Ja wo stecken sie denn, die Otter?

Seit Jahren ärgern sich viele Besucher des Nürnberger Tiergartens, dass sie die Fischotter nie zu Gesicht bekommen. Die possierlichen Tiere, die in einer weitläufigen, naturnah gestalteten Anlage im sogenannten Aquapark des Zoos – in der Nachbarschaft von Eisbären, Seelöwen und Pinguinen – leben, verschlafen die meiste Zeit des Tages oder verstecken sich im dichten Gebüsch. Nur zur Fütterungszeit am Nachmittag werden sie aktiv und lassen sich blicken.

Ein neuer Revierleiter versucht nun, diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern. Er möchte das Füttern auf zweimal täglich – mit jeweils kleineren Portionen – verteilen. Außerdem trainiert er die Otter mit einem „Target“. Das Wort kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „Ziel“. Im diesem Fall ist es ein Ast, der an einem Ende dick mit einem gelben Band umwickelt ist. Die Otter sollen aus dem Wasser hochspringen und mit der Nase das Target berühren. Dann gibt es zur Belohnung einen Leckerbissen.

Dieses Training soll in die Fütterung eingebunden werden, die außerdem kommentiert werden soll – so wie bisher schon bei den Delfinen, Seelöwen oder Pinguinen. Die Zoobesucher erfahren dann etwas darüber, wie die Fischotter im Zoo und in freier Natur leben, wie sie sich ernähren, fortpflanzen usw. Wenn diese Pläne umgesetzt werden, wird das mit Sicherheit eine Bereicherung fürs Publikum. Hoffentlich gelingt die Realisierung!

Wer mehr über die Fischotter im Nürnberger Tiergarten erfahren möchte, kann diesen Artikel, den ich für die „Nürnberger Zeitung“ geschrieben habe, lesen (Erscheinungstag: Samstag, 8. August).

Meine erste Wildfütterung

Jetzt bin ich schon ein paar Tage aus meinem Urlaub am Dachstein zurück und habe meinen Blog-Lesern immer noch nicht mein beeindruckendstes Erlebnis von dort erzählt. Keine Angst, es braucht sich niemand an quälende Schulaufsätze erinnert zu fühlen!

Mein schönstes Urlaubs-Erlebnis dreht sich – wie sollte es anders sein – um Tiere. Ich hatte das große Glück, dass der Vermieter meiner Ferienwohnung im Gebiet der Ramsau einer der Wildhüter ist. Da gehört es zu seinen Aufgaben, im Winter das Rotwild zu füttern. Jeden Tag sorgen er und seine Kollegen dafür, dass rund 70 Rehe und Hirsche an einer bestimmten Stelle im Wald ihr Futter bekommen – vor allem Heu.

Und ich durfte bei einer solchen Fütterung mit ihm auf dem Hochsitz dabei sein, um die wunderschönen Waldbewohner zu beobachten. Ausgerüstet mit dicken Klamotten (es hatte ungefähr fünf Grad unter Null) und einem Fernglas stapften wir erst 20 Minuten durch den tief verschneiten Wald ein Stück den Rittisberg hoch, bis zu der Lichtung, an deren Rand der Hochsitz steht. Der ist geschlossen und innen an den Wänden mit Teppichboden ausgekleidet, damit es nicht durch die Ritzen zieht.

Ja, und dann haben wir gewartet und uns so ruhig wie möglich verhalten. Nach einer Dreiviertelstunde – ich hatte fast schon die Hoffnung aufgegeben – wagte sich das erste Reh unter den Bäumen am Hang hervor. Als es merkte, dass die Luft rein war, trauten sich nach und nach auch seine Artgenossen näher heran. Es kamen Jungtiere, aber auch starke Hirsche – sogar ein Vierzehnender! Und es wurden immer mehr, schließlich hatten sich 50 Tiere versammelt. Es mag vielleicht kitschig klingen, aber das war für mich wirklich ein erhebender Moment!

Natürlich habe ich mich in dieser Situation fotografieren lassen. Die Lichtverhältnisse waren sehr schwierig, und man durfte nicht blitzen, um das Wild nicht zu vertreiben. Ich denke aber, das Foto hat zumindest dokumentarischen Wert und passt daher hervorragend in so etwas wie ein Blog. Oder??