Leben wie Gott in Frankreich

Wer jetzt im Urlaub in Frankreich unterwegs ist und in die Gegend südwestlich von Paris kommt, kann unter Umständen eine Begegnung der besonderen Art erleben. Mitten in freier Natur hüpfen dort Kangurus umher. Sie bevölkern den Wald von Rambouillet in der Nähe von Paris. Es handelt sich um Bennett-Kängurus, die auch Rotnackenwallabys genannt werden. Vor Jahrzehnten haben sie sich selbst „ausgewildert“: In den 1970er Jahren sind sie durch ein Loch im Zaun aus einem Tierpark der Gemeinde Emancé ausgebüxt. Sie fühlen sich sozusagen sauwohl in ihrer neuen Heimat in der Ile-de-France. Das sieht man auch daran, dass sich die eigentlich aus Tasmanien stammenden Tiere regelmäßig vermehren; mittlerweile schätzt man ihre Zahl auf 100 bis 150.

Die Bewohner der Gegend haben sich längst an die Exoten in ihrem Wald gewöhnt – aber wer als Tourist dort hinkommt, wundert sich natürlich erst mal. Die Kängurus leben dort unter für sie äußerst günstigen Bedingungen: Der dichte Wald ist ein sicheres Rückzugsgebiet mit genügend Nahrung. Die Tiere ernähren sich von Blättern, Beeren und jungen Trieben. Das Klima in der Region bekommt ihnen ebenfalls bestens, denn es ähnelt ziemlich dem in Tasmanien. Die Kängurus haben in ihrer neuen Heimat außerdem keine natürlichen Feinde – und: Sie dürfen nicht gejagt werden. Also leben sie tatsächlich wie Gott in Frankreich! Nur eine Gefahr lauert auf sie: Autos. Eine ganze Reihe von den Kängurus ist schon angefahren worden. Schätzungen zufolge verlieren in dem Gebiet jährlich 15 bis 20 Bennett-Kängurus ihr Leben, weil sie vor ein Auto laufen.

Übrigens gibt es Kängurus in freier Wildbahn auch in Deutschland: Im Jahr 2001 entkamen mehrere Kängurus aus einem Tierpark in Mecklenburg-Vorpommern. Auch sie leben dort frei nach dem Motto „Wachset und mehret euch…“.

 

Stierkampf in Frankreich weiter erlaubt

Mit Spannung wurde darauf gewartet, nun hat der Verfassungsrat in Frankreich seinen Beschluss gefasst: Im Süden Frankreichs dürfen auch weiterhin Stierkämpfe abgehalten werden – sie verstoßen nicht gegen die französische Verfassung. Ein harter Schlag für alle Tierschützer!

Die eigentlich spanische Corrida, also der Stierkampf, an dessen Ende der Stier mit einem Degenstoß getötet wird, hat sich längst auch in Südfrankreich einen festen Platz erobert. In Städten wie Nimes oder Arles zieht er scharenweise Touristen an und spielt deshalb natürlich eine wichtige wirtschaftliche Rolle.

In Frankreich tobt aber auch seit Jahren ein Streit zwischen den Anhängern des Stierkampfs und den Gegnern. Die Befürworter argumentieren, die Kämpfe gehörten zum Gemeinwohl der Region und seien Ausdruck eines kulturellen, sozialen und regionalen Pluralismus. Dagegen empören sich Tierschützer über die Grausamkeit und Brutalität des Spektakels. Vor allem die Schauspielerin Brigitte Bardot ist seit Jahren als Kämpferin gegen den Stierkampf bekannt. Zusammen mit  ihren Leinwand-Kollegen Jean-Paul Belmondo und Alain Delon hat sie einen Aufruf verfasst, in dem es heißt: „Es ist Fakt, dass der spanische Stierkampf nicht Teil der französischen Kultur ist.“

Übrigens ist in Frankreich jeder „Akt der Grausamkeit“ gegen Tiere verboten. Bei einem Verstoß drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis und Geldstrafen bis zu 30 000 Euro. Bisher gab es jedoch Ausnahmen bei Stier- und Hahnenkämpfen in Gegenden, wo sie als örtliche Tradition gelten. Diese Ausnahmeklausel hat der Verfassungsrat nun als verfassungsgemäß erklärt.
In Spanien selbst ist der Stierkampf in der Region Katalonien verboten, und zwar seit 2010 – darüber habe ich hier schon gechrieben.

Tödliche Folgen von Genmais

Viele Menschen haben Angst davor, was gentechnisch veränderte Lebensmittel anrichten könnten. Unbegründet ist das nicht, wenn man sich das Ergebnis einer neuen Studie anschaut: Französische Forscher haben herausgefunden, dass Ratten, die mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert wurden, früher sterben und häufiger Krebs bekommen.

Die Wissenschaftler haben 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Eine Gruppe bekam Genmais zu fressen, eine andere Genmais, der mit einem Pestizid behandelt worden war, eine dritte Gruppe herkömmlichen, ebenfalls mit dem Pestizid behandelten Mais. Der Mais machte dabei 11 Prozent des Gesamtfutters aus – dieser Anteil entspricht den Ernährungsgewohnheiten von Menschen in den USA. So wurde die langfristige Auswirkung von Genmais und Pestiziden auf die Gesundheit gleichzeitig getestet.

Nach knapp eineinhalb Jahren waren bei dem Versuch von den mit Genmais gefütterten Ratten fünfmal mehr Tiere tot als bei der Vergleichsgruppe. Die weiblichen Ratten bekamen meistens Brustkrebs, die männlichen Haut- oder Nierentumore.

Die Studie hat bereits zu neuen Diskussionen über die Zulassung von Genpflanzen in der EU geführt. Grünen-Abgeordnete aus Frankreich verlangen zum Beispiel, dass die Zulassungen für eine gentechnisch veränderte Mais- und eine Kartoffelsorte in Europa wieder aufgehoben werden. Der für die Studie verwendete Genmais ist in Europa für den Anbau nicht zugelassen, für die Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln aber schon.

Schlägt die Natur zurück?

Der Mensch denkt, Gott lenkt. Ein altes Sprichwort, das sich immer wieder bewahrheitet. So zum Beispiel jetzt gerade in Frankreich, in der Rhone südlich von Lyon. In dem Fluss ist ein eigenartiges Phänomen zu beobachten: Riesige Fische rotten sich im Wasser zusammen. Es handelt sich um Welse, die fast drei Meter groß und 100 Kilo schwer werden können. Die Viecher bilden große Gruppen und ballen sich zu kugelförmigen Schwärmen – allerdings schwimmen sie dabei nicht in dieselbe Richtung, wie es eigentlich normal wäre.

Forscher der Universität von Toulouse versuchen, dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Denn das Spektakel ist nicht nur unheimlich – es hat auch schlimme Auswirkungen auf das ökologische Gleichgewicht der Rhone. Die Welse hinterlassen nämlich massenweise Kot und geben damit so viele Nährstoffe an das Wasser ab, dass der Fluss rund um Lyon umzukippen droht.

Die Europäischen Welse, die den ganzen Schlamassel verursachen,  haben indes nicht immer in der Rhone gelebt. Ursprünglich waren sie in Osteuropa heimisch. Doch den Menschen, die sich leider oft für allmächtig halten, gefiel es, Silurus glanis ein ganzes Stück weiter westlich in Europa anzusiedeln. Das war vor ungefähr 150 Jahren. Nun schlägt die Natur zurück. Niemand hat bisher eine Erklärung dafür, warum sich die Welse so verhalten. Die Wissenschaftler in Toulouse schließen auch aus, dass ein ausgefallenes Paarungsritual dahinter stecken könnte. Denn bei ihren regelmäßigen Tauchgängen haben sie seit zwei Jahren nie ein Balzverhalten unter den Fischen beobachtet. Die Welse schließen sich auch nicht zusammen, um gemeinsam auf Beutefang zu gehen.

Die Forscher sprechen schon vom höchsten, jemals in einem Süßwasser existenten, „biogeochemischen Hotspot“ (einem Wasserbereich, in dem Tiere mehr Nährstoffe produzieren, als Pflanzen abbauen können). – Tja, vielleicht hätten die Menschen vor 150 Jahren lieber nicht Gott spielen sollen. Das mag der nämlich überhaupt nicht.

 

Stand da Flocke Modell?

Tja, der schönste Urlaub geht mal zu Ende. So auch meiner. Im Médoc war es einfach toll: Nicht nur der Rotwein, auch das Essen war ein Genuss, außerdem natürlich der Atlantik mit seinen herrlich langen und sauberen Sandstränden an der Côte d´Argent und die riesigen Pinienwälder dahinter, durch die wunderbare Fahrradwege führen.

Danke für die Anregung von „Dumba“ und „HeidiH“ zu meinem Abschieds-Beitrag vor dem Urlaub, einen Umweg zu machen und mal bei Flocke im „Marineland“ in Antibes vorbeizuschauen. Das wären allerdings Hunderte von Kilometern Umweg gewesen, vom äußersten Westen Frankreichs an die Côte d´Azur im Südosten. So weit geht meine Tierliebe denn doch nicht. (Und umwelttechnisch gesehen, wäre das ja auch höchst verwerflich!)

BlayeSo ein weiter Weg war auch gar nicht nötig: Bei einem meiner Ausflüge in die kleinen Dörfer und Städte des Médoc bin ich in Blaye eisbärenmäßig voll auf meine Kosten gekommen – nicht etwa in einem Zoo, sondern in einer Kunstausstellung, die auf der berühmten historischen Festungsanlage von Blaye noch bis zum 8. August zu sehen ist. Was – ist Flocke in so kurzer Zeit schon so bekannt geworden in ihrer neuen Heimat, dass sie bereits Künstlern Modell steht?,  dachte ich mir. Das Gemälde von Thierry Bisch fand ich jedenfalls sehr gelungen, und so habe ich mich eben damit ablichten lassen. Zugegeben, kein richtiger Ersatz für Flocke – aber immerhin!

Ich bin dann mal im Médoc

Wenn ich in den letzten Jahren in den Urlaub gefahren bin, habe ich mich meist bei Flocke, unserer berühmten Nürnberger Eisbärin, „abgemeldet“ – schließlich hatte ich sie seit ihrer Geburt im Nürnberger Tiergarten journalistisch begleitet, und man sorgt sich ja um so ein Tier, wenn man für einige Zeit weg ist. Jetzt ist Flocke weg, in Südfrankreich. Also melde ich mich bei meinen Lesern ab und kündige schon mal an, dass mein Kollege Marco Puschner ab und zu einen Beitrag für mein Blog schreiben wird – wenn er denn dazukommt: Er hat nämlich in der Lokalredaktion der NZ sozusagen die Fußball-WM am Hals. Je weiter die deutsche Nationalmannschaft kommt, umso mehr Arbeit hat Marco.

Also habe ich selbst schon ein bisschen vorgesorgt und einige Beiträge „auf Vorrat“ geschrieben, die dann nach und nach veröffentlicht werden. Denn ich will mir meine Leser ja nicht vergraulen, sondern bei der Stange halten.

Buch 001Zum Abschied habe ich mir auch noch etwas überlegt: Ich habe wieder mal einen Buchtipp für Tierfreunde. „Kamasutra kopfüber“ heißt der Band von Tobias Niemann, erschienen ist er bei C.H. Beck. Keine Sorge, „Achtung, Wolf!“ mutiert jetzt nicht zum Erotik-Blog, das überlasse ich weiterhin anderen Autoren. Alles, was bei mir erscheint, hat etwas mit Tieren zu tun – wie auch dieses Buch.

Es geht darin um „Die 77 originellsten Formen der Fortpflanzung“ im Tierreich, die der Diplombiologe Tobias Niemann zusammengestellt hat. Unheimlich witzig geschrieben, mit Zeichnungen des bekannten Illustrators Günter Mattei garniert, bietet die Lektüre jede Menge Spaß und gleichzeitig interessante Informationen über ein Kapitel der Biologie, das den meisten unbekannt sein dürfte. Oder haben Sie schon mal was von „Ganzkörperoralverkehr“ gehört, von weiblichen Tieren, die zwei Vaginae besitzen, oder von männlichen Tieren mit einem zweizipfeligen Penis? Auch die Jungfernzeugung ist im Tierreich – im Gegensatz zur Bibel – wissenschaftlich nachweisbar.

Mehr will ich nicht verraten. Wer mehr über solche beinahe unglaublichen Dinge wissen will, muss das Buch selber lesen.

So, und jetzt fahre ich in die Ferien. Nach Südwestfrankreich geht es diesmal. Nicht an die Côte d´Azur zu Flocke, sondern ins Médoc, eines der berühmtesten Rotwein-Gebiete der Welt. Au revoir!

Tiergeschichten steigern Zeitungsauflage

Tiergeschichten und -fotos werden von Fernsehzuschauern oder Zeitungslesern nach wie vor regelrecht verschlungen.

Wie gut sich mit Tierfotos Zeitungen verkaufen lassen, hat jetzt wieder eine große französische Zeitung bewiesen. Sie brachte eine ganze Fotoserie über ein Vogelpärchen mit wahrhaft tragischem Inhalt: Das Vogelmännchen versucht, seiner verletzten Partnerin das Leben zu retten. Er füttert sie, kümmert sich rührend um sie – doch alles umsonst. Sie ist zu schwach und stirbt. Er will das nicht wahrhaben und startet sogar Wiederbelebungsversuche, die allerdings auch nichts bringen. Vollkommen verzweifelt versucht er, Hilfe herbeizuzwitschern. Schließlich muss er einsehen, dass er nichts ausrichten kann. Trotzdem kann er nicht von seiner großen Liebe lassen und weicht nicht von ihrer Seite.

Trauriger und besser hätte sich das kein Drehbuchautor ausdenken können. Die Fotos sollen in der Ukraine gemacht worden sein. Der Fotograf verkaufte sie angeblich für ein geringes Honorar an die Zeitung,  die innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war.

So, und nun will ich die Leser dieses Blogs nicht länger auf die Folter spannen. Wer sich die unglaublich rührende Vogelgeschichte selbst anschauen möchte: bitteschön, hier ist sie!