Wer rettet die unentdeckten Arten?

urn:newsml:dpa.com:20090101:101025-11-10297Es ist faszinierend, wie riesig die Artenvielfalt der Tiere  im Regenwald des Amazonas-Gebietes ist. In einem Zeitraum von zehn Jahren haben Forscher dort rund 1200 neue Tier- und Pflanzenarten entdeckt, von deren Existenz vorher niemand etwas geahnt hatte.

Eine dieser Tierarten ist der hier abgebildete, wunderbar gezeichnete und gefärbte Frosch, dem die Experten den Namen „Ranitomeya amazonica“ gegeben haben. Auch ein Papagei mit Glatzkopf gehört zu den neu erforschten Arten. Das Problem ist nur: Der Lebensraum dieser Tiere und Pflanzen, der Regenwald, wird vom Menschen durch Rodung immer weiter zerstört – und das immer schneller. Wissenschaftler vermuten, dass es im Amazonas-Gebiet noch andere bislang unbekannte Arten gibt. Doch durch das Schrumpfen der Regenwaldflächen werden manche dieser Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

Natur- und Tierschützer warnen zwar regelmäßig vor den Auswirkungen der Regenwald-Zerstörung und starten Projekte zur Rettung des Waldes. Doch mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist das wohl nicht …

Findige Frosch-Forscher

Das ist doch mal eine positive Meldung: Deutsche Forscher haben auf Madagaskar 130 neue Froscharten – vielleicht sogar 200 – entdeckt. Bisher ging man davon aus, dass auf der Insel im Indischen Ozean knapp 250 verschiedene Froscharten leben. Diese Zahl erhöht sich nun beträchtlich durch die gründliche Arbeit einer Gruppe Biologen um den Braunschweiger Professor Miguel Vences. Sie haben keine Mühe gescheut, in der Regenzeit unter widrigsten Bedingungen mehr als 2800 Amphibien an 170 verschiedenen Orten auf Madagaskar zu analysieren. Eine derart vollständige Bestandsaufnahme existierte bisher nicht.

Viele Tier- und Pflanzenarten gibt es nur auf dieser Insel, sonst nirgends auf der Welt. Wissenschaftler nennen das ein „endemisches Vorkommen“. Unter den neuen Fröschen sind einige, die wiederum nur in einzelnen, winzigen Waldstücken leben. So zum Beispiel diese Neuentdeckung, die zur Gattung Platypelis gehört und auf Madagaskar höchstwahrscheinlich nur auf einer Fläche von lediglich 100 mal 100 Metern existiert. Dieser Frosch ist schwarzweiß und zweieinhalb Zentimeter groß.

Die große Freude der deutschen Entdecker wird allerdings gleich wieder geschmälert durch die Sorge um die unsichere Lage auf der Insel: Nach den Fortschritten, die es in letzter Zeit in ökologischer Hinsicht auf Madagaskar gab, sind nun wieder viele Lebensräume der Tiere bedroht: durch unerbittliches Abholzen von Wäldern.

Lieber ein paar Kröten plattfahren lassen?

Jeder plattgefahrene Frosch ist ein toter Frosch zu viel, sagen Tierschützer. Alle Jahre wieder im Frühling bringen sie deshalb Amphibien in Sicherheit, die den Weg zu ihren Laichplätzen sonst mit dem Leben bezahlen müssten.

Lieber ein paar Kröten überfahren lassen, das kann dem Fortbestand einer Art unter Umständen mehr nützen als gut gemeinte, aber schlecht ausgeführte Rettungsaktionen, sagen Vertreter des Artenschutzes.  

Leider unterlaufen den Tierschützern manchmal Fehler: Sie pflegen z.B. die Kunststoffzäune, die sie an Straßenrändern aufbauen, nicht genügend. So entstehen darin oft Löcher, durch die dann doch Tiere hindurchkommen und letztlich überfahren werden. Oder sie leeren die Eimer, die an den Zäunen in den Boden eingelassen sind und in die Frösche und Kröten hineinrutschen, nicht oft genug – mit der Folge, dass Tiere darin verenden oder sich gegenseitig mit Krankheiten anstecken. Manchmal geraten auch andere Tiere wie Mäuse in die Behälter und sind darin gefangen.

Immer wieder sind außerdem die Abstände zwischen den Eimern oder zwischen Amphibien-Tunneln unter Straßen zu weit voneinander entfernt. Dann haben die Tiere keine Lust mehr und kehren um, nach dem Motto: Diese Menschen können mich mal! Dann wird nichts aus der Fortpflanzung im Laichgewässer – und ganze Generationen bestimmter Arten fallen flach. Das wiederum kann sich zum Problemfür den Gesamtbestand entwickeln.

Tierschützer leisten tolle Arbeit, sie engagieren sich und opfern viel Freizeit. Trotzdem verlieren sie den Artenschutz dabei manchmal aus den Augen.  – Was meint Ihr/sagen Sie dazu? – Ausführlichere Informationen zum Thema im heutigen Lokalteil der „Nürnberger Zeitung“ hier.