MSC-Siegel – eine Mogelpackung?

Ist das blau-weiße MSC-Siegel des Marine Stewardship Council, das auf Verpackungen von Fisch und Meeresfrüchten zu finden ist und für nachhaltige Fischerei stehen soll, eine Mogelpackung? Diesen Vorwurf erhebt jedenfalls eine Reihe von  internationalen Umwelt- und Meeresschutzorganisationen – darunter auch Greenpeace und die Deutsche Stiftung Meeresschutz. Sie haben in einem Schreiben an den MSC wachsende Bedenken am Zertifizierungsverfahren vorgebracht und verlangen strengere Bewertungskriterien. Ihr Vorwurf: Der MSC soll zum Beispiel umstrittene Fischereien als nachhaltig zertifiziert haben. Mit schlimmen Folgen, nämlich dem Fang von Tausenden gefährdeter und bedrohter Tiere. Außerdem hätten die Fangmethoden irreparable Schäden in den Lebensräumen angerichtet. Die Verbraucher würden mit dem Siegel in die Irre geführt.

Die Umweltschützer kritisieren, dass eine Reihe von Schwachstellen im MSC-Verfahren schon seit einiger Zeit bekannt seien, vom MSC aber nichts dagegen unternommen werde. Der MSC hingegen verweist darauf, dass für dieses und das nächste Jahr eine Überarbeitung seines Standards geplant sei. Und er betont, dass Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit auch immer umsetzbar bleiben müssten. Wenn man Anforderungen stelle, die nur die besten fünf Prozent der weltweiten Fischereien je erfüllen könnten, würde das nicht helfen, die Ozeane langfristig zu schützen.

Die Kritik der Umweltschützer richtet sich auch gegen die Zukunftspläne des MSC: Der Anteil an Fisch mit MSC-Siegel soll weltweit ansteigen, von 12 Prozent auf 20 Prozent im Jahr 2020. Im Klartext bedeutet das eine Ausweitung der zertifizierten Betriebe.

Meiner Meinung nach begibt sich der MSC mit solchen Plänen auf ganz dünnes Eis. Es wirkt auf jeden Fall so, als würden Ansprüche, die man bei 1997 bei der Gründung noch hatte, ohne Not heruntergeschraubt. Wenn das der Fall sein sollte, kann man auch ganz auf so ein Siegel verzichten.

Faszinierende Jagdmethoden

Es sind fantastische Welten in den Tiefen der Meere, und das Leben dort ist zu großen Teilen noch unerforscht. Nun haben Wissenschaftler um Professor Jens Krause vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin vor der Küste Cancuns in Mexiko das Verhalten des Atlantischen Fächerfischs (Istiophorus albicans), auch Segelfisch genannt, mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras untersucht. Diese Fische sind mit Marlinen und Schwertfischen verwandt; sie alle haben eine verlängerte, schwertartige Schnauze und besitzen die Fähigkeit, extrem schnell zu schwimmen. Ein Kennzeichen der Fächerfische ist ihre übergroße Rückenflosse.

Die Forscher vom Leibniz-Institut haben errechnet, dass die Schnauze von Fächerfischen mit einer Geschwindigkeit von 20 Stundenkilometern auf ihre Beute – meist handelt es sich dabei um Sardinen –  treffen kann. Fächerfische bringen es nämlich auf eine mittlere Beschleunigung von 130 Metern pro Quadratsekunde. Bei einem Auto würde das bedeuten: in viereinhalb Sekunden von null auf 100 Stundenkilometer. Während der Jagd reißen die Fächerfische außerdem ihren Kopf mit solcher Wucht hin und her, dass ihre Beute praktisch keine Chance hat.

Die Aufnahmen des Forscherteams zeigen, dass es die Sardinen im Schwarm nicht einmal bemerken, wenn sich ein Fächerfisch von hinten heranpirscht und seine Schnauze zwischen sie schiebt. Sobald der Jäger dann seinen Kopf hin und her schlägt, ist es für die Sardinen zu spät. Wenn sie angreifen, haben die Fächerfische zwei Strategien: Entweder konzentrieren sie sich auf eine Sardine, oder sie quirlen sozusagen das Wasser inmitten eines Schwarms. Dabei verletzten sie so viele Beutetiere wie möglich. Dass die Beute mit der Schnauze aufgespießt wird – was bei der schwertartigen Form aus menschlicher Sicht nahe läge -, haben die Forscher dagegen kein einziges Mal beobachtet. Bei allen Jagdszenen war es so, dass ein einzelner Fächerfisch die Sardinen angriff – auch wenn bis zu 40 Artgenossen den Schwarm belauerten. So vermeiden die Fächerfische offenbar während der rasanten Attacken Verletzungen untereinander.

Mancher Karpfen(esser) ist ganz schön verwegen!

Uns Franken ist der Karpfen ja am liebsten, wenn er auf dem Teller liegt, vorzugsweise gebacken. Allerdings müssen wir bis zum Beginn der nächsten Karpfensaison im September noch etwas warten – bekanntlich isst man Karpfen nur in den Monaten mit einem R im Namen. Das Thema Karpfen ist trotzdem aktuell. Denn Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei und Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben sich mit den Fischen beschäftigt, und zwar in einer Studie über die Persönlichkeit von Karpfen. Kein Witz! Die Forscher haben herausgefunden, dass verschiedene Karpfenrassen unterschiedlich risikobereit sind: Gezüchtete Spiegelkarpfen zeichnen sich demnach durch Draufgängertum und Dreistigkeit aus, während die ursprüngliche Rasse der Schuppenkarpfen eher scheu und schüchtern ist. Dafür wurden die Karpfen bei identischen Versuchsreihen in Teichen und in Labortanks beobachtet. Bei der Futtersuche zeigten sich die verwegenen Spiegelkarpfen äußerst risikobereit, die ängstlichen Schuppenkarpfen dagegen wagten sich nur sehr zögerlich aus ihrem Versteck.

Tja, das ist ganz ähnlich wie bei den Menschen, die Karpfen verspeisen. Da gibt es ja durchaus auch gewisse Unterschiede in der Risikobereitschaft: Manche bestellen mutig einen extrascharfen Pfefferkarpfen, andere sind vorsichtig und lassen den Pfeffer lieber ganz weg. Solche „Studien“ habe ich selbst schon in meiner bevorzugten Karpfenwirtschaft betrieben. Und die werde ich im September, gleich bei meinem ersten Karpfen der Saison, auf jeden Fall fortsetzen. Die ganz verwegenen Karpfenesser, die darauf bestehen, auch das Ingreisch (für Nicht-Franken: die Eingeweide; in diesem Fall Rogen und Samenzellen) serviert zu bekommen, werde ich wohl in die Kategorie der Draufgänger einordnen. Zu dieser Spezies gehöre ich übrigens selber auch.

 

Neun Augen, oder doch nur zwei?

Da haben wir´s – ein Tier, das gar kein Fisch ist, wurde zum Fisch des Jahres 2012 gekürt: das Neunauge. Rein biologisch gesehen, zählt es nämlich nicht zu den Fischen, sondern zu den Kieferlosen: Es hat keine Schuppen und auch kein richtiges Maul mit zwei Kiefern, sondern muss mit einem runden Saugmund auskommen; immerhin besitzt es unten ein paar Zähne.

Doch gönnen wir dem Neunauge die Wahl, denn das Viech hat´s schwer genug auf dieser Welt: Es leidet unter schmutzigem Wasser ebenso wie darunter, dass immer mehr Gewässer bebaut werden. Trotzdem haben die aalförmigen Tiere in Deutschland während der letzten Jahre zahlenmäßig ein wenig zulegen können. Aber es könnte besser bestellt sein um ihren Bestand.

Jedenfalls lohnt es sich, weiterhin ein Auge auf das Neunauge zu haben. Schließlich existiert dieses Tier schon seit ungefähr 500 Millionen Jahren und gehört damit zu den ältesten Wirbeltierarten. Das soll ihm erst mal einer nachmachen! Vielleicht hat das Neunauge nur deshalb so lang durchgehalten, weil es von Zeit zu Zeit zum Parasiten wird: Es saugt sich einfach an Fischen fest und bohrt sich, um an deren Blut und Gewebe heranzukommen, manchmal tief in den Körper ihrer „Opfer“ hinein. Gruselig irgendwie, aber so ist halt die Natur.

Wer sich jetzt noch fragt, warum das Neunauge „Neunauge“ heißt, dem kann ich dank dpa die Antwort sagen: Wenn man nicht so genau hinschaut, sieht es aus, als habe das Neunauge neun Augen. Die Nasenlöcher und Kiemen an der Seite sehen auch fast wie Augen aus. Aber selbst das Neunauge hat nur zwei Augen. Seinen Namen darf es von mir aus trotzdem behalten.

Schlägt die Natur zurück?

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein altes Sprichwort, das sich immer wieder bewahrheitet. So zum Beispiel jetzt gerade in Frankreich, in der Rhone südlich von Lyon. In dem Fluss ist ein eigenartiges Phänomen zu beobachten: Riesige Fische rotten sich im Wasser zusammen. Es handelt sich um Welse, die fast drei Meter groß und 100 Kilo schwer werden können. Die Viecher bilden große Gruppen und ballen sich zu kugelförmigen Schwärmen – allerdings schwimmen sie dabei nicht in dieselbe Richtung, wie es eigentlich normal wäre.

Forscher der Universität von Toulouse versuchen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Denn das Spektakel ist nicht nur unheimlich – es hat auch schlimme Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht der Rhone. Die Welse hinterlassen nämlich massenweise Kot und geben damit so viele Nährstoffe an das Wasser ab, dass der Fluss rund um Lyon umzukippen droht.

Die Europäischen Welse, die den ganzen Schlamassel verursachen,  haben indes nicht immer in der Rhone gelebt. Ursprünglich waren sie in Osteuropa heimisch. Doch den Menschen, die sich leider oft für allmächtig halten, gefiel es, Silurus glanis ein ganzes Stück weiter westlich in Europa anzusiedeln. Das war vor ungefähr 150 Jahren. Nun schlägt die Natur zurück. Niemand hat bisher eine Erklärung dafür, warum sich die Welse so verhalten. Die Wissenschaftler in Toulouse schließen auch aus, dass ein ausgefallenes Paarungsritual dahinter stecken könnte. Denn bei ihren regelmäßigen Tauchgängen haben sie seit zwei Jahren nie ein Balzverhalten unter den Fischen beobachtet. Die Welse schließen sich auch nicht zusammen, um gemeinsam auf Beutefang zu gehen.

Die Forscher sprechen schon vom höchsten, jemals in einem Süßwasser existenten, „biogeochemischen Hotspot“ (einem Wasserbereich, in dem Tiere mehr Nährstoffe produzieren, als Pflanzen abbauen können). – Tja, vielleicht hätten die Menschen vor 150 Jahren lieber nicht Gott spielen sollen. Das mag der nämlich überhaupt nicht.