Was kann dieses Foto bewirken?

Schon seit Jahren habe ich in meinem Blog immer wieder über die möglichen Folgen des Klimawandels auf die Tierwelt geschrieben, meist anlässlich von Studien verschiedener Wissenschaftler, zum Beispiel hier. Aber Wissenschaftler können, ebenso wie Journalisten, warnen, solange sie wollen – die Menschen neigen einfach dazu, solche Themen zu verdrängen. Ist ja alles so theoretisch und wird schon nicht so schlimm werden, denken sich wohl die meisten.

Und dann taucht da plötzlich ein Bild auf, das uns die grauenhaften Folgen des Klimawandels knallhart vor Augen führt – und plötzlich kapieren Zigtausende, was uns in Zukunft bevorstehen wird, wenn wir nicht schnell etwas tun. Das Foto von einer fast zum Skelett abgemagerten Eisbärin stammt von der Fotografin Kerstin Langenberger, die das entkräftete Tier auf einer Tour nahe Spitzbergen in Norwegen vor die Kamera bekam. Die Aufnahme wurde bei Facebook schon in der vergangenen Woche über 52.000 Mal geteilt. Kerstin Langenberger hat berichtet, dass dieses Tier beileibe kein Einzelfall war – sie hat auf ihrer Reise viele dürre Eisbären gesehen, lauter weibliche Tiere, dagegen kaum gut genährte Mütter und Jungtiere, wie man sie sonst zu dieser Jahreszeit sieht. Die Bärin auf dem Foto hat außerdem noch eine Verletzung am Bein. Die Fotografin meint, die könne von dem Versuch herrühren, ein Walross zu jagen. Kerstin Langenberger hat auf ihrer Tour auch beobachten können, wie sich die Gletscher im Vergleich zu ihren früheren Fahrten zurückgezogen haben und wie das Packeis in beängstigendem Tempo verschwindet. Letzteres bedeutet praktisch das Todesurteil für die Eisbärinnen: Sie finden keine Eisschollen mehr, auf denen genügend Platz für sie und ihre Jungen ist, und die Futtersuche wird zum Problem.

Es gibt zwar Experten, denen zufolge der Eisbärenbestand rund um Spitzbergen noch stabil sein soll, doch die Fotografin ist nach ihren Beobachtungen überzeugt, dass der Klimawandel die Ursache für die erschütternden Eisbären-Schicksale ist, die sie beobachtet hat. Kurz nach Kerstin Langenbergers Posting veröffentlichte der „National Geographic“-Fotograf Paul Nicklen auf Instagram das Foto eines Eisbären, den er ebenfalls bei Spitzbergen aufgenommen hatte. Das Tier war komplett abgemagert und bereits tot.

Unterdessen haben Klimaforscher gemeldet, dass es sich abzeichne, dass 2015 das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 135 Jahren wird; bisher hatte das Jahr 2014 diesen Rekord gehalten. Die Forscher sind derzeit zur 10. Deutschen Klimatagung in Hamburg. In rund zwei Monaten beginnt die Klimakonferenz der Vereinten Nationen, bei der es wieder um konkrete Maßnahmen gegen die Erderwärmung geht. Die bisherigen Klimakonferenzen brachten im Prinzip nur enttäuschende Ergebnisse. Wenn die Verantwortlichen nicht endlich effektivere Maßnahmen beschließen, werden so schreckliche Bilder wie das von der dürren Eisbärin  bald zur Normalität werden – und haufenweise Bilder von toten Tieren werden dazukommen.

Klimaforschung – eine Gefahr für Pinguine?

Unter Tierforschern dürfte nun ein alter Streit wieder aufflammen: Machen Markierungsbänder, die an den Flossen von frei lebenden Pinguinen zum Zweck wissenschaftlicher Beobachtung angebracht werden, Sinn oder nicht? Schon seit längerem sind einige Wissenschaftler der Meinung, die Clips könnten die Tiere verletzen oder zumindest beim Schwimmen behindern.

urn:newsml:dpa.com:20090101:110111-99-08739Pinguine werden besonders gern als Studienobjekte herangezogen, wenn es darum geht, die Auswirkungen des Klimawandels auf das ökologische Gleichgewicht der Meere auf der Südhalbkugel der Erde zu untersuchen. Man geht davon aus, dass diese Ozeane von der Erderwärmung besonders stark betroffen sind und dass Pinguine, die sich vom Fischfang ernähren, darunter leiden, wenn sich das Ökosystem verändert. Um einzelne Tiere aus der Ferne unterscheiden und ihr Verhalten und ihren Aufenthaltsort genau registrieren zu können, versehen Biologen die Flossen von Pinguinen mit Metall- oder Kunststoffbändern.

Nun hat ein Team von französischen Forschern über einen Zeitraum von zehn Jahren frei lebende Königspinguine im südlichen Indischen Ozean beobachtet und herausgefunden, dass die Markierungen die Überlebenschancen dieser Tiere gefährden. Die Pinguine, die ein Markierungsband trugen, hatten weniger Nachwuchs und benötigten mehr Zeit, um in der Brutzeit Futter zu finden, als Tiere ohne Markierungsclips. Die Pinguine mit Clip hatten eine 16 Prozent niedrigere Überlebenschance und produzierten fast 40 Prozent weniger Küken. Das lag daran, dass sie später an den Brutplätzen ankamen als Tiere ohne Markierungsband und dass sie länger für die Nahrungssuche brauchten, weil die Markierung sie beim Fischfang behinderte: Die Bänder sorgen nämlich für einen höheren Widerstand im Wasser und führen dazu, dass die Pinguine mehr Energie beim Schwimmen verbrauchen.

Weil die Markierungsbänder derart drastische Auswirkungen auf das Verhalten der Pinguine hatten, ziehen die französischen Wissenschaftler nun die Aussagekraft der Daten in Zweifel, die in den letzten Jahren mit Hilfe der Chips von Klimaforschern gesammelt wurden.

Tja, da stellt sich wieder einmal die Frage für uns Laien: Welchen Forschungsergebnissen kann man überhaupt noch vertrauen?

Warmer Sommer: Katastrophe für Walrosse

urn:newsml:dpa.com:20090101:100914-10-11311Die ersten Folgen des Klimawandels bzw. der Erderwärmung werden derzeit in Alaska deutlich: Weil ihnen sozusagen das Eis unterm Hintern wegschmilzt, suchen jetzt Tausende von Walrossen Zuflucht an Land. Nach Expertenschätzungen sind es bis zu 20000 von diesen im Meer lebenden, riesigen Säugetieren, die sich nun in Scharen an den Stränden des Nordpolarmeeres und der Beringstraße drängen.

Das Problem ist, dass die Walrosse jetzt riesige Strecken zwischen ihren Futterquellen und den Ruheplätzen zurücklegen müssen. Denn die Tiere suchen ihre Nahrung, z.B. Krebse, Muscheln und Schnecken, in einer Wassertiefe bis zu 250 Metern. Normalerweise ruhen sie nach der Futtersuche auf Eisschollen draußen auf dem Meer aus. Doch diese Schollen sind wegen der zu hohen Temperaturen im Sommer geschmolzen. Also müssen die Tiere bis an Land schwimmen, um einen Schlafplatz zu finden.
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Sie pfeifen auf den Klimawandel

Was haben manche Zeitgenossen in den vergangenen Wochen unter der Hitze gestöhnt! Plötzlich waren Erderwärmung und Klimawandel, die im langen Winter und außergewöhnlich nasskalten Mai von vielen schon für Ammenmärchen gehalten wurden, wieder wichtige Themen. Aber so sind wir halt, wir Menschen.

MurmeltierGanz anders die Murmeltiere. Die freuen sich, dass es auf einmal so schön warm ist auf unserer Erde. Denn dadurch werden sie größer und dicker und brauchen nicht mehr so lange Winterschlaf halten wie früher. Was hatten sie es da stressig: In den vier bis fünf Monaten, die sie im Jahr wach waren, mussten sie sich abrackern wie die Verrückten. Fressen, fressen, fressen, damit der nächste Winterspeck auch wirklich dick genug wird, sich in kürzester Zeit vermehren, den Nachwuchs aufziehen. Stress pur.

Nun haben Forscher beobachtet, dass Murmeltiere im US-Staat Colorado aufgrund der längeren Sommer immer früher aus ihren Winterschlafstätten herauskommen und sich erst später im Jahr wieder dahin zurückziehen. Dazwischen haben sie mehr Zeit, um alles zu erledigen, und die Chance, Nachwuchs zu bekommen und den auch durchzubringen, erhöht sich. Sie können es also relaxter angehen lassen.

Tja: Murmeltier müsste man sein!

Macht vorwärts mit dem Klimaschutz!

Der Klimawandel macht den Eisbären noch viel mehr zu schaffen als bisher befürchtet: Die Umweltstiftung WWF hat jetzt alarmierende neue Forschungs-
ergebnisse bekanntgegeben. Demnach ist der Eisbären-Bestand im Vergleich zur letzten Überprüfung im Jahr 2005 weiter zurückgegangen, zwei Drittel der von Experten untersuchten Eisbär-Populationen schrumpfen. Nach ihrer Prognose wird die Zahl aller am Nordpol lebenden Eisbären bis zum Jahr 2050 fast um ein Drittel zurückgehen.

Schuld ist die Erderwärmung, die das gesamte Ökosystem der Arktis auf den Kopf stellt. Und das geht viel zu schnell, als dass die Eisbären sich anpassen könnten. Weil sie sich hauptsächlich von Robben ernähren, brauchen sie das Packeis zur Jagd. Doch das Packeis schmilzt ihnen im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Hintern weg. Die Eisbären drohen aber nicht nur zu verhungern. Sie müssen auch immer weitere Strecken zwischen geschlossenen Eisdecken schwimmend überwinden. Dafür sind sie nicht gebaut und laufen deshalb Gefahr zu ertrinken oder an Erschöpfung zu sterben.  

Umso wichtiger wäre es, dass international Maßnahmen zum Klimaschutz schneller umgesetzt würden, als es der Fall ist. Und umso trauriger ist es, dass der Gedanke im Nürnberger Tiergarten, Eisbärin Flocke als Botschafterin für den Klimaschutz einzuspannen, leider nicht den eigentlich erwünschten Effekt hatte. Viele Besucher wollen gern ein süßes Eisbärenbaby bestaunen, aber wenn es darum geht, den Lebensraum von Flockes Artgenossen in freier Wildbahn zu erhalten, erlischt das Interesse bei den meisten offenbar. Vielleicht glauben sie auch,  persönlich keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Oder – und das wäre wirklich am schlimmsten – sie haben die Hoffnung schon längst aufgegeben, dass die Menschheit in dieser Hinsicht überhaupt noch etwas bewirken kann, weil die Mächtigen der Welt einfach keine ausreichenden Maßnahmen ergreifen. Verstehen könnte man die Resignation, aber man muss auf jeden Fall dagegen angehen!