In mir keimt ein schrecklicher Verdacht

Genau eine Woche ist es her, dass ich hier über elf Sibirische Tiger geschrieben habe, die in einem chinesischen Zoo verhungert sind. Ich versuche ja immer, an den Geschichten dranzubleiben und meinen Lesern zu berichten, wenn es in einer Sache etwas Neues gibt. Nicht immer klappt das, aber in diesem Fall kann ich nun vermelden: Der Zoo musste mittlerweile für das Publikum schließen!

Sollte durch die Öffentlichkeit und/oder durch Tierschützer doch ein gewisser Druck entstanden sein, so dass selbst ein Land, in dem Tierrechte so wenig zählen wie Menschenrechte, zur Reaktion gezwungen war? Oder hat die Schließung  gar nichts zu sagen, weil die Tiere im Zoo von Shenyang weiter leiden müssen – nur ohne dass es von der Öffentlichkeit noch kontrolliert werden kann? Und wann öffnet der Zoo wieder seine Pforten?

Wir wissen das alles nicht, denn wie immer dringen nur spärliche Nachrichten aus dem „Reich der Mitte“ zu uns. Jedenfalls hat die Regierung der nordostchinesischen Stadt laut Zeitungsberichten umgerechnet eine Million Dollar zugesagt, um dem privat geleiteten Zoo finanziell unter die Arme zu greifen. (Die Stadt besitzt 15 Prozent der Zooanteile.)
weiter lesen

Tiger-Skandal in China

Die Chinesen treten nicht nur Menschenrechte willkürlich mit Füßen. Auch Tierrechte und Tierschutz – oder schlicht: der Respekt vor Lebewesen – gehen ihnen offenbar sonstwo vorbei. Ausgerechnet im chinesischen „Jahr des Tigers“ hat man im Zoo von Shenyang elf sibirische Tiger Hungers sterben lassen. Und das, obwohl es in freier Wildbahn nur noch zwischen 350 und 450 von diesen königlichen Tieren gibt!

Der Zoo hatte offenbar kein Geld für die richtige Ernährung der Tiere. Die wunderschönen großen Raubkatzen wurden nur mit billigen Hühnerknochen gefüttert und gingen zuletzt jämmerlich an Unterernährung zugrunde. Das hat ein leitender Mitarbeiter der Station für den Schutz wilder Tiere in der Provinzhauptstadt von Liaoning der Öffentlichkeit mitgeteilt. Von Zooseite hatte es nämlich zunächst geheißen, die Tiger seien an Infektionskrankheiten gestorben.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100312-99-01233Im November letzten Jahres hatten bereits zwei Tiger einen Wärter angefallen und schwer verletzt – aus Hunger! Was macht man mit solchen Tieren? Der Chinese erschießt sie natürlich! Nach dem Vorfall hat man dann die anderen Tiger kurzerhand in Käfige gesteckt. Das hat den sowieso schon geschwächten Tieren den Rest gegeben.

Nun könnte man natürlich einwenden, das sei alles in einem Privatzoo passiert, auf den der Staat keinen Einfluss hat. Aber das stimmt nicht: 15 Prozent der Zoo-Anteile befinden sich in Händen der Stadtregierung von Shenyang. Die hätte in jedem Fall einschreiten müssen.

Aber Tierquälerei ist eben im „Reich der Mitte“ ebenso an der Tagesordnung wie Menschenquälerei. Das ist die Realität, und nicht das, was der Weltöffentlichkeit mit den Olympischen Spielen vorgegaukelt wurde!

Aus der Tierwelt nichts Gutes

Auch der schönste Urlaub geht mal zu Ende – ich bin wieder zurück und richtig erleichtert: Diesmal ist während meiner Abwesenheit mal keine Katastrophenmeldung aus dem Nürnberger Tiergarten gekommen, wie sonst leider schon öfter. Dafür geht es dem jüngsten Seelöwen-Nachwuchs bestens – was will man mehr?

Was die übrige Tierwelt angeht, haben die letzten drei Wochen allerdings wenig Gutes an Neuigkeiten mit sich gebracht, wie ich beim Nachlesen der NZ-Ausgaben der letzten drei Wochen feststellen musste. Da werden Schafe wegen des Klimawandels immer kleiner, beim Walschutz kommt man einfach nicht von der Stelle und muss sogar die Kröte neuer Walfang-Programme schlucken, und in China darf pro Haushalt nur noch ein Hund gehalten werden.

Im Tiergarten Nürnberg gibt es zwar keine Todesfälle. Trotzdem erreichte uns von dort eine schlechte Nachricht: Die Besucher müssen länger als gedacht darauf warten, bis sie am Schmausenbuck wieder Elefanten sehen können. Das Geld für den Umbau der alten Anlage, der nötig ist, um dort Jungbullen halten zu können, ist im Augenblick einfach nicht da.

Tja, und die Heuschrecken werden auch nicht erfreut darüber sein, dass man dem seit der seit der Bibel bestehenden großen Rätsel der Heuschreckenplagen auf die Spur gekommen ist: Die Hormone (in diesem Fall Serotonin) lassen diese Tiere verrückt spielen! Da kann man nur hoffen, dass Menschen durch Verabreichung der entsprecheneden Dosis nicht irgendwann künstlich Heuschreckenplagen auslösen – als neue Art der Kriegführung, wäre doch mal was anderes!

Pandas für Olympia

wolong.JPGSchon wieder eine schlechte Nachricht. Sie betrifft die wunderschönen Pandabären, die sowieso schon als „stark gefährdet“ eingestuft sind: Die schweren Erdbeben im Südwesten Chinas könnten diese Tierart noch weiter dezimiert haben.

Im Panda-Reservat in Wolong etwa kamen zwar offenbar die meisten Pandas mit dem Schrecken davon – sie brüllten laut vor Angst bei dem Beben -,  doch sie sind zum Teil so traumatisiert, dass sie jetzt „psychologische Hilfe“ benötigen, heißt es in Berichten der Nachrichtenagentur dpa. Und solche Hilfe scheinen sie sogar in China zu kriegen, denn die Pandas sind dort enorm beliebt – so sehr, dass lange, bevor man absehen konnte, wie viele Menschenleben das Erdbeben gefordert hatte, die Medien dort fragten, ob Bären Schaden genommen hätten.

Wie viele Pandas in freier Natur durch das Beben umkamen, weiß derzeit niemand zu sagen. Die Populationen laufen auch ohne Erdbeben schon Gefahr, dass ihr Erbgut sich nicht genügend mischt, weil sie durch Eingriffe des Menschen in die Natur –  z.B. Straßen, Staudämme (die durch das Beben auch noch bersten könnten) oder Äcker – voneinander getrennt werden. So bleiben einzelne Gruppen unter sich – auch bei der Paarung.

Statt die traumatisierten Tiere aus Wolong nun in Ruhe zu lassen bzw. zu behandeln, verfrachtet man jetzt auch noch acht von ihnen nach Peking, wo die Umweltverschmutzung schon den viel unempfindlicheren Menschen zu schaffen macht: Die Pandas sollen zu den Olympischen Spielen. Nicht als Sportler natürlich, sondern als  Attraktion für die Olympiagäste. Das könnte man ja noch verstehen. Aber als weitere Begründung, so heißt es, sollen sie Symbole für den Artenschutz sein. Verstört, wie sie in Peking wohl ankommen werden.  – Das verstehe, wer will, ich jedenfalls nicht. Vielleicht ticken die Köpfe der so etwas entscheidenden Menschen ja irgendwie anders. Ich glaube, ich habe jetzt schon keine Lust mehr auf diese Olympischen Spiele. Manche Sportler ja auch nicht.