Eisbärenbabys, wohin man schaut!

Eisbaer_AquaPark_BuglHugo_2014-05-28_12-02-43_1407Gestern, am 27. Februar, war „Welt-Eisbär-Tag“ beziehungsweise „International Polar BearDay“. Dieser Tag soll seit 2004 unter anderem auf die Folgen der globalen Klimaerwärmung aufmerksam machen – und damit auf die Zerstörung des Lebensraums der Eisbären in der Arktis. Wird die Erderwärmung nicht aufgehalten, dürfte der Eisbär in nicht allzu ferner Zukunft aussterben. Die Zoologischen Gärten argumentieren, dass sie gerade deshalb diese größten Landraubtiere der Welt halten und züchten müssten. Tierrechtsaktivisten wie Peta fordern ein Ende der Eisbärenhaltung in Zoos, weil sie nicht artgercht sei, und nähmen das Aussterben der Tierart in Kauf, wenn deren Überleben in der Natur nicht mehr möglich ist. Dieses Streitthema hat sich in den vergangenen Jahren fast so sehr hochgeschaukelt wie der Streit um die Delfinhaltung.

Derzeit werden in 58 europäischen Zoos Eisbären gehalten, allein in Deutschland und Österreich präsentieren 14 Zoologische Gärten ihren Besuchern Polarbären. Die süßen Babys der weißen Riesen sollen als Botschafter einer bedrohten Tierart fungieren und den Menschen vermitteln, wie man den Klimawandel zumindest bremsen könnte und was jeder Einzelne dazu beitragen kann. Auch Flocke, die 2007 im Tiergarten Nürnberg das Licht der Welt erblickte, hatte einst diese Aufgabe. Als ihr „Pate“ trat Achim Steiner auf, Direktor des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen. (Für den berühmten Berliner Eisbären Knut hatte ein Jahr zuvor der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Patenschaft übernommen.) Doch die Tiergartenbesucher waren weniger an der Klimabotschafterin Flocke interessiert als am niedlichen, knuddeligen weißen Fell-Knäuel Flocke.

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Tiergarten in der Erfolgsspur

Heute gab es im Tiergarten Nürnberg eine der einmal im Jahr stattfindenden Bilanz-Pressekonferenzen. Fazit: Die  Entwicklung des Zoos am Schmausenbuck war 2014 sehr erfreulich – vor allem in Sachen Besucherzahlen. Das zeigt, dass der Tiergarten – entgegen vielen Unkenrufen von bestimmter Seite – nichts von seiner Beliebtheit eingebüßt hat.

Schon im Frühjahr hatte ich ja über den neuen Frühlings-Besucher-Rekord einen Beitrag geschrieben. Der positive Trend setzte sich dann fort: Mit 1.071.753 Besuchern verzeichnete man ein Plus von 76.280 gegenüber dem schlechten Ergebnis von 2013 und damit eine Zunahme von 14.447 Gästen im Vergleich zum Fünf-Jahres-Durchschnitt. Obendrein stieg im vergangenen Jahr die Zahl der verkauften Dauerkarten nochmals um 12 Prozent und lag bei 6530.

DelfinkalbDie Gründe für den Besucherzustrom liegen – abgesehen vom schönen Wetter im Frühjahr 2014 – auf der Hand: Zwei neue Delfinweibchen, Dolly und Donna, sind aus dem Duisburger Zoo nach Nürnberg gekommen; die Empfehlung dafür stammte vom Zoo in Harderwijk (Niederlande), der das Europäische Erhaltungszucht-Programm für Große Tümmler koordiniert. Im Rahmen des EEP zog außerdem Delfinbulle Rocco von Nürnberg weg nach Malaga (Spanien). Innerhalb des EEP für Gorillas holte man die siebenjährige Gorilladame Habibu aus dem Zürcher Zoo ins Menschenaffenhaus nach Nürnberg. Und neuerdings ist natürlich das am 31. Oktober 2014 geborene Delfinbaby Nami ein besonderer Publikumsliebling (auf dem Foto: Nami mit Mama Sunny). Auch das Eisbärenbaby, das im November das Licht der Welt erblickt hat, wird sicher viele, viele Fans haben, wenn es in einigen Wochen mit seiner Mutter Vera aus der Geburtshöhle herauskommt. Die beiden sind derzeit nur über eine Videokamera zu sehen – selbst für die Tiergartenmitarbeiter; die Höhle in den Sandsteinfelsen des Schmausenbuck darf niemand betreten.

Der Tiergarten  soll künftig in verschiedenen Bereichen durch bauliche Veränderungen attraktiver werden: Die alte Anlage für Brillenbären ist umgebaut worden und wird schon bald Fischkatzen aus Südostasien beherbergen. Mit immerhin 64.500 Euro unterstützt der Tiergarten-Förderverein die  Umgestaltung. (Dieser Zusammenschluss von engagierten Zoo-Fans ist übrigens im vergangenen Jahr von bisher 2000 Mitgliedern auf  fast 2600 gewachsen.) Die übergangsweise für Ziegen genutzte ehemalige Braunbärenanlage wird in eine begehbare Voliere für Bartgeier verwandelt; das zieht sich allerdings voraussichtlich noch bis in den Frühsommer hin.

Die Spendenbereitschaft der Tiergartenbesucher hat sich erfreulicherweise im Jahr 2014 weiter vergrößert. Die Zahl der Tierpatenschaften legte gegenüber 2013 um 9,5 Prozent auf 719 zu und erbrachte auf diese Art und Weise „Einnahmen“ für den Zoo in Höhe von 118.400 Euro.

Seit 2. Januar 2015 gibt es ein neues Servicezentrum der Zoobegleiter im Naturkundehaus. Jetzt werden alle speziellen Führungen und individuellen Angebote im Tiergarten von dieser einen Stelle aus organisiert. Erreichbar ist das Zentrum montags bis freitags von 10 Uhr bis 14 Uhr unter der Telefonnummer 54 54-833. Die Mailadresse lautet: zootouren@stadt.nuernberg.de.

Warum wir neidisch auf München sind

Neid, Neid, Neid: München hat Eisbärenbays, wir in Nürnberg auch in diesem Jahr wieder nicht. Hier ein Video, das die niedlichen Kleinen mit ihrer Mutter Giovanna im Tierpark Hellabrunn zeigt:  YouTube Preview Image

Im Tiergarten Nürnberg  ist Eisbärin Vera  seit neuestem wieder im Freigehege des Aquaparks zu sehen. Ohne Nachwuchs, aber zusammen mit Felix, demVater ihrer früheren Babys Flocke, Gregor und Aleut. Anfang November hatte sich die Eisbärin in die Felshöhle ihres Geheges zurückgezogen und ihren Pflegern so signalisiert: Ich will meine Ruhe! Sie hat viel Zeit im Stall verbracht, geschlafen und wenig gefressen. Alles Anzeichen dafür, dass sie wieder trächtig ist. Schließlich hatte Eisbärenmann Felix sie im Frühjahr auch gedeckt. Also leitete man Vera in die Wurfhöhle und bereitete ihr ein Lager mit Stroh. Damit sie keinesfalls von außen gestört werden konnte, stopften die Pfleger die Gänge noch mit Stroh aus. Dann betrat kein Mensch mehr die Räume in den Sandsteinfelsen.
Seitdem lieferte die schon bei Veras früheren Würfen installierte Kamera Bilder vom aktuellen Stand in der Höhle; das Material wurde täglich ausgewertet. Doch seit November tat sich – nichts. Eisbärenmütter bringen ihre Jungen in den Wintermonaten zur Welt, bei Vera war das bisher jeweils im Dezember. Erfahrungsgemäß tun sie das immer fast zum gleichen Zeitpunkt. Aber weder im Dezember noch in den ersten Januarwochen rührte sich etwas auf den Aufnahmen: Von Eisbärenbabys weit und breit keine Spur. Stattdessen begann Vera in den letzten Tagen herumzulaufen und interessierte sich wieder für das Futter, das man ihr hinstellte.
Warum es mit dem erhofften Nachwuchs nicht geklappt hat, darüber lässt sich höchstens spekulieren. Hat Vera noch mal eine Babypause gemacht, war die Paarung nicht erfolgreich, hat sie den Embryo irgendwann abgestoßen?
Eisbärinnen können es selbst regeln, ob sich ein befruchtetes Ei einnistet und weiterentwickelt. Da der Embryo zu dem Zeitpunkt, an dem sich die werdenden Mütter eine Wurfhöhle suchen, nicht groß ist, sieht man es den Tieren nicht an, ob sie trächtig sind oder nicht. Die Babys sind auch nach der Geburt winzig. Eine Ultraschall-Untersuchung ist bei Eisbären – im Gegensatz etwa zu Delfinen – nicht möglich. Also tappen Pfleger und Tierärzte so lange im Dunkeln, bis die Babys geboren werden. – Im Tiergarten sind Vera (links) und Felix im Aquapark jetzt wieder beide im Freien zu sehen. Der Schieber zwischen ihren Gehegen ist offen. Wenn sie sich mal nicht vertragen, schließen ihn die Pfleger vorübergehend.

Bon anniversaire, Flocke!

Mal ehrlich, hätten Sie sie erkannt? Nein? – Kein Wunder, mit der kleinen süßen Flocke von einst hat diese Eisbärendame nicht mehr viel gemeinsam. Aber sie ist es, aufgenommen im Meeres-Themenpark „Marineland“ von Antibes an der Côte d’Azur. Dort steht ihr im Gehege das ganze Jahr über eine künstliche Eishöhle zur Verfügung, in die sie sich gerne zurückzieht. Sieht aus, als würde sie im ewigen Eis träumen, unsere Flocke. Vielleicht träumt sie ja von ihrer alten Heimat oder den Zeiten, als sie noch ein Fernsehstar war? – Heute hat Flocke übrigens Geburtstag, sie wird sechs Jahre alt. Bon anniversaire!

Die vier Pfleger des Nürnberger Tiergartens, die das winzige weiße Fellknäuel einst im Wechsel aufgezogen haben, fahren immer mal wieder nach Südfrankreich, um ihren ehemaligen Schützling zu besuchen. Dabei ist auch das obige Foto entstanden, das die einstige Ersatz-Mama Stefanie Krüger aufgenommen hat. Flocke lebt nach wie vor mit ihrem früheren Spielgefährten Rasputin in der Eisbärenanlage des „Marineland“ zusammen. Allerdings wurden die beiden – ähnlich wie Vera und Felix im Nürnberger Tiergarten – innerhalb ihres Geheges voneinander getrennt. Der Grund: Man hofft, dass Rasputin Flocke gedeckt hat. Sollte sie tatsächlich trächtig sein, könnte sie schon in diesen Tagen Mama werden – Eisbärennachwuchs kommt immer in diesen Wintermonaten zur Welt. Ein Baby – oder gleich mehrere -, das wäre natürlich das schönste Geburtstagsgeschenk für Flocke – und für uns, wenn wir ehrlich sind, oder?

Die Spannung steigt im Eisbärengehege

Noch haben wir Sommer, aber langsam steigt die Spannung im Tiergarten Nürnberg: Wird Eisbärin Vera im Winter wieder Mutter? Bei den kommentierten Fütterungen erklären die Pfleger den Besuchern, dass sie Vera seit einiger Zeit verstärkt an die Wurfhöhle gewöhnen. Dort, in den Sandsteinfelsen, die Teil der Eisbärenanlage sind, hatte die Eisbärendame im Jahr 2007 Flocke und 2010 die Zwillinge Gregor und Aleut zur Welt gebracht.
Die Chancen, dass Vera erneut trächtig ist, stehen recht gut: Sie wurde im Frühjahr von Felix gedeckt und wollte kurz danach nichts mehr von ihm wissen – in diesem Fall ein gutes Zeichen. Seitdem leben die beiden im Aquapark Tür an Tür, aber trotzdem getrennt. Dabei war der Bulle – Vater von Flocke, Gregor und Aleut – noch bis Juni brünftig und sozusagen „im Liebesrausch“.
Felix bewohnt nun die größere Anlage, Vera die kleinere, von der aus sie Zugang zur Höhle hat. Sie zieht sich immer wieder dorthin zurück. Die Tiergartenmitarbeiter wissen allerdings nicht, ob Vera tatsächlich Mutterfreuden entgegenblickt. Denn bei Eisbärinnen nistet sich – wer meine Blogbeiträge regelmäßig liest, weiß es längst –  das Ei erst Ende August, Anfang September in der Gebärmutter ein; die Tragzeit dauert zwei bis drei Monate. Wenn die Babys dann zwischen November und Januar geboren werden, wiegen sie gerade mal ein bis zwei Pfund. Deshalb sieht man Eisbärinnen auch nicht an, ob sie Babys im Bauch haben oder eben nicht. – Wir werden uns also gedulden und abwarten müssen. Schaun wir mal, was der Winter im Tiergarten bringt!

Gregor und Aleut ziehen nach Warschau um

Im Dezember 2010 waren sie im Tiergarten Nürnberg zur Welt gekommen: die Eisbären-Zwillinge, die später auf die Namen Gregor und Aleut getauft wurden. Inzwischen sind sie fast ausgewachsen und lehnen sich immer öfter gegen ihre Mutter Vera auf. In der Natur trennen sich zu diesem Zeitpunkt die Wege von Eisbärmüttern und ihrem Nachwuchs. Im Zoo ist das nicht so einfach. Ich habe hier schon darüber geschrieben.

Der Tiergarten hat lange warten müssen, bis die Koordinatoren des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP einen Platz für Gregor und Aleut in einem anderen Zoo vermittelt haben. Jetzt ist es so weit: Die Bärenbrüder ziehen heute in den Warschauer Zoo um. Dort werden sie bis zur Geschlechtsreife in einigen Jahren zusammenbleiben. Das Foto von Gregor entstand kurz vor der Abreise.

Schon seit Herbst vergangenen Jahres haben die Nürnberger Tierpfleger Gregor und Aleut für die Fahrt trainiert. Sie wurden mit den Transportkisten vertraut gemacht und haben geübt, von selbst dort hineinzulaufen. So klappte die Abreise in Nürnberg heute früh reibungslos, die Tiere mussten nicht betäubt werden. Die beiden Eisbären werden von zwei Nürnberger Tierpflegern begleitet, die ein paar Tage in Warschau bleiben, bis sich Gregor und Aleut an die neue Umgebung gewöhnt haben. Im Warschauer Zoo wurden zuletzt keine Eisbären mehr gehalten. Die Haltung soll nun neu beginnen, in einigen Jahren soll eine neue Anlage für diese Tiere gebaut werden.

Im Tiergarten Nürnberg werden sich Vera und Felix, die Eltern von Gregor und Aleut, in nächster Zeit immer wieder zusammen in einem Gehege aufhalten. Schon vor über einem Monat hat Felix Vera gedeckt. Im Tiergarten hofft man, dass Vera im nächsten Winter wieder Nachwuchs bekommt.

 

Gregor und Aleut blicken in ungewisse Zukunft

Bleiben wir beim Thema Bären – allerdings geht es diesmal um Eisbären, und zwar die im Tiergarten Nürnberg. Wer unter meinen Blog-Lesern im Großraum Nürnberg lebt und sich für Tiere interessiert, wird sich bestimmt noch gut daran erinnern, wie die Zwillinge von Eisbärin Vera auf die etwas sperrigen Namen Gregor und Aleut getauft wurden. Oder daran, wie die beiden weißen Bärchen im Freigehege zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Die Zeit vergeht wie im Fluge: Bald schon, am 2. Dezember, werden die Eisbärenbrüder zwei Jahre alt. Kleine weiße Fellknäuel sind sie schon längst nicht mehr. Wer ab und zu den Tiergarten besucht, hat längst entdeckt, dass die Zwillinge ihre Mutter größenmäßig eingeholt haben. Und sie sind auch keine braven Bärchen mehr, sondern haben sich zu rechten Flegeln entwickelt. Noch akzeptieren sie ihre Mutter als Chefin im Gehege, aber sie suchen auch den Streit mit ihr und lehnen sich immer öfter gegen sie auf. Auf gut Deutsch: Sie werden langsam erwachsen. Und es besteht die Gefahr, dass sie ihre Mutter auch einmal ernsthaft angreifen.

In freier Wildbahn gehen Eisbärenjunge im Alter von zwei bis drei Jahren eigene Wege. Das können sie in einem Zoo nicht von selbst tun. Vielmehr müssen sich die Zoos darum kümmern, anderswo einen Platz für sie zu finden. Gregor und Aleut werden im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP in einen anderen Zoo vermittelt. Noch weiß man allerdings nicht, wohin und ob sie zusammenbleiben oder in unterschiedlichen Einrichtungen landen werden. Im Tiergarten hofft man auf eine baldige Nachricht von den EEP-Koordinatoren.

Sobald die Eisbärenbrüder den Tiergarten verlassen haben, darf Eisbär Felix, der Vater von Gregor und Aleut, wieder mit Vera zusammenkommen. Derzeit lebt er getrennt von ihr und seinen beiden Söhnen im Nachbargehege. Felix soll Vera im nächsten Frühjahr wieder decken; die Paarungszeit bei Eisbären beginnt Ende Februar und kann bis Anfang Juni gehen. Eisbärennachwuchs kommt immer im Dezember oder Januar zur Welt. Deshalb hofft man im Nürnberger Tiergarten für den Winter 2013/14 wieder auf ein oder mehrere Eisbärenbaby(s).

Dieser Hoffnung schließe ich mich natürlich an.

Kann Anori Gottschalk retten?

Deutschlands Fernsehzuschauer haben in dieser Woche eine der größten Enttäuschungen der TV-Geschichte erlebt: „Gottschalk live“ im Vorabendprogramm der ARD. Wie man eine Sendung ohne Konzept starten kann, nur im Vertrauen darauf, dass Gottschalk es mit seinem Beliebtheits-Bonus schon richten wird, bleibt allen ein Rätsel. Es gibt mittlerweile einen kollektiven Aufschrei der Internet-Gemeinde, und die Zuschauerquote – heute das Maß aller Dinge – stürzte innerhalb von vier Tagen im Steilflug ab.

Überraschendes wurde uns versprochen, aber bisher ist nichts als ein müder Abklatsch von „Wetten, dass…“ geboten. Couch-Gespräche mit Promis, nur eben ohne Wette, dafür von aufdringlichen Werbespots zerhackt, dazwischen der nach der ersten Sendung schon langweilige Hinweis auf Facebook, Twitter und Chat-Möglichkeiten für die jungen Zuschauer – das war´s auch schon! Eine hässliche Krawatte als Running Gag kann da auch nichts mehr retten. Tiere als zuverlässige Quotenbringer hat man vorsichtshalber ebenfalls eingebaut. Nicht nur den Hund aus dem neu angelaufenen Film „Fünf Freunde“. Auch eine tägliche „Live-Schaltung“ in den Wuppertaler Zoo soll es geben, wo Eisbärenbaby Anori mit seiner Mutter über eine Videokamera in der Wurfhöhle zu sehen ist.

Wir Nürnberger kennen diese unscharfen Schwarzweiß-Bilder seit Flocke zur Genüge. Pech, dass der Tiergarten in diesem Jahr mit keinem Eisbärenbaby aufwarten kann. Das wäre wohl mehr gewesen als eine Riesenwerbung. Ich gehe mal davon aus, dass der Zoo Wuppertal für die Wurfhöhlen-Bilder den einen oder anderen Euro von der ARD bekommt. Die Nürnberger unter meinen Lesern dürfte interessieren, dass die Eisbärenmutter in Wuppertal keine andere ist als Vilma, die im selben Jahr, als Flocke zur Welt kam, in Nürnberg Zwillinge geboren hat, die sie aber nach einigen Wochen selbst auffraß; die Kleinen waren höchstwahrscheinlich nicht gesund. Auch in Wuppertal hatte Vilma übrigens ein zweites Jungtier. Das überlebte aber nur eine Woche und wurde dann – wie der Zoo in einer Pressemeldung es formulierte – „nach Eisbärenart beerdigt“. Lars, der Vater von Knut, ist auch der Vater von Anori. Das Geschlecht des Babys konnte noch nicht bestimmt werden, Gottschalk hat es aber schon mal locker-flockig als männlich definiert.

So nett kleine Eisbären auch rüberkommen – irgendwie ist doch seit Knut, spätestens seit Flocke, die Luft raus. Zwar bedeutet „Anori“ auf Grönländisch „Wind“. Aber einen Sturm der Begeisterung kann auch das weiße Fellknäuel in dieser Sendung nicht entfachen.

Eisbärenzucht ade?

Und schon wieder gerät der Berliner Zoo mit seiner Eisbärenhaltung in die Schlagzeilen: „Berliner Zoo legt Eisbären-Sex auf Eis“ titelt – nein, nicht eine große Boulevard-Zeitung, sondern die Deutsche Presseagentur eine entsprechende Meldung. Sex sells, Eisbären ebenso und Eisbären im Berliner Zoo seit Knut erst recht.

Liest man den Rest der Meldung, wird es schon deutlich dünner. Aber weil ich ganz gern immer mal wieder einen Blick auf den Zoo in unserer Hauptstadt werfe und viele meiner Leser sich dafür interessieren, möchte ich die Information doch weitergeben. Also: Nach den Beißereien der Berliner Eisbärendamen Tosca, Nancy und Katjuscha (alle rechts im Bild) um – oder mit? – dem Eisbärenmann Troll, über die ich hier schon geschrieben habe, hat man sich schließlich von Troll getrennt; einen Nachfolger für ihn soll es auch nicht mehr geben. Die Zooleitung will nun gar keine Eisbärenzucht mehr. Im Tierpark Friedrichsfelde, im früheren Ostteil der Stadt gelegen, soll es dagegen weiterhin Eisbärenbabys geben; schließlich kommen ja in einer ganzen Reihe von Zoos immer wieder Junge zur Welt und werden in der Mehrheit auch von ihren Müttern aufgezogen.

Ich vermute mal, Direktor Bernhard Blaszkiewitz reicht es nach dem ganzen Trubel und der Kritik um Knuts Tod und den ständigen Protesten von Tierschutzaktivisten gegen den Berliner Zoo, die nicht nur die Zucht von Eisbären ablehnen, sondern überhaupt die Haltung dieser Tiere in Menschenobhut. Der Zoochef wird wohl darauf hinarbeiten, dass endlich wieder ein wenig Ruhe im Zoo Berlin einkehrt. Ob in Sachen Eisbärenzucht wirklich das letzte Wort gesprochen ist, wage ich aber zu bezweifeln. Man wird wohl erst ein wenig Gras über Knut und die Folgen wachsen lassen und die Tierrechtler besänftigen wollen.

Unterdessen plagen den Zoo, der mit Knut Millionen gemacht hat, auch finanzielle Nöte: Ihm droht die Streichung von Landeszuschüssen in Höhe von immerhin 1,3 Millionen Euro im Jahr. Keine schönen Aussichten fürs neue Jahr!

 

"Unser Madla" wird heute vier

Der Dezember ist der Monat der Eisbären-Geburtstage. Da kleine Eisbären auf der ganzen Welt in diesen Wochen geboren werden, feiern jetzt auchg diverse Zoos ihre Polarbären. Im Zoo Berlin versammelten sich zu Knuts Geburtstag am 5. Dezember Fans des tierischen Mega-Stars, um seiner zu gedenken; bekanntlich ist Knut im vergangenen Frühjahr gestorben. In Wuppertal wird Lars (der Vater von Knut) am 12. Dezember 18 Jahre alt. Heute stehen dort die „Eisbärfreunde“ am Eisbärengehege und verkaufen Fan-Artikel von der Postkarte bis zum Kerzenständer.

Und was macht der Tiergarten Nürnberg mit seinen Eisbärengeburtstagen? – Nichts! Tiere sollen nicht vermenschlicht werden, daher gibt es auch keine Geburtstagsparty, so ist dort die Meinung der Zooleitung. Ich finde das im Prinzip richtig. Aber so ganz totschweigen möchte ich ein paar Daten in meinem Blog trotzdem nicht. Also: Am 2. Dezember sind die Zwillinge Gregor und Aleut am Schmausenbuck ein Jahr alt geworden – ohne Rummel in der Öffentlichkeit. Und heute ist ein besonderer Tag: Flocke wird vier Jahre alt, die Eisbärin, die ich von Anfang an mit der NZ und meinem Blog begleiten durfte. Einen Brief wie zum ersten Geburtstag schreibe ich ihr nicht mehr, aber ein paar Worte möchte ich doch über sie verlieren.

Auch wenn unser fränkischer Eisbär-Superstar Flogge seine Heimat längst verlassen hat und mittlerweile im „Marineland“ von Antibes an der Côte d´Azur lebt – wir haben „unser Madla“ nicht vergessen. Einige Flocke-Fans vermissen die junge Bärendame so sehr, dass sie ihr regelmäßig einen Besuch abstatten. Zu diesen Leuten gehört Petra Fritz, eine der beiden „Ziehmütter“, die Flocke als Baby hochgepäppelt haben, nachdem man sie von ihrer Mutter Vera hatte trennen müssen. Zweimal im Jahr versucht Petra Fritz, nach Südfrankreich zu reisen, um zu sehen, was aus ihrem Ziehkind geworden ist. Ich habe mich mit ihr unterhalten, und sie hat mir freundlicherweise die beiden Fotos für diesen Blog-Beitrag zur Verfügung gestellt, die beim letzten Mal entstanden sind. Das Bild unten zeigt Flocke in der künstlichen Eishöhle, die zur großzügigen Eisbärenanlage in Antibes gehört.
Die Tierpflegerin freut sich, dass Flocke sie immer noch erkennt – an der Stimme und auch am Geruch – und auf sie reagiert. Inzwischen hat Petra Fritz den schlimmsten Trennungsschmerz überwunden, und sie kann sich darüber freuen, dass es ihrem einstigen Zögling auch weit weg vom Schmausenbuck so gut geht.

Dass Flocke mittlerweile ein flotter Teenager ist, scheint nicht nur die Pflegerin zu finden, sondern auch Rasputin, der Spielgefährte von Flocke, der mit ihr zusammen nach Südfrankreich gezogen ist. Im vergangenen Frühjahr hat der gleichaltrige Eisbär – laut Petra Fritz „ein cooler Typ“ – mehrmals Anstalten gemacht, Flocke zu decken. Aber die war nur genervt. Deshalb hat man die zwei für einige Zeit voneinander getrennt und sie auch mal das Gehege tauschen lassen. Inzwischen sind beide wieder relaxt.

Petra Fritz könnte sich vorstellen, dass Flocke im nächsten Frühling schon anders auf Rasputins Annäherungsversuche reagiert. Dann ist die Bärin fast viereinhalb Jahre alt – genauso alt wie Vera, als sie zum ersten Mal von Felix gedeckt wurde und daraufhin mit Flocke trächtig war. In Antibes wäre man in jedem Fall froh, wenn es zu einer erfolgreichen Eisbärenzucht käme. Das „Marineland“ dort ist weit und breit der einzige Zoo, der mit der Sensation Eisbären aufwarten kann.

Flocke und Rasputin sind die ersten Vertreter ihrer Art in Südfrankreich und wurden in der Werbung für den Zoopark entsprechend angepriesen. Große Schilder mit der Aufschrift „Nouveauté: Ours polaires“ säumten im vergangenen Jahr die Straßen an der Côte d’Azur. Am Eisbärengehege im „Marineland“ steht eine Informationstafel, auf der Eisbären als Botschafter für den Klimaschutz ausgerufen werden. Dort heißt es auch, dass Flocke und Rasputin eines Tages hoffentlich für Eisbärenbabys sorgen werden. Als die neue Anlage für Flocke und Rasputin gebaut wurde, hat man gleich ein großzügiges Mutter-Kind-Abteil mit eingerichtet.
Bisher ist Flocke allerdings eher in ihren Tierpfleger Bruce verliebt, erzählt Petra Fritz lachend: „Wenn sie mit dem Schwanz wedeln könnte, würde sie das tun, immer wenn er in ihre Nähe kommt.“