WG komplett, Frauenquote erhöht

Die neue große Attraktion des Nürnberger Tiergartens ist natürlich die Lagune für Delfine und Seelöwen mit dem dazugehörenden Manatihaus. Seit Eröffnung der Anlage strömen die Besucher an Wochenenden und während der Schulferien in Scharen in den Zoo am Schmausenbuck. Trotzdem erreichen die Besucherzahlen nicht die Werte aus der Vergangenheit, als sich an Spitzentagen 16 000 bis 17 000 Menschen durch den Tiergarten drängten. Die Zooleitung kann aber bisher zufrieden sein mit dem großen Interesse, das der Lagune entgegengebracht wird – vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass vor der Eröfnung geunkt wurde, wegen der erhöhten Eintrittspreise würden die Besucherzahlen einbrechen.

Mittlerweile hat sich die größte Aufregung gelegt, und der Besucheransturm hält sich, seit das neue Schuljahr begonnen hat und die Urlaubszeit vorbei ist, in Grenzen. Zeit, anderen Zoobewohnern endlich wieder mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die nicht so sehr im Rampenlicht stehen wie die Großen Tümmler. Da hätten wir zum Beispiel die Kleinen Pandabären, auch Katzenbären genannt. Kenner des Nürnberger Tiergartens werden sich erinnern, dass diese Tiere vor über drei Jahren auf rätselhafte Art zu Tode kamen. Ein Muntjak-Hirsch war ausgeflippt und hatte das Panda-Pärchen gemeuchelt.

Der Vorfall hatte dem Tiergarten wieder mal einige Kritik beschert: Geradezu unverantwortlich sei es, Muntjaks und Katzenbären in derselben Anlage zu halten! Aber auch in anderen Zoologischen Gärten leben beide Tierarten zusammen, und zwar einträchtig. Und deshalb hat man sich in Nürnberg nun doch entschlossen, die Wohngemeinschaft zu reaktivieren. Nach langer Suche innnerhalb des Europäischen Erhaltungszucht-Programms (EEP) wurde  man in Aalborg fündig: Von dort stammt das junge Pandaweibchen, das jetzt im Tiergarten eingezogen ist. Den Winter über muss die Katzenbärin allein in ihrem neuen Zuhause ausharren, bevor sie im nächsten Frühjahr Gesellschaft von einem Panda-Männchen bekommt.

Damit die Kleinen Pandas künftig vor den Muntjaks sicher sind, wurde der Stall umgebaut: Die Pandas haben in allen Abteilen sozusagen eine exklusive zweite Etage zur Verfügung. Im Außengehege können sich die Katzenbären außerdem in zwei Unterschlupfhütten in den Bäumen zurückziehen. Die Besucher müssen allerdings – wie früher auch schon – etwas Geduld und Entdeckergeist mitbringen, wenn sie die Pandadame sehen wollen. Denn sie ist die meiste Zeit in den Bäumen unterwegs und versteckt sich gerne.

Die Waldrappe im Tiergarten verstecken sich zwar nicht, sie werden aber vom Publikum – leider! – meist links liegengelassen. Und das im wörtlichen Sinn: Diese in freier Natur fast ausgerottete Ibisart wird im Tiergarten nämlich in der großen Vogelvoliere links vor der Raubtier-Anlage gehalten. Da geht man schnell dran vorbei, zumal, wenn man mit Vögeln nicht so viel am Hut hat.

1971 begann man am Schmausenbuck mit der Zucht dieser Tiere. Jahrelang hat das gut geklappt – bis 2005. Seitdem ist kein einziger Waldrapp mehr geschlüpft. Woran das lag? Ganz einfach: In der Voliere gab es zu wenig Frauen. Das herauszufinden, war gar nicht so einfach: Das Geschlecht der einzelnen Vögel musste molekulargenetisch durch eine Untersuchung der Waldrapp-Federn bestimmt werden. Durch Vermittlung des EEP wurde die Nürnberger Waldrapp-Truppe jetzt altersmäßig aufgefrischt und die Frauenquote erhöht. Nun sollte es also wieder flutschen beim Waldrapp-Nachwuchs.

Falsche Behauptungen über die Lagune

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach über Kritik an der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten geschrieben – was wiederum die eine oder andere Kritik provoziert hat. In der „Nürnberger Zeitung“ erscheint am Mittwoch wieder ein Artikel von mir zum Thema Lagune und Delfinhaltung. Ich zeige an mehreren Beispielen, wie das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) und das Projekt Walschutzaktionen (ProWal) die Medien mit Pressemitteilungen zu manipulieren versuchen, die unrichtige Behauptungen enthalten. Und manchmal schaffen solche Tierschutzaktivisten das auch! Die Lagune ist – für alle, die es bisher nicht wussten – das einzige Freiluft-Delfinarium Deutschlands. Jürgen Ortmüller, Geschäftsführer des WDSF,  bezeichnet sie gern als „Steinbruch-Delfingefängnis“.
Im Folgenden übernehme ich den Hauptteil meines  NZ-Artikels ausnahmsweise für mein Blog – auch wenn der Text sehr lang ist. Aber nur so lässt sich nachweisen, wie viele Unwahrheiten von den beiden Organisationen verbreitet werden, die widerlegbar sind. Übrigens: Meine Blog-Leser bekommen den Beitrag jetzt schon vor dem Erscheinen in der Zeitung – als kleines Dankeschön für ihre Treue!

Behauptung: „Der angeblich über 50 Jahre alte Delfin Moby … musste vor den Augen der Besucher mit Flüssigkeit zwangsernährt werden, indem der Trainer ihn einen Gartenschlauch schlucken ließ, weil er nach Angaben der Delfintrainer einen schweren Nierenschaden hat.“
Tatsache: Alle Großen Tümmler, die je im Tiergarten gelebt haben, sind genau dokumentiert. Der aus dem Küstengewässer vor Florida stammende Moby kam im August 1971 vom Duisburger Zoo zur Eröffnung des Delfinariums in den Tiergarten. Da er wie alle Tiere in der Anfangszeit der deutschen Delfinarien ein Wildfang ist, lässt sich sein Geburtsjahr nicht genau bestimmen; Fachleute haben Moby damals auf zehn Jahre geschätzt. Moby hat trotz seines hohen Alters keinen Nierenschaden. Seine Nieren funktionieren aber – ähnlich wie bei alten Menschen – nicht mehr so gut. Deshalb bekommt der Delfin-Senior über Gelatine und Eiswürfel zusätzlich Flüssigkeit. Moby hat außerdem im Training gelernt, freiwillig einen Schlauch zu schlucken. Über den werden täglich mehrere Liter Wasser eingefüllt, damit Mobys Nieren weiter gut arbeiten.

Behauptung: „Moby musste mit den anderen drei Delfinen im Außengehege des Delfinariums an der Show teilnehmen und hohe Sprünge über einen Wasserstrahl absolvieren, um überhaupt seine zusätzlichen Futterrationen zu bekommen.“
Tatsache: Kein einziger Tümmler wird in Nürnberg gezwungen, Kunststücke vorzuführen. Hat ein Delfin keine Lust mitzumachen, kann er in ein anderes Becken schwimmen. Dort kümmert sich ein Mitarbeiter der Lagune um ihn, während die übrigen Tiere ihr Beschäftigungsprogramm absolvieren. Das alles können die Besucher mit eigenen Augen verfolgen. Das Training funktioniert ausschließlich über das Belohnungsprinzip: Ein Delfin, der eine Übung richtig gemacht hat, kriegt einen oder mehrere Fische zugeworfen. Der Trainer lobt ihn auch mit Worten und gibt dem Tier ein akustisches Signal zur Bestätigung. Beteiligt sich ein Tümmler nicht am Programm, erhält er trotzdem seine notwendige Futtermenge.

Behauptung: Delfinschützer ermittelten am 25. August dieses Jahres in der Lagune „Hitzetemperaturen von knapp 30 Grad Celsius während der Delfin-Show direkt an der Wasseroberfläche“. Erlaubt seien für die Delfine nach den Rechtsgrundlagen aber nur 24 Grad, so die Tierschützer.
Tatsache: Das vom Bundesministerium für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Ernährung herausgegebene „Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren“ lässt einen Toleranzbereich der Wassertemperatur von zehn bis 28 Grad zu. Und weiter heißt es dort: „Die Luft über der Wasseroberfläche muss staubarm sein, eine relative Luftfeuchte von mindestens 60 Prozent und eine Temperatur von 10 bis 24 Grad Celsius aufweisen.“ In der Lagune wird die Wassertemperatur regelmäßig kontrolliert – das Messen der Luft über dem Wasser ist praktisch jedoch kaum durchzuführen. Das Gutachten stammt aus dem Jahr 1996 und wird derzeit überarbeitet.

Behauptung: WDSF- und ProWal-Vertreter „deckten jetzt auf, dass seit fast drei Jahren zwei Große Tümmler aus dem geschlossenen Vergnügungspark-Delfinarium des Heideparks Soltau in einem Nebenbecken der alten Delfinhalle des Tiergartens gehalten werden“.
Tatsache: Als Arni und Joker im November 2008 aus Soltau nach Nürnberg kamen, hat der Tiergarten das in einer Pressekonferenz bekanntgegeben. Die beiden Delfinmännchen sollten nur vorübergehend im Tiergarten bleiben, weil nach der Schließung des Delfinariums im Heidepark kein anderes Ausweichquartier zur Verfügung stand. Dass beide im nicht öffentlichen Delfinarium II untergebracht sind, ist kein Geheimnis. Es gibt einen ganz einfachen Grund dafür: Der große und starke Joker würde den alten Moby als Anführer der Nürnberger Delfingruppe entmachten. „Das wäre das Todesurteil für ihn“, sagt Tiergartendirektor Dag Encke. Auch zwischen Joker und dem elfjährigen Arni komme es immer wieder zu Rangeleien. Nun soll Joker Zuchtbulle in einem anderen Delfinarium werden; der Transfer wird laut Encke derzeit vorbereitet. Danach will man Arni in die übrige Truppe integrieren.

Behauptung: Joker und Arni würden „ohne Tageslichtdach“ gehalten. Angeblich hat eine – namentlich nicht genannte – ehemalige Tiergarten-Mitarbeiterin Fotos zur Verfügung gestellt, die belegen sollen, dass Joker und Arni „in einem dunklen Mini-Pool seit drei Jahren vor sich hinvegetieren“.
Tatsache: Laut dem Gutachten des Bundesverbraucherschutzministeriums ist nur „für ausreichendes Naturlicht“ zu sorgen. „Bei zusätzlicher künstlicher Beleuchtung ist diese einem dem natürlichen Licht entsprechenden Spektrum anzupassen.“ Von einem Tageslichtdach ist nirgends die Rede. Das Becken im Delfinarium II entspricht von der Größe her den Vorschriften.

 

Scheibe verkratzt – was nun?

Gerade mal ein paar Tage ist die Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg für Zoobesucher zugänglich – schon hat einer (oder eine?) von ihnen der neuen Anlage für Große Tümmler, Seelöwen und Seekühe mutwillig Schaden zugefügt: Bereits in der vergangenen Woche wurde die riesige Panoramascheibe verkratzt, durch die man vom „Blauen Salon“ aus Delfinen und Seelöwen unter Wasser beim Schwimmen und Tauchen zuschauen kann (auf dem Foto ist der 51-jährige Moby durch die Scheibe zu erkennen, im Vordergrund eine der künstlichen Algen der Unterwasserlandschaft).

Der Tiergarten hat diese Sachbeschädigung nicht an die Medien weitergegeben – vielleicht aus Angst, andere damit auf dumme Ideen zu bringen, vielleicht auch aus Angst vor erneut schlechter Presse über die Lagune. Schließlich hatten im Vorfeld und am Tag der Eröffnung der Lagune zahlreiche Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsender immer wieder negativ und einseitig über die Lagune berichtet. Auch das Bayerische Fernsehen hat sich da pseudokritisch eingereiht, wie hier bereits ausführlich berichtet.

Nun prangen in der Mitte der sündhaft teuren, 18 Meter langen, gekrümmten Acrylscheibe Kratzer in Zickzachform auf einer Fläche von ungefähr 25 mal 25 Zentimetern. Mancher Besucher mag sie im Halbdunkel gar nicht bemerken, vor allem wenn er in die Beobachtung der faszinierenden Meeressäuger vertieft ist. Andere werden sich vielleicht über den Akt von Vandalismus ärgern, wieder andere könnten sich animiert fühlen, dem bisher noch einsamen Kratzer einen weiteren zur Gesellschaft hinzuzufügen.

Leider ist man dem „Täter“ (warum eigentlich Anführungszeichen, es handelt sich ja eindeutig um eine Straftat?) nicht auf die Schliche gekommen. Die Überwachungskamera hat keine Bilder geliefert, auf denen man den Bösewicht erkennt. Tiergartenmitarbeiter, die immer wieder sozusagen auf Streife unterwegs sind, vermuten, es könnte ein Kind gewesen sein: Ständig tatschen nämlich Buben und Mädchen mit den Händen an die Scheibe und rennen davor auf und ab. Dabei könnte ein Kind ein „Werkzeug“ zum Verkratzen in der Hand gehabt haben. Es könnten auch Jugendliche gewesen sein, die sich ja überall im Stadtgebiet künstlerisch verewigen. Und dann bleibt natürlich die Möglichkeit, dass einer der Lagunen-Gegner seiner Wut über die Anlage freien Lauf gelassen hat.

Wie dem auch sei: Nun muss der Tiergarten die wertvolle Scheibe für teures Geld (die Kosten stehen noch nicht fest) reparieren lassen. Die Tiergartenleitung will vermeiden, dass sich irgendein zweiter Verrückter durch die Kratzer eingeladen fühlt, auch seine „Handschrift“ auf dem Acrylglas zu hinterlassen. An Absperrungen vor der Scheibe, die einen gewissen Sicherheitsabstand garantieren würden, denkt man – vorläufig jedenfalls – noch nicht. Denn der Besucher soll ja den Eindruck haben, dass die Tiere ganz nah auf ihn zuschwimmen. Da kann man nicht einen Meter entfernt vor der Scheibe stehen. Wenn die Überwachung verstärkt werden sollte, würde das auch zusätzliche Kosten verursachen. Was man schließlich auf keinen Fall möchte, ist, den Besuchern das Gefühl einer ständigen Überwachung zu vermitteln. In solch einer unguten Atmosphäre würde sich bestimmt niemand wohlfühlen – weder Mensch noch Tier.

Das Bayerische Fernsehen und die Lagune

Die neue Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg ist ab Samstag, 30. Juli,  endlich auch für die Zoobesucher zugänglich. „Endlich“ deshalb, weil sich nun jeder selbst ein Bild von der Anlage machen kann, die im Vorfeld deutschlandweit für einen Medienwirbel ohnegleichen gesorgt hat. Die Informationen, die über das Projekt gestreut wurden, waren tendenziös bis einseitig. Tierrechtler und Tierschutzaktivisten haben es geschafft, einen Großteil der Medien für sich zu vereinnahmen.

Eine ganze Reihe von Journalisten, die sich mit dem Thema Delfine bisher kaum beschäftigt haben, interviewten blauäugig Vertreter von PETA oder Pro Wildlife und ließen sich von denen alles Mögliche einreden, was vordergründig dagegen spricht, dass diese Tiere in Zoos gehalten werden können. Wobei offenbar weder die meisten Journalisten noch die Tierrechtler imstande sind,  zwischen „artgerecht“ und „naturgerecht“ zu unterscheiden.  Naturgerechte Haltung gibt es bei keinem Zootier, aber die Bestimmungen der Artenschutzgesetze werden in Zoos erfüllt; so auch in der Nürnberger Lagune.

In vielen Medien scheint es inzwischen Hauptsache zu sein,  sich als kritisch-engagiert zu geben – ob die Inhalte stimmen, ist dabei ganz egal. So macht man heutzutage Quote. Immer schön mit dem Mainstream schwimmen, sonst könnte man ja anecken und ein par Follower oder Freunde in den alles bestimmenden Internet-Foren verlieren.

Den Vogel abgeschossen hat für mich dabei das Bayerische Fernsehen. Am Donnerstag, als die Lagune offiziell eingeweiht wurde, brachte der Sender in der „Rundschau“ um 21 Uhr einen Beitrag über das Ereignis. Der Zuschauer erfuhr darin nicht sehr viel Neues über die Lagune und gar nichts über das Manatihaus, das immerhin ein Viertel der gesamten Investitionssumme des gemeinsamen Bauprojekts Lagune/Manatihaus ausmacht. In den Medien wurde das neue Zuhause für Seekühe allgemein sträflich vernachlässigt – leider, denn ich finde diese Tropenhalle als tiergärtnerische Anlage ehrlich gesagt wesentlich beeindruckender als die Lagune – ein echter Gewinn für den Tiergarten und die Stadt Nürnberg! Deshalb zeige ich einen Teil der Tropenhalle hier gern im Bild.

Aber zurück zum BR. Nachdem schon ein Großteil des aktuellen Beitrags über die Einweihung der Lagune aus Interviews mit Delfinariumsgegnern bestand, durfte hinterher im Studio auch noch eine Vertreterin von Pro Wildlife ihre Halbwahrheiten über die Biologie von Delfinen vom Stapel lassen. Sie behauptete zum Beispiel, die Delfine könnten in Becken wie der Lagune ihr Echolot-System nicht einsetzen. Das ist – mit Verlaub – Schwachsinn hoch drei! Delfine setzen dieses hochsensible Sonarsystem nämlich nur ein, wenn sie ihre Umgebung erkunden müssen. In Becken wie dem bisherigen Delfinarium, die sich über Jahre hinweg nicht verändern, können die Tiere auf das Echolot verzichten, weil sie es nicht brauchen; die Abmessungen des Beckens, Betonwände oder andere Hindernisse haben die Großen Tümmler längst sozusagen in ihrem Gedächtnis eingescannt. Erst wenn die Tiere die Umgebung wechseln (wie vor ein paar Wochen beim Umzug in die Lagune), aktivieren sie die Echolot-Peilung wieder. Sonst würden die schnellen Schwimmer brutal gegen die Beckenwände prallen. Haben sie die Formen, Wassertiefe und Maße der neuen Becken erst einmal neu im Gehirn programmiert, deaktivieren die Delfine das Sonarsystem.

Das ist nur ein Beispiel, wie diese Debatte seit Jahren geführt wird, und ein Grund, warum sie mir gelinde gesagt zum Hals heraushängt. Ich habe deshalb in meinem Blog lange Zeit nicht über Delfinhaltung in Zoos und Delfinarien geschrieben. In den letzten Wochen blieb mir als Redakteurin der „Nürnberger Zeitung“ aus aktuellem Anlass aber nicht anderes übrig – die Delfinlagune ist halt nun mal ein Topthema für Nürnberg und die Region, das ich als Journalistin nicht ignorieren kann.

Plädoyer für die Lagune

Die Eröffnung der Delfinlagune im Tiergarten Nürnberg steht unmittelbar bevor: Ab kommendem Samstag, 30. Juli,  ist die neue Anlage – zusammen mit dem Manatihaus – für die Zoobesucher zugänglich. Darüber habe ich auch in diesem Blog schon mehrmals vorberichtetet, z. B. hier und hier.

Im Vorfeld liefen – wie bei kaum einem anderen Thema aus der Zoowelt – auch unzählige Meldungen über die großen Nachrichtenagenturen, die sich sonst eher selten für Nürnberg interessieren. Delfinhaltung in Zoos bzw. Delfinarien, das ist ein Thema, das die Menschheit unglaublich emotionalisiert und offenbar in zwei unversöhnliche Lager spaltet:  sogenannte Tierrechtler auf der einen und Zoofans auf der anderen Seite.

Die Tierrechtler sind der Überzeugung, dass Delfinhaltung „in Gefangenschaft“ ein Verbrechen an dieser Tierart sei, weil die Bedingungen in keinem Zoo der Welt auch nur annähernd an die herankommen können, die Delfine in der Natur vorfinden. Das Hauptargument der Tierschutzaktivisten ist, dass Delfine in viel zu kleinen Becken ihrem angeborenen Bewegungsdrang nicht nachkommen könnten – auch nicht in der neuen Delfinlagune, die zwar eine kleine Verbesserung im Vergleich zum bisherigen Delfinarium darstelle, aber für Große Tümmler trotzdem nicht mehr als eine Badewanne sei. Delfine würden im freien Meer bis zu 150 Kilometer am Tag schwimmen, in Delfinarien würden sie sich dagegen nur in winzigen Spuckbecken ständig im Kreise drehen und dabei Verhaltensauffälligkeiten entwickeln.

Ob Delfine in freier Natur freiwillig so weite Strecken zurücklegen, diese Frage lassen solche Leute dabei außen vor. Denn wie die meisten anderen Tiere in freier Natur tun Delfine das hauptsächlich aus einem Grund: Sie sind jeden Tag stundenlang auf der Suche bzw. Jagd nach Nahrung. Dafür müssen Delfine heutzutage wegen der Überfischung der Meere viel weiter schwimmen, als es noch vor einigen Jahr(zehnt)en der Fall war. Dass die Tümmler aus reinem Spaß an der Freud´ Kilometer um Kilometer zurücklegen, ist nichts als eine Annahme der Tierrechtler, die ihre menschliche Freude an Bewegung einfach auf die Tiere übertragen. Sie lassen auch geflissentlich die Tatsache außer Acht, dass jedes Jahr 300 000 bis 320 000 frei lebende Delfine in den Weltmeeren jämmerlich zu Tode kommen – in Treibnetzen, zerstückelt von Schiffsturbinen oder auf andere grausame Weise.

Für mich ist die Forderung, die Delfinhaltung in Zoos aufzugeben, deshalb scheinheilig. Dann müssten konsequenterweise Zoos überhaupt abgeschafft werden. Denn auch andere Tiere, beispielsweise Geparden, legen täglich weite Strecken zurück, um ihre Nahrung zu erbeuten. Elefanten sind zig Kilometer bis zum nächsten Wasserloch unterwegs, um nicht zu verdursten. Es soll mir bitte keiner behaupten, das würde diesen Tieren Spaß machen.

Ich behaupte nicht, dass in Zoos bei der Tierhaltung alles zum Besten steht. Vieles ist verbesserungswürdig. Aber wenn sich ein Zoo wie der Nürnberger Tiergarten dann wirklich einmal um eine Verbesserung in der Tierhaltung bemüht, dann sollte man nicht von allen Seiten über ihn herfallen. Klar, dass das im Fall der Lagune eine Menge Geld kostet, aber eine gute Delfinhaltung ist eben einfach teuer.

Und noch eines: Es sollte bitte niemand mehr den Eindruck erwecken, eine Stadt wie Nürnberg könne sich nicht genügend Hort- oder Kindergartenplätze leisten und schmeiße für die Lagune mal eben fast 25 Millionen zum Fenster hinaus. (Immerhin, das wird meist unterschlagen, ist in dieser Summe auch das Manatihaus enthalten.) Das stimmt nämlich so nicht, denn der Tiergarten bekommt die Summe nur von der Stadt geliehen, muss sie aber aus eigenen Mitteln nach und nach zurückzahlen. Gut, dafür erhöht er auch die Eintrittspreise. Aber – ob es den Zoogegnern passt oder nicht: Deutschlandweit sind diese Preise immer noch im Rahmen. Und im europäischen Ausland – allen voran Frankreich oder die Niederlande – müssen Zoobesucher sowieso ein Vielfaches für einen Zoobesuch berappen.

 

 

Wen interessiert schon Herr Schrollinger?

Na, das schockiert uns aber wirklich furchtbar: Der Nürnberger Stadtrat der ÖDP, Thomas Schrollinger, lässt die Medien heute wissen, dass er am kommenden Donnerstag die offizielle Einweihungsfeier der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten boykottiert. Ja und?, kann ich da nur sagen. Wen interessiert das schon?

Schrollinger hat die Lagune im Stadtrat abgelehnt. Das ist sein gutes Recht, und dafür hat er auch seine Gründe vorgebracht. Soweit ist das in Ordnung. Wenn Schrollinger der Einladung „demonstrativ nicht folgen will“, ist es auch gut. Statt dessen will er mit den Lagunen-Kritikern vor dem Tiergarten demonstrieren.  Auch das ist okay. Aber ich will das einfach nicht wissen!

Der Umzug geht weiter

Letzte Woche sind schon einmal die kalifornischen  Seelöwen in die neue Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens umgezogen. Nun erkunden auch die vier Delfine Moby, Jenny, Sunny und Noah ihr neues Zuhause. Die Delfinlagune sowie das neue Manatihaus sind ab 30. Juli für die Zoobesucher zugänglich. Ab dann ist allerdings auch ein höherer Eintritt für den Tiergarten fällig, wie hier berichtet.

Mit seinen  mittlerweile 51 Jahren ist Moby  der dienstälteste Große Tümmler im Tiergarten. Gleichzeitig ist er auch einer der ältesten Vertreter seiner Art auf der ganzen Welt. Den Umzug aus dem in die Jahre gekommenen Delfinarium des Nürnberger Tiergartens in die neue Anlage der Delfinlagune hat der äußerst fitte Senior trotzdem ganz locker weggesteckt. Mit den beiden Tümmler-Weibchen Jenny und Sunny sowie seinem Sohn Noah erkundet Moby nun seit dem vergangenen Wochenende die Lagunenbecken. Die vier Delfine haben jetzt bis zum Ansturm der Besucher Gelegenheit, sich mit ihrem künftigen Zuhause vertraut zu machen.

Nach der Eröffnung der Delfinlagune wird zunächst nur die vierköpfige Gruppe um Moby in der Lagune ihre Runden schwimmen, zusammen mit den acht kalifornischen Seelöwen. Die  aus dem Heidepark Soltau stammenden Delfinbullen Joker und Arni, die im nichtöffentlichen Delfinarium II des Tiergartens untergebracht sind, sollen voraussichtlich erst im September in die Lagune einziehen. Denn Joker und Arni kennen aus der Nürnberger Delfingruppe nur ihre Schwester Sunny, die ebenfalls in Soltau geboren wurde. Zu den anderen Großen Tümmlern hatten sie bislang keinen Kontakt. Es könnte durchaus riskant werden, wenn man den Delfinen zu viele Veränderungen auf einmal zumutet und die Gruppe zu schnell aufstockt. Und da die Lagune seit Jahren im Kreuzfeuer der Kritik von verschiedenen Tierrechts-Organisationen steht, will die Zooleitung wohl kein zu großes Risiko eingehen.

Umzug bei Familie Seekuh und Seelöwe

Die Eröffnung von Delfinlagune und Manatihaus im Nürnberger Tiergarten rückt unweigerlich näher. Ab 30. Juli ist die neue Anlage für die Besucher zugänglich. Nach und nach ziehen auch die künftigen Bewohner in ihr neues Zuhause um.
Auch für die Mitarbeiter des Zoos am Schmausenbuck ist das eine logistische und organisatorische Herausforderung. Außer den Delfinen selbst müssen sie acht kalifornische Seelöwen und drei Seekühe in die Delfinlagune bzw.ins Manatihaus umsiedeln. Trotzdem gingen die beiden Umzüge jetzt glatt über die Bühne.
Die Seelöwen – neugierig, wie sie nun mal sind – haben nach einem kurzen Aufenthalt im „Kinderbereich“ gleich ihr neues Becken erkundet. Bei den Seelöwen handelt es sich um sechs Weibchen – Ella, Tiffy, Soda, Foster, Hazel, Blue – und zwei junge männliche Seelöwen, nämlich Salomon und Scott. Salomon soll – wenn er nächstes Jahr geschlechtsreif wird – die Rolle des Haremschefs im Aquapark des Tiergartens übernehmen. Er wird also, wenn es klappt, Nachfolger des langjährigen Haremsführers Patrick, der kürzlich gestorben ist, wie meine Kollegin Jule hier berichtet hat.

Die drei Seekühe Mara, Zorro und Herbert haben es – ihrer behäbigen Natur gemäß – in ihrem neuen Zuhause etwas langsamer angehen lassen (auf dem Foto ist der Transport von Mara zu sehen). Ruhig haben sie sich erst einmal in ihrem Becken im neuen Manatihaus umgeschaut. Ob sie die üppige, tropische Pflanzenpracht in ihrer neuen Umgebung wohl wahrnehmen? Oder ist ihnen diese prachtvolle „Inneneinrichtung“ im neuen Quartier schnurzegal – nach dem Motto: Hauptsache, es gibt regelmäßig was zu fressen? – Sei´s drum, jedenfalls haben sich die drei Manatis gleich gut mit ihren neuen Mitbewohnern vertragen, mit denen sie künftig in einer „Wohngemeinschaft“ zusammenleben: Perlmutt-Barsche, Schilderwelse und Pacu-Fische.

Delfinhaltung soll transparenter werden

Im Vorfeld der Eröffnung der Delfinlagune im Nürnberger Tiergarten hat der Bayerische Verwaltungsgerichtshof heute ein interessantes Urteil gefällt: Der Tiergarten muss Kritikern der Delfinhaltung in Zoos Auskunft über seine Haltung von Großen Tümmlern geben. Bisher waren Unterlagen zu diesem Thema als vertraulich eingestuft worden, nun muss der Zoo Einsicht in entsprechende Dokumente gewähren.

Geklagt hatte das Wal- und Delfinschutzforum WDCS, das auch in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht Ansbach schon Recht bekommen hatte. Die WDCS-Vertreter glauben, in den Unterlagen Hinweise auf mögliche Todesursachen von Delfinen und Delfinbabys im Tiergarten zu finden. Der Verband kritisiert seit Jahren die Delfinhaltung im Tiergarten und lehnt auch den Bau der Delfinlagune ab.

Die Richter begründeten ihr Urteil damit, dass die Unterlagen über die Delfinhaltung eine Umweltinformation seien und bezogen sich damit auf das geltende Umweltinformationsgesetz. Die Dokumente dürften einer interssierten Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden.

Übrigens hat jetzt auch der „Spiegel“ das Thema Delfinlagune für sich entdeckt. Das Magazin, das vor einigen Jahren Nürnberg als „langweiligste Großstadt Deutschlands“ abtat, kritisiert in seiner online-Version die Lagune als „kompletten Unfug“ .

 

Delfinlagune eröffnet am 30. Juli

Lange hat der Nürnberger Tiergarten ein Geheimnis daraus gemacht. Doch nun hat er es gelüftet: Die im Vorfeld umstrittene Delfinlagune wird planmäßig fertig und am 30. Juli für die Besucher eröffnet, gleichzeitig mit dem neuen Manatihaus.

Die Delfinlagune ist die erste Freianlage für Delfine in Deutschland. Große Tümmler und Seelöwen, die bisher im geschlossenen Delfinarium gehalten wurden, erleben in der neuen Anlage zum ersten Mal Sonne, Wind und Regen in einer naturnahe gestalteten Wasserwelt. Die Anlage wird von begrünten Hügeln umgeben sein und soll sich in den Landschaftscharakter des Schmausenbuck einfügen.

Derzeit werden bereits die Wasserbecken gefüllt. Mehr als 5,4 Millionen Salzwasser passen dort hinein. Die Tiefe der Becken liegt zwischenn 50 Zentimetern und sieben Metern. Besucher des Tiergartens werden die Tiere nicht nur von einer Landschaftstribüne im Freien beobachten können, sondern auch durch eine riesige Unterwasser-Panoramascheibe.

Ins Manatihaus werden die Seekühe einziehen, die seit Jahren sehr beengt im alten „Tropenhaus“ untergebracht sind. Das Manatihaus soll mit mehr als 50 südamerikanischen Pflanzenarten endlich ein Tropenhaus werden, das diesen Namen tatsächlich verdient. Außer Seekühen sieht das Publikum dort auch Weißgesichtsakis – eine Affenart, die es im Nürnberger Tiergarten bisher noch nie gab -, außerdem Blütenfledermäuse, Kleinvögel, Schmetterlinge, Enten, Schildkröten und verschiedene Fischarten. Die Besucher bekommen auch Einblick in die hochinteressante Welt der Blattschneiderameisen, deren Lebensweise und Arbeitsteilung genau erklärt wird.