Schweig, Pfau!

PfauneuUnglaublich, aber wahr: Ein Gericht muss sich mit der Frage beschäftigen, ob die Pfauen im Tiergarten Mönchengladbach während der Balzzeit nachts zu laut schreien. Die bösen Vögel haben vielleicht sogar eine Ehe zerstört: Die geschiedene Frau des Klägers behauptet, sie sei wegen des Vogelgeschreis manche Nacht bis zu fünfmal aufgewacht, und ihr Mann habe am nächsten Morgen völlig übermüdet und  schlechtgelaunt am Frühstückstisch gesessen. Das mag auch noch andere Ursachen gehabt haben – jedenfalls zog die Frau die Konsequenz und aus dem Haus aus.

Eine Nachbarin der Beiden will hingegen nicht von Pfauen, sondern von irgendeinem anderen lauten Vogel aus dem Tierpark um den Schlaf gebracht worden sein. Erst soll dieses unverschämte Tier immer nachts um drei seinen Schnabel zu weit aufgerissen und daraufhin auch noch Antwort von einem anderen Schreihals bekommen haben. Inzwischen sei dieses geheimnisvolle Vogelwesen allerdings verstummt – aus welchem Grund auch immer. Die  Gerichtsverhandlung ähnelte immer mehr einem absurden Theaterstück. Der Kläger-Anwalt sprach den Verdacht aus, jemand aus dem Tierpark habe den vogeligen Störenfried wohl um die Ecke gebracht. Das stritt natürlich der Anwalt des Tierparks ab: Dort würden weder seltsame Vögel noch andere Tiere getötet.

Menschliche Nachtruhe, die durch Tiergeräusche gestört wird – eine schwierige Frage. Zumindest bisher gibt es keine Grenzwerte, wie laut solche Geräusche sein dürfen. Das Gericht will deshalb möglicherweise ein Gutachten zur Lautstärke erstellen lassen. Insgesamt muss geklärt werden, ob der
Nachbar durch die Tiergeräusche wesentlich beeinträchtigt wird.

Steinigt den Hund!

Es passieren Dinge auf dieser Welt, bei denen man sich wirklich ins Mittelalter zurückversetzt fühlt. So zum Beispiel folgende Geschichte, die natürlich etwas mit Tieren zu tun hat – sonst würde ich in diesem Blog ja nicht drüber schreiben.

Die Geschichte spielt in Jerusalem. Dort hat ein Rabbiner-Gericht einen streunenden Hund zum Tod durch Steinigung verurteilt. Nicht etwa, weil jemand sich an seinem Herumstreunen in dem Gerichtsgebäude im ultra-orthodoxen Stadtteil Mea Schearim gestört hätte. Nein, die Begründung ist tatsächlich hanebüchen: Einer der Richter glaubte, bei dem Hunde würde es sich um die Reinkarnation eines Anwalts handeln, der 20 Jahre vorher das Rabbiner-Gericht beleidigt haben soll. Die Richter hatten ihn daraufhin angeblich mit dem Fluch belegt, dass seine Seele nach seinem Tod in einen Hund übergehen sollte. Das ist schon deshalb eine schlimme Strafe, weil Hunde im Judentum als unreine Tiere gelten.

Trotzdem kam es nicht zur Steinigung des Hundes, die Kinder (!!!) aus dem Stadtviertel vornehmen sollten. Dem Hund gelang es nämlich zu entwischen.

Und für das Rabbiner-Gericht hat das Ganze auch noch ein Nachspiel: Es wurde von Tierschützern verklagt.

Ein Sieg für den Kormoran?

kormoranEr ist zwar Vogel des Jahres 2010, aber immer wieder gibt er Anlass zu Streit: der Kormoran. Fischer und Angler beschweren sich regelmäßig, dass dieser Vogel die Fischbestände in Flüssen und Seen ausdünne. Fischzüchter beklagen, dass er ihnen großen wirtschaftlichen Schaden zufüge, weil er ganze Teiche – zum Beispiel die Karpfenteiche in Mittelfranken – leerfresse.

Jetzt hat es in Niedersachsen eine gerichtliche Auseinandersetzung um die Kormorane am Steinhuder Meer gegeben. Dabei sind die Fischer als Verlierer nach Hause gegangen. Sie hatten geklagt, die Tiere seien verantwortlich für den Verlust von großen Mengen von Aalen, Zandern, Hechten und Barschen. Deshalb wollten sie die Kormorane abschießen. Das Gericht entschied jedoch, der Abschuss sei nicht zulässig.

Ich finde, das ist ein gutes Zeichen für den Tier- bzw. Vogelschutz. Die Naturschützer halten die Vorwürfe der Fischereiverbände seit langem für übertrieben und auch für nicht bewiesen.  – Eine Chance haben die Fischer am Steinhuder Meer aber noch: Sie können beim Oberverwaltungsgericht Berufung einlegen.