Locken Fischkatzen Zoobesucher hinterm Ofen vor?

fischkatzeLange haben die Tiergarten-Besucher darauf warten müssen und in ein leeres Gehege geschaut, in dem früher einmal die Brillenbären gelebt haben. Nun ist es endlich gelungen, die angekündigten Fischkatzen dort unterzubringen – beziehungsweise einen „Fischkater“. Das Tier stammt aus dem Tierpark Berlin und wird am 19. Mai vier Jahre alt. In Berlin werden jetzt keine Fischkatzen mehr gehalten. Die aus Südostasien stammende Katzenart ist damit in Deutschland nur noch in den Zoos von Nürnberg, München, Duisburg und Leipzig zu sehen. Im Tiergarten Nürnberg sollen sich Fischkatzen, die in der Nähe von Gewässern leben und Fische jagen, künftig im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-Programms EEP vermehren. Auf die Katze, die dazu nötig ist, wartet man am Schmausenbuck aber noch.

In freier Wildbahn ist der Lebensraum der Fischkatzen inzwischen sehr zersplittert und größtenteils zerstört, die kleinen Raubkatzen stehen deshalb seit 2008 als „stark gefährdet“ auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. Nur noch 10.000 erwachsene Tiere sollen in der Natur vorkommen. So ist es durchaus sinnvoll, sie in Zoos zu halten und zu züchten. Und die ehemalige Brillenbären-Anlage am Schmausenbuck eignet sich für diese Art, die ihre Beute zum Teil schwimmend und tauchend fängt, bestimmt sehr gut. Nach dem Umbau gibt es dort für die Zoobesucher auch einen einsehbaren Stall; der Verein der Tiergartenfreunde hat mit über 50.000 Euro die Neugestaltung des Geheges finanziert.

Trotzdem: Mit rund 75 Zentimetern, die erwachsene Fischkatzen „vom Scheitel bis zur Sohle“ messen, werden sie nur ungefähr doppelt so groß wie Hauskatzen. Ist das ein echter Ersatz für die Brillenbären? Sind Fischkatzen Tiere, die für einen Zoo wie den Nürnberger attraktiv genug sind, um möglichst hohe Besucherzahlen zu erreichen? Noch dazu gibt es am Schmausenbuck ja keine Braunbären mehr. Und die Luchse, die den Wölfen nachfolgten, sieht man auch nur mit viel Glück und Geduld in ihrem weitläufigen Gehege. Natürlich haben sich die Haltungsbedingungen für die Zoos verändert, aber die einzige Bärenart, die man in Nürnberg noch beobachten kann, sind jetzt Eisbären. Reicht das wirklich aus, wenn man den erklärten Bildungs-Anspruch erfüllen will? – Ich bin da sehr unschlüssig und würde gerne von meinen Lesern erfahren, was sie darüber denken.