Der Wolf kommt bald nach Nürnberg

Auch in Nürnberg werden bald Wölfe erwartet. Foto: dpa

Die einen sind hocherfreut, die anderen zücken schon das Gewehr. Dass der Wolf in Deutschland wieder heimisch geworden ist, spaltet die Menschen in zwei Lager. Nun rücken diese wunderbaren Tiere auch in Bayern immer näher heran. Von Grafenwöhr und vom Veldensteiner Forst aus, wo nachweislich junge Wölfe leben, ist es für sie nicht mehr weit bis zum Reichswald. Und so gibt es in dessen nördlichem Teil, im Bereich Erlangen-Höchstadt, ebenso schon Wolfssichtungen wie im Hersbrucker Land. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis die Tiere vor den Toren Nürnbergs ankommen.

Vielleicht schon heuer, spätestens aber im nächsten Jahr, werden junge Wölfe auf der Suche nach neuen Quartieren hier unterwegs sein, erwartet man beim Bund Naturschutz, Kreisgruppe Nürnberg. Dass sich die scheuen Tiere dauerhaft in Stadtnähe ansiedeln, hält man beim BN eher für unwahrscheinlich. Aber zumindest auf der Durchreise werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den Nürnberger Reichswald passieren. (Das wäre dann womöglich ganz in der Nähe des Tiergartens Nürnberg, in dem es ja leider keine Wölfe mehr gibt; in ihrem großen Gehege leben jetzt Luchse.) Der BN warnt vor Panikmache, fordert aber rechtzeitige Vorbereitungen.

weiter lesen

Mir san mir!

Es ist wieder mal typisch. Ein Tier, das in Deutschland lange Zeit ausgestorben war, kehrt zurück: der Wolf. Mittlerweile leben hierzulande wieder über 200 Wölfe, die meisten im Osten Deutschlands. Es gibt sogar Wolfsrudel in der Nähe von Naherholungsgebieten von Berlin oder in der Lüneburger Heide. Das klappt ohne Probleme, Mensch und Wolf gehen sich aus dem Weg. Es wird höchstens mal ein Exemplar auf der Autobahn überfahren; das ist traurig, aber andere Wildtiere bleiben davon auch nicht verschont.

Und dann taucht in Oberbayern ein einzelner Wolf auf – es ist der vierte seit 2006 -, und pure Hysterie bricht aus: Das Monster muss weg, sonst sind unsere Kühe, Schafe etc. nicht mehr sicher! Das erinnert mich fast ein wenig an die Angst, die früher umging, als es in ländlichen Gebieten hieß: Wäsche von der Leine – die Zigeuner kommen!

Gut, es stimmt, die kürzlich tot aufgefundene Hirschkuh wurde tatsächlich von einem Wolf gerissen, das haben DNA-Untersuchungen nun zweifelsfrei ergeben. Aber muss dieser Fall deshalb gleich zum politischen Streitthema hochstilisiert werden? Auch wenn ich mit dem vom Bund Naturschutz geprägten Begriff „Wolfserwartungsland“ nicht viel anfangen kann, gebe ich den BN-Vertretern in der Sache völlig recht: Wir haben in Bayern genug Platz für diese Tiere, denn wir haben abgelegene Gegenden, in die sich die Wölfe vorzugsweise zurückziehen. Reißt ein Wolf dann doch einmal ein Tier aus dem Bestand eines Bauern oder Hirten, bekommt der Besitzer eine entsprechende Entschädigung. Es existieren außerdem verschiedene Schutzmöglichkeiten, über die sich Viehzüchter beraten lassen können.

Aber natürlich muss sich gleich der Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger, der ja zu allem was zu sagen hat, an die Sache dranhängen und behaupten, Wölfe würden einfach nicht nach Bayern passen. Dafür ist unser Bundesland angeblich zu „hoch kultiviert“ und dicht besiedelt. Und Herr Aiwanger weiß natürlich auch jetzt schon, dass das staatliche Management bei „großen Beutegreifern“, wie der Fachterminus heißt, nicht funktionieren wird. Was Aiwanger eigentlich will, ist klar: die Erlaubnis zum Abschuss des Tiers – und damit basta! Und wenn man die Erlaubnis nicht bekommt, löst man das Problem halt auf „bayerische Art“, so wie zuletzt im Jahr 2011, als ein streunender Wolf im Mangfallgebirge plötzlich wie vom Erdboden verschluckt war. Mir san halt mir!