Dennis: ein Storchendrama

Er heißt Dennis, ist ein Storch und war in den letzten Tagen die Hauptperson in einem Tierdrama, das sich in Forchheim und Umgebung abgespielt hat.

Dennis dürfte dem einen oder anderen Tierfreund kein Unbekannter sein. Denn er hat schon als Jungvogel Schreckliches erlebt. 2003 schlüpfte er im Storchenhorst in Dannberg (Kreis Erlangen-Höchstadt) aus dem Ei, als eines von sechs Storchenküken. Der Erlanger Storchenexperte Michael Zimmermann kontrolliert regelmäßig die Storchenhorste der Umgebung. Bei der Überprüfung des Dannberger Horstes musste er bei der Beobachtung durchs Fernrohr mit anschauen, wie die Storchenmutter auf eines ihrer sechs Jungen – Dennis – einhackte und versuchte, es aus dem Nest zu drängen. Mit Hilfe der Feuerwehr konnte Zimmermann den Jungstorch retten und zum Aufpäppeln in den Nürnberger Tiergarten bringen. Der Kleine erholte sich schnell und wurde im Tiergarten beringt.

Die Geschichte wurde damals weit über Bayern hinaus bekannt. Eine Grundschule in Gummersbach übernahm die Patenschaft für den Vogel, ein Wettbewerb unter den Schülern führte dazu, dass der junge Storch auf den Namen Dennis getauft wurde. Im Mai 2004 verschwand Dennis und tauchte später in Gibraltar wieder auf. Das ließ sich mithilfe seiner Ringnummer einwandfrei nachweisen.

In diesem Frühjahr kehrte Dennis in seine fränkische Heimat zurück – zusammen mit seiner Angebeteten. Das Storchenpaar ließ sich auf dem stillgelegten Schornstein des Beruflichen Schulzentrums in Forchheim nieder. Das Weibchen legte fünf Eier, und das Familienidyll schien zunächst perfekt. Dennis und seine „Frau“ wechselten sich mit dem Brüten und Futterherbeischaffen ab, wie es sich für anständige Störche gehört. Doch plötzlich blieb Dennis für mehrere Tage verschwunden. Das alles konnte über eine Web-Cam verfolgt werden, die vor einigen Jahren am Horst installiert wurde.

Nun bestand höchste Gefahr für den Nachwuchs. Denn die Mutter wartet nicht, bis sie verhungert. Irgendwann verlässt sie das Nest, um sich Futter zu beschaffen. Das hätte den Tod für die Storchenküken in den Eiern bedeutet. Als die Störchin tatsächlich wegflog, entschlossen sich Storchenfreunde und Feuerwehr zu handeln. Über die Feuerwehrleiter holten sie die fünf Eier aus dem Nest und fuhren sie, in warme Tücher gepackt, in den Nürnberger Tiergarten. Dort werden sie jetzt im Brutkasten ausgebrütet.

Mittlerweile ist auch Dennis wieder aufgetaucht: Er spazierte seelenruhig an der Gosberger Mülldeponie entlang (siehe obiges Foto), gesund und munter. Über seine Ringnummer konnte er wieder identifiziert werden. Nun spekuliert man darüber, warum er nicht mehr auf den Horst zurückkehrte. Die Experten gehen davon aus, dass Dennis von einem Rivalen vertrieben wurde. Storchenfreunde haben auch beobachtet, wie sich mehrere Störche um den Horst auf dem stillgelegten Schornstein stritten – sie wollten dem Neuling Dennis offenbar nicht einfach das Terrain überlassen.

Tatsächlich hat sich inzwischen herausgestellt, dass ein ebenfalls beringter Konkurrent sich mit Dennis´verlassener Partnerin zusammengetan hat. Storchenfreunde haben gemeldet, die beiden hätten sich bereits gepaart. Damit dürfte Dennis bei diesem Weibchen endgültig aus dem Rennen sein. Trotzdem sind Storchenfreunde und -experten erleichtert, dass es dem Storch, dessen Schicksal sie seit Jahren verfolgen, wenigstens gut geht. Vielleicht findet er ja im nächsten Jahr sein Storchenglück.