Geschenktipp für den Valentinstag

Der Valentinstag steht wieder einmal bevor. Für alle, die am 14. Februar keine Blumen oder Süßigkeiten verschenken wollen, aber auch noch keine andere Idee haben, hätte ich einen Buchtipp: „Das letzte Nashorn“, ein Tier-Roman von Lodewijk van Oord.

Dazu ein kleiner Abstecher in die Kunstgeschichte: Das „Rhinocerus“ von Albrecht Dürer war ein echter Genie­streich. Denn der Meister hatte noch nie ein Nashorn zu Gesicht bekom­men, als er 1515 einen Holzschnitt mit diesem Titel anfertigte. Ein solches aus Indien stammendes Tier war im selben Jahr per Schiff in Lissabon gelandet, als Geschenk eines Sultans an den portugiesischen Gouverneur.

Es gab damals nur vage Beschrei­bungen und Skizzen des seltsamen Lebewesens mit dem spitzen Horn auf der Nase. Dürer setzte die Schilderun­gen so gelungen um, dass das Ergeb­nis der Wirklichkeit verblüffend nahe kam. Das echte Panzernashorn sollte unterdessen von Portugal weiter nach Rom reisen. Auf dem Seeweg versank es mitsamt dem Schiff, und so hatten die Menschen in Europa lange Zeit auch gar keine Gelegenheit, den Holz­schnitt und eine Tuschezeichnung von Dürer mit dem wahren Erscheinungs­bild zu vergleichen.

Für Lodewijk van Oords Roman „Das letzte Nashorn“ lieferte dieser kunstgeschichtliche Hintergrund so etwas wie ein Leitmotiv. Der holländi­sche Autor, der in Madrid zur Welt kam und bisher länger im Ausland gelebt hat als in den Niederlanden, landete dort mit seinem Erstlings­werk einen großen Erfolg. Bei uns ist das Buch zwei Jahre später erschie­nen. Eigentlich ist van Oord Lehrer und unterrichtete eine Zeitlang in Afrika. Das hat ihn – neben Dürer – wohl auch zu dem Buch inspiriert.

Die Geschichte spielt im Zoo von Amsterdam, wo ein neuer, jung-dyna­mischer Direktor die Rettung einer vom Aussterben be­drohten Nashorn­art beschließt. Da­für kreiert er auf dem Zoogelände „Afrika an der Am­stel“ und engagiert eine Nashorn-Fach­frau aus Südafrika. Mit dem aus dem Berliner Zoo einge­flogenen Nashorn­ Bullen Albrecht (!) und einer Medien-Offensive, wie sie die (Zoo-)Welt noch nicht erlebt hat, beginnt nun ein Wett­laufmit der Zeit, um die Tierart durch gezielte Zucht zu erhalten.

Der Autor erweist sich als profun­der Kenner der Aufgaben, aber auch der Probleme von modernen zoologi­schen Einrichtungen. Er weiß, wie Tierschutzaktivisten ticken, die mal mehr, mal weniger erfolgreich versu­chen, Zoos das Leben schwer zu machen. Und er baut philosophische und ethische Fragen – etwa die nach unserem Umgang mit (Zoo-)Tieren – sehr unterhaltsam in die Handlung ein. Der Leser wird genau wie die Romanfiguren bis zur letzten Seite auf die Folter gespannt.

Wer Tiere und Zoos liebt, wird die­ses Buch verschlingen. 

Achtung, Wolf!

Ab und zu – wenn man gar nichts anderes zu tun hat 😉 – googelt man sich so durch Netz. Gebe ich den Titel meines Blogs, „Achtung, Wolf“ ein, dann freue ich mich, dass ich gleich als erstes erscheine. Danach folgt ein Eintrag, den ich mir nun mal genauer angeschaut habe. Und das hat sich gelohnt, denn „Achtung, Wolf“ ist auch der Titel eines Kinderbuchs von Emily Gravett, das mir sehr (vor-)lesenswert zu sein scheint: Die Geschichte von einem kleinen Kaninchen, das wissen will, wie sich das mit Rotkäppchen und dem Wolf wirklich verhalten hat. Die Hauptfigur namens Rabbit begibt sich durch seine Neugierde in Lebensgefahr. Weil es die Warnung „Achtung, Wolf“ nicht auf Anhieb versteht, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Die englische Autorin und Illustratorin erzählt da eine äußerst hintersinnige Geschichte, ein wenig makaber auch, und mit einer Prise des unverwechselbaren englischen Humors. Nichts für Kinder, die nur glücklich sind, wenn ein Buch gut ausgeht – die sollten lieber die Finger davon weglassen, sonst gibt es womöglich Tränen!

Als Erwachsener – und Wolf obendrein! – amüsiere mich natürlich königlich über das schräge moderne Märchen. Vor allem auch, weil es mit ganz wenigen Worten auskommt – und das ist in unserer so geschwätzig gewordenen Welt meiner Meinung nach die reinste Wohltat. Wer jetzt auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ist, dem kann ich „Achtung, Wolf!“ nur empfehlen!

Er lebte mit den Fischen

Heute mal wieder ein Buchtipp: Über den berühmten Meeresforscher Jacques Cousteau ist in der „Bibliothek der Entdecker“ des Verlags Frederking & Thaler eine neue Bildbiographie von Kathrin Schubert erschienen  (ISBN 978-3-89405-928-6, Preis: 24,95 Euro).

Er wollte mit den Meeresbewohnern auf Du und Du und am liebsten selbst ein Fisch sein: Jacques Cousteau. Dazu ließ er sich seine berühmte „Tauchende Untertasse“ bauen. Das war im Jahr 1959. Cousteau ging noch weiter: Um zu beweisen, dass man unter Wasser genauso leben konnte wie an Land, wurde nach seinen Anweisungen die Unterwasserstation „Précontinent“ gebaut. Mindestens genauso berühmt wie die „Tauchende Untertasse“ wurde Cousteaus Forschungsschiff „Calypso“, das nach seinen Vorstellungen ausgestattet wurde. Er fuhr damit um die ganze Welt, und an Bord reisten Tiere mit, deren Verhalten erforscht wurde.

Cousteau ist allerdings nicht unumstritten. Um an spektakuläre Aufnahmen zu kommen, war ihm (fast) jedes Mittel recht. So provozierten er und sein Team zum Beispiel Haie und bannten damit manipulierte Szenen auf Zelluloid. Dafür schreckten sie auch nicht davor zurück, ein Blutbad in einer Gruppe von Haien anzurichten. Auch diesen Aspekt berücksichtigt die Autorin des Buches, dessen Lektüre ich wärmstens empfehlen kann – auch wegen der vielen wunderbaren Fotos.

 

 

 

 

 

Wunderbar: "Der Wolf"

DerWOLFEndlich ist es mal wieder richtig Winter! Ich liebe es, wenn draußen alles weiß verschneit ist, und auch knackige Kälte ist mir tausendmal lieber als ein wochenlanges Vor-sich-hin-Regnen-oder-Nieseln bei leichten Plus-Temperaturen, wie man es  in den letzten Jahren meist erlebt hat. Zu einem richtigen Winter gehört für mich die passende Lektüre. Und da habe ich ein Buch gefunden, das mich rundum begeistert – verbindet es doch Winter-Atmosphäre mit philosophischen Gedanken,  glasklarer Sprache und mit einem Thema, das mich zu jeder Zeit fasziniert:  Tiere. Und das Beste: Mein Namensvetter, der Wolf, ist die Hauptperson.

Joseph Karol Smith erzählt seine klar strukturierte Geschichte sehr stringent und lehnt sich dabei sowohl an die Welt der Fabel an als auch, wie er am Ende der Novelle schreibt, an ein Buch, das für ihn selbst seit seiner Kindheit prägend war: „Of Wolves and Men“ von Barry Lopez.

Es ist einer der strengsten Winter, die der alte, einsame Wolf jemals durchgemacht hat. Weil er kein Futter findet, ist er am Ende seiner Kräfte und streunt durch den tief verschneiten Wald, in der verzweifelten Hoffnung, irgendwo irgendwann auf irgendetwas Fressbares zu stoßen. Seine Ansprüche hat er längst heruntergeschraubt: Nicht einmal vor verwesenden toten Vögeln schreckt er zurück. Als er auf einen Fuchs trifft, beginnt zwischen den beiden Raubtier-Konkurrenten ein psychologisches Kräftemessen, ein gegenseitiges Versteckspiel vor den Gedanken des anderen, das bald in eine gnadenlose Auseinandersetzung zu münden scheint.

Doch viel gefährlicher als der Fuchs ist für den Wolf der Mensch  – und obwohl er das eigentlich weiß, lässt er sich vom Fuchs verführen und missachtet die tödliche Bedrohung, die von den Zweibeinern schon immer auf seine Art ausgegangen ist. Das hat für den alten Grauen verheerende Folgen… Mehr will ich hier nicht verraten. Ich kann aber versprechen: Man möchte die Novelle nicht mehr aus der Hand legen, bevor man endlich weiß, wie sie ausgeht.

Das Buch (160 Seiten) mit wunderbaren Illustrationen von John Spencer ist im Berlin Verlag erschienen und kostet 16,90 Euro.