Auf zum Eiersammeln!

In diesen Tagen bekommen Biologen auf den Galápagos-Inseln wieder jede Menge Arbeit: Sie sammeln die Eier der berühmten Riesenschildkröten ein und bringen sie in Brutkästen. Diese Maßnahme dient dazu, die Schildkröten vor dem Aussterben zu bewahren. Denn Ratten, verwilderte Hunde, Schweine und andere Tiere, die einst zusammen mit menschlichen Siedlern auf die Inseln kamen, gefährden die Riesenschildkröten in ihrem natürlichen Lebensraum. Sie fressen mit Vorliebe Eier und Jungtiere aller Art.

Die Wissenschaftler hoffen, im Galápagos-Nationalpark, der mehrere Inseln umfasst, ungefähr 300 Schildkröteneier einsammeln zu können. Seit 1965 sind immerhin mehr als 5000 Riesenschildkröten geschlüpft. Dies stuft das Umweltministerium in Ecuador als Erfolg für das Brutprogramm auf der Insel Santa Cruz ein.

Bis die Schildkröten schlüpfen, dauert es etwa 60 Tage. In freier Wildbahn graben die Tiere eine Grube, die bis zu 40 Zentimeter tief sein kann, um dort ihre Eier abzulegen. Dann schützen die Schildkröten die Eier mit einer Paste aus Urin und Exkrementen. Mittlerweile haben Studien ergeben, dass die Temperatur im Nest das Geschlecht bestimmt: Bei 29,5 Grad schlüpfen Weibchen, bei 28 Grad Männchen.

Der einsame George ist tot

Er war wohl – so heißt es jedenfalls in den meisten Berichten über ihn – das „einsamste Tier der Welt“: George, die berühmte Riesenschildkröte, die als Wahrzeichen der Galapagos-Inseln galt. Nun ist „Lonesome George“ zumindest von seiner Einsamkeit erlöst: Sein Wärter hat ihn tot neben seinem Trinknapf gefunden. Mit ihm ist eine ganze Unterart der Galapagos-Riesenschildkröten von unserem Planeten verschwunden. George hat eine interessante Geschichte, die ich hier kurz erzählen möchte.

1972 hatte man George auf der Galapagos-Insel Pinta entdeckt. Damals war die Freude groß. Denn diese Riesenschildkröten-Unterart, die ihren Namen „Pinta-Schildkröte“ einst nach dieser Insel erhalten hatte, hatte man eigentlich für bereits ausgestorben gehalten. Nun hegten die Forscher die Hoffnung, mit Hilfe von George die Unterart erhalten zu können. Außer George tauchte allerdings kein einziges Pinta-Schildkröten-Exemplar mehr auf der Insel auf.

George wurde deshalb in eine Forschungsstation in einem Naturpark auf der Insel Santa Cruz gebracht. Dort versuchte man ihn mit mehreren Weibchen einer verwandten Schildkröten-Unterart zu verkuppeln. Aber der Plan scheiterte. Obwohl George 15 Jahre mit ihnen zusammenlebte, legten die Schildkrötendamen nur unbefruchtete Eier. Daraufhin sollte es George mit zwei Weibchen einer noch näher verwandten Unterart versuchen. Doch auch diese Zuchtversuche der letzten Jahre führten nicht zum ersehnten Nachwuchs.

Nun gibt es endgültig keine Möglichkeit mehr, die Gene der Pinta-Schildkröte irgendwie zu erhalten; mit dem Tod von George ist diese Chance vorbei. Noch ist nicht ganz klar, woran George gestorben ist; die genaue Todesursache soll untersucht werden. Vorläufig geht man von einem Herzinfarkt aus. Wie alt genau George wurde, wird sich auch nicht klären lassen. Experten waren aber übereinstimmend der Meinung, der Schildkrötenmann müsste 100 Jahre oder sogar älter sein. Er brachte 90 Kilogramm auf die Waage – sein Panzer war einen Meter lang. Eigentlich sind für Schildkröten wie George selbst 100 Jahre kein Alter. Wissenschaftler sind der Meinung, er hätte durchaus noch ein paar Jahrzehnte leben können.

Aber wer weiß? Ich könnte mir vorstellen, dass es kein Vergnügen ist, als der Letzte seiner Art übrig zu bleiben.