Alternativen zu Tierversuchen?

Das Thema Tierversuche ist ein äußerst leidiges und wurde auch in diesem Blog von mir immer wieder beackert, zum Beispiel hier. Da es bestimmt noch Jahrzehnte dauern wird, bis die Forschung auch ohne Tierversuche auszukommen glaubt, kann man sich schon freuen, wenn jetzt in Deutschland – und zwar an der Uni Konstanz – wenigstens ein Wissenschaftler Alternativen zu Tierversuchen erforscht: der Toxikologe Marcel Leist. Er ist auch Leiter des 2010 gegründeten Zentrums für Alternativen zum Tierversuch in Europa (CAAT-Europe). Leist plädiert dafür, Tierversuche wenigstens so stress- und schmerzfrei wie möglich zu halten.

In den Vereinigten Staaten ist man auf diesem Gebiet schon etwas weiter. Man forscht in den USA an Organen im Miniformat („organs on a chip“) die von Wissenschaftlern hergestellt werden. Dafür gab es auch entsprechend viel Geld: etwa 150 Millionen Euro allein im vergangenen Jahr. Von der EU kamen auch 150 Millionen Euro – aber in einem Zeitraum von sage und schreibe 15 Jahren!

Sogar im guten alten Europa existieren ja schon Alternativen zu Tierversuchen. So werden etwa bei In-Vitro-Verfahren Substanzen an menschlichen oder tierischen Zellen getestet. Außerdem werden tierversuchsfreie Testverfahren entwickelt, um Chemikalien auf ihre Schädlichkeit für das Nervensystem zu untersuchen. Doch derzeit ist die Zahl der Tiere, die hierzulande für – teils sogar tödliche – Experimente herangezogen werden, noch erschreckend hoch: Über eine halbe Million Wirbeltiere waren es beispielsweise im Jahr 2012 nur in Baden-Württemberg, in ganz Deutschland im selben Jahr fast 3,1 Millionen Tiere. Am häufigsten mussten Mäuse dafür herhalten, gefolgt von Ratten, Fischen und Kaninchen. Dagegen sind Tierschützer ohne Erfolg Sturm gelaufen. Es gibt auch den Verein „Ärzte gegen Tierversuche“, der diese Tests aus ethisch-moralischen Gründen ablehnt. Und auch aus medizinischen, denn menschliche Krankheiten lassen sich diesen Medizinern zufolge nicht durch Tierversuche erforschen, die Ergebnisse nicht auf Menschen übertragen.

Der in Konstanz forschende Marcel Leist spricht erfreulicherweise endlich auch mal Klartext in Richtung Industrie: Es geht bei Tierversuchen um Geld, um viel Geld. Und er fordert seine Kollegen auf, sich zu fragen, ob es ihnen nicht nur um die Befriedigung ihrer Neugier geht. Das finde ich sehr mutig, und ich fürchte, dieser Mann wird sich nicht sehr beliebt machen. Hoffentlich bekommt er mit dieser Einstellung überhaupt weiterhin Forschungsmittel.

Wer kann das bezahlen?

Haustiere werden – ähnlich wie wir Menschen – immer älter. Doch damit steigt auch bei Hund, Katze & Co die Zahl der Alterserkrankungen; vor allem Krebs nimmt bei Tieren deutlich zu.

Bei den Behandlungsmöglichkeiten von Krebs profitieren unsere vierbeinigen Freunde aber immerhin von der Humanmedizin. Veterinäre wenden bei ihren Patienten zunehmend Methoden an, die bei Menschen erfolgreich sind – längst nicht mehr nur Tumor-Operationen, sondern vor allem auch Chemotherapie. Und da gibt es eine wirklich gute Nachricht: Tiere scheinen Chemotherapie besser zu vertragen als die meisten Menschen, sie erholen sich schneller davon und leiden nicht so stark unter Nebenwirkungen wie etwa Haarausfall. Deutsche Tiermediziner, die sich am Wochenende zu einem großen Kongress in Berlin getroffen haben, betonen, dass die Überlebenschancen bei Tieren, die an Krebs erkranken, deutlich gestiegen sind. Dazu haben auch die ständig verbesserten Möglichkeiten der Vorsorge beigetragen – auf obigem Foto wird zum Beispiel das Herz einer Katze mit Hilfe von Ultraschall untersucht.

Bei dem Kongress ging es außerdem um Krankheiten wie den Grauen und Grünen Star, die bei Tieren ebenfalls öfter vorkommen als früher. Veterinäre operieren mittlerweile sogar getrübte Linsen, damit ihre Patienten wieder besser sehen können. Eine weitere typische Alterserscheinung, die abgenutzte Hüfte, wird längst auch in der Tiermedizin durch ein künstliches Pendant ersetzt. In Zukunft sollen noch mehr künstliche Gelenke wie Ellbogen und Knie bei Tieren eingesetzt werden.

Tiere sind allerdings im Vergleich zu uns Menschen in einer Hinsicht benachteiligt: Sie sind immer Privatpatienten, das heißt, ihre Behandlung hängt von den finanziellen Möglichkeiten ihres Herrchens oder Frauchens ab. Für eine künstliche Hüfte bei Hunden etwa muss man bis zu 3000 Euro hinblättern – das kann sich längst nicht jeder Tierbesitzer leisten.

Kampf gegen Straßenhunde

In Mexiko-Stadt sind die Behörden ratlos: Dort machen verwilderte Straßenhunde Riesenprobleme. In einem Park hat man in den letzten Tagen vier grausam zugerichtete Leichen gefunden, die angeblich von einer Hundemeute zerfleischt wurden. Wobei in dieser Frage die Meinungen auseinandergehen: Tierschützer bezweifeln, dass Hunde diese Taten angerichtet haben können, während es von tierärztlicher Seite heißt, Hunde wären sehr wohl dazu fähig – sie würden nämlich wie Löwen ihr Opfer in der Gruppe jagen.

Tatsache ist: In Mexiko Stadt leben 1,2 Millionen Hunde. Zehn Prozent davon sind herrenlos und verwildert und müssen selbst zusehen, wie sie an Futter herankommen, um zu überleben. Und ihre Zahl wird immer größer. Im vergangenen Jahr wurden rund 11 500 Hundebisse registriert; die Opfer waren zum Teil so schwer verletzt, dass sie plastische Operationen brauchten.

Unabhängig davon, ob die Hunde Menschen jetzt tatsächlich getötet haben, haben die Behörden eine Kampagne gestartet: Sie appellieren an Hundehalter, ihre Haustiere kastrieren bzw. sterilisieren zu lassen, um die Flut von Hundebabys, die nach einiger Zeit meist auf der Straße landen, einzudämmen. Die Aktion wurde nun verstärkt und auf arme Stadtteile ausgeweitet. Dort arbeiten Tierärzte zum Beispiel auf Fußballplätzen an mehreren Dutzend Operationstischen, um den Eingriff bei den Tieren vorzunehmen. Und Hunderte von Besitzern stehen stundenlang Schlange, bis ihr Tier drankommt. Die Operation wird in diesen Vierteln kostenlos durchgeführt, weil sie für die Hundehalter zu teuer wäre.

Die Gesundheitsbehörde will mit diesem Angebot nun von einem Armenviertel ins nächste gehen, um zu verhindern, dass sich die Hunde dort weiter unkontrolliert vermehren und dann ausgesetzt oder misshandelt werden. Das dürfte eine Mammutaufgabe werden, für die organisatorisch und finanziell ein Riesenaufwand nötig ist – hoffentlich keine Sisyphusarbeit!

Tödliche Folgen von Genmais

Viele Menschen haben Angst davor, was gentechnisch veränderte Lebensmittel anrichten könnten. Unbegründet ist das nicht, wenn man sich das Ergebnis einer neuen Studie anschaut: Französische Forscher haben herausgefunden, dass Ratten, die mit gentechnisch verändertem Mais gefüttert wurden, früher sterben und häufiger Krebs bekommen.

Die Wissenschaftler haben 200 Ratten über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet. Eine Gruppe bekam Genmais zu fressen, eine andere Genmais, der mit einem Pestizid behandelt worden war, eine dritte Gruppe herkömmlichen, ebenfalls mit dem Pestizid behandelten Mais. Der Mais machte dabei 11 Prozent des Gesamtfutters aus – dieser Anteil entspricht den Ernährungsgewohnheiten von Menschen in den USA. So wurde die langfristige Auswirkung von Genmais und Pestiziden auf die Gesundheit gleichzeitig getestet.

Nach knapp eineinhalb Jahren waren bei dem Versuch von den mit Genmais gefütterten Ratten fünfmal mehr Tiere tot als bei der Vergleichsgruppe. Die weiblichen Ratten bekamen meistens Brustkrebs, die männlichen Haut- oder Nierentumore.

Die Studie hat bereits zu neuen Diskussionen über die Zulassung von Genpflanzen in der EU geführt. Grünen-Abgeordnete aus Frankreich verlangen zum Beispiel, dass die Zulassungen für eine gentechnisch veränderte Mais- und eine Kartoffelsorte in Europa wieder aufgehoben werden. Der für die Studie verwendete Genmais ist in Europa für den Anbau nicht zugelassen, für die Verwendung in Tierfutter und Lebensmitteln aber schon.