Babypause bei Vera

Endlich kann ich meine Leser informieren, wie es mit Eisbärin Vera im Nürnberger Tiergarten weitergeht. Lange haben die Verantwortlichen vom Europäischen Erhaltungszucht-Programm sich für ihre Entscheidung Zeit gelassen – nun steht fest: Die Mutter von Flocke wird in diesem Jahr nicht gedeckt.

Sie soll sich erst einmal von den Schicksalsschlägen erholen, die sie mit ihrem bisherigen Nachwuchs ereilt haben: Das Drama um Flocke, die man ihr zur Handaufzucht wegnehmen musste, und das Trauerspiel um das Zwillingspärchen, das sie im vergangenen Winter zur Welt brachte und das dann starb.

Einen Eisbärenmann nach Nürnberg zu holen, der mit Vera wieder für Nachwuchs sorgen könnte, ist derzeit aus Platzgründen nicht möglich. Und Vera auf die Reise zu schicken, nur damit sie anderswo mit einem Bären zusammenkommen kann, um wieder trächtig zu werden, ist der Mühe nicht wert und würde die Eisbärendame zusätzlich belasten.

Gönnen wir der beim Publikum beliebten Bärin ein ruhiges Jahr, bevor sie hoffentlich 2010 zum nächsten Mal ein oder mehrere Babys bekommt!!

Tote Eisbärenbabys im Berliner Zoo

Nun hat auch der Berliner Zoo Negativ-Schlagzeilen in Sachen Eisbären: Knut, der prominenteste Zoobewohner, hat keine Geschwister bekommen.  Seine Mutter Tosca hatte im Dezember in ihrer Wurfhöhle zwei Babys zur Welt gebracht. Doch die beiden überlebten nicht.

Nur wenige Tage nach ihrer Geburt wurden sie tot aufgefunden. Die Untersuchung durch Tierpathologen ergab jetzt, dass die Bärchen unverletzt waren. Ihrem Zustand nach zu urteilen, muss sich Tosca auch gut um sie gekümmert haben. Aber die Kleinen hatten offensichtlich zu wenig Nahrung aufgenommen. Die Zooleitung bewertet es trotzdem positiv, dass Tosca sich zur Geburt diesmal in die dafür vorgesehene Höhle zurückgezogen hat und ihren Nachwuchs nicht einfach im Freigehege zur Welt brachte – wie damals bei Knut und seinem Zwilling, der kurz danach starb. Im Berliner Zoo ist man trotzdem zuversichtlich: Beim nächsten Mal werde Eisbärennachwuchs-technisch alles klappen, glaubt man dort.

So traurig die Geschichte mit den toten Berliner Eisbärenbabys ist: Für den Nürnberger Tiergarten mag es ein kleiner Trost sein, dass auch ein anderer – noch dazu sehr renommierter –  Zoo mit der Eisbärenzucht derzeit kein Glück hat. Hoffen wir, dass die Pechsträhne in beiden Zoos nun beendet ist.

Eisbärenhaltung nicht beenden!

Da war ich übers Wochenende kurz verreist. Und was muss ich schon im Autoradio hören und dann in der Online-Ausgabe der „Nürnberger Zeitung“ lesen? Die traurige Meldung, dass nun auch der zweite der Eisbärenzwillinge im Nürnberger Tiergarten tot ist – gestorben im Alter von drei Wochen.

Bisher kann noch niemand sagen, was dem Kleinen fehlte. Auf den Bildern der Überwachungskamera in der Wurfhöhle hat man offenbar lediglich erkennen können, dass das Bärchen nach und nach schwächer wurde, obwohl seine Mutter Vera es die ganze Zeit vorbildlich versorgt hat. Vera schien irgendwie aufgeregt zu sein. Sie verließ die Höhle, kehrte wieder zurück und baute das Strohlager, das sie für ihre Kleinen hergerichtet hatte, um. Danach konnten Tiergartenmitarbeiter das tote Tierchen im Stroh liegen sehen. Vera suchte aber anscheinend stundenlang immer weiter nach ihrem lebendigen Baby (siehe Foto). Mittlerweile wirkt sie allerdings ruhiger. Vielleicht hat sie nun begriffen, dass ihr Nachwuchs nicht mehr lebt.

Inzwischen konnten Tiergartenmitarbeiter die beiden toten Eisbärenbabys in der Wurfhöhle bergen. Demnach hat Vera auch nicht den Anfang letzter Woche gestorbenen Zwilling aufgefressen, wie zunächst vermutet worden war. So ist jetzt eine pathologische Untersuchung möglich, mit der sich hoffentlich klären lässt, woran die zwei Bärchen gestorben sind.

So traurig der Tod der Eisbärenzwillinge im Tiergarten ist: Die Forderung von Tierschützern wie z.B. des Tierschutzbundes Bayern, die Eisbärenhaltung in Zoos deshalb aufzugeben, halte ich doch für eine Überreaktion. Schließlich hat es mit der Nachzucht in Nürnberg früher mehrmals geklappt. Eine ganze Reihe von Eisbärenbabys wuchs am Schmausenbuck gesund in Obhut ihrer Mutter heran. Und es klappt heute ja auch in verschiedenen Zoos, wie etwa das Beispiel Wilbär in Stuttgart zuletzt gezeigt hat. Warum sollte es in Nürnberg nicht auch wieder funktionieren?

Ich finde, man sollte jetzt erst einmal das Ergebnis der pathologischen Untersuchungen abwarten. Dann kann man in Ruhe überlegen, ob Vera wieder gedeckt werden soll. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) kann man außerdem über einen weiteren Austausch von Eisbären verschiedener Zoologischer Gärten nachdenken.

Eisbären gehören inzwischen zu den beliebtesten Tieren überhaupt. Ihre Haltung in Zoos einzustellen, wäre deshalb im Moment völlig hirnrissig. In Zeiten der globalen Erderwärmung, die den Lebensraum der Eisbären in der Natur immer weiter schrumpfen lässt, wäre das außerdem ein Schritt in die falsche Richtung. Statt dessen sollte man diese Tierart noch mehr als bisher dafür einsetzen, die Menschen über die drohenden Folgen der Erderwärmung aufzuklären und sich für den Klimaschutz zu engagieren.

Es sind Zwillinge!

nachwuchs_1.jpgEisbärin Vera ist wirklich eine von der ganz schnellen Sorte:  Schon am vergangenen Freitag hat sie Zwillinge geworfen: Mit 400 bis 50 Gramm Gewicht haben sie etwa die Größe von Meerschweinchen. Mit dieser guten Nachricht wurden heute die Journalisten im Tiergarten überrascht. Also hat Flocke nun zwei Geschwisterchen – ob Brüderchen oder Schwesterchen, kann allerdings noch niemand sagen. Aber sie sind wohlauf, sagt Tiergartendirektor Dag Encke.

Denn alles, was man über den Nachwuchs weiß, hat man von den Videobildern, die eine in der Wurfhöhle installierte Infrarot-Kamera liefert. Die Qualität ist ziemlich mies, man sieht die Bärchen nur als zwei helle, sich bewegende Flecken vor grauem Hintergrund, und dann werden sie auch immer wieder von Vera verdeckt. Die Bilder drohen in den nächsten Wochen sogar noch schlechter zu werden: Eine Spinne hat begonnen, vor der Kameralinse ihre Fäden zu spinnen. Wenn das Netz erst fertig ist, sieht man vielleicht nicht mehr viel. Entfernen kann man das Spinnennetz nicht, weil man ja nicht in die Höhle hineinkann.

Auf jeden Fall hört man die beiden Bärchen: Mal schreien sie, mal schmatzen sie. Das heißt, sie haben manchmal Hunger, und Vera säugt sie regelmäßig. Sie kümmert sich bisher gut um die beiden.

Wenn alles gut geht, wird man auch in den nächsten Wochen nicht viel Neues über den Eisbären-Nachwuchs sagen können. Denn wenn Vera so weitermacht und keines der beiden Jungtiere krank wird, dann bleiben alle drei bis März oder April in der Höhle. So machen es Eisbären in der Natur ja auch. Erst wenn das Frühjahr kommt, verlassen sie das „Nest“.

Vera kann allerdings dazwischen schon mal in ihr Gehege rauskommen, um Luft zu schnappen. Das hat sie den Videoaufzeichnungen zufolge bisher schon einmal getan. Sie geht aber nicht zum Fressen raus. Denn obwohl sie ihre Jungen stillt, wird sie derzeit nicht gefüttert. Auch in der Natur fressen Eisbärenmütter in dieser Phase nichts. Sie können monatelang ohne Nahrungsaufnahme auskommen.

Jetzt können wir alle nur hoffen, dass Vera in den nächsten Wochen nicht gestört wird und ihre Zwillinge ganz normal großziehen kann. Denn eine „Flocke 2“ – im Sinn von Handaufzucht – will niemand.