiefe vor der Küste von Kalifornien lebt. Den Wissenschaftlern haben es die harfenähnlichen Arme des Schwammes angetan. Auch ein nur sieben Millimeter großer Frosch wurde auf die Liste gesetzt: Paedophryne amanuensis ist das kleinste Wirbeltier der Welt und lebt im Regenwald von Papua-Neuguinea. Das Lesula-Äffchen, über das ich hier auch schon einen Beitrag veröffentlicht habe, taucht wegen seiner menschenähnlichen Augen auf der Liste auf. Die männlichen Vertreter zeichnen sich außerdem durch einen leuchtend blauen Streifen auf dem Allerwertesten und dem Geschlechtsteil aus.

Auf der von den Forschern erstellten „Hitliste“ findet man auch eine fluoreszierende Kakerlake (Lucihormetica luckae), die auf dem Vulkan Tungurahua in Ecuador vorkommt. Sie war zwar schon vor 70 Jahren entdeckt worden, wurde aber erst 2012 als neue Art beschrieben. So könnte es sein, dass das Insekt mittlerweile schon ausgestorben ist. Und noch ein letztes Beispiel, das auf der Liste steht: eine Florfliege. Dieses Insekt hatten Biologen auf der Internetseite des Fotodienstes Flickr entdeckt – und es machte sie stutzig. Auf Umwegen identifizierten sie es schließlich als neue Art, der sie den Namen Semachrysa jade gaben. „Jade“ deshalb, weil die Tochter des Fotografen so heißt.

Geheimnis um Riesenkalmare gelüftet

Über Riesenkalmare kursieren die verschiedensten Gerüchte, was die Größe dieser Tiere angeht. Das liegt daran, dass ihre Arme wahnsinnig dehnfähig sind und dann falsch gemessen wird. Fälschlicherweise werden sie außerdem oft als Riesenkraken bezeichnet. Geht man von ernstzunehmenden Angaben aus, dann war der größte bisher nachgewiesene Riesenkalmar etwa 13 Meter lang. Auf dem Foto ist ein Riesenkalmar zu sehen, der im Hafen von Melbourne von Forschern untersucht wird (Foto: Mark Norman/Museum Victoria).

Aber sei´s drum. Nun haben sich Biologen wieder einmal mit den riesigen Tintenfischen beschäftigt, die in Meerestiefen von 300 Metern und mehr leben und auch deshalb schwer zu erforschen sind. Dabei ist es gelungen, zumindest eines ihrer Geheimnisse zu lüften. Die Wissenschaftler der Universität Kopenhagen haben Proben von 43 Riesenkalmaren aus unterschiedlichen Meeren untersucht und herausgefunden, dass nur eine einzige Art dieser Tintenfische in den Ozeanen lebt. Das hat die Analyse von Erbgut aus Riesenkalmar-Zellen ergeben, das sich bei allen untersuchten Tieren kaum voneinander unterschieden hat.

Bisher war bereits bekannt, dass Riesenkalmare weltweit verbreitet sind. Weibliche Tiere werden etwas größer als Männchen. Ihre Nahrung sind Fische und kleinere Kopffüßer. Auch über die Lebensweise haben die Forscher neue Erkenntnisse gewonnen: Die Jungtiere treiben in den oberen Schichten der Meere – so werden sie durch die Strömungen weit in den Weltmeeren verbreitet. Solange sie noch jung sind, ernähren sie sich von Plankton und kleinen Meerestieren. Erst ab einer bestimmten Größe leben die Riesenkalmare in den Tiefen der Ozeane. Ob die erwachsenen Tiere „Wanderungen“ über große Entfernungen zurücklegen, hoffen die Wissenschaftler bald klären zu können. Längst sind noch nicht alle Rätsel um die legendären Tiere gelöst.

Wie die Alten pfeifen…

Die Schreie, mit denen sich Murmeltiere untereinander verständigen, haben meine Leser sicher schon gehört – wenn nicht im Gebirge oder in einem Zoo, dann zumindest in Tierfilmen. Für uns Menschen klingen die Schreie wie Pfiffe. Die Tiere stoßen diese Pfeiftöne vor allem aus, wenn ihnen Gefahr droht.
Eine amerikanische Forschergruppe hat nun herausgefunden, dass Murmeltiere den individuellen Klang dieser Warnrufe an ihre Nachkommen vererben. Die Wissenschaftler haben dazu acht Jahre lang über 3000 Warnpfiffe von Gelbbauch-Murmeltieren in einer Forschungsstation in den Rocky Mountains ausgewertet. Dabei unterschieden die Forscher zum Beispiel, wie lang die Warnrufe dauerten, wie sie lauter und leiser wurden und wie hoch die Frequenz war. Genau analysiert wurde die Ähnlichkeit zwischen den Pfeiftönen, dabei berücksichtigten die Biologen die Verwandtschaft von Murmeltieren innerhalb einer Gruppe.
Bei den Untersuchungen zeigte es sich, dass die Pfiffe von Jungtieren zunächst denen der Weibchen glichen, unter deren Obhut sie aufgewachsen waren. Erst als der Nachwuchs ein Jahr alt war, stimmten seine Pfiffe mit denen der Eltern überein. Die Biologen kamen zu dem Ergebnis, dass die typischen Stimmmuster bei den Alarmrufen der Murmeltiere von den Eltern an ihre Jungen vererbt werden.

Magnetfelder als Wegweiser

Eines der faszinierenden Phänomene in der Tierwelt waren für mich schon immer die großen Wanderungen der Lachse. Nun haben Forscher aus den USA und Kanada herausgefunden, wie sich Rotlachse auf dieser anstrengenden Reise orientieren: Das Magnetfeld ihrer Heimat weist ihnen den richtigen Weg (Foto: Nathan Putman/Current Biology).

Die Biologen haben die Routen der Rotlachse aus dem Fraser-Fluss in British Columbia über fast 60 Jahre ausgewertet. Diese Fische schlüpfen in diesem Fluss und machen sich im jugendlichen Alter auf, um den fast 2000 Kilometer entfernten Golf von Alaska zu erreichen. Nach zwei Jahren im Meer werden sie geschlechtsreif und kehren dann an ihren Geburtsort zurück, um zu laichen.

Bei der Rückkehr müssen sie um Vancouver Island herumschwimmen, eine Insel, die vor der Mündung des Fraser-Flusses im Meer liegt. Sie ist immerhin 450 Kilometer lang und 100 Kilometer breit, und die Lachse müssen die Wahl treffen, welche Route sie nehmen, um wieder in den Fluss zu gelangen: die nördliche durch die Königin-Charlotte-Straße oder die südliche durch die Straße von Juan de Fuca.

Die Pazifische Lachskommission hat die Wege der Lachse seit 1953 in ihren Jahresberichten aufgezeichnet. Jetzt haben die Wissenschaftler der Oregon State Universität das magnetische Feld an der Fraser-Mündung und an den beiden Übergängen der beiden Meeresstraßen zum Ozean hin für den Zeitraum seit 1953 bestimmt. Dabei fanden sie heraus, dass die Fische jeweils den Weg wählten, bei dem das Magnetfeld an der Meeresstraße ähnlich stark war wie das an der Flussmündung. So kamen sie sicher zu ihrem Ursprungsort zurück.