Eine neue "Haremsdame"

Diese junge Gorilladame heißt Louna. Sie ist heute im Tiergarten Nürnberg angekommen und soll dort in die Gorillagruppe eingewöhnt werden.

Louna ist sechs Jahre alt und kommt aus dem „Pongoland“ im Zoo Leipzig. Ihre Eltern Gorgo und Bebe leben mittlerweile im Darwineum des Rostocker Zoos. In Leipzig stimmte die Chemie zwischen Louna und dem neuen Haremschef der dortigen Gorillagruppe nicht. Nun soll Louna im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP langfristig in die Zuchtpläne des Tiergartens Nürnberg integriert werden.

Derzeit ist das Gorillaweibchen allerdings noch nicht geschlechtsreif. Sie soll aber den Grundstein für einen neuen Harem bilden, der später einmal am Schmausenbuck für Nachwuchs sorgen soll. Chef der Nürnberger Gorillas ist der alte Silberrücken Fritz, der in diesem Jahr 50 Jahre alt wird. Mit dem Weibchen Hakuna Matata, mit dem Fritz eigentlich Nachwuchs in die Welt setzen sollte, paart sich Fritz schon seit einigen Jahren nicht mehr – er hat vielmehr eine Art „Vater-Tochter-Beziehung“ zu ihr entwickelt. Hakuna wird deshalb bald in eine Zuchtgruppe in einem anderen Zoo umziehen. Im Tiergarten leben außerdem noch die beiden älteren Gorillaweibchen Lena und Bianca.

Die Besucher des Nürnberger Tiergartens können die neue Gorilladame aus Leipzig zunächst noch nicht sehen. Sie muss sich in Ruhe und hinter den Kulissen an ihre neue Umgebung gewöhnen. Als sie heute aus der Transportkiste kletterte, inspizierte sie gleich ihr neues Zuhause. Sie entwickelte auf jeden Fall schon einmal einen gesunden Appetit und ließ sich das Gemüse schmecken, mit dem sie nach der Reise belohnt wurde.

 

 

Das Problem mit der reinen Rasse

Im Nürnberger Tiergarten gibt es einen traurigen Todesfall: die elfjährige Sibirische Tigerin Sigena ist tot – eingeschläfert, weil sie wegen mehrerer Tumore unter unsäglichen Schmerzen litt.

Aha: Raubkatze hat Krebs – bestimmt hat sie die Pille bekommen. So oder ähnlich werden jetzt manche denken. Das ist aber bei Sigena nicht richtig. Sie hat insgesamt acht Babys erfolgreich aufgezogen (fünf in Nürnberg, drei in Hoyerswerda). Vor ein paar Monaten wurde ihr zur Empfängnisverhütung zwar ein Hormon-Implantat eingesetzt, das ist richtig. Doch der erste Tumor wurde schon vorher bei einer Untersuchung entdeckt. Er hat in mehreren Organen Metastasen gebildet, und nun wollten die Zooverantwortlichen das Tier nicht länger leiden lassen.

Traurig ist das Ganze aber auch für Sigenas Partner Jantar. Er kriegt nämlich keine neue Partnerin mehr, obwohl er erst zwölf Jahre alt ist und eine Lebenserwartung zwischen 15 und 20 Jahren hat. Jantar könnte also noch, und er würde sicher auch wollen – allein, er darf nicht. Und warum? Weil seine Reinrassigkeit nicht erwiesen ist. Die wird derzeit im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP untersucht. Laut Zooleitung besteht ein minimales Risiko, dass bei Jantars Vorfahren irgendwo eine andere Tiger-Unterart sozusagen reingespuckt hat. Jantar kam aus Rhenen (Niederlande) nach Nürnberg.

Ist Jantar reinrassig, kann der Tiergarten auf Partnersuche für ihn gehen. Wenn nicht, bleibt er Witwer. Denn züchten dürfen Zoos nur mit reinrassigen Tigern, um die Art mit ihren besonderen Merkmalen zu erhalten. Sibirische Tiger gelten als vom Aussterben bedroht; in freier Wildbahn gibt es nur noch rund 500 Exemplare dieser Unterart. Vor drei Jahren war der Zoo Magdeburg ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil ein Tierarzt und zwei Pfleger drei Tigerbabys getötet hatten, die nicht reinrassig waren. Ich hatte in meinem Blog mehrmals darüber berichtet.

 

Jungtiger leben jetzt in Frankreich

In letzter Zeit gehörten sie – abgesehen von Eisbärin Flocke – zu den großen Attraktionen des Nürnberger Tiergartens, die drei jungen Tiger Rangar, Khan und Domur. Nach ihrer Geburt im August 2009 hatten alle Tierfreunde in der Region wochenlang mitgefiebert: Würden die knuddeligen Tigerbabys durchkommen, nachdem von den ursprünglich fünf Kleinen, die Tigermama Sigena zur Welt gebracht hatte,  zwei nicht überlebten?

Als die drei es geschafft hatten, gehörten sie natürlich zu den absoluten Lieblingen der Zoobesucher. Hunderte von Fotografen harrten in den ersten Monaten stundenlang am Raubtierhaus aus, um gute Bilder von den drei Tiger-Katern zu schießen. Mit ihrer wunderbaren Fellzeichnung waren sie auch wirklich tolle Fotomotive.

Jetzt hat das Tigertrio Nürnberg verlassen, ebenso wie Flocke in Richtung Frankreich. Allerdings nicht wie die berühmte Eisbärin an die Côte d´Azur, sondern nach Westfrankreich. Ihre neue Heimat haben sie im Tierpark „Planète Sauvage“ in Port-Saint-Père gefunden, zwischen Nantes und der Atlantikküste: Ein über 100 Hektar großes Parkgelände mit kleinen Waldgebieten, in dem rund 2000 Tiere leben, u.a. Elefanten, Löwen, Nashörner, Flusspferde, Wölfe, Geparden, Giraffen, Bisons, Zebras, Watussi-Rinder und Wallabys.

TigerRangar, Khan und Domur sind mit einem aufwändigen Tiertransport nach Frankreich gereist. Bevor sie verladen wurden, hat die Tierärztin die drei jungen Sibirischen Tiger betäubt, um sie noch einmal gründlich zu untersuchen. Im Tierpark „Planète Sauvage“ will man schließlich sicher gehen, dass man gesunde neue Bewohner aus Nürnberg bekommt. Rangar, Khan und Domur wurden im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP für den westfranzösischen Zoo ausgesucht.

Und in Nürnberg? Da ist im Raubtierhaus des Tiergartens jetzt wieder Platz für neuen Nachwuchs, egal, ob Löwe oder Tiger… Man darf gespannt sein.