Rekord bei der Stunde der Wintervögel

Zum Vogelzählen hatte der Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Dreikönigstag aufgerufen, und ich habe versucht, die Aktion auch durch eine Ankündigung hier in meinem Blog zu unterstützen. Ob´s was geholfen hat, weiß ich nicht, aber Tatsache ist: Noch nie haben sich so viele Menschen in einem deutschen Bundesland an einer Vogelzählung beteiligt wie bei dieser Aktion am 6. Januar 2010; 17 679 Bayern (doppelt so viele wie im Vorjahr) zählten 514 836 Vögel.

ErlenzeisigUnd was ist – abgesehen von diesen beeindruckenden Zahlen – dabei herausgekommen? Am meisten hat die Experten vom LBV überrascht, dass in diesem Winter unheimlich viele Erlenzeisige (ein Exemplar dieser Art ist auf nebenstehedem Foto zu sehen) nach Bayern kamen. Mit fast 30 000 Meldungen rückte der Erlenzeisig auf Platz 8 der Liste der „Top Ten“ der bayerischen Wintervögel auf. Man vermutet, dass dieser Vogel bei seinem Zug von Skandinavien nach Südwesten an den unüberwindlichen Alpen sozusagen hängenbleibt.

Und das sind die „Top Ten“ der Wintervögel auf der Häufigkeits-Rangliste: 1.Haussperling, 2.Kohlmeise, 3.Grünfink, 4.Amsel, 5.Feldsperling, 6.Blaumeise, 7.Buchfink, 8.Erlenzeisig, 9.Bergfink, 10.Rotkehlchen. Damit hat der Haussperling die Kohlmeise vom 1. Platz verdrängt. Wahrscheinlich haben mehr Menschen in ländlichen Gebieten an der Zählung teilgenommen; dort kommt der Spatz noch häufiger vor als in der Stadt. Offensichtlich ist für den LBV auch, dass Amseln, Kohl- und Blaumeisen von den vielen alten Bäumen in städtischen Bereichen profitieren. Dagegen kommen Haus- und Feldsperlinge nur noch in kleineren Städten und Dörfern häufig vor, wo es noch Wildkrautfluren, größere Gärten und Bauernhöfe gibt.

Und noch ein Ergebnis hat mich sehr verblüfft: Immer mehr Zugvögel trotzen dem Winter. So wurde bei der Zählung aus Kronach ein Schwarzstorch gemeldet – eine echte Sensation! Schwarzstörche überwintern normalerweise südlich der Sahara. Auch der Star, der früher als typischer Zugvogel galt, wurde oft gemeldet, vor allem aus den Weingebieten in Unterfranken, wo das Klima bekanntlich etwas milder ist. Sogar der Hausrotschwanz, dem früher niemand zutraute, den kalten Winter in Bayern zu überleben, wurde bei der Zählung 338-mal gemeldet. Im südlichen Oberbayern wurde ein Halsbandsittich gesichtet; diese ursprünglich tropischen Vögel haben den Winter bisher nur im warmen Rhein-Main-Gebiet überleben können.

Interessante Ergebnisse – das Zählen hat sich also auf jeden Fall gelohnt!