Tierischer Jahresrückblick

Das Jahr 2010 neigt sich langsam dem Ende zu. Die Medien bringen einen Jahresrückblick nach dem anderen. Da bietet sich für „Achtung, Wolf!“  natürlich ein tierischer Jahresrückblick an.

060410BER317Blau: Für Furore sorgten in diesem Jahr Blaue Störche in Brandenburg und in der Elbmarsch, über die ich auch in meinem Blog mehrfach geschrieben habe, zuletzt hier. Die Aufregung war groß, immer wieder gab es Schlagzeilen über die absonderlichen Vögel und jede Menge Schaulustige, die in die Dörfer mit den blauen Störchen fuhren, um sie zu fotografieren. Letzten Endes wurde das vogelige Rätsel gelöst: Die Störche waren bei einer Zwischenlandung auf einer Mülldeponie mit blauer Industriefarbe in Berührung gekommen.

Teuer: Einen jungen Mann in Mülheim/Ruhr kam sein außergewöhnlicher Geschmack in Sachen Haustier teuer zu stehen. Er hielt sich eine giftige Monokelkobra, die plötzlich verschwand. Es begann eine groß angelegte Suchaktion in dem Mietshaus, bei der sogar Bodendielen herausgerissen wurden. Alle Mieter mussten vorübergehend aus dem Haus ausziehen, weil es versiegelt wurde. Am Ende tauchte die kleine Giftschlange wieder auf – allerdings nicht mehr lebendig. Ein ausgelegtes Klebeband war zur tödlichen Falle für sie geworden: Die Schlange blieb daran kleben und vertrocknete. Die Suchaktion und ihre Folgen kosteten den Schlangenbesitzer immerhin um die 100 000 Euro.

Bekloppt 1: Ein Mann in Essex (England) wollte seiner Frau zuliebe eine Spinne töten. Er zielte mit einer Spraydose auf das Tier und wollte dann sichergehen, dass es auch wirklich tot war. Zu diesem Zweck hielt er ein Feuerzeug an die Spinne. Dadurch gab es eine Verpuffung, die den Mann quer durch den Raum schleuderte. Im Gegensatz zur Spinne überlebte er.

Bekloppt 2: Wenig Glück hatte ein Mann in der Steiermark (Österreich), der einem kleinen Nagetier an den Kragen wollte. In seinem neuen Haus versuchte er, ein Mauseloch mit Kunststoffschaum zu verkleben. Durch eine in der Nähe stehende brennende Kerze entzündeten sich die Dämpfe des Schaumes, und bald brannte die ganze Wand.

Wertvoll: Ein Hund in den USA hat das wertvollste Häufchen des Jahres 2010 produziert. Das Tier hatte einen Diamanten im Wert von ungefähr 15 000 Euro verschluckt, den es später auf natürlichem Wege wieder ausschied. Wohl selten hat ein Hundehaufen für so viel Aufregung gesorgt.

Quax und Blaustorch: Vogelige Medienstars

urn:newsml:dpa.com:20090101:100419-10-12519Vor kurzem hatte ich hier über einen blauen Storch in Brandenburg berichtet. Mittlerweile ist ein solch seltenes Exemplar auch in der Elbmarsch aufgetaucht – und dieses Tier hat nun schon für Nachwuchs gesorgt: In seinem Nest in Avendorf  brütet ein weißes Weibchen.

Ein Storchenbetreuer geht davon aus, dass sich die „Blaustörche“ wieder in normale Weißstörche zurückverwandeln werden – allerdings wird das seine Zeit brauchen. Man schätzt, es könnten zwei Jahre vergehen, bis von der blauen Farbe nichts mehr übrig ist. Im Gegensatz zu anderen Vogelarten verlieren Störche während der Mauser nämlich nur einzelne Federn – also wird der Wandel von blau zu weiß sehr langsam vor sich gehen.

Immer noch ist unklar, wie die Störche die Blaufärbung angenommen haben. Möglicherweise sind sie auf ihrer Reise vom Süden in den Norden in gefärbtes Wasser oder in Farbe geraten.

Nachrichten aus der Vogelwelt sind sonst ja nicht so spektakulär und locken im Vergleich zu Meldungen beispielsweise über Knut oder Flocke kaum jemanden hinterm Ofen hervor. Doch die blauen Störche haben sich – frei nach Walter Kempowski – zu „vogeligen“ Medienstars gemausert und sind für die kleinen Orte, in denen sie sich niedergelassen haben, echte Knüller: Sie kurbeln bereits den Tourismus an.

Ein weiterer Vogel hatte – wir erinnern uns – im Frühling letzten Jahres für Schlagzeilen gesorgt: Quax, der Rosapelikan. Vor ein paar Wochen habe ich hier vermeldet, dass Quax in diesem Jahr Frankreich den Vorzug gibt und sich bei uns nicht mehr blicken lässt. Alf Pille vom LBV  hat mich inzwischen wissen lassen, dass Quax doch wieder in unseren Gefilden gesichtet wurde, nämlich im mittelfränkischen Ornbau. Doch dort blieb er offenbar nicht lange – Vogelbeobachter aus Lothringen konnten ihn wieder bei unseren französischen Nachbarn ausmachen. Naja – zwischen Franken und Frankreich besteht halt doch eine gewisse Affinität!