Keine Sommerloch-Geschichte!

Also, zuerst dachte ich ja, das wäre schon wieder eine von diesen unsäglichen Tier-Sommerloch-Geschichten wie zuletzt die über das Krokodil im Klausensee, das sich dann als harmloser Biber entpuppte.

Aber es scheint wirklich was dran zu sein an der Meldung über ein aggressives Eichhörnchen, das an einem Waldrand im Saarland nördlich von Saarbrücken Menschen angreift. Bei dem bissigen Tier soll es sich allerdings nicht um ein einheimisches Eichhörnchen handeln, sondern um ein Grauhörnchen (siehe Foto). Die kommen normalerweise in Nordamerika vor, haben sich aber auch schon in einigen europäischen Ländern wie England oder Norditalien breitgemacht und stellen eine echte Gefahr für die dort lebenden einheimischen Eichhörnchenarten dar, die kleiner und weniger aggressiv sind. Naturschutzorganisationen warnen davor, dass eine Verdrängung der einheimischen Arten drohen könnte.

So schlimm scheint es im Saarland noch nicht zu sein. Denn nach allem, was bisher bekannt ist, handelt es sich um ein einzelnes Tier. Das hat zum ersten Mal vor ein paar Wochen von sich reden gemacht, als es einen 15-Jährigen attackierte, der beim Zeitungsaustragen unterwegs war. Das Tier ist dem Jungen auf den Arm gesprungen und hat mehrmals blitzschnell zugebissen und gekratzt. Der Junge konnte trotzdem sein Handy zücken und schnell ein Foto von dem Angreifer machen. Darauf ist eindeutig ein Grauhörnchen zu erkennen.

Es kam, soweit bisher bekannt, noch zu mindestens drei weiteren Eichhörnchen-Angriffen auf Menschen in der Nähe von Saarbrücken. Doch die Forstbehörden meinen, dass kein Anlass zu Panik besteht und das Tier auch nicht tollwütig ist, weil Tollwut im Saarland als ausgerottet gilt. Fachleute gehen davon aus, dass das Tier aus einer Privathaltung ausgebüxt ist und nun bei Menschen nach Futter sucht. Weil ganz in der Nähe des Bereichs, in dem das Grauhörnchen aktiv ist, auch ein Habicht zu Hause ist, glaubt der zuständige Förster, das Nagetier werde wohl kaum Überlebenschancen in der freien Wildbahn haben.