Sanjai wird jetzt Schotte

 
Er war doch gerade erst noch so ein süßes Nashörnchen – kaum zu glauben, dass Sanjai nun schon zwei Jahre alt ist und langsam erwachsen wird. Und da ist es bei Nashörnern nicht viel anders als bei Menschen: Immer öfter hatte der Panzernashorn-Jungbulle in letzter Zeit Zoff mit seiner Mutter Sofie. Das ist in diesem Alter völlig normal, aber es ist auch der Zeitpunkt, an dem man Mutter und Nachwuchs trennen muss. Deshalb hat Sanjai jetzt den Tiergarten Nürnberg verlassen. Nach zweitägiger Reise ist er in seinem neuen Zuhause angekommen: im Zoo von Edinburgh, wohin er im Rahmen des Europäischen Arterhaltungsprogramms (EEP) vermittelt wurde. Alle Beteiligten sind froh, dass der Transport gut über die Bühne gegangen ist. Der drohende Brexit bringt für die Zoologischen Gärten auf dem europäischen Kontinent und die in Großbritannien viele Unsicherheiten mit sich, so dass die Zoos anstehende Tiertransporte möglichst noch vor Ende März durchführen. Vorher musste Sanjai noch eine Reihe von tiermedizinischen Untersuchungen über sich ergehen lassen, zum Beispiel einen Tuberkulose-Test, außerdem parasitologische und bakteriologische Kotuntersuchungen.
Zwei Gabelstabler waren nötig, um die 1,7 Tonnen schwere Transportkiste mit dem 985 Kilo wiegenden Sanjai in einen Lastwagen zu hieven. Die Wilhelma Stuttgart hatte dem Tiergarten Nürnberg eine geeignete Kiste geliehen, eine holländische Firma übernahm den Transport. Sanjai musste nicht sehr lange für den Transport trainiert werden – er stieg anstandslos vom Stall in die Kiste, nachdem er seit eineinhalb Wochen vorher einmal täglich in der Kiste sein Futter bekam. Zwei seiner Pfleger fuhren in einem Begleitauto nach Edinburgh mit, damit Sanjai auch unterwegs bei Bedarf Bezugspersonen hatte, die er kennt und denen er vertraut. 

Neue Attraktion in Edinburgh

Sie heißen Sonnenschein und Liebling und sollen die Attraktion des Zoos in Edinburgh werden: zwei Panda-Bären, die am Wochenende aus China nach Großbritannien eingeflogen wurden. Die Volksrepublik China hat das tierische Paar für die stolze Summe von 750 000 Euro pro Jahr an Schottland verliehen. Dem Zoo, auf den außerdem noch rund 70 000 Euro an Kosten für die Versorgung der Tiere zukommen, ist es das wert. Er scheint besucherzahlenmäßig vor sich hinzudümpeln und will mit seinen beiden neuen Zugpferden zumindest die Millionengrenze knacken.

Nachdem der Tiergarten Nürnberg seit Jahren im Schnitt eine Million Menschen im Jahr anlockt – auch ohne Flocke (da waren es mehr), und auch heuer wird man die Million überschreiten – muss es tatsächlich schlecht bestellt sein um den Zoo der schottischen Hauptstadt, wenn er auf zwei Pandas aus China setzen muss. Man hat jahrelange Verhandlungen geführt, um die Leihgabe aus dem Fernen Osten überhaupt zu kriegen, und der Leihvertrag ist auf zehn Jahre befristet. Sollten sich Yang Guang (auf dem Foto zu sehen) und Tian Tian in Schottland fortpflanzen, gehört der Nachwuchs China.

Dafür müssten sich die beiden Pandas aber erst einmal ineinander verlieben, denn bislang sind sie noch kein Paar. Sie hatten jedoch mit anderen Partnern schon Junge. Auch in Edinburgh werden sie getrennt gehalten; schließlich sind Pandas Einzelgänger. Für eventuelle Rendezvous hat man ihnen aber einen „Liebestunnel“ eingerichtet. Und Videokameras sollen das Liebesleben von Sonnenschein und Liebling (Tian Tian wird von einigen auch mit  „Süße“ übersetzt) dann im Internet öffentlich machen.

Das alles aber erst in zwei Wochen. Bis dahin lässt man den Tieren Zeit zum Eingewöhnen in Schottland. Zwei Panda-Spezialisten, die Liebling und Sonnenschein aus China begleitet haben, sollen ihnen dabei helfen. Ab 16. Dezember werden die Bären für die Zoobesucher freigegeben. Schon jetzt soll der Kartenverkauf nach oben gegangen sein.

Tierschützer kritisieren die ganze Aktion. Sie sind der Meinung, Zoos würden den Besuchern vorgaukeln, man könne Pandabären durch Nachzucht in Zoos vor dem Aussterben bewahren, was aber unmöglich sei. Weltweit schätzt man den Panda-Bestand in der Natur noch auf etwa 1600 Tiere; in Zoos leben 300. Haltung und Zucht von Pandas gelingen nicht überall.

Yang Guang und Tian Tian sind übrigens die ersten Pandas seit 17 Jahren in Großbritannien. Der Zoo von London hatte früher mit der Panda-Dame Chi Chi einen echten Star – die Bärin stand Modell für das Logo des WWF. Wer sich dafür interessiert: Ich habe hier darüber geschrieben.