Zum Abreagieren für Hundehasser

Beim Thema Hunde scheiden sich ja bekanntlich die Geister: in Hundehalter, die alles für ihre Schützlinge tun würden, und Hundehasser, die sich entweder über die üblen Hinterlassenschaften der „blöden Köter“ aufregen oder über die bösen Tiere, die Jogger oder – noch schlimmer: Kinder – anfallen. In Nürnberg ist das Thema in den letzten Wochen wieder einmal hochgekocht – soweit dieser Ausdruck in dem Zusammenhang überhaupt möglich ist. 13 000 Hunde produzieren dort pro Jahr 18 000 Tonnen Kot, das hat der städtische Servicebetrieb öffentlicher Raum (Sör) errechnet – macht eine Tagesration von vier bis fünf Tonnen. Und die Hundebesitzer? Die meisten scheren sich offenbar einen Dreck drum und sind kaum bereit, die Häufchen – oder, je nachdem, auch Haufen – aufzusammeln. „Wofür zahle ich schließlich Hundesteuer?“, ist ein Satz, den man oft zu hören bekommt, wenn man einen Hundebesitzer auf das Thema anspricht.

Wer sich darüber so richtig ärgert, der kann bald Luft ablassen. Denn in Deutschland erscheint nach den vielen Zeitschriften für Hundeliebhaber nun die erste für Hundehasser. „Kot & Köter“ heißt das Blatt, das der freie Journalist Wulf Beleites aus Hamburg herausgibt. Der Hundefeind war in den 90er Jahren immer wieder Gast in verschiedenen Talkshows und hat schon vor über 20 Jahren sein Zeitschriften-Projekt angekündigt, das er jetzt realisiert hat. Das Geld für die erste Ausgabe, die in einer Auflage von 1000 Exemplaren erscheint, hat Beleites im Internet bei Unterstützern gesammelt. Möglich wurde das mit Hilfe der Plattform Krautreporter.de. Das Heft kostet 7,80 Euro, und Beleites will jedes Jahr vier Ausgaben in einer Auflage von jeweils 5000 Stück herausbringen. Das neue Printerzeugnis soll am Freitag in Hamburg vorgestellt werden.

Die Autoren haben „eindeutig etwas gegen die Vierbeiner und ihre Halter“, lässt Beleites auf der Internetseite von „Kot und Köter“ wissen. In der ersten Nummer behandelt ein Artikel zum Beispiel die „Kleine Phänomenologie des Nuttenpudels“; er beschreibt die „bedingungslose und schamfreie Allianz zwischen Pudel und Rotlicht“. Das Heft enthält u. a. auch eine Hassschrift über Möpse, was ich persönlich besonders geschmacklos finde. Denn wie sagte  schon Loriot: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos!“

Auch das noch: Fitness-Center für Vierbeiner!

Schön, dass so vielen Lesern mein Tiergarten-Rückblick auf 2013 gefallen hat – da schreibt man doch gleich viel lieber den nächsten Beitrag! – Also, auf geht´s, in ein neues Jahr, das sicher in Sachen Tiere viel Interessantes bringen wird. Auch 2014 werde ich das eine oder andere Thema für dieses Blog aufgreifen – und damit auch wieder die eine oder andere Diskussion anstoßen.

Abspecken ist ja in diesen Nachfeiertagen bei so manchem Zeitgenossen angesagt – die Pfunde, die man in den letzten Wochen zugelegt hat, sollen möglichst schnell wieder runter. Doch nicht nur bei Menschen machen sich die Leckereien von Weihnachten und Silvester auf der Waage bemerkbar – auch unsere Haustiere sind zum Teil sehr verwöhnt worden und tragen nun ebenfalls Fettpölsterchen mit sich herum. Das sollte normalerweise kein Problem sein, schließlich haben wir ja noch ein paar freie Tage, um mit dem Hund längere Touren als sonst zu gehen und vielleicht eine Extra-Spielrunde einzulegen.

So schlimm wie bei den Haustieren in den USA ist es bei uns wohl noch nicht. Dort legten 80 Millionen Hunde und Katzen in den letzten Jahren extrem zu: 55 Prozent von ihnen haben Übergewicht oder sind sogar fettleibig. Der Verband zur Verhinderung von Fettleibigkeit unter Tieren (Association for Pet Obesity Prevention/APOP) ist alarmiert. Die Folgen: Vor allem Hunde leiden verstärkt unter Arthritis, Diabetes, Gelenk- und Herzproblemen.

Und nun? – Typisch Amerika: Immer mehr Hundebesitzer schicken ihre Lieblinge ins Fitness-Center oder (siehe Foto) in den Fitness-Pool. Kein Witz: In Kalifornien sind solche Einrichtungen aus dem Boden geschossen. Auf Laufbändern und mit Trainingsgewichten um den Bauch sollen die Hunde abspecken. Das lassen sich Herrchen und Frauchen bis zu 100 Dollar im Monat kosten. Eine andere gern genutze Möglichkeit: Hundesitter, die mit den Vierbeinern nicht einfach spazierengehen, sondern sie beim Joggen oder gar beim Rollerskaten auf Trab bringen. Für eine Stunde legen die Besitzer schon mal 60 Dollar hin.

Und im US-Bundesstaat Oregon hat ein spezielles Trainingscamp für fette Hunde seit ein paar Jahren schon großen Erfolg. Wer seinen Hund dort für vier Wochen unterbringt und ihn ein Diät- und Sportprogramm absolvieren lässt, blättert dafür 800 Dollar hin. Wie wir das von der Werbung für Schlankheits-Mittel für Menschen gewohnt sind, macht das Camp mit «Vorher/Nachher»-Fotos der Hunde auf seiner Webseite Reklame. Es gibt Hunde, die gleich für mehrere Monate dort zur Kur sind. – Sicher ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei uns ähnliche Angebote kommen.

Ich habe da meine eigene Meinung: Man könnte ja selbst mit dem Hund zusammen laufen oder ihn mit Spielzeug locken, in einen Fluss oder einen Weiher zu springen, wo er überflüssige Pfunde beim Schwimmen abtrainieren könnte. Doch da müsste man sich halt intensiv mit seinem Tier beschäftigen. Lieber schmeißt man mit Geldscheinen um sich und lädt das Problem bei anderen ab. – Traurig, oder?

Kampfhundsteuer – vor der Wahl doch nicht!

Was anstehende Wahlen so alles bewirken können: In Nürnberg sollte morgen im Ältestenrat die Steuer für Kampfhunde der Kategorie II mit dem sogenannten Negativzeugnis (ein Tier, von dem laut Gutachter keine gesteigerte Aggressivität oder Gefahr ausgeht) erhöht werden, von 132 Euro (das ist der Betrag für „normale“ Hunde) auf künftig 396 Euro im Jahr; für „echte“ Kampfhunde müssen die Besitzer 1056 Euro jährlich berappen. Nun macht die Verwaltung einen Rückzieher, weil sie keine Chance sieht, bei den Stadträten eine Mehrheit für die Erhöhung zu bekommen. Weil im März nächsten Jahres Kommunalwahlen stattfinden, lässt man lieber die Finger von einem solchen „heißen Eisen“. Dabei hätte das – bei 215 Kampfhunden besagter Kategorie in der Stadt – rund 50 000 Euro mehr in die klamme Stadtkasse gespült… Ist ja nicht unbedingt nur ein Klacks, oder?

Doch schon seit die geplante Erhöhung in der vergangenen Woche bekannt wurde, hagelte es Proteste. Vor allem Tierschützer übten Kritik. Mitarbeiter im Tierheim befürchteten, dass sie solche Hunde dann noch schwerer oder gar nicht mehr vermitteln könnten. Gerade  Hunde wie Bullterrier (siehe Foto), Rottweiler, Mastiff oder Alano werden aber in letzter Zeit aus finanziellen Notlagen heraus immer öfter ans Tierheim abgegeben. Die steuerliche Hochstufung hätte wohl auch dazu beigetragen, dass die genannten Rassen wieder einmal ins Gerede kommen und in die Schublade „Kampfmaschinen“ gesteckt werden – obwohl sie das zumindest von Natur aus nicht sind. Wenn, dann macht sie der Mensch – sprich: ein verantwortungsloser, bösartiger Halter – zu gefährlichen Angreifern. Ansonsten gilt auch für diese Rassen: Der will doch nur spielen!

Rechts- oder linkswedelnd?

Vom Joghurt her kennen wir das ja: rechts- und linksdrehende Milchsäure. Auch Wasser kann rechts- und linksdrehend sein, ebenso wie Fettsäuren und was weiß ich sonst noch alles – ist nicht direkt mein Ding. Aber diese Frage hat mich sofort interessiert: Es geht darum, ob schwanzwedelnde Hunde das nach rechts oder nach links tun, um rechts- und linksdrehende Hundeschwänze also.

Italienische Forscher haben ihre Erkenntnisse im Fachmagazin „Current Biology“ veröffentlicht. Demnach ist ein schwanzwedelnder Hund nicht unbedingt ein Freude empfindender Hund, wie es gemeinhin heißt. Nein, die Richtung macht offenbar einen deutlichen Unterschied. Also: Zeigt der Schwanz nach links, bedeutet das nichts Gutes, nach rechts ist es hingegen ein positives Zeichen (so wie auf dem Foto: die Hündin freut sich über ihren Fund). Erklärt wird das Phänomen damit, dass auch bei Hunden die rechte und linke Gehirnhälfte für unterschiedliche Aufgaben zuständig sind.

Und das geht so: Geht der Schwanz nach rechts, so wird das von der linken Hirnhälfte aus gesteuert, die für angenehme Gefühle zuständig ist. Löst die rechte Hirnhälfte das Wedeln aus – der Schwanz geht folglich nach links -, heißt das: negative Emotionen. Hunde untereinander unterscheiden das auf Anhieb und können sich so gegenseitig besser einschätzen, wenn sie auch nicht direkt auf diesem Weg miteinander kommunizieren, so die Wissenschaftler.

Herausgefunden haben das Biologen der Universität von Trient. Sie ließen Hunde verschiedener Rassen Videos anschauen. Darin waren Hunde oder Hundesilhouetten mit Wackelschwänzen zu sehen. Das Wedeln nach links hat dabei immer Unruhe bei den tierischen Zuschauern ausgelöst und ihren Puls zum Teil deutlich ansteigen lassen. Bewegte sich der Schwanz nach rechts, ließ das die Hunde kalt. Dabei machte es keinen Unterschied, ob sie einen echten oder unechten Hund vorgesetzt bekamen. Hundesilhouetten mit Schwänzen ohne Bewegung verurschten bei den Videobetrachtern übrigens auch einen gewissen Stress – ein ruhiger Schwanz darf also auch von uns Menschen nicht unbedingt als positives Signal verstanden werden; er zeigt eher Anspannung oder sogar Angst an.

Hundebesitzer sind vielleicht schon allein auf das alles gekommen, wenn sie ihren Schützling gut kennen. Für alle anderen aber heißt es: Nicht nur beim Joghurt auf die richtige Richtung achten!

 

Verblöden bald auch Hunde in den USA?

Wenn auch dieser neue Trend – wie die meisten in den USA entstandenen Modeerscheinungen – aus Amerika über den großen Teich nach Europa und weiter bis zu uns schwappt, dann gute Nacht! „Dog TV“, der erste bundesweite Fernsehsender für Hunde, erobert derzeit die Wohnzimmer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dort liegen nun nicht mehr nur  Herrchen und Frauchen auf dem XXL-Sofa vor der Glotze, sondern auch ihre liebsten Haus-Genossen (falls dieser Begriff in den Vereinigten Staaten überhaupt noch erlaubt ist und nicht gleich für Panik, einen Polizeieinsatz oder Spionageverdacht sorgt).

Ich sehe sie schon vor mir: Massenweise fette Hunde in Tierarztpraxen und bei Tierpsychologen im Wartezimmer. Die lieben Tierchen werden dann Pillen oder teure Therapien verordnet bekommen – so kann man einen Teil der Volkswirtschaft auch ankurbeln! Die Hersteller von Fernsehgeräten und der Fachhandel werden sich ebenfalls die Hände reiben: Die Idee von Ron Levi, dem Erfinder von „Dog TV“, das rund um die Uhr ausgestrahlt wird, dürfte für einen Aufschwung ihrer Branche sorgen.

Außerdem können alle Hundehalter aufatmen: Sie brauchen nun kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn sie ihre Schützlinge stundenlang allein zu Haus lassen. Nein, sie gelten sogar als besonders fürsorglich, wenn sie für ihren besten (vierbeinigen) Freund das passende Format aussuchen: Leidet der Ärmste unter Unruhezuständen, wird ihm „Relaxation“ gut tun, liegt er immer nur faul herum, kann das Programm „Stimulation“ Abhilfe schaffen. Gegen hündische Antriebslosigkeit kommen auch animierte 3D-Bälle und computeranimierte Fledermäuse im „Dog TV“ zum Einsatz.

Die Rot-Grün-Blindheit, unter der Hunde leiden, wurde von den Programmgestaltern angeblich ebenso berücksichtigt wie das empfindliche Gehör der Vierbeiner: Nur Frequenzen, die als angenehm empfunden werden, sollen über den Sender gehen, Lärm und Krach sind dagegen verpönt. Und jetzt der Clou: Amerikanische Tierschützer finden „Dog TV“ offenbar auch klasse. Deren größte Gruppierung, die „Humane Society“ (?!), ist der Meinung, Fernsehen wirke der Vereinsamung von Hunden entgegen. – Tja, so weit kommt´s, wenn man allzu Menschliches auf Tiere projiziert!

Schrecklich: Wenn der Hund zum Hamster mutiert

Endlich Sommerferien in Bayern! In diesen Tagen beginnt auch für viele Familien der langersehnte Urlaub. Wer ein Tier besitzt und verreisen will, hat jedoch möglicherweise ein Problem an der Backe. Tierpensionen sind oft schon lang im Voraus ausgebucht. Unter Verwandten oder Bekannten findet sich nicht so einfach jemand, der sich um einen Vierbeiner kümmert, der größer ist als ein Hamster oder ein Meerschweinchen. Und wer ist schon bereit, einen „Pflegekater“, der sonst an seinen Freigang gewöhnt ist, bei sich in der Wohnung aufzunehmen?
Der tierische Liebling der Familie wird plötzlich zur Last – eine Tatsache, die traurig enden kann: Pluto, Minnie & Co werden ausgesetzt. Für die Mitarbeiter von Tierheimen oder ähnlichen Tierschutzorganisationen ist der Beginn der Ferienzeit deshalb nicht unbedingt eine Freude, sondern der reinste Horror.
Diese Erfahrung macht auch Robert Derbeck immer wieder. Der Vorsitzende des Nürnberger Tierschutzvereins Noris hat ein paar sehr drastische Beispiele zusammengetragen. Die sind nicht in den vergangenen Tagen passiert, haben sich aber so, wie er sie schildert, in den letzten Jahren ereignet. Ich lasse den engagierten Tierschützer einfach mal mit seinen Worten erzählen:
„Mit Grauen erinnere ich mich an den Fall, wo Kinder in einem Müllcontainer einen großen Kleintierkäfig entdeckten, der entsorgt werden sollte. Bei näherer Betrachtung fanden sie in dem Meerschweinchenhaus noch zwei lebende Meerschweinchen. Nur durch diesen Zufall wurden die Tiere vor der Müllverbrennung gerettet.
In einem anderen Fall wurden Katzenbabys in einen verschlossenen Pappkarton gesteckt und mit Müll zugedeckt. Einem Hund, der die Welpen erschnüffelte, ist es zu verdanken, dass seine Halterin auf die ausgesetzten Tiere aufmerksam wurde.
Ganz schlimm war ein Fall im letzten Jahr, als ein Hundewelpe in einen Hamsterkäfig gesperrt und bei einem Parkplatz hinter einem Gebüsch versteckt wurde. Das Tierbaby wurde von einem aufmerksamen Tierfreund nur zufällig entdeckt.“
Das Aussetzen von Tieren ist zwar nach dem Tierschutzgesetz strafbar, aber das hat nur sehr selten Konsequenzen für den Halter. Meist lässt sich der Täter nicht ermitteln, oder man kann nicht beweisen, dass er das Tier vorsätzlich ausgesetzt hat. Im besten Fall wird das Ganze als Ordnungswidrigkeit mit einer geringen Geldstrafe geahndet. Eine Chip- und Registrierungspflicht besteht innerhalb von Deutschland noch nicht.

Dackelparade: In Krakau politisch korrekt

Von Loriot stammt der Satz „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“. Der geniale Humorist hat freimütig und mit einem sympathischen Augenzwinken zugegeben, dass er einen Großteil seines Lebens sozusagen auf den Hund gekommen war.
In Polen gibt es zu dem deutschen Universalkünstler – zumindest was die große Liebe zu den Vierbeinern anbelangt – ein Pendant: Slawomir Mrozek. Der aus Krakau stammende Schriftsteller und Satiriker, der im Gegensatz zu Loriot noch lebt, ist allerdings kein Mops-, sondern bekennender Dackelfan. Vertreter dieser Rasse haben ein gesundes Selbstbewusstsein und wenig Respekt vor größeren Hunden. Auseinandersetzungen mit diesen gehen sie keinesfalls aus dem Weg, ganz im Gegenteil. Und nicht selten tragen sie dabei den Sieg davon.

Slawomir Mrozek, der wie einst Loriot nicht nur schreibt, sondern auch zeichnet,  hat dem Dachshund in vielen Werken ein Denkmal gesetzt. Im Jahr 1990 organisierte Mrozek zu seinem 60. Geburtstag in Krakau zum ersten Mal eine Dackelparade: Kostümierte Vierbeiner zogen durch die mittelalterliche Altstadt. Damit wollte Mrozek die kommunistischen Aufmärsche in Polen karikieren und der Lächerlichkeit preisgeben. Eine spontane Aktion, die schnell zur festen Tradition wurde.

Krakau – die Nürnberger unter meinen Lesern wissen es natürlich – ist die Partnerstadt von Nürnberg. Beim diesjährigen Internationalen Fest der Partnerstädte am kommenden Wochenende dreht sich alles um Polens heimliche Hauptstadt. Am Sonntag steht eine Dackelparade nach Mrozek´schem Vorbild auf dem Programm, die sich vom Hauptmarkt in Richtung Tucherschloss bewegt. Allerdings werden die Hunde nicht verkleidet sein – da sind die Tierschützer vor…

P.S.: Ich weiß, in diesem Blog habe ich auch schon gegen Umzüge mit verkleideten Hunden geschrieben. Weil ich solche Veranstaltungen albern finde und mir nicht vorstellen kann, dass Hunde glücklich sind, wenn sie in Glitzerkostüme gesteckt werden oder Hüte tragen müssen, die sie stören, weil sie ihren Gesichtsradius einschränken. Der politische Hintergrund hingegen, den die Paraden in Krakau haben, rechtfertigt meiner Meinung aber sogar eine Verkleidung der Tiere – wenn auch nur in Maßen.

Hässlich? Ich finde ihn süß!

Er heißt Walle, ist vier Jahre alt,  kommt aus Chico in Kalifornien, hat einen seltsam überdimensionierten Kopf im Verhältnis zu seiner Körpergröße, kurze Beine, breite Füße und bewegt sich eher watschelnd voran wie eine Ente, nicht wie ein Hund: Der Beagle-Boxer-Basset Hound-Mischling wurde in Kalifornien zum „Hässlichsten Hund der Welt“ gekürt.  – Hässlich? Also ich weiß nicht, mir gefällt das Tier richtig gut. Aber wer kann schon den unergründlichen Gedankengängen von Preisrichtern bei Hunde-Schönheitswettbewerben – oder wie in diesem Fall: Hässlichkeits-Wettbewerben – folgen? Ich jedenfalls nicht.

Für Walle und sein Frauchen hat sich die Teilnahme am Beauty-Contest zweifellos gelohnt. Die beiden haben schon mal 1500 US-Dollar Preisgeld eingeheimst. Und das ist erst der Anfang: In den nächsten Tagen und Wochen wird Walle mit seiner Besitzerin von einer Fernseh-Show zur nächsten weitergereicht – sicherlich auch nicht ohne Honorar. Walle hat sich übrigens gegen 29 Mitbewerber durchgesetzt. Darunter waren vor allem Chinesische Schopfhunde mit faltig-brauner, nackter Haut (die finde ich auch richtig hässlich!); der Vorjahressieger war ebenfalls ein Chinesischer Schopfhund gewesen. Über Walle soll einer der Preisrichter gesagt haben, der Hund sehe aus, als sei er aus Teilen verschiedener Hunde und noch anderer Tiere zusammengesetzt.

Na und? Also, ich würde Walle nehmen, wie er ist. Aber über Geschmack lässt sich eben nun mal nicht streiten, das wissen wir ja schon lange.

Irans "arme Hunde"

Es ist unglaublich, welch seltsame Blüten ideologischer Fanatismus  und religiöse Eiferei mitunter treiben können. Das kann man derzeit zum Beispiel im Iran beobachten. Dort hat der Kampf der Behörden gegen jede Form von westlichem Lebensstil mittlerweile völlig skurrile Formen erreicht: Im „Gottesstaat“ dürfen Hundebesitzer nicht mit ihren Lieblingen Gassi gehen. Wenn sie trotzdem dabei erwischt werden, drohen dem Herrchen oder Frauchen saftige Geldstrafen und den Hunden manchmal sogar der Tod.

Nach traditionellem islamischen Glauben gelten Hunde als unrein. Deshalb gab es früher im Iran kaum Hunde als Haustiere – allenfalls als Wach-, Hüte- oder Jagdhunde wurden sie geduldet. Doch seit einiger Zeit haben auch die Iraner die Liebe zum treuesten Begleiter des Menschen entdeckt. Für wohlhabende Bürger sind Hunde sogar zum Statussymbol geworden, ähnlich wie Luxuskarossen. Und viele Hundebesitzer haben sich – in diesem Fall muss man meiner Meinung nach sagen: leider! – dem westlichen Vorbild angepasst und statten ihre Lieblinge mit Designer-Hundeklamotten aus, um sie dann durch die Nobelviertel von Teheran spazieren zu führen. Das erzürnt natürlich die konservative Geistlichkeit des Landes. Sie schimpfen über die blinde Nachahmung der dekadenten westlichen Kultur.

Die Regierung hat bereits die Regelung eingeführt, dass Hundehaltung mit Geldstrafen zu ahnden ist. Auch jegliche Werbung für Haustiere in den Medien ist verboten. Und es gibt regelrechte Hunde-Razzien gegen alle, die ihre Hunde öffentlich Gassi führen. Sogar Autos, in denen Hunde sitzen, werden beschlagnahmt. Die Beschlagnahme ist aber eigentlich nur rechtens, wenn Hundehalter gegen Hygienevorschriften verstoßen.

Gegen die Razzien gehen wiederum Tierschützer auf die Barrikaden. Sie vertreten die Auffassung, dass kein Gesetz existiere, das Haltung und Transport von Hunden untersagt. Sie haben auch schon gegen die Massenfestahme von Hunden protestiert, aber keine Reaktion darauf erhalten. Hundebesitzer erzählen, dass bei Razzien Beamte die Tiere verschleppen – an unbekannte Orte, wo man sie dann häufig verhungern lasse. Bisherige Praxis war es, Hundebesitzer zu einer Strafgebühr zu verdonnern und sie zu dem Versprechen zu verpflichten, nicht mehr gegen die Moral zu verstoßen und Hunde nicht mehr in der Öffentlichkeit auzuführen. Mittlerweile kommt es aber immer wieder vor, dass den Besitzern gesagt wird, ihr Hund werde getötet. Deshalb trauen sich viele Halter nur noch nachts mit ihrem Tier auf die Straße, oder sie führen es in abgelegene Ecken, wo es niemand mitbekommt.

Schluss mit Wildwuchs bei Hundeschulen!

Sie schießen in Deutschland wie Pilze aus dem Boden: 2200 sogenannte Hundeschulen gibt es mittlerweile bundesweit. Das sind fast dreimal so viele wie noch im Jahr 2006. Was diese Einrichtungen wirklich taugen, ist allerdings für den einzelnen Hundebesitzer schwer zu durchschauen. Denn bisher kann sich bei uns praktisch jeder, der mal an einem Kurs mit Hunden teilgenommen hat, als Hundetrainer bezeichnen. Das führt dazu, dass auf diesem Gebiet viel Schindluder betrieben wird.

In Potsdam hat jetzt ein wissenschaftliches Symposium stattgefunden, bei dem Experten unter anderem vom Bundesverband der Hundeerzieher und Verhaltensberater ihre Zweifel an der Qualität mancher Hundeschulen geäußert haben. Sie und sieben deutsche Hundetrainer-Verbände verlangen eine staatlich anerkannte Berufsausbildung für Hundetrainer mit einheitlichen, anerkannten wissenschaftlichen Standards in der Ausbildung. Bei dem Symposium ging es auch um Leitlinien für solche Standards.

Als Tier- und Hundefreund kann man nur hoffen, dass sich an der Situation wirklich bald etwas ändert. Denn wer seinen Hund für eine Hundeschule anmelden will, kennt die gesalzenen Preise, die dafür verlangt werden. Da muss man wenigstens sicher sein, dass die Trainer ihr Handwerk verstehen und tatsächlich in der Lage sind, auch das Fehlverhalten von auffälligen Tieren zu korrigieren. Nach Einschätzung des Bundesverbandes der Hundeerzieher und Verhaltensberater ist ein knappes Drittel der 5,4 Millionen Hunde in deutschen Haushalten als „Problemhund“ beziehungsweise als verhaltensauffällig einzustufen.