Es ist so weit: Die ersten Klon-Affen sind da


Das wird sicherlich als Riesenerfolg in die Geschichte der Wissenschaft eingehen: Über 20 Jahre nach der Geburt von Klonschaf Dolly haben chinesische Forscher jetzt zwei Affen mit der bei Dolly angewandten Klon-Methode „erzeugt“. Die beiden Äffchen sind Javaneraffen und haben die Namen Zhong Zhong und Hua Hua bekommen (Foto: dpa). Die zwei wurden lebendig geboren und haben bereits die ersten Wochen überlebt. Das kann man als echte Sensation einordnen, denn bisher hat die Dolly-Klon-Methode noch nie bei Affen funktioniert – bei anderen Tierarten wie zum Beispiel Kühen, Schweinen und Hunden hat sie dagegen geklappt.

Ich bin grundsätzlich skeptisch, was das Klonen von Tieren angeht. Mag sein, dass die Klon-Technik für die Erforschung neuer Therapien – beispielsweise gegen neurologische Krankheiten – Erfolge bringen kann. Auch für die Entwicklung neuer Arzneien soll sie hilfreich sein. Aber in ethischer Hinsicht empfinde ich das Klonen als äußerst fragwürdige Methode. Nun sind wir also schon bei Klon-Affen angelangt. Da ist der Schritt, auch Menschenaffen zu klonen, meiner Ansicht nach nicht mehr weit, auch wenn das offiziell immer strikt ablehnt wird. Ich fürchte, irgendeine ehrgeizige Forschergruppe wird sich eines Tages nicht mehr davon abhalten lassen. Auch bei den beiden Javaneraffen geht es mit Sicherheit nicht nur um hehre Wissenschaft, sondern auch um das Prestige von China: Die beiden Namen der Äffchen wurden bestimmt nicht zufällig gewählt. Zusammengenommen, also „Zhonghua“,  bedeuten sie so viel wie „chinesische Nation“.

Gläubige und ungläubige Zoo-Menschen

Dag Encke, seit 2005 Nürnberger Tiergartendirektor, hat es mit den Medien nicht immer leicht – vor allem mit denen, die nicht in Nürnberg beheimatet sind. Immer wieder muss er zu denselben Vorwürfen in Sachen Delfinhaltung/Lagune Stellung nehmen. Die Fragen ähneln sich, die Artikel oder Sendungen ebenso. Einige Journalisten-Kollegen „recherchieren“ schon vor dem Hintergrund einer vorgefassten Meinung, die sie dann auch nicht mehr aufgegeben angesichts dessen, was sie vor Ort vorfinden. Die Artikel oder Berichte, die dabei herauskommen, lassen oft jede Neutralität vermissen, wie es zum Beispiel in der „Zeit“ vor einigen Wochen der Fall war. Delfine in Zoos oder Delfinarien – dass dieses Thema die Menschheit spaltet, haben wir ja immer wieder auch hier im Blog gesehen.

Ludwig Schick und Dan Encke im GesprächEs geht mittlerweile aber auch um die Frage, ob Zoos heutzutage überhaupt noch zeitgemäß sind. Ob Tierhaltung dort womöglich gegen ethische Grundsätze verstößt. Oder gegen die von Gott gewollte Ordnung. Derart dürften wohl die Hintergedanken für ein Gespräch gewesen sein, das vom Bildungszentrum Nürnberg veranstaltet wurde: Dag Encke und Erzbischof Ludwig Schick saßen sich gegenüber und unterhielten sich – wie immer in der Reihe „Starke Köpfe“ – in persönlicher Atmosphäre und ohne Moderator. Ludwig Schick ist seit 2002 Erzbischof von Bamberg. Bevor er sich für die Theologie entschied, hatte er Medizin studiert und kann von daher wissenschaftliche Gedankengänge besser nachvollziehen als so mancher reine Theologe. Schick hat außerdem alle Kontinente bereist und immer wieder Tiere in freier Wildbahn erlebt, die in unseren Breiten nur in Zoos zu sehen sind.

Eine gute Basis also für ein anregendes Gespräch – das dann wesentlich philosophischer geriet, als viele es wohl erwartet hatten. Eher nebenbei erfuhren die Zuhörer interessante persönliche Geschichten. Etwa, dass Encke als Zehnjähriger tief gläubig war, später aber „abschwor“ und einem naturwissenschaftlichen Weltbild für seine Lebensauffassung und -führung den Vorzug gab. Heute bezeichnet er sich selbst als „ungläubigen Zoo-Menschen“. Oder dass Schick früher zur Jagd ging und durchaus nachvollziehen kann, wenn jemand auf eine Trophäe wie zum Beispiel ein Geweih stolz ist. Die beiden Männer auf dem Podium vertraten – zu ihrem eigenen Erstaunen – oft gemeinsame Standpunkte, wenn auch vor einem unterschiedlichen weltanschaulichen Hintergrund.

Dag Encke merkte man an, dass er froh war, einmal losgelöst von Vorwürfen angeblich nicht artgerechter Tierhaltung über ethische und philosphische Fragen plaudern zu können. Dabei glänzte er mit einem breiten Wissen, mit dem er selbst den Erzbischof beeindruckte. Encke sprach aber auch von sich aus seine Haltung an, dass er kein Problem damit hat, Tiere zu töten und anschließend Zootieren zum Fressen vorzuwerfen – womit er in der Öffentlichkeit schon aneckte. Beim Erzbischof stieß er damit auf (Ein-)Verständnis. Schick seinerseits nahm Tierrechtlern den Wind aus den Segeln, die etwa Menschenrechte für Tiere fordern; er lehnt es auch strikt ab, „Tiere zu verherrlichen“. Aber er betonte auch: Tierrechte gibt es, und die sind einzuhalten – gerade von Zoos. Da waren die beiden Männer einer Meinung. Encke will im Tiergarten Tiere so zeigen, dass er sich nicht dafür schämen muss und misst sich selbst an diesem Anspruch. Zu Recht, wie der Applaus im Publikum nach eineinhalb spannenden Stunden unterstrich.

Der Zoo – nichts als ein Knast für Tiere?

Zwischenablage01Frank Albrecht, Vorsitzender von „EndZoo Deutschland“, hat auf Einladung des Vereins „Menschen für Tierrechte Nürnberg“ einen Vortrag gehalten: „Zoo – Luxuspension oder Knast?“ Der Verein EndZOO wurde 2012 gegründet und hat in Deutschland acht Mitglieder; sieben sind es in unserem Nachbarland bei „EndZOO Österreich“.

In seinem Vortrag im Nachbarschaftshaus Gostenhof warf Albrecht den herkömmlichen Medien vor, sie würden zu wenig über Zoos – für ihn nichts als „Unrechts-Institutionen“ – berichten. Das Internet tröstet Albrecht über den sonstigen Mangel an publizistischer Aufmerksamkeit allerdings hinweg. Denn im Netz lassen sich angebliche Missstände in Zoos und Tiergärten viel einfacher verbreiten – und das sogar unabhängig davon, ob sie der Wahrheit entsprechen oder nicht. Übrigens: Das Internet bezeichnet der Tierrechtler nicht als Medium, was mich denn doch irgendwie erstaunt. Was soll das Internet sonst sein?
EndZOO versteht sich selbst als Tierrechts-Organisation mit klar gesetztem Ziel: dem möglichst schnellen „Auslaufen aller Zoo-Gefangenschaften“. Das soll nicht durch Freilassen von Zootieren geschehen, wie dem Verein manchmal unterstellt wird. Die Mitglieder wollen vielmehr Zoos und Tiergärten abschaffen. Dahin möchte schrittweise kommen: Durch Zuchtstopp, Auswilderung von Tieren, bei denen das noch möglich ist, natürlichen Tod von Zootieren (die dann nicht mehr durch neue ersetzt werden), oder Einschläfern von kranken und altersschwachen Tieren, die so von ihren Leiden erlöst werden.
EndZOO will auch „die ständigen Unwahrheiten, Missstände oder Verstöße, die eine Gefangenschaft in Zoos, Wild-, Tier- oder Safariparks unweigerlich mit sich bringt, öffentlich machen“. Zootierhaltung könne nie art- oder tierschutzgerecht sein, eher müsse man von „tiergerechter Inhaftierung“ sprechen. Mit Zoodirektoren geht EndZOO besonders hart ins Gericht: Sie seien „nicht nur penetrante Ignoranten bestehender Tierrechte, sondern auch geschickte Vertuscher und Verklärer ihres eigenen Tun und Handelns“ und würden der Öffentlichkeit „unbeirrt eine andauernde Gehirnwäsche verpassen“.
Mit der „Inhaftierung und Zurschaustellung“ von Lebewesen habe man sich in Tiergärten „fünf Zoo-Märchen“ ausgedacht, die folgendermaßen heißen: „Naturschutz“, „Bildung“, „Tierschutz“, „Artgerechte Zoohaltung“ und „Artenschutz“. Diese Märchen will EndZOO durch die Gegenüberstellung mit der bitteren Realität entzaubern. Die Zeit der reinen Zurschaustellung von Tieren in Zoos sei, so behauptet EndZoo, längst nicht vorbei. Tierparks würden sich gern als „moderne Arche Noah“ präsentieren, doch das sei erstunken und erlogen. Selbst Gehege ohne Gitterstäbe, Zäune und Betongraben würden die Besucher nur über die Gefangenhaltung hinwegtäuschen.

Was halten Sie von diesem Verein? Sind Sie der Meinung, ein kleines Häuflein überengagierter Tierrechtler soll es in der Hand haben dürfen, Zoos und Tiergärten dichtzumachen? Der teils äußerst verquasten Argumentation der Vereinsmitglieder stehen schließlich Millionen von Zoobesuchern gegenüber, die sich am unmittelbaren Kontakt mit den Tieren erfreuen. Fernsehen, Internet und andere Medien können das nicht ersetzen. Und auch heute kann sich längst nicht jeder eine Reise dorthin leisten, wo die in Zoos gezeigten Tiere in freier Wildbahn leben – mal ganz abgesehen davon, ob das aus Umwelt- und Naturschutzgründen überhaupt wünschenswert wäre!

Tut ja nicht weh – oder?

Küchenschaben. Na gut, zu meinen Lieblingstieren gehören die auch nicht unbedingt. Aber das, was ein amerikanisches Unternehmen sich da ausgedacht hat, ist für mich reine Tierquälerei, die hoffentlich viele Tierschützer auf den Plan ruft: eine Handy-App namens RoboRoach, von der Firma Backyard Brains zum Weihnachtsgeschäft auf den Markt geworfen. Um mit diesem „Spielzeug“ richtig umgehen zu können, müssen die kleinen Nachwuchsforscher Kakerlaken „operieren“. Am Ende kommen dabei ferngesteuerte Schaben heraus – ein ganz reizendes Spielzeug, das muss ich schon sagen!

Die App kann man für 99 US-Dollar bestellen. Mitgeliefert wird ein Video mit Anleitung, wie die für die spätere Fernsteuerung nötigen Elektroden bei den Kakerlaken aufzupropfen sind. Vorher müssen allerdings die Fühler der Schaben abgeschnitten und die äußere Schicht ihres Rückenpanzers abgekratzt werden. Es wird empfohlen, die Versuchstiere vorher in Eiswasser zu legen, damit sie praktisch ins Koma fallen.

Ein mehr als fragwürdiges Experiment am lebenden Organismus, das nicht einmal von ausgebildeten Wissenschaftlern durchgeführt wird, sondern von Kindern und Jugendlichen. Und so gibt es – zum Glück! – auch schon eine rege Diskussion in den Vereinigten Staaten, in der ethische Bedenken geäußert werden. Zwar kann niemand mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ob die als Ungeziefer geltenden Krabbler Schmerz empfinden können. Das Unternehmen Backyard Brains bezieht auf seiner Internetseite Stellung zu den Vorwürfen und weist sie zurück. – Abstrus, das Ganze, finde ich. Ich wünsche der Firma jedenfalls einen Shitstorm nach dem anderen an den Hals. Tut ja nicht weh, oder?