"Wolfserwartungsland": bitte nicht!

Es gibt Wortschöpfungen, da könnte ich mir die Haare ausraufen – oder Schlimmeres. „Wolfserwartungsland“ ist ein solches Wort, das mir als Wolf natürlich besonders weh tut. Bayern soll angeblich Wolfserwartungsland sein. Das meldet jedenfalls die Online-Redaktion des Bayerischen Rundfunks auf einer Seite zur Sendung „Unkraut“. Ob den BR-Redakteuren das Wortungetüm selbst eingefallen ist, ob sie es nur von der ehemaligen bayerischen Wolfsbeauftragten Giulia Kriegel oder vom Landesamt für Umwelt übernommen haben, weiß ich nicht. Ich weiß nur: Das ist ein grauenhaftes Wort!!! Warum kann man nicht einfach sagen oder schreiben, dass es auch in Bayern wohl bald wieder Wölfe geben wird?

Seit Jahrhunderten wird bei uns vom „bösen Wolf“ geschrieben und gesprochen – eine üble Nachrede! Längst ist erwiesen, dass das nicht stimmt. Ich finde es deshalb wenig zweckdienlich, wenn sich die BR-Onliner in ihrem Beitrag über Wölfe zu der Aussage hinreißen lassen, „… sie wandern heimlich, unerkannt und meist bekommt der Mensch ihre Anwesenheit erst mit, wenn der Wolf ein Tier reißt“. Na toll! Vorurteile zu bestätigen, statt sie auszuräumen, sollte eigentlich die Aufgabe der Redakteure beim BR sein. – Sei´s drum!   Versöhnlich stimmt mich ein Satz weiter unten in dem Beitrag: „Wölfe sind extrem anpassungsfähig und intelligent“, heißt es da. Damit kann ich leben.

Tier-Boom im Fernsehen – woher kommt der nur?

Tiere, Tiere, Tiere: Das deutsche Fernsehen ist so tierisch drauf wie nie zuvor. Nehmen wir uns mal eine Programmzeitschrift für, sagen wir: Mittwoch, 12. März, vor und fangen vormittags an. Dann können wir uns bis abends nahtlos eine zoologische Doku-Soap nach der anderen reinziehen,  denn auf jedem Kanal kommt irgendeine Wiederholung einer schon erfolgreich gelaufenen Reihe.

Probieren wir das also mal in chronologischer Reihenfolge: 10.05 Uhr: „Panda, Gorilla & Co.“. 11.10 Uhr: „Pinguin, Löwe & Co.“, das ich aber nicht zu Ende sehen kann, wenn ich um 11.30 Uhr den Anfang von „Grzimeks Erbe in Asien“ nicht verpassen will. 12.55 Uhr: „Menschen, Tiere und Doktoren“. 14.15 Uhr: „Heupferd, Blattlaus, Pfauenauge“. Dann muss ich mich zwischen „Nürnberger Schnauzen“ um 15.15 Uhr und – zeitgleich – „Verwunschenes Naturparadies“ entscheiden. 16.05 Uhr: „Flockes Tagebuch“ in „Wir in Bayern“, das Gott sei Dank nur zwei, drei Minuten lang dauert. Denn um 16.10 Uhr beginnt schon „Eisbär, Affe & Co.“. 17.00 Uhr: Ein neues „Menschen, Tiere und Doktoren“. 17.05 Uhr: „Giraffe, Erdmännchen & Co.“. 17.10 Uhr: „Nashorn, Zebra & Co.“. 17.35 Uhr: „Auf nach Afrika! Abenteuer wilde Tiere“. Nach kurzer Pause (endlich kann ich mal aufs Klo) um 19.50 Uhr: „Tierisch, tierisch“. Das dauert glücklicherweise nur bis 20.15 Uhr. Zeit zum Umschalten auf „Expeditionen ins Tierreich“. 21.15 Uhr: „Der Bulle von Tölz“. Ach Quatsch, das hat ja gar nichts mit Tieren zu tun, hat nur einen tierischen Namen.

Das ist mitnichten ein besonderer Fernsehtag. Ich könnte das praktisch täglich so machen. Und wenn ich in einem Privatsender gelandet bin, habe ich sogar noch die Chance auf eine tierische Werbung zwischendurch. Denn da machen jetzt Biber und Elefanten für Autos Werbung, Jack Russell-Terrier für die Telekom – von der üblichen Tierfutter-Werbung ganz abgesehen. Und wenn mir das alles noch nicht reicht, gehe ich ins Kino, da  läuft „Unsere Erde“, „Knut und seine Freunde“ oder auch „Bären“.

Und jetzt möchte ich von Euch/Ihnen wissen: Wie erklärt Ihr Euch/Sie sich diesen Tier-Boom? Ich wäre froh, wenn ich dazu ein paar Meinungen in Kommentaren bekommen könnte.