Der treffsichere Tintenfisch

urn:newsml:dpa.com:20090101:100712-10-11567Als Cristiano Ronaldo, Messi oder Kaka schon die Heimreise angetreten hatten, drehte er erst so richtig auf und avancierte zum heimlichen Star der Fußballweltmeisterschaft: Paul, der treffsichere Tintenfisch, von dem natürlich auch im Tiergarten-Blog die Rede sein muss. Das Kraken-Orakel lag mit all seinen Tipps richtig. Es wusste zum Beispiel, dass Deutschland Argentinien schlagen, aber gegen Spanien verlieren würde. Und auch im Endspiel, als er erstmals den Ausgang eines Spiels mit nicht-deutscher Beteiligung vorhersagen sollte, war der Oktopus im Bilde: Er stürzte sich auf das mit der spanischen Flagge verzierte Muschelfleisch, Hollands Schicksal war besiegelt. 

Witzig sind die diversen Anekdoten, die sich um Paul ranken. Die englische Presse sah in ihm den idealen Fußball-Kommentator, da er viel Fachkompetenz habe, aber wenig rede. (Vielleicht wäre Paul mit acht Füßen und neun Gehirnen ja auch als Spieler erfolgreich…) Die Argentinier wiederum karrten nach der Vorhersage des Oktopus prompt eine Armada von Alternativ-Orakeln  an (zum Beispiel Papageien, Delfine), die sich für ein Weiterkommen der  Gauchos aussprachen. Und Politiker der spanischen Regierung (!) boten Paul nach dem Halbfinalsieg des späteren Weltmeisters gegen Deutschland gleichsam politisches Asyl an, damit „die Deutschen ihn nicht aufessen“.

Tintenfische gelten als die intelligentesten Weichtiere, und Paul hat einfach Fußball-Verstand. Jetzt dürfte seine Karriere zu Ende sein, denn mit 2,5 Jahren ist das Kraken-Orakel schon ein Oktopus-Opa, statistisch bleiben ihm nur noch sechs bis sieben Monate. Das Sea Life Oberhausen will ihm nun seine Ruhe gönnen und hat skurrile Anfragen – unter anderem sollte Paul die Lottozahlen voraussagen und Nationaltrainer Brasiliens werden – abgelehnt. Die Europameisterschaft 2012 dürfte Paul, der schon bei der EM 2008 viele richtige Tipps abgegeben hat, also nicht mehr erleben. Und ein Nachfolger wird schwer zu finden sein. Paul ist der einzige Oktopus im Sea Life Oberhausen. Vermutlich hat er deshalb so viel Zeit, sich mit Fußball zu befassen.

Stachelschwein Leon glaubt an die Deutschen

Tja, lieber vip, ich kann es Dir nicht ersparen: Auch wenn Du meinst, „in Sachsen einsitzende Viecher“ hätten von Fußball keine Ahnung, haben sie tatsächlich weiter orakelt, die tierischen Fußball-Experten im Chemnitzer Zoo. Diesmal durften wieder die Stachelschweine ran, die schon beim ersten Sieg der deutschen Mannschaft gegen die Polen richtig gelegen hatten.

Da wird sich Norbert, der unbedingt wissen wollte, ob in Chemnitz EM-technisch auch vor dem Spiel gegen die Türkei geweissagt wird, freuen: Für das morgige Halbfinale Deutschland – Türkei gab heute Stachelschwein Leon folgenden Tipp ab: Deutschland wird gewinnen. Ob sie Leon bestochen haben, weiß ich nicht, auch nicht, ob er überhaupt bestechlich ist.  

Falsches Orakel Grund zum Schlachten?

Nun lagen die fußball-orakelnden Tiere aus dem Tierpark Chemnitz schon zum zweiten Mal daneben: Nach den Krallenaffen (Deutschland – Österreich)  hat auch Polarfüchsin Lissy das Ergebnis gegen Portugal nicht richtig vorhergesehen.

Trotzdem macht der Tierpark mit dem Fußball-Orakel-Spaß weiter. Rechtzeitig vor dem Deutschland-Spiel am nächsten Mittwoch soll am Dienstag wieder tierisch in die Zukunft geschaut werden. Welcher Zoobewohner diesmal die Ehre hat, steht allerdings noch nicht fest.

Einer meiner (wenig tierlieben) Kollegen hat sich inzwischen richtig über die ganze Aktion in Chemnitz echauffiert: Ein Sch… sei das doch, und er würde vorschlagen, die Äffchen, die so völlig falsch lagen, zu schlachten! Was er am liebsten mit Lissy machen würde, weiß ich nicht, denn seit dem Sieg gegen Portugal hat er frei.

Lissy meint: Portugal macht´s

Oh je: Nach dem neuesten Fußball-Orakel der Tiere im Chemnitzer Zoo würde die deutsche Mannschaft am Donnerstag den Portugiesen unterliegen. Diesmal ist die Chemnitzer Polarfüchsin Lissy für den Tipp verantwortlich.

Lissy hat sich ihre Aufgabe nicht leicht gemacht: Sie stürzte sich nicht etwa gierig auf das erstbeste Küken neben der erstbesten Flagge. Nein, sie handelte wohlüberlegt und schnupperte erst mal ein wenig an dem Futtertier auf der „deutschen Seite“ herum, bevor sie es sich dann doch anders überlegte und überraschend nach dem „portugiesischen Küken“ schnappte. Nach Lissys Vorhersage würde also Portugal weiterkommen.

Wer infolge der Fußball-Aktion im Chemnitzer Tierpark Lust auf diesen Zoo in Sachsen bekommen hat: Informationen findet man auf dieser Homepage .

Tierische Fußball-EM

Wer meint, die Fußball-Europameisterschaft werde bei den Spielen auf dem jeweiligen Platz in Österreich oder der Schweiz entschieden, der irrt. In Wahrheit wird sie nämlich im Chemnitzer Tierpark vorherbestimmt, zumindest, was die Spiele der deutschen Nationalelf angeht.

Dort gibt es das so genannte Fußball-Orakel: Verschiedene Tiere sagen voraus, wie die Spiele der Deutschen enden, mit Sieg oder Niederlage. Die Zoobewohner stürzen sich dabei auf ein Leckerli, das neben den betreffenden Nationalflaggen platziert wurde. Wählen sie zuerst den Leckerbissen neben Schwarz-Rot-Gold, gewinnt Deutschland. Schon gegen Polen hat ein Stachelschwein den Sieger richtig ermittelt, ebenso gegen Kroatien, als ein Eisfuchs mit seiner Weissagung richtig lag.

Tamarin.JPGNun also, vor dem Spiel gegen Österreich, hat ein Springtamarin das deutsche Schicksal besiegelt: Das kleine Äffchen griff sich ganz schnell die Rosine neben Rot-Weiß-Rot, und nach dem Gesetz der Serie, so heißt es, werde diese Weissagung in Erfüllung gehen.

Stellt sich die Frage, warum gerade ein Springtamarin für diese staatstragende Frage ausgewählt wurde. Ich glaube, es liegt daran, dass diese Krallenaffen selbst kleine Fußballer sein könnten. Ihre Lebensweise weist jedenfalls unübersehbare Parallelen zur deutschen Mannschaft während der EM auf: Sie leben in Gruppen, die einzelnen Tiere bleiben sehr dicht zusammen, tagsüber legen sie gerne Ruhepausen ein, während derer sie gerne sonnenbaden oder sich der Fellpflege widmen. Bei der Mähne der Springtamarine ist das ebenso nötig wie bei manchen Spielerfrisuren.

Und die Ähnlichkeiten gehen weiter: Ihr Territorium markieren sie mit Drüsensekreten – daher also das ständige Spucken der Spieler! -, und sie verständigen sich untereinander vor allem durch Schreie. Auch für Schiedsrichter ist diese Spezies ein passendes Vorbild: Neben einem Pfeifen zur Kontaktaufnahme über größere Distanzen haben sie auch einen schrillen Alarmton.

Hut ab vor dem Tierpark Chemnitz, bessere Kenner der Fußball-Manieren konnte man für das Orakel wirklich nicht aussuchen!