Der Ruf der Wale

In Deutschland läuft jetzt der Film „Der Ruf der Wale“ an. Er schildert eine spannende Rettungsaktion für drei Grauwale, die sich 1988 tatsächlich so abgespielt haben soll. Ein Film, der auf uns sicher an manchen Stellen etwas sehr amerikanisch (sprich: kitschig) wirken mag in seiner Machart, der aber die Konflikte zwischen Natur- und Tierschutz auf der einen Seite und politischer Gier nach Macht und den Interessen der Erdölindustrie auf der anderen Seite ganz anschaulich darstellt. Und ein Familienfilm, bei dem es keine Altersbeschränkung gibt und den sich tatsächlich die ganze Familie anschauen kann.

Denn auch im Film geht es um eine Familie, keine menschliche allerdings, sondern eine Familie von Grauwalen, deren Namen uns irgendwie bekannt vorkommen: Fred, Wilma und Baby Bamm-Bamm. Familie Feuerstein lässt grüßen. Die drei wollen vom äußersten Norden der USA in wärmere Gefilde ziehen, werden dabei aber vom Eis eingeschlossen. Das ist die Chance für Reporter Adam (John Krasinski), der im lokalen Fernsehsender über das Schicksal der Walfamilie berichtet. Schließlich verfolgen Millionen von Zuschauern gebannt Adams anrührende Fernsehberichte mit Bildern, die mitten ins Herz der Fernsehzuschauer treffen: durch Eislöcher verzweifelt nach Luft schnappende Wale, deren Schicksal besiegelt zu sein scheint. Wenn – ja wenn nicht eine große Rettungsaktion ins Leben gerufen wird, die den drei Meeresbewohnern aus ihrer verzwickten Lage heraushilft.

Da stehen dann – wie immer in den USA, wenn es hart auf hart geht – Gute und Böse zusammen und tun ihr Bestes: von der Greenpeace-Aktivistin (Drew Barrymore) über den kleinen Inuit-Jungen und den Öl-Tycoon bis zum Präsidenten, der auf diese Weise nebenbei sein angeknackstes Image aufpolieren kann. Und sogar der kommunistische Erzfeind in Gestalt eines sowjetischen Eisbrecher-Schiffes – der Film spielt schließlich noch zu Zeiten des Eisernen Vorhangs – darf sein Scherflein zur dramatischen Rettung beitragen.

Ein modernes Märchen für Tierfreunde und Naturschützer, das die Botschaft vermittelt: Gemeinsam sind wir stark und können Gutes tun.

 

Die grausame Jagd der Orcas

Oft genug schreibe ich in diesem Blog über Grausamkeiten, die Menschen Tieren antun – leider scheint das Thema unerschöpflich zu sein.

urn:newsml:dpa.com:20090101:110123-99-03895Jetzt aber haben Forscher nach mehrjähriger Beobachtung ein wirklich grausames Spektakel nachweisen können, das sich unter Tieren abspielt: Jedes Jahr im Frühling richten Orcas vor Unimak Island (Alaska) ein regelrechtes Gemetzel an, bei dem sie Grauwal-Kälber töten.  Ungefähr 150 Orca- bzw. Große Schwertwale fallen dann über die vorüberziehenden Grauwal-Herden her und jagen neugeborene bis einjährige Jungtiere. Ein Drittel des Grauwal-Nachwuchses bezahlt die unerbittliche Hatz mit ihrem Leben. Interessant dabei: Die Grauwal-Kälber sind um einiges größer als die Orcas, die ihnen nachstellen.

Andere Walarten begnügen sich mit dem Fang von Fischen oder im Meer lebenden Kleinlebewesen. Große Schwertwale jedoch haben sich auf die Jagd von Meeressäugetieren spezialisiert. Jeweils mehrere Jäger schleichen sich an ihre Beute heran, trennen die Kälber von ihren Müttern und versuchen sie zu ertränken. Töten die Schwertwale mehr Kälber, als sie gleich auffressen können, legen sie sich eine Vorratshaltung mit Jungtier-Kadavern an und tun sich zu einem späteren Zeitpunkt daran gütlich.

Manchmal gelingt es einer angegriffenen Grauwal-Herde, sich in flaches Wasser zu flüchten. Dort wagen sich die Orcas nicht an die Grauwale heran. Manchmal schafft es eine Grauwal-Mutter auch, angreifende Schwertwale mit einem gewaltigen Schlag ihrer Fluke in die Flucht zu schlagen. Oft müssen sie aber tatenlos zuschauen, wie ihr Nachwuchs niedergemetzelt wird.

Ölförderung: Riesengefahr für Grauwale

MEXICO-WHALES-SIGHTSEEINGSchon einmal galten die Westpazifischen Grauwale als ausgestorben. Man glaubte lange Zeit, die Art sei durch den Walfang ausgerottet worden. Umso größer war die Freude, als Wissenschaftler in den 1980er Jahren entdeckten, dass vor der Küste der russischen Insel Sachalin noch Grauwale leben.

Doch nun befürchten Tierschützer das Schlimmste für diese bedrohte Walart, von der es derzeit nur noch etwa 130 Tiere gibt. Denn vor der Küste von Sachalin soll offenbar eine dritte Ölplattform eingerichtet werden. Wenn das geschieht, sei der gesamte Grauwal-Bestand stark gefährdet, meinen Vertreter von Tierschutzorganisationen. Durch die geplante Förderanlage würden die Nahrungsgründe der Wale stark eingeschränkt. Für den kommenden Sommer sind dort außerdem seismische Messungen vorgesehen. Der Lärm dieser Bodenuntersuchungen kann dazu führen, dass die Wale aus den Nahrungsgründen vertrieben werden und dann unterernährt sind. Schon letztes Jahr sind Wale wegen des Lärms vor derartigen Tests geflohen.

Unter den 130 Walen sollen sich nur noch 30 fortpflanzungsfähige Weibchen befinden. Wenn nur einige von ihnen wegen Nahrungsmangels sterben, kann das Aussterben der ganzen Art die Folge sein. Gerade die flache Lagune vor der Insel Sachalin spielt eine wichtige Rolle für die Grauwale: Dort bringen die Mütter ihren Kälbern bei, wie man am Meeresboden nach Nahrung sucht.

Wenn die Ölförderung vor Sachalin wie geplant durchgezogen wird, könnte sie also das schaffen, was der Walfang nicht geschafft hat: die Ausrottung der Westpazifischen Grauwale. Meeresbiologen fürchten, dass es schon in 15 Jahren so weit sein könnte.