Gute Nacht, Abendzeitung!

Das ist wieder so ein Tag, an dem ich mich über manche meiner Journalistenkollegen – gelinde gesagt – nur wundern kann. Heute meine ich damit die Kollegen von der „Abendzeitung“.

Über die traurige Nachricht, dass Giraffe Charly im Tiergarten eingeschläfert wurde – wer es noch nicht gehört oder gelesen hat, kann es hier noch mal nachlesen – titelt die AZ: „Wieder Tragödie am Schmausenbuck“ und „Todesspritze für Giraffen-Bulle Charly“  – im zweiten Fall auch noch grammatikalisch falsch, denn es müsste ja korrekt „Giraffen-Bullen“ heißen. Noch schlimmer kommt es in der Unterzeile: „Schwarze Serie des Zoos setzt sich damit fort“.

Was daran so schlimm sein soll, wenn Tierärzte ein Tier von seinen Qualen erlösen, entzieht sich wirklich meiner Vorstellungskraft. Auch wenn Charly, wie die AZ schreibt, „im besten Mannesalter“ war, ist es doch kein Skandal, wenn er mit 13 Jahren eingeschläfert wird, selbst wenn seine Lebenserwartung bei 30 Jahren liegen würde (übrigens nur im Zoo, in freier Wildbahn wäre die Lebenserwartung um einiges niedriger).

„Die Serie der tödlichen Tragödien im Nürnberger Tiergarten reißt einfach nicht ab“, heißt es weiter im Text, Bezug nehmend auf die kürzlich an den Folgen der Kälte eingegangenen Pinguine, die toten Eisbärenbabys von Vera und Vilma, einen toten Schabrackentapir, den Tod der Kleinen Pandas – alle Tiere halt, die im vergangenen Jahr am Schmausenbuck gestorben sind.  Dazu kann ich nur sagen: In jedem Zoo sterben immer wieder Tiere oder müssen eingeschläfert werden – auch wenn das sicher traurig ist. In der Natur sterben Tiere ebenfalls an Krankheiten, Altersschwäche, infolge von Kälte, Hunger, Hitze, Überschwemmung – oder einfach, weil sie von ihren Feinden gefressen werden. Letzteres passiert ihnen im Zoo immerhin nicht.

Besonders ärgerlich finde ich bei einem derartigen Artikel, dass sich der Autor nicht zu erkennen gibt. Weder ein Kürzel noch ein ganzer Name taucht irgendwo auf. –  Da frage ich micht doch: Ist die Auflage der „Abendzeitung“ schon so tief im Keller, dass man auf diese Weise um Leser kämpfen muss? Na, dann gute Nacht, Abendzeitung!