Felix – ein Womanizer

felixinrhenenEr gilt als Womanizer unter den männlichen Eisbären: Eisbär Felix aus dem Tiergarten Nürnberg. Er ist der Vater der berühmten Nürnberger Eisbärin Flocke, die mittlerweile im „Marineland“ Antibes lebt und selbst eine Tochter namens Hope hat. Gerade erst hat Felix acht Monate lang Eisbärin Corinna in der Stuttgarter Wilhelma beglückt, nun ist er weitergereist in den holländischen Zoo Rhenen. Dort soll Felix wieder andere Eisbärinnen umgarnen, und das auf einer nagelneuen Anlage. Wie ich über Facebook von Jane J. de Wilde erfahren habe, kommt er in Rhenen offenbar für die Eisbärin Huggie als Partner in Frage.

Auf jeden Fall dürften die holländischen Eisbärendamen Gefallen an ihm finden, denn Felix ist ein wirklich imposanter Bär: In Stuttgart hat er 70 Kilo zugelegt und bringt jetzt fast eine halbe Tonne (genau 490 Kilo) auf die Waage.

Ob sein Aufenthalt in Stuttgart Folgen hatte, wird sich noch in diesem Winter zeigen. Auf jeden Fall hat der Koordinator des Europäischen Arterhaltungsprogramms (EEP) Corinna schon mal vorsorglich Ruhe vor männlicher Gesellschaft verordnet, damit sie ihren eventuellen Nachwuchs ungestört austragen kann. Der Koordinator hat auch den Umzug von Felix nach Rhenen eingefädelt.

Mit seinen 14 Jahren ist Felix, der 2001 in Wien geboren wurde, schon ziemlich weit in Europa herumgekommen. Nach einer Zwischenstation in Karlsruhe kam er 2004 nach Nürnberg, machte von Franken aus aber immer wieder Abstecher in andere Zoos, zum Beispiel nach Gelsenkirchen und Aalborg (Dänemark). Er ist mittlerweile so ans Reisen gewöhnt, dass er ohne zu zögern die Transportkiste betritt. Vor der Abreise, während der Fahrt und nach der Ankunft bleibt er jeweils ganz entspannt.

In Nürnberg haben Vera, die langjährige Partnerin von Felix, und seine jüngste Tochter Charlotte nun voraussichtlich für das ganze nächste Jahr das Freigehege für sich und können sich dort nach Herzenslust austoben.

Willkommen, Charlotte!

VeraCharlotteUnd das ist sie: Charlotte, das Eisbärenbaby, das am 21. November 2014 im Tiergarten zur Welt kam. Seit heute Mittag ist sie mit ihrer Mutter Vera auf der Eisbären-Freianlage des Aquaparks zu sehen. Die kleine Schwester von Flocke hat bisher mit ihrer Mutter Vera in der Geburtshöhle gelebt, in der sie das Licht der Welt erblickte. Auf dem Strohlager in den Sandsteinfelsen des Schmausenbuck waren die Beiden ausschließlich über eine Videokamera zu beobachten. Die Bilder zeigten während der vergangenen Monate, wie gut sich Charlotte entwickelte. Als Vera sich heute nach viereinhalb Monaten erstmals in der Türöffnung der Sandsteinfelsen zeigte, um ihren neuesten Nachwuchs aus der Höhle ans Tageslicht und die frische Luft zu bringen, klatschten die Zoobesucher begeistert Beifall. Beim dritten Anlauf wagte sich die Eisbärenmutter mit der Kleinen schließlich ganz nach draußen.
Dann folgte eine Schrecksekunde: Charlotte purzelte über die Sandsteinstufen, und Vera sprang ihr erschrocken nach. Doch als sich herausstellte, dass nichts passiert war, ging der Auftritt der zwei Tiere ohne weitere Zwischenfälle über die Bühne. Charlotte ist eine putzmuntere Fellkugel und erkundet nun neugierig ihr „Reich“, die weiträumige Eisbären-Freianlage des Tiergartens. Allerdings sind in diesem Jahr nicht nur in Nürnberg Eisbärenbabys zu bewundern – bei diesen Tieren gibt es in Zoos zurzeit einen regelrechten Babyboom.

Eisbär Felix macht Platz für Charlotte und Vera

Als Greuther-Weib sehe ich da durchaus Parallelen zum Fußball: So, wie sich jedes Jahr zu einem bestimmten Zeitpunkt das Spieler-Karussell in der Bundesliga zu drehen beginnt, so setzt ziemlich regelmäßig auch der Austausch von Eisbären unter europäischen Zoos ein. Dabei sind allerdings nicht zig Millionen im Spiel, und es dreht sich nicht alles ums Toreschießen oder die Champions League. Vielmehr geht es nur um das Eine: Die Polarbären sollen sich im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP fortpflanzen, ihr Bestand in den Zoologischen- und Tiergärten soll nicht schrumpfen wie in freier Wildbahn, sondern im Gegenteil größer werden.
Kistentraining_Felix_2015Eisbär Felix hat gestern den Tiergarten Nürnberg in einer Transportkiste verlassen, und zwar in Richtung Stuttgart bzw. Wilhelma. Dort soll er für die Eisbärendame Corinna nicht nur während der Frühlings- und Sommerzeit als Gefährte fungieren, sondern könnte sie auch decken. Felix steht mit seinen 13 Jahren voll im Saft, Corinna ist mit 25 allerdings nicht mehr die Jüngste und möglicherweise nicht mehr empfängnisbereit, vielleicht auch gar nicht mehr an Nachwuchs interessiert. Einem Partner wie Felix kann sie unter Umständen trotzdem nicht widerstehen, denn der gilt als echter Frauenversteher. Obendrein ist der in Wien geborene Bär schon weitgereist. Die Fahrten zu verschiedenen Zoos in Europa nimmt er immer gelassen hin und verschwindet jedesmal routiniert und ohne großes Tamtam in seiner Transportkiste, an die er sich längst gewöhnt hat.
Felix lebt seit 2004 am Schmausenbuck – jedoch mit Unterbrechungen: Zwischendurch besuchte er Eisbärinnen in Gelsenkirchen und Aalborg, um sich mit ihnen zu paaren – in dem dänischen Zoo auch mit Erfolg. Er ist außerdem der Papa von Flocke, die im Dezember 2007 geboren wurde und inzwischen selbst Mutter ist, von den Eisbärenzwillingen Gregor und Aleut (geboren 2010) und vom neuesten Jungtier Charlotte: Sie kam im November vergangenen Jahres zur Welt.
Ungefähr sechs Monate soll Felix, der bärige Charmeur, in Stuttgart bleiben. Wenn Vera  jetzt mit ihrer jüngsten Tochter Charlotte aus der Geburtshöhle auf die Freianlage herauskommt, haben die Beiden mehr Platz zum Kuscheln, Schwimmen, Spielen und Verstecken, denn sie können den von Felix vorübergehend nicht bewohnten Teil des Geheges mit nutzen. Bestimmt wird Charlotte genau so wie Flocke, ihre große, in Südfrankreich lebende Schwester, ein richtiger Besucherliebling!

Eisbärenbabys, wohin man schaut!

Eisbaer_AquaPark_BuglHugo_2014-05-28_12-02-43_1407Gestern, am 27. Februar, war „Welt-Eisbär-Tag“ beziehungsweise „International Polar BearDay“. Dieser Tag soll seit 2004 unter anderem auf die Folgen der globalen Klimaerwärmung aufmerksam machen – und damit auf die Zerstörung des Lebensraums der Eisbären in der Arktis. Wird die Erderwärmung nicht aufgehalten, dürfte der Eisbär in nicht allzu ferner Zukunft aussterben. Die Zoologischen Gärten argumentieren, dass sie gerade deshalb diese größten Landraubtiere der Welt halten und züchten müssten. Tierrechtsaktivisten wie Peta fordern ein Ende der Eisbärenhaltung in Zoos, weil sie nicht artgercht sei, und nähmen das Aussterben der Tierart in Kauf, wenn deren Überleben in der Natur nicht mehr möglich ist. Dieses Streitthema hat sich in den vergangenen Jahren fast so sehr hochgeschaukelt wie der Streit um die Delfinhaltung.

Derzeit werden in 58 europäischen Zoos Eisbären gehalten, allein in Deutschland und Österreich präsentieren 14 Zoologische Gärten ihren Besuchern Polarbären. Die süßen Babys der weißen Riesen sollen als Botschafter einer bedrohten Tierart fungieren und den Menschen vermitteln, wie man den Klimawandel zumindest bremsen könnte und was jeder Einzelne dazu beitragen kann. Auch Flocke, die 2007 im Tiergarten Nürnberg das Licht der Welt erblickte, hatte einst diese Aufgabe. Als ihr „Pate“ trat Achim Steiner auf, Direktor des Umweltschutzprogramms der Vereinten Nationen. (Für den berühmten Berliner Eisbären Knut hatte ein Jahr zuvor der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel die Patenschaft übernommen.) Doch die Tiergartenbesucher waren weniger an der Klimabotschafterin Flocke interessiert als am niedlichen, knuddeligen weißen Fell-Knäuel Flocke.

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„Flogge“ ist jetzt Mama

FloggeMamaIch hatte es unserer „Flogge“ – berühmter Eisbär und einstiger „Star“ des Nürnberger Tiergartens – schon zum sechsten Geburtstag im Dezember 2013 gewünscht. Inzwischen ist aus dem Wunsch Wirklichkeit geworden: Flocke ist Mutter. Sie hat im „Marineland“ Antibes (Südfrankreich) zusammen mit ihrem Gefährten Rasputin für Nachwuchs gesorgt. Die Geburt ging am 26. November 2014 über die Bühne, alles lief glatt. Die Bärin erfüllt die Erwartungen ihrer Fans und nimmt ihre Mutterpflichten sehr genau, obwohl sie zum ersten Mal Mama geworden ist. Sie widerlegt damit alle Skeptiker, die gemunkelt hatten, das in den ersten Lebenswochen von vier Pflegern aufgezogene Zootier werde später nie ein „normales“ Eisbärenleben führen können. Und der so oft gescholtene Zoopark „Marineland“ scheint unserem „Madla“ Flocke und Rasputin, ihrem Jugendfreund noch aus der Nürnberger Zeit, nicht so schlecht zu bekommen, wie manche gerne behaupten…

Bon anniversaire, Flocke!

Mal ehrlich, hätten Sie sie erkannt? Nein? – Kein Wunder, mit der kleinen süßen Flocke von einst hat diese Eisbärendame nicht mehr viel gemeinsam. Aber sie ist es, aufgenommen im Meeres-Themenpark „Marineland“ von Antibes an der Côte d’Azur. Dort steht ihr im Gehege das ganze Jahr über eine künstliche Eishöhle zur Verfügung, in die sie sich gerne zurückzieht. Sieht aus, als würde sie im ewigen Eis träumen, unsere Flocke. Vielleicht träumt sie ja von ihrer alten Heimat oder den Zeiten, als sie noch ein Fernsehstar war? – Heute hat Flocke übrigens Geburtstag, sie wird sechs Jahre alt. Bon anniversaire!

Die vier Pfleger des Nürnberger Tiergartens, die das winzige weiße Fellknäuel einst im Wechsel aufgezogen haben, fahren immer mal wieder nach Südfrankreich, um ihren ehemaligen Schützling zu besuchen. Dabei ist auch das obige Foto entstanden, das die einstige Ersatz-Mama Stefanie Krüger aufgenommen hat. Flocke lebt nach wie vor mit ihrem früheren Spielgefährten Rasputin in der Eisbärenanlage des „Marineland“ zusammen. Allerdings wurden die beiden – ähnlich wie Vera und Felix im Nürnberger Tiergarten – innerhalb ihres Geheges voneinander getrennt. Der Grund: Man hofft, dass Rasputin Flocke gedeckt hat. Sollte sie tatsächlich trächtig sein, könnte sie schon in diesen Tagen Mama werden – Eisbärennachwuchs kommt immer in diesen Wintermonaten zur Welt. Ein Baby – oder gleich mehrere -, das wäre natürlich das schönste Geburtstagsgeschenk für Flocke – und für uns, wenn wir ehrlich sind, oder?

Besucherrückgang im Tiergarten – woran liegt´s?

Der Tiergarten verzeichnet in diesem Jahr einen Besucherrückgang. Und ich wusste es: Sofort kommt wieder das alte Argument: Die Lagune ist schuld, weil sie angeblich den Eintrittspreis verteuert hat und weil obendrein viele Besucher die Delfinhaltung sowieso ablehnen.  Derzeit rechnet die Zooleitung für 2013 mit 985.000 Besuchern; das wäre das zweitschlechteste Ergebnis in den letzten zehn Jahren. Nur 2010 waren es mit 933.157 weniger. Damals gab es allerdings einen nachvollziehbaren Grund für die ausbleibenden Gäste: Mehrere Baustellen – allen voran die der „Lagune“ – sorgten für Schmutz, Lärm und ein nur wenig ansprechendes Ambiente, vor allem im Eingangsbereich des Tiergartens.

Doch schon 2011, im Eröffnungsjahr von Delfinlagune und Manatihaus, schien die Welt wieder in Ordnung: Über 1,22 Millionen strömten in den Zoo. Das war der zweitbeste Wert nach 2008, dem „Flocke-Jahr“ (1,28 Millionen). Die Rechnung der Verantwortlichen schien aufzugehen. Sie hatten mit 1,18 Millionen Besuchern jährlich kalkuliert, um die Kosten für die Lagune wieder hereinzubekommen. Allerdings wurde diese Marke mit 1.095.482 Besuchern bereits 2012 nicht erreicht. Damals führte man – wie jetzt auch – das maue Ergebnis auf das schlechte Wetter zurück. Die verregneten Oster- und Pfingstferien waren nicht mehr hereinzuholen.

Bei Besucherbefragungen punktet der Tiergarten vor allem mit Landschaft, Delfinen und Sauberkeit. Negativ beurteilt das Publikum, dass es keine Elefanten mehr gibt. Auch große Krokodile und Riesenschlangen werden vermisst, viele Besucher möchten außerdem mehr Affen sehen. Kritisch wird die Beschilderung eingestuft, die aktueller sein könnte. Immer wieder wurden auch leerstehende Gehege moniert, etwa bei den Wölfen, Brillenbären und Braunbären. Das Wolfsgehege wird nach dem Tod von Wölfin Cora jetzt für Luchse umgestaltet.

Im Sommer hat auch der Leipziger Zoo im Großraum Nürnberg plakatiert. Während manch einer mutmaßte, die Sachsen hätten dem Tiergarten Konkurrenz machen wollen, sieht die Tiergartenleitung das anders: Einige Leute seien dadurch überhaupt erst auf die Idee gekommen, mal wieder in den Zoo zu gehen – und zwar nicht unbedingt in Leipzig, sonedrn in Nürnberg.

Die Spannung steigt im Eisbärengehege

Noch haben wir Sommer, aber langsam steigt die Spannung im Tiergarten Nürnberg: Wird Eisbärin Vera im Winter wieder Mutter? Bei den kommentierten Fütterungen erklären die Pfleger den Besuchern, dass sie Vera seit einiger Zeit verstärkt an die Wurfhöhle gewöhnen. Dort, in den Sandsteinfelsen, die Teil der Eisbärenanlage sind, hatte die Eisbärendame im Jahr 2007 Flocke und 2010 die Zwillinge Gregor und Aleut zur Welt gebracht.
Die Chancen, dass Vera erneut trächtig ist, stehen recht gut: Sie wurde im Frühjahr von Felix gedeckt und wollte kurz danach nichts mehr von ihm wissen – in diesem Fall ein gutes Zeichen. Seitdem leben die beiden im Aquapark Tür an Tür, aber trotzdem getrennt. Dabei war der Bulle – Vater von Flocke, Gregor und Aleut – noch bis Juni brünftig und sozusagen „im Liebesrausch“.
Felix bewohnt nun die größere Anlage, Vera die kleinere, von der aus sie Zugang zur Höhle hat. Sie zieht sich immer wieder dorthin zurück. Die Tiergartenmitarbeiter wissen allerdings nicht, ob Vera tatsächlich Mutterfreuden entgegenblickt. Denn bei Eisbärinnen nistet sich – wer meine Blogbeiträge regelmäßig liest, weiß es längst –  das Ei erst Ende August, Anfang September in der Gebärmutter ein; die Tragzeit dauert zwei bis drei Monate. Wenn die Babys dann zwischen November und Januar geboren werden, wiegen sie gerade mal ein bis zwei Pfund. Deshalb sieht man Eisbärinnen auch nicht an, ob sie Babys im Bauch haben oder eben nicht. – Wir werden uns also gedulden und abwarten müssen. Schaun wir mal, was der Winter im Tiergarten bringt!

Eine tierische Sensation

Nein, das auf dem Foto ist kein Kleiner Panda. Obwohl eine gewisse Ähnlichkeit zu diesem possierlichen Tierchen – der unvergessene Bernhard Grzimek verwendete dieses Wort gern in seiner Kultsendung „Ein Platz für Tiere“ – vorhanden ist. (Zum Vergleich bitte hier klicken, zu einem Blog-Eintrag über Kleine Pandas im Tiergarten Nürnberg.) Auf diesem Bild sieht man dagegen eine Tierart, die gerade erst entdeckt wurde: ein Olinguito.

Während die Kleinen Pandas oder Katzenbären, wie man sie auch nennt, aus Asien stammen und zur Gattung der Ailurus gehören, lebt der Olinguito in den nördlichen Anden und gehört zu den Olingos oder Makibären (wissenschaftliche Bezeichnung: Bassaricyon). Der Katzenbär hat – wer zu meinem frühren Beitrag geklickt hat, konnte es sehen – spitze Ohren wie eine Katze (!), der Olinguito runde Ohren wie alle (Maki-)Bären.

Genug der biologischen Systematik – zurück zur Neuentdeckung! Die ist einerseits eine Sensation, weil seit 35 Jahren erstmals wieder in der westlichen Hemisphäre ein neues Raubtier wissenschaftlich erfasst werden konnte. Andererseits ist die Geschichte, wie es dazu kam, fast interessanter als das Tier an sich. Denn den Olinguito haben Forscher nicht etwa bei einer Expedition in die Nebelwälder der Anden auf einem Baum sitzend gefunden. Vielmehr brachten ein paar ausgestopfte Tiere die Forscher auf die richtige Spur.

Und das geschah so: Eine Gruppe von Wissenschaftlern vom Smithsonian´s National Museum of Natural History in Washington D.C. wollte wissen, wie viele Arten von Makibären (oder Olingos, wie wir eben gelernt haben) wo genau existieren. Um das herauszufinden, untersuchten sie zunächst eine Reihe von Museums-Ausstellungsstücken dieser Art. Dabei bemerkten sie, dass einige Exemplare kleiner waren und ein dichteres Fell hatten und einen anders geformten Schädel sowie nicht die gleichen Zähne besaßen wie die übrigen Exponate. Den alten Museumsunterlagen zufolge stammten diese Tiere aus den nördlichen Anden, und zwar aus einem Gebiet, das 1500 bis 2700 Meter hoch liegt – höher als der bisher bekannte Lebensraum der Makis. Daher veranlassten die Wissenschaftler eine genetische Untersuchung dieser ausgestopften Tiere. Dabei stellte sich heraus: Es handelt sich um eine noch nicht beschriebene neue Art.

So kam es dann doch noch zu einer Expedition, bei der die Forscher tatsächlich einigen Olinguitos in freier Wildbahn begegneten. Das sind kleine, quicklebendige Raubtiere, die allerdings nur nachts munter sind, kaum ihre Bäume verlassen und – wenn sie Nachwuchs haben – jeweils ein Junges aufziehen. Und eines verhält sich bei den Olinguitos leider nicht anders als bei allen anderen Neuentdeckungen von Tieren in der letzten Zeit: Kaum wissenschaftlich erfasst, werden sie schon wieder als gefährdet eingestuft. Im Fall der Makibären ist bereits fast die Hälfte (genauer: 42 Prozent) ihres Lebensraums, die Nebelwälder in den Anden, zerstört, sei es durch Umwandlung des Waldes in Ackerland oder in Siedlungsflächen.

Nun will man die Olinguitos zu „Botschaftern“ für die bedrohten Nebelwälder in Ecuador und Kolumbien ernennen, um die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit über die putzigen Tiere auf dieses ernste Thema zu lenken. – Wie viel so was tatsächlich bringt, hat man ja bei Knut und Flocke gesehen, die für die Erhaltung ihres Lebensraums in der Arktis werben sollten: So gut wie nichts, fürchte ich. Oder bin ich da schon wieder zu negativ?

Kann Anori Gottschalk retten?

Deutschlands Fernsehzuschauer haben in dieser Woche eine der größten Enttäuschungen der TV-Geschichte erlebt: „Gottschalk live“ im Vorabendprogramm der ARD. Wie man eine Sendung ohne Konzept starten kann, nur im Vertrauen darauf, dass Gottschalk es mit seinem Beliebtheits-Bonus schon richten wird, bleibt allen ein Rätsel. Es gibt mittlerweile einen kollektiven Aufschrei der Internet-Gemeinde, und die Zuschauerquote – heute das Maß aller Dinge – stürzte innerhalb von vier Tagen im Steilflug ab.

Überraschendes wurde uns versprochen, aber bisher ist nichts als ein müder Abklatsch von „Wetten, dass…“ geboten. Couch-Gespräche mit Promis, nur eben ohne Wette, dafür von aufdringlichen Werbespots zerhackt, dazwischen der nach der ersten Sendung schon langweilige Hinweis auf Facebook, Twitter und Chat-Möglichkeiten für die jungen Zuschauer – das war´s auch schon! Eine hässliche Krawatte als Running Gag kann da auch nichts mehr retten. Tiere als zuverlässige Quotenbringer hat man vorsichtshalber ebenfalls eingebaut. Nicht nur den Hund aus dem neu angelaufenen Film „Fünf Freunde“. Auch eine tägliche „Live-Schaltung“ in den Wuppertaler Zoo soll es geben, wo Eisbärenbaby Anori mit seiner Mutter über eine Videokamera in der Wurfhöhle zu sehen ist.

Wir Nürnberger kennen diese unscharfen Schwarzweiß-Bilder seit Flocke zur Genüge. Pech, dass der Tiergarten in diesem Jahr mit keinem Eisbärenbaby aufwarten kann. Das wäre wohl mehr gewesen als eine Riesenwerbung. Ich gehe mal davon aus, dass der Zoo Wuppertal für die Wurfhöhlen-Bilder den einen oder anderen Euro von der ARD bekommt. Die Nürnberger unter meinen Lesern dürfte interessieren, dass die Eisbärenmutter in Wuppertal keine andere ist als Vilma, die im selben Jahr, als Flocke zur Welt kam, in Nürnberg Zwillinge geboren hat, die sie aber nach einigen Wochen selbst auffraß; die Kleinen waren höchstwahrscheinlich nicht gesund. Auch in Wuppertal hatte Vilma übrigens ein zweites Jungtier. Das überlebte aber nur eine Woche und wurde dann – wie der Zoo in einer Pressemeldung es formulierte – „nach Eisbärenart beerdigt“. Lars, der Vater von Knut, ist auch der Vater von Anori. Das Geschlecht des Babys konnte noch nicht bestimmt werden, Gottschalk hat es aber schon mal locker-flockig als männlich definiert.

So nett kleine Eisbären auch rüberkommen – irgendwie ist doch seit Knut, spätestens seit Flocke, die Luft raus. Zwar bedeutet „Anori“ auf Grönländisch „Wind“. Aber einen Sturm der Begeisterung kann auch das weiße Fellknäuel in dieser Sendung nicht entfachen.