Da kann man doch optimistisch sein!

Wie lang und beinahe schwarz die Zunge einer Giraffe doch ist! Davon konnte sich diese Besucherin des Tiergartens Nürnberg mit ihrem kleinen Sohn heute aus nächster Nähe überzeugen, als sie eine der Netzgiraffen mit Knäckebrot füttern durften. Mutter und Kind waren kurz vorher an der Zoo-Kasse überrascht worden, denn da hieß es plötzlich: Glückwunsch, Sie beide sind unsere millionsten Besucher des Jahres 2017! Es gab zunächst einige Geschenke – unter anderem eine 12 Monate gültige Dauerkarte für den Tiergarten. Der Nürnberger Bürgermeister Christian Vogel, der auch Tiergartenreferent ist, half dann bei der Giraffen-Fütterung (Foto: Roland Fengler).

Die Besucher-Millionengrenze in dem Zoo am Schmusenbuck wurde damit früher als im Jahr 2016 geknackt. Die Zooleitung hofft deshalb, heuer ein sehr gutes Besucher-Ergebnis zu erzielen und bis Dezember über 1,1 Millionen Gäste am Schmausenbuck verbuchen zu können. Bisher hat der Tiergarten 17 mal in seiner Geschichte die Jahresmarke von einer Million Besuchern überschritten. In jüngerer Vergangenheit lag die Zahl nur in den Jahren 2000, 2010 und 2013 unter einer Million. Abgesehen von diesen drei suboptimalen Werten waren es seit 1999 immer über eine Million. Der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau hat eine aufschlussreiche Liste mit Besucher-Mittelwerten für die vergangenen Jahrzehnte erstellt. weiter lesen

Ein typischer Peta-Vorschlag!

delfinlaguneDas ist mal wieder so ein Vorschlag, bei dem man sich sofort denkt: typisch Peta – einfach unsinnig! Die Tierschutzaktivisten haben dem Nürnberger Tiergarten jetzt 100.000 Euro angeboten, wenn der Zoo seine Delfinlagune schließt. Einfach lächerlich, diese Idee! Was soll ein Zoologischer Garten mit einem Jahresetat von 13 Millionen schon mit dieser Summe groß anfangen? Allein die von Peta geforderte Umsetzung der Delfine in eine geschützte Meeresbucht würde ein Vielfaches kosten – ganz abgesehen von folgender, nicht ganz unwichtiger Tatsache: So eine betreute Einrichtung existiert bislang gar nicht!

Kein Wunder also, dass die Tiergartenleitung nicht auf das Angebot eingeht. „Eine Gruppierung, die uns regelmäßig anzeigt, ist für uns kein Gesprächspartner“, zitiert nordbayern.de den stellvertretenden Zoochef Helmut Mägdefrau. Er verweist darauf, dass sich der Tiergarten auch nicht – wie von Peta behauptet – in einer prekären finanzielle Situation befinde. Mägdefrau führt außerdem Zahlen an, die für sich sprechen: An Wochenenden besuchen bein gutem Wetter oft 15.000 Zoogäste die Lagune, sie ist also bei vielen Zoobesuchern äußerst beliebt.

Anfang dieser Woche hatte Peta dem Duisburger Zoo der ebenfalls Große Tümmler hält, ein ähnliches Angebot unterbreitet. In beiden Fällen dürfte das Geld laut den Tierschutzaktivisten ausschließlich zur Verbesserung der Situation bereits vorhandener Zootiere verwendet werden. Die Summen, die von den Tierrechtlern geboten werden, stammen angeblich von privaten Spendern.

Nichts aufgedeckt!

Krassen Fällen von Steuerverschwendung will die Sendung auf den Zahn fühlen, unter dem Motto  „Mario Barth deckt auf“ (Foto: RTL). Dabei kommt eine eigenartige Mischung aus Comedy-Show und Polit-Magazin heraus, und das auf unterstem Niveau. Warum die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens darin auftauchte, bleibt für den Zuschauer, der nicht das ganze Vorgeplänkel mitbekommen hat, nach der Sendung ein Rätsel. Denn um Steuerverschwendung bei der Lagune ging es gar nicht – konnte es ja auch nicht, weil es die eben nicht gibt. Und so hatte sich auch der Bund der Steuerzahler, der mit seinem Präsidenten Reiner Holznagel regelmäßig bei Mario Barth zu Gast ist, vorab via Facebook auf die Frage eines Users folgendermaßen geäußert: „Einige Fälle von Steuergeldverschwendung, die bei ‚Mario Barth deckt auf‘ gezeigt werden, stammen aus dem alljährlichen Schwarzbuch von uns. Dieser nicht.“

Der inhaltlich mehr als dünne Beitrag über die Lagune brachte keine neuen Erkenntnisse. Darüber konnten auch die prall sitzenden Glitzer-Shorts von Moderatorin Nina Heinemann nicht hinwegtäuschen, die dem „5-Sterne-Wasserpark“ Lagune am Ende alle Sterne aberkannte. Das ist sie von ihren Hotel-Tests her so gewöhnt. Viel mehr als ein paar Fragen zu rückläufigen Besucherzahlen im Tiergarten seit Eröffnung der Lagune  (die aber mittlerweile ja wieder im Steigen begriffen sind) fiel ihr nicht ein. Mussten also die sattsam bekannten Baumängel herhalten, die ja keiner bestreitet, für die aber die Stadt bzw. der Tiergarten nichts kann. Und weil auch dieses Thema nicht genug hergab, kam zum gefühlt millionsten Mal die Gabe von „Beruhigungspillen“ an die Großen Tümmler aufs Tapet.

Wohl um den wenig eindrucksvollen Fakten ein wenig mehr Gewicht zu verleihen, wurde ein Video zugespielt, in dem der ehemalige Flipper-Trainer und heutige Delfinariengegner Ric O´Barry die Menschen aufforderte, Delfinarien nicht zu besuchen und die Tiere lieber in eine „delfinwürdige Bucht“ zu entlassen. Und dann wurde noch ein wenig Werbung gemacht für das „Dolphin Care“-Projekt des Wal- und Delfinschutzforums WDSF. Der kurze Auftritt von dessen Vertreter Jürgen Ortmüller blieb so blass, dass er gar nicht weiter erwähnenswert ist.

Insgesamt war das viel Vorab-Lärm um nichts. Würde die Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, würde ich mal nachfragen wollen, wie viel dafür von unseren Steuergeldern verschwendet wird.

Soll das investigativer Journalismus sein?

Diese Sendereihe arbeitet mit billigen Vorurteilen und erreicht damit ein Millionenpublikum: Mario Barth deckt auf“ (Foto: RTL). Bei der neuesten Ausgabe der RTL-Sendung geht es am 7. Oktober um 20.15 Uhr unter anderem um die Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens. Im Vorfeld schlagen im Internet bereits seit ein paar Wochen die Wellen hoch: Auf Facebook werfen Delfinariums-Befürworter dem RTL-Team Voreingenommenheit und Beeinflussung durch das Wal- und Delfinschutz-Forum vor.

Der Comedian Barth will laut Angaben von RTL mit seinem Team aus prominenten „Spürhunden“ in seiner Show „Verschwendung und Behördenwahnsinn“ auf den Grund gehen. „Leider versickern viele Gelder immer noch in extrem kostspieligen Neu- oder Umbaumaßnahmen, die am Ende keiner wirklich will oder braucht“, heißt es auf der Homepage des Senders. Fälle von „grober Steuerverschwendung“ sollen in der Show angeprangert werden.

Wie dazu ein Beitrag über die Delfinlagune passt, frage ich mich ebenso wie die Delfinfreunde gegen die Delfinarenhasser – so heißt eine Gruppe bei Facebook. Denn die Lagune ist lediglich zu rund elf Prozent aus Steuergeldern finanziert. Den Löwenanteil der Gesamtkosten von 31 Millionen Euro (inklusive Manatihaus) finanziert der Tiergarten entsprechend einer Vereinbarung mit der Stadt Nürnberg über Zinstilgung über einen jährlichen Budgeteinbehalt von derzeit rund einer Million Euro. 7,7 Millionen Euro stammen aus Spenden, und 3,5 Millionen Euro kommen aus dem gesamtstädtischen Haushalt zur Deckung der angefallenen Mehrkosten. Es sind also bisher lediglich 3,5 Millionen Euro an Steuergeldern in die Lagune geflossen.

Die Recherchen und Interviews zur Sendung sind offenbar, um es vorsichtig zu formulieren, etwas einseitig verlaufen. Tiergartendirektor Dag Encke hat sie mir gegenüber als „sehr tendenziös“ bezeichnet. Er habe bei Fragen – zum Beispiel zu den Besucherzahlen nach Eröffnung der Lagune – nicht die Möglichkeit gehabt, in Fragen verpackte Behauptungen richtigzustellen. Als „Spürhündin“ im Fall Lagune hat Mario Barth Nina V. Heinemann losgeschickt. Die ist Hoteltesterin, Fitness- und Reiseexpertin und Fernsehmoderatorin. Sie ist außerdem Mitglied bei „Dolphin Care“, einem Projekt, das im November 2014 von ProWal und WDSF ins Leben gerufen wurde. Hinter dem WDSF  (Wal- und Delfinschutz-Forum) steckt Jürgen Ortmüller, von Beruf Steuerberater in Hagen. Im Namen des WDSF kämpft er seit Jahren gegen Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien im allgemeinen. Zusammen mit der Organisation ProWal hat sich das WDSF mit „Dolphin Care“ zum Ziel gesetzt, ein Zentrum für verletzte Delfine und deren Wiederaussiedlung im Roten Meer in Ägypten einzurichten.

Auf Facebook existiert auch eine Gruppe namens „Dolphin Care“, bei der Nina V. Heinemann Mitglied ist. Sie hat sich zudem vor den Dreharbeiten in Nürnberg öffentlich gegen die Delfinhaltung ausgesprochen – und Ortmüller hat sich bereits vor Ausstrahlung der Sendung beim RTL-Team im Netz für den „tollen Dreh“ bedankt. Bei Facebook-Gruppen, die sich für Delfinarien einsetzen, werden seit einigen Wochen schon Vorwürfe erhoben, mit der neuesten Ausgabe von „Mario Barth“ werde eine Fernsehsendung von Delfinariumsgegnern als Forum missbraucht, um Stimmung gegen die Lagune zu machen.

Ich bin mal gespannt, was nun wirklich für ein Beitrag bei dem Ganzen herausgekommen ist, und werde mir die Sendung natürlich anschauen.

Keine Angst vorm Bürgermeister!

vipraumneu
Nachdem mich nach obigem Blogbeitrag von vip über Facebook eine ganze Reihe von Kommentatoren darauf angesprochen hat, was bei uns in der NZ-Redaktion los sei, dass Blogger nun offenbar gegeneinander schreiben, will ich auf diesem Weg auf den Beitrag antworten:

Lieber vip,

ein Zyniker wie Du kann es sich offenbar nicht vorstellen, dass jemand von einer guten Sache überzeugt ist – so wie ich vom Nürnberger Tiergarten und von Zoos im allgemeinen. Ich stehe damit beileibe nicht allein da, das belegen die Millionen von Zoobesuchern, die allein in Deutschland jedes Jahr registriert werden.

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand anderer Meinung ist und Zoos oder die Delfinhaltung ablehnt und dies öffentlich kundtut. Schließlich gilt bei uns Meinungsfreiheit. Aber die Mittel müssen fair bleiben. Mir vorzuwerfen, ich würde mich „harttun“, gegen gegen den Tiergarten anzuschreiben, weil „dessen oberster Chef der Bürgermeister ist, der wiederum in der Nürnberger SPD vorne mitmischt und auch auf etlichen anderen wichtigen Themen draufsitzt“, ist einfach lächerlich. Mich interessiert der Bürgermeister, dessen Namen Du nicht erwähnen willst, in diesem speziellen Fall – Entschuldigung, Herr Vogel! – einen Sch… Ich schreibe nicht für Herrn Vogel und die SPD, sondern über Ereignisse im Nürnberger Tiergarten – und zwar positive wie negative. Und so wird es auch künftig sein.

 

Die Lagune soll endlich dicht gemacht werden

LaguneneuSeit vier Jahren gibt es Ärger um die Tatsache, dass nach der Eröffnung der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten Salzwasser aus der neuen Anlage ausgetreten ist. Eichen im angrenzenden Wald am Schmausenbuck wurden dadurch geschädigt, und die Tiergartenleitung experimentierte mit verschiedenen Möglichkeiten, um den Wasseraustritt zu vermeiden. So wurde etwa der Wasserspiegel abgesenkt – doch das kann auf lange Sicht keine Lösung sein.

Eine Arbeitsgruppe aus verschiedenen Dienststellen der Stadt Nürnberg arbeitet seit Monaten an Planungen zu einer dauerhaften Abdichtung der Lagune, die man nun umsetzen will. Auch andere Baumängel, die seit der Eröffnung der Anlage aufgetreten sind, sollen im Zuge dessen behoben werden. Als Sanierungszeitraum werden die Jahre 2016 bis 2018 genannt. Denn bevor man mit dem Beheben der Mängel beginnen kann, muss auch noch das nichtöffentliche Delfinarium II wieder fit gemacht werden, weil es als Ausweichquartier für die Delfine dienen soll. Die Sanierung selbst soll Becken für Becken erfolgen, und der Lagunenbetrieb soll währenddessen möglichst weiterlaufen wie gewohnt.

Zeit wird´s, dass endlich was passiert, kann man da nur sagen. Denn der Zoo am Schmausenbuck sieht sich seit Jahren Vorwürfen ausgesetzt, für die er gar nichts kann: Baumängel gehören nicht in seine Verantwortlichkeit. Aber sie passen halt so schön ins Bild, wenn man der Delfinlagune ablehnend gegenübersteht.

Er hat nach meiner Pfeife getanzt!

Nach meinem Beitrag über die themenbezogenen Präsentationen in der Lagune des Nürnberger Tiergartens hat sich einer meiner treuesten Leser und Kommentatoren gemeldet: Stephan Koch. Er hatte im „Blauen Salon“ ein Erlebnis, das er so schön fand, dass er es mit möglichst vielen anderen teilen möchte. Mir gefällt die Geschichte auch. Deshalb veröffentliche ich sie hier als Gastbeitrag.

taktErinnern wir uns an einen wundervollen Tag im Tiergarten. Ich war zusammen mit guten Freunden im zahlenmäßig gen Nachmittag hervorragend besuchten Tiergarten, und als sich der Tag dem Ende neigte, wurde es auch mal Zeit, sich ein wenig auszuruhen: Der Blaue Salon sollte es dieses Mal sein. Das Spiel zwischen den Großen Tümmlern und den Kalifornischen Seelöwen, die zusammen in der Lagune leben und miteinander interagieren, ist immer sehenswert.

Wenn man zudem ein bisschen Geduld investiert, dann kann man auch Geschichten erleben, kleine, aber prägnante Geschichten. Kaum war wieder ein bisschen Ruhe nach der letzten Präsentation der Großen Tümmler eingekehrt und die Kalifornischen Seelöwen wieder zu den atlantischen Tümmlern gelassen worden, da widmete ein Seelöwe seine ganze Aufmerksamkeit der kleinen Hand eines Mädchens jenseits der Unterwasserscheibe. Ganz freiwillig – ohne Konditionierungspfeife und ohne Fisch als Belohnung – schwamm das Tier nahe an die Scheibe und untersuchte das, was es sah. Sein Interesse steigerte sich noch, als die Mutter sich zur Kleinen hinunterbeugte, sie in den Arm nahm und einen bunten Stab aus Plastik hervorholte. Ich weiß nicht genau, was dieser Stab nun konkret war, aber das Ding steigerte die Neugier des Seelöwen ins Unermessliche – ebenso wie die Freude des kleinen Mädchens, das nun vergnügt quietschend die Scheibe von links nach rechts und von rechts nach links ablief, während der Seelöwe brav dem Stock folgte … und zwar solange, bis das Tier verstand, dass es sich drehen sollte, wenn die Kleine den Taktstock drehte.

Dieses Spiel ging über eine halbe Stunde lang. Wenn der verspielte Seelöwe Luft brauchte, tauchte er auf, holte Luft und tauchte zur Freude der Kleinen wieder ab. Ganz um sich dem Mädchen mit dem Spielzeug zu widmen und mit ihm zu tanzen, Blickkontakt zu halten und dem Kind einen ganz bezaubernden Tag zu schenken. Dieser Augenblick des Glücks ist einer von denen, die das kleine Mädchen niemals vergessen wird. Mit stolzer Brust wird es Freundinnen und später vielleicht seinen Kindern erzählen, dass ein Seelöwe in seinem Takt getanzt hat.

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In Nürnberg leben keine Delfine aus Taiji

Ich habe es befürchtet und deshalb letzte Woche keinen Blog-Beitrag über Taiji geschrieben, wo wieder das alljährliche grausame Delfin-Abschlachten stattfand. In der Online-Ausgabe der NZ wurden in Kommentaren zum dort veröffentlichen Artikel über Taji die irrwitzigsten Beziehungen zu den Delfinen im Nürnberger Tiergarten hergestellt. Das ist  eine der großen Gefahren des Internets: Jeder kann jeden Mist veröffentlichen.

Einer der Kommentatoren (@Redaktion), der nicht diesen unsäglichen Schreibern zuzuordnen ist, hat angeregt, dass Journalisten der Frage nachgehen sollten, woher die Delfine in Nürnberg stammen. Ich habe zwar immer wieder in Artikeln in der Printausgabe der NZ und auch hier im Blog geschrieben, woher die Tiergarten-Delfine kommen. Daraus müsste man eigentlich schließen können, dass der Nürnberger Tiergarten und Taiji nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben. Es stimmt: Die schönsten der in Taiji gefangenen Tümmler werden an Delfinarien verkauft, jedoch ausschließlich in Japan, China und vereinzelt an die Türkei. In keinem einzigen europäischen Zoo, der mit Großen Tümmlern am Erhaltungszuchtprogramm EEP beteiligt ist, werden Tiere aus Taiji gekauft, und kein Zoo der Welt wird in den Zoo-Weltverband aufgenommen, wenn er ein Tier von dort halten würde.

Mir liegt die Liste aller Großen Tümmler vor, die in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens leben und lebten. Für jedes einzelne Tier ist die Herkunft genau nachgewiesen (das ist auch in jedem anderen Zoo so). Die Großen Tümmler, die direkt nach der Eröffnung des alten Delfinariums im Tiergarten und in den folgenden 1970er Jahren hier gehalten wurden, waren noch Wildfänge. Das hat auch noch nie jemand abzustreiten versucht. Diese Tiere stammten aber nie aus Taji, sondern aus den Küstengewässern Floridas und kamen über andere Delfinarien (vor allem Duisburg und Nerja/Spanien) hierher. Darunter waren auch Tiere, die krank gefangen und im Dinnes Memorial Tier-Hospital (Texas) wieder aufgepäppelt worden waren. Und – ganz wichtig: Auch Moby, der Senior der Nürnberger Delfine, ein Wildfang aus Florida, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist, lebt seit 1971 in Nürnberg und ist nach wie vor putzmunter.

Bereits in den 80er Jahren gab es Nachzuchten der ehemaligen Wildfänge (darunter Moby), die im Tiergarten geboren wurden. Einige davon starben innerhalb weniger Wochen, andere leben noch heute. Bei Anke und Nynke handelt es sich um Wildfänge aus dem Jahr 1985, die später vom Zoo Münster nach Nürnberg abgegeben wurden. Noah ist 1993 in Nürnberg als Sohn von Eva (Wildfang) und Moby (Wildfang) geboren und lebt noch hier. Naomi (geb. 1998), eine Schwester von Noah, lebt in Harderwijk. Die aus dem Heidepark Soltau stammenden und nach Nürnberg abgegebenen Delfine Sunny, Joker und Arni waren bereits Delfinariums-Geburten und leben teils hier, teils in der Meeres-Delfinlagune Harderwijk. Rocco und Kai sind beide in Harderwijk geboren.

Es gab in Nürnberg – wie in anderen Delfinarien auch – Tot- und Fehlgeburten sowie Jungtiere, die kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Das passiert aber auch bei anderen Zootieren und wurde nie verheimlicht, sondern immer in der örtlichen Presse veröffentlicht. Es wäre schön, wenn die unsägliche Legendenbildung um die Delfine endlich mal abgeschlossen würde – aber ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben.

 

Jeder blamiert sich, so gut er kann!

Wenn es um die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg geht, sehen die Tierschutzaktivisten der Delfin- und Walschutzorganisation ProWal grundsätzlich rot. Doch die Haltung von Tümmlern in Delfinarien oder Zoos abzulehnen und gegebenenfalls dagegen zu protestieren, ist eine Sache. Eine andere ist es, Kampagnen gegen die Lagune bzw. den Tiergarten zu reiten, die an den Haaren herbeigezogen sind. Genau das tun  Mitglieder von ProWal derzeit: Sie versuchen dem Tiergarten ein „Müllproblem in der Delfinlagune“ anzuhängen und verschicken das Ganze als Pressemitteilung an die Medien.

Angeblich, so ist in der Meldung zu lesen, liege in der Delfinlagune überall Müll herum, von Essensresten über Alu-Verpackungen und Getränkeflaschen bis hin zu Zigarettenkippen. Liest man die Mail, denkt man erst: Mein Gott, warum lassen die Verantwortlichen so etwas zu? Dann beginnt man, die als Beweis an die Mail angehängten Fotos durchzuklicken. Und findet dann zum Beispiel dieses Bild. Auf anderen Fotos sind etwa ein einzelner weggeworfener Strohhalm, ein Heftpflaster oder ein paar Zigarettenkippen zu sehen. Keine Müllberge, sondern ganz vereinzelte kleine Gegenstände, die im Gras, am Rand eines Zauns oder zwischen den Zuschauerbänken liegen. Nicht etwa in den Wasserbecken der Lagune, in denen sich die Delfine aufhalten.

Behauptet wird in der „Pressemitteilung“ auch, es gebe keine „Putzkolonnen“, die sich des Problems annehmen. Tatsache aber ist, dass Tierpfleger, die im Bereich von Delfinlagune/Manatihaus arbeiten, jeden Morgen mit Schippe und Besen unterwegs sind und Abfall vom Vortag sowie Kippen zusammenkehren, die neben die Aschebehälter gefallen sind. Nach den öffentlichen Vorstellungen in der Lagune gehen die Ordner der für den Tiergarten tätigen Sicherheitsfirma durch die Sitzreihen und räumen liegengelassene Flaschen, Servietten, Eisverpackungen usw. weg. Übersehen sie dabei irgendwo ein Papierchen oder einen Eisstiel, schädigt das die Tiere noch längst nicht, denn die schwimmen in den Wasserbecken und kommen nicht an Land.

Wenn Besuchern etwas ins Wasser fällt – wie zum Beispiel kürzlich im Manatihaus eine Baseballmütze -, holen Tierpfleger oder Taucher diese Gegenstände heraus. Die meisten Zoobesucher sind aber laut Tiergartenleitung sehr vernünftig und schmeißen nichts bewusst ins Wasser oder in die Gehege. Und sollte in der Lagune mal ein kaputter Ball herumschwimmen, dann handelt es sich in der Regel nicht um gefährlichen „Plastik-Müll“, wie von ProWal behauptet, sondern um ein Spielzeug der Delfine: Wie kleine Kinder machen die auch mal etwas kaputt, wenn sie darauf herumbeißen.

Alles in allem kann ich zu dieser „Pressemitteilung“ nur sagen: Jeder blamiert sich, so gut er kann!

Wie die ÖDP die Delfin-Lagune schlechtredet

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser an den Juli dieses Jahres, als kurz vor Eröffnung der Delfin-Lagune im Nürnberger Tiergarten ÖDP-Stadtrat Thomas Schrollinger ankündigte, er werde zu dieser Veranstaltung nicht hingehen. Ich habe hier im Blog darüber geschrieben. Nun beglückte Herr Schrollinger die Nürnberger Journalisten erneut mit einer Pressemitteilung. Dazu folgendes:

„Thomas Schrollinger lässt in Sachen Delfin-Lagune im Tiergarten nicht locker.“ So beginnt der Stadtrat der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) eine Pressemitteilung, die er diese Woche verschickt hat. Überschrift: „ÖDP-Stadtrat hakt nach.“
Nun ist es nichts Neues, dass Schrollinger die Lagune ablehnt. Neu ist allerdings, dass er mit falschen Zahlen operiert – genau das aber dem Tiergarten vorwirft. Der Zoo habe Ende September niemals den millionsten Besucher dieses Jahres begrüßen können, weil da noch 126 500 Besucher zu dieser Summe gefehlt hätten, behauptet Schrollinger. Dumm gelaufen: Der ÖDP-Stadtrat hat bei seiner Rechnung den Monat Juli vergessen. Das sagt jedenfalls der stellvertretende Tiergartendirektor Helmut Mägdefrau. Zum Stichtag am 29. September waren es sogar über eine Million – nämlich 1 022 000 Besucher.
Dass die ursprünglich für die Lagune auf 24 Millionen Euro festgelegten Baukosten überschritten werden, wird durch Schrollingers Wiederholung ebenfalls nicht neuer. Und auch wenn der ÖDP-Stadtrat es bezweifelt: Der Tiergarten könne die Mehrausgaben durch Mehreinnahmen schultern, versichert der Zoo.  Entstanden ist die für ein Bauprojekt dieser Größenordnung durchaus übliche Überschreitung beispielsweise durch die Beschleunigung der Baumaßnahmen (damit die Lagune rechtzeitig eröffnet werden konnte), den Einbau einer Hebebühne im Rundbau des Delfinariums und durch die Beckenrandsicherung.
„Die eigentliche Frage ist, mit welchen Mitteln gearbeitet wird, um einen ‚Erfolg‘ des Prestigeobjekts ‚Lagune‘ herbeizureden.“ So beendet Schrollinger seine Pressemitteilung. Gegenfrage: Mit welchen Mitteln arbeitet eigentlich Herr Schrollinger, um das Projekt wieder einmal in Verruf zu bringen?