Den Wintervögeln schlägt wieder die Stunde

Das Jahr 2015 ist eine Woche alt, und ich bin wieder aus südlichen Gefilden zurück. Winter in Mittelitalien – der ist in der Regel nicht wirklich prickelnd: Für unsere Begriffe weder richtig kalt, noch viel wärmer als zu Hause in Mittelfranken. Und da ich mich bei Schnee und Eiseskälte im Gegensatz zu den meisten anderen Leuten „pudelwohl“ (besser gesagt vielleicht: „als Wolf in meinem eigentlichen Element“) fühle, habe ich mir die Wintermonate in „Bella Italia“ erspart.

WintermeiseDeutscher Winter – das bedeutet für mich als Tierliebhaberin auch so wunderbare Anblicke wie der auf nebenstehendem Foto, das in Heroldsberg (bei Nürnberg) aufgenommen wurde. Wintervögel aus nächster Nähe zu beobachten, das hat mir schon als kleines Mädchen riesigen Spaß gemacht. – Deshalb möchte ich an dieser Stelle auch auf die neueste – inzwischen ist es schon die zehnte – Ausgabe der Aktion „Die Stunde der Wintervögel“ hinweisen, die der Landesbund für Vogelschutz in diesem Jahr von Freitag, 9. Januar, bis einschließlich Sonntag, 11. Januar, veranstaltet. Es geht also schon übermorgen los – bitte möglichst zahlreich bei der größten Vogelzähl-Aktion Bayerns mitmachen – und nicht doppelt zählen!!

Seehund im Kölner Zoo köpft wie Poldi

Auch hier im italienischen Bolsena drücken heute Abend einige Fußballfans der deutschen Nationalmannschaft die Daumen. Nachdem die Squadra Azzurra in der vergangenen Woche ja unglücklich gegen Uruguay ausgeschieden ist (ich erinnere an die Rote Karte gegen den Italiener Claudio Marchisio in der 59. Minute und den unsäglichen Biss von Suárez), wollen italienische WM-Zuschauer das Beste aus der Situation machen. Italiener lieben Fußball und sind beim heutigen Achtelfinal-Spiel gegen Algerien mit ihrem Herzen eher für Deutschland.
Ich werde mir das Spiel natürlich auf jeden Fall ansehen. Und habe im Vorfeld noch etwas Witziges gefunden:

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Im Kölner Zoo jonglierte Lukas Podolski vor einigen Wochen mit einem Seehund. Das Tier hatte keine Berührungsängste mit dem Nationalspieler und beförderte den Ball prompt zurück. Kopfball kann er jedenfalls – und „Poldi“ auch. Bei seinem Heimaturlaub hatte es Podolski – der ja für den FC Arsenal in London spielt – in den Kölner Zoo gezogen, um mit einem Seehund mal richtig Fußball zu spielen. Das Jonglieren fällt beiden nicht schwer, der Ball blieb souverän in der Luft – und der Seehund bekam einen Fisch zur Belohnung.

Leider wird Lukas Poldolski heute gegen Algerien nicht dabei sein – er erlitt beim Gruppenfinale gegen die USA (1:0) eine Zerrung im Oberschenkel. Aber hoffen wir, dass den anderen Spielern der eine oder andere akrobatische Kopfball gelingt. Und das Team damit vielleicht sogar das entscheidende Tor für Deutschland macht!

Die "Mille Miglia" in Bolsena

Ich habe viele Bekannte, die glänzende Augen bekommen und völlig verzückt sind, wenn sie diesen Begriff hören: „Mille Miglia“, auf Italienisch „Tausend Meilen“. Dieses Autorennen war von 1927 bis 1957 der Klassiker unter den Langstrecken-Straßenrennen schlechthin, und eines der härtesten obendrein. 1977 wurde es als Neuauflage beziehungsweise als Hommage an das Original wieder eingeführt. Diese „Mille Miglia Storica“  ist wohl der spektakulärste Oldtimer-Event der Welt und findet einmal im Jahr in Italien statt, und zwar immer im Frühjahr. An diesem Wochenende ist es wieder so weit: Über 450 historische Rennwagen nehmen an der Tour teil, die von Brescia in Norditalien nach Rom und wieder zurück führt. Ich habe Glück: Die Route geht durch das Latium, und heute Vormittag kamen die Autos auch durch meine derzeitige Wahlheimat Bolsena.

Die Straße war dicht gesäumt von Schaulustigen, die den Fahrern zujubelten, alles fotografierten und filmten. Die Motoren der Wagen ließen den ganzen Ort erbeben. Für jeden, der Oldtimer liebt, war es eine echte Offenbarung. Es sind Fahrzeuge unterwegs, die in ähnlicher Form auch bei den Rennen zwischen 1927 und 1957 dabei waren. Da sind Mercedes Flügeltürer ebenso zu sehen wie der BMW 328, der Porsche 356 oder der Bugatti 35A. Heute geht es aber nicht mehr um Höchstgeschwindigkeit, sondern hauptsächlich um die Zuverlässigkeit der historischen Boliden. Und das Ganze ist ein gesellschaftliches Ereignis höchsten Ranges. Die Teilnehmer müssen tief in die Tasche greifen. Denn abgesehen davon, was sie für ihr Fahrzeug finanziell schon aufgebracht haben, kostet es rund 10 000 Euro, bei diesem „Rennen“ überhaupt mitfahren zu dürfen. In diesem Jahr gibt es übrigens eine Neuerung. Während die insgesamt 1708 Kilometer der „Mille Miglia“ bisher in drei Etappen zurückgelegt wurden, sind es nun vier: Von Brescia über Therme Abano Montegrotto, Rom und Bologna zurück nach Brescia.

Bolsena als Filmkulisse

In diesen Wochen um Ostern herum sieht man in Bolsena jede Menge Pilger aus allen möglichen Gegenden Italiens. Man gewöhnt sich an den Anblick dieser Gruppen, die in riesigen Bussen anreisen und meist von Priestern begleitet beziehungsweise geführt werden. Aber vor ein paar Tagen habe ich doch gestockt, als ich auf dem Weg zum Einkaufen diese Szene gesehen habe: Junge Männer in Priestergewändern filmten im Stadtteil Santa Cristina mit Videokameras eigenwillig kostümierte Gestalten. Zum Glück hatten Freunde, die gerade in Bolsena zu Besuch waren, einen Fotoapparat dabei und haben das Ganze für mich erst mal im Bild festgehalten.

Dann waren wir natürlich neugierig und sprachen die „Priester“ an. Sie erzählten uns, sie seien Mitglieder beim „Institut des fleischgewordenen Wortes“, einer Ordensgemeinschaft, die 1984 in Argentinien unter dem Namen „Instituto del Verbo Encarnado“ – abgekürzt IVE – gegründet wurde. Die Mitglieder sind Ordenspriester. Der Name IVE bezieht isch auf das Johannes-Evangelium, in dem es heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden…“ Ziel des Ordens ist es, mit allen Kräften das Evangelium zu verkünden. Die Mitglieder der Gemeinschaft sind in Pfarreien tätig, aber auch in Bildungszentren und anderen Weiterbildungseinrichtungen. Sie arbeiten außerdem mit Kindern und Jugendllichen und unterstützen ökumenische Projekte. Im Jahr 2001 wurde das „Internationale Seminar San Vitaliano Papa“ in Segni (Provinz Rom) eingerichtet, das zur Ausbildung von Priestern dient. 2012 ist das Seminar nach Montefiascone – ganz in der Nähe von Bolsena – umgezogen.

Das Video, das in Bolsena gedreht wurde, soll bei einer Veranstaltung morgen, am 1. Mai, der hier in Italien groß gefeiert wird, vorgeführt werden. Wir haben allerdings nicht ganz herausfinden können, worum es sich inhaltlich genau handelt. Aber jede Menge Spaß gemacht hat es allen Beteiligten auf jeden Fall – auch uns!

 

Feiertag am 25. April!

Der 25. April – ein Feiertag? Ja, hier in Italien schon! Ich gebe zu, ich habe es auch nicht gewusst. Aber ich lerne nun während meines Aufenthaltes hier in Bolsena dazu: Italien fei­ert heute seine Be­frei­ung vom Fa­schis­mus. Aus diesem Grund tref­fen sich im ganzen Land Ve­te­ra­nen, Par­ti­sa­nen und An­ti­fa­schis­ten zu Demonstrationen und Feiern. Der größte Teil der Bevölkerung allerdings interessiert sich kaum noch für die Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkriegs und freut sich einfach über einen weiteren Feiertag in der Woche nach Ostern. Für mich ist der Tag ein Anlass, eine Ausstellung in  Montefiascone (siehe Plakat) zu besuchen, die über die Geschichte des Faschismus in Italien und die Befreiung der Italiener informiert.

Am Gardasee hatte Mussolini am 23. September 1943 für das von deutschen Faschisten besetzte Norditalien die „Republik von Salò“ (auch „Italienische Sozialrepublik“ genannt) ausgerufen. Der „Duce“ war ei­ni­ge Tage zuvor von Deut­schen aus mon­ar­chis­ti­scher Ge­fan­gen­schaft in Gran Sasso (in den Abruz­zen) be­freit worden, wo er auf Befehl des italienischen Königs Viktor Emanuel III. gefangen gehalten worden war. Aufgrund der „Italienischen Sozialrepublik“ galten deut­sche Ge­set­ze auch in Nord­ita­li­en. Und so kam es ab Ok­to­ber 1943 auch zu De­por­ta­tio­nen ita­lie­ni­scher Juden in Ver­nich­tungs­la­ger.

Es bildete sich aber auch ganz schnell eine Widerstandsbewegung, die „Resistenza“, die noch im selben Jahr Streiks organisierte und so die italienische Rüstungsindustrie lähmte. Und auch die Angriffe von Par­ti­sa­nen auf deutsche Ver­sor­gungs­li­ni­en waren äußerst effektiv. Die Faschisten wiederum schlugen brutal gegen die zivile Bevölkerung zurück, mit Massenerschießungen und Massakern. Trotzdem schafften sie es nicht, den Widerstand der Resistenza zu brechen, die im Sommer 1944 im Piemont die erste Partisanenrepublik ausrief, die allerdings bald wieder von der Wehrmacht zerschlagen wurde. Es folgten verschiedene Freie Republiken, die damit endeten, dass Deutsche die Aufständischen hinrichteten. In die Geschichtsbücher eingegangen ist z.B. das SS-Massaker von Marzabatto. Aber nicht nur die Deutschen bekämpften den Widerstand der italienischen Zilvilbevölkerung, sondern auch paramilitärische Einheiten der Italiener, etwa die „Brigate Nere“ („Schwarze Brigaden“), die aus den „Camicie Nere“ („Schwarzhemden“) hervorgegangen waren.

Am 28. März 1945 wurde das Ende der faschistischen Republik durch einen Generalstreik in Mailand eingeläutet, Anfang April begannen die Alliierten mit ihrer Schlussoffensive. Außerdem machten die Partisanen in ganz Norditalien durch Angriffe Druck auf die Faschisten, die Ende April 1945 die wichtigsten großen Städte Norditaliens verloren geben mussten. Auch die Deutschen zogen sich zurück. Am 25. April wurde Mai­land be­freit, Mus­so­li­ni und die deut­schen Be­sat­zer verließen die Stadt. Der „Duce“ flüch­tete an den Comer See, wo er aber nur zwei Tage später von Partisanen erkannt wurde, während er – als Deutscher verkleidet – in die Schweiz fliehen wollte. Er wurde am 28. April zusammen mit seiner Geliebten Claretta Petacci erschossen. Auch die Partisanen gingen mit äußerster Brutalität vor: Sie stellten den Leichnam Mussolinis in Mailand auf der Piazzale Loreto zur Schau – an jenem Ort, wo der „Duce“ im Jahr vorher dassselbe mit Leichen von Antifaschisten gemacht hatte.

Am 29. April kapitulierte die deut­sche Wehr­macht in Ca­ser­ta (Süditalien), während im Nor­den des landes immer noch gekämpft wurde. Am 29. April rückten die Al­li­ier­ten nach Mai­land vor und be­setz­ten die Stadt, und der Sieg der Resistenza rückte näher: Am 30. April be­frei­en Ein­hei­ten der VII. Al­pi­nen Par­ti­sa­nen die Städ­te Bel­lu­no und Schio in Ve­ne­ti­en. Am 1. Mai wurden Udine und Tri­est von fri­uli­schen und ju­go­sla­wi­schen Par­ti­sa­nen be­freit.

Das Kreuz mit dem Kreuz

Ich habe ja hier schon über die Feierlichkeiten anlässlich des bevorstehenden Osterfests in Bolsena geschrieben. Überall in der kleinen Stadt sind in der vergangenen Woche die Vorbereitungen zu spüren gewesen. Dabei geht es nicht um Ostereier, die hier praktisch keine Rolle spielen, und auch Osterhasen sind höchstens mal vereinzelt in der Süßwarenabteilung des Supermarktes zu finden. Nein – Ostern ist hier, zumal in der Nähe von Rom, vor allem ein kirchliches Fest.

Am Gründonnerstag fand bei der Abendmahlsfeier in der Basilika Santa Cristina die traditionelle Fußwaschung statt, und zwar mit den Erstkommunionkindern. Am Karfreitag abend dann war die große Karfreitagsprozession durch den Ort angesagt. Dabei stellen die Einwohner von Bolsena verschiedene Stationen der Passionsgeschichte in lebenden Bildern dar, mit Reitern der römischen Besatzer zu Lebzeiten Jesu und mit allen Figuren aus dem Neuen Testament, die bei der Passion eine wichtige Rolle spielen. Sie ziehen vom unteren Ortsteil hinauf zur Burg bzw. zur Kirche des Heiligen Salavtore. Schaulustige Einheimische, Touristen und Gläubige folgen dem Zug und verharren mucksmäuschenstill vor der Kirche, während drinnen eine Christusfigur abgenommen wird, die man anschließend in der Prozession mit durch den Ort trägt, ebenso wie eine Madonnenfigur. Dabei kommen die Träger zum Teil ziemlich ins Schwitzen, der eine oder andere muss auch abgelöst werden, weil er nicht mehr kann.

Dann zieht die Prozession durch die dunklen kleinen Gassen im Burgviertel, und überall schauen Menschen aus den Fenstern auf das Geschehen herab. Manche haben Kerzen in die Fenster gestellt, alle bekreuzigen sich, wenn „Jesus“ mit dem schweren Kreuz bei ihnen vorbeikommt und dabei manchmal – durchaus echt wirkend – ins Straucheln gerät. Weiter geht es über die Piazza San Giovanni, die Piazza Matteotti (den Hauptplatz von Bolsena) bis zur Basilika Santa Cristina. Vor dem Kirchenbau befindet sich ein großer freier, mit Mauern eingefasster Platz. Eine Seite grenzt direkt an einen Hügel an, auf dem drei Kreuze aufgebaut sind. Dort wird nun die Kreuzigungsszene nachgestellt. Zum „Todeszeitpunkt“ von Jesus erschüttern künstliche Donnerschläge die Umgebung, Blitze zucken über den Himmel, und die Erde bebt tatsächlich ein bisschen – die gewaltige Lautsprecheranlage leistet ganze Arbeit.

Am nächsten Tag in der Bar wird dann genau analysiert, ob die Veranstaltung sich von der im Vorjahr unterschieden hat, ob es die Organisatoren im letzten Jahr womöglich besser gemacht haben oder ob alles war wie immer. – Ich kann das nicht beurteilen, aber ich muss sagen: Es war ein beeindruckendes Spektakel, nicht nur aus touristischer Sicht, sondern weil man auch spürt, wie gläubig die Menschen hier sind und was ihnen Ostern bedeutet. In diesem Sinne: Buona Pasqua (Frohe Ostern)!

Olivenbaumzweige überall

Es ist Palmsonntag, eine Woche vor Ostern, und spätestens heute ist mir so richtig bewusst geworden, wie nahe Bolsena bei Rom und damit dem Weltzentrum der katholischen Kirche liegt: Die Karwoche hat begonnen, die „Heilige Woche“ im Jahreslauf der katholischen Kirche. An diesem Tag findet traditionell die Palmweihe statt. Sie soll daran erinnern, wie Jesus auf einem Esel in Jerusalem einzog und die Menschen ihm dort als dem Messias mit Palmwedeln huldigten.

Während bei uns in Deutschland – soweit mir bekannt ist – Salweidenkätzchen bei der Palmweihe zum Einsatz kommen, sind es hier in Italien Olivenbaumzweige. Auf dem Hauptplatz von Bolsena, der Piazza Matteotti, wurden heute Morgen schon riesige Mengen davon in Kleinlastwagen angeliefert und auf Tischen verteilt. Jeder konnte sich davon nehmen, und als ich mir einen holte, wurde ich gleich aufgefordert, doch noch einmal zuzugreifen. Dabei hatte mir meine Vermieterin Germana schon heute früh einen Zweig vor die Tür gelegt…

Immer mehr Menschen trafen auf dem Platz ein, und dann begann dort der Gottesdienst mit der Palmweihe, bei der die Zweige mit Weihwasser besprengt werden. Dieser Zeremonie schloss sich die Prozession vom Platz über den Corso della Repubblica zur Basilika der Heiligen Christina an. Überall kamen die Verkäufer aus den am Sonntagvormittag geöffneten Geschäften und grüßten die vorbeiziehenden Menschen, die mit den Zweigen winkten. In der Basilika ging der Gottesdienst dann weiter, wobei die Passion mit verteilten Rollen vorgelesen wurde. Frauen aus der Gemeinde unterstützten die beiden Priester, die Kirche war noch voller als sonst. Schon die ganze Woche über kamen Pilger aus verschiedenen italienischen Regionen  – wie zum Beispiel Umbrien und den Marken – nach Bolsena. Und in den nächsten Tagen geht es ja erst richtig los mit den Osterfeierlichkeiten.

Der Palmsonntag wurde für mich aber auch noch aus einem anderen Grund ein richtig schöner Sonntag: Die Fußballmanschaft von Bolsena, Virtus Bolsena, gewann zu Hause gegen La Storta Calcio aus Rom mit 2:1  – dasselbe Ergebnis, das die SpVgg Greuther Fürth am Samstag, ebenfalls zu Hause, gegen Erzgebirge Aue erzielte!

Die "Bläih" in Bolsena

Es grünt und blüht, wohin man sieht: Bei meinen Spaziergängen in die Hügel über Bolsena kann ich richtig zuschauen, wie die Natur erwacht. Auch wenn das Wetter hier offenbar schlechter ist als zu Hause in Mittelfranken – die Pflanzenwelt schert sich wenig drum. Gestern ist mir auf einer Wanderung plötzlich der Duft von frisch gemähtem Gras in die Nase gestiegen, und ein Stück weiter habe ich einen Bauern beim ersten Heumachen des Jahres gesehen.

Als Liebhaberin der Fränkischen Schweiz habe ich mir gleich überlegt, wie es daheim wohl um die Kirschblüte steht. Ob sie schon begonnen hat? Hier ist es jedenfalls schon so weit: Pflaumen- und Pfirsichbäume blühen weiß und rosa. Und da fühle ich mich doch gleich heimisch und denke mir: „Gemmer naus in die Bläih!“ Durch meine langjährige Arbeit in der Lokalredaktion der „Nürnberger Zeitung“ bin ich diesbezüglich einfach geprägt: Beim Begriff „Bläih“ fällt mir sofort unser fränkischer Conférencier und Mundartdichter Egon Helmhagen ein, der früher jedes Jahr um diese Zeit in einer seiner „Plaudereien“ in der NZ einmal über die „Bläih“ geschrieben hat.

In Kalchreuth ist es wahrscheinlich noch nicht ganz so weit – hier kann ich jetzt schon „naus in die Bläih“ gehen. Und das werde ich jetzt gleich wieder machen!

Bratwürste in Bolsena

Letzte Woche habe ich hier ja schon darüber geschrieben, wie mich meine Vermieterin Germana kulinarisch verwöhnt. Zuletzt hat sie mir gekochte dicke Bohnen gebracht. Daraus habe ich mir „Pasta e fagioli“ gemacht, das vor allem im Norden Italiens sehr beliebte Gericht aus Nudeln und Bohnen. Es war so viel, dass es für zwei Abendessen gereicht hat.

Aber nicht nur Germana ist um mein leibliches Wohl besorgt – auch Freunde zu Hause in Nürnberg haben mir vor meiner Abfahrt nach Bolsena eine Art Notration mit auf die Reise gegeben: Nürnberger Bratwürste und Sauerkraut,  beides (getrennt) in Folie eingeschweißt. Die Päckchen muss man nur ins heiße Wasserbad geben und zehn Minuten lang darin erhitzen. Da es seit einigen Tagen hier in Mittelitalien fast winterlich kalt geworden ist, dachte ich mir: Das ist das richtige Essen bei diesen Temperaturen! Und so gab es gestern Abend bei mir zum ersten Mal kein italienisches Gericht, sondern „Broatwörscht mit Sauerkraut“. Ich war ein wenig skeptisch, wie die eingeschweißten Würste und das Kraut wohl schmecken würden – aber ich muss sagen: Ich war angenehm überrascht! Das Kraut war richtig würzig, die Würstchen auch. Allerdings werde ich die nächste Portion doch in der Pfanne braten, oder, wenn das Wetter besser ist, auf den Grill legen. Denn geschmacklich waren sie zwar äußerst passabel, aber es fehlte einfach die rösche Kruste.

In der Packung sind sechs Portionen enthalten – also für jeden Monat meines Aufenthalts in Bolsena eine (im August verzichte ich lieber darauf). Bei der köstlichen Küche hier in den Restaurants brauche ich auch nicht öfter Spezialiäten von zu Hause. Am Samstag gehe ich zum Beispiel mit Freunden mittags zum Essen. Sie haben verschiedene Fische aus dem Bolsena-See vorbestellt, außer dem schon erwähnten „coregone“ auch „anguilla“ (Aal), „pèrsico“ (Barsch), „tinca“ (Schleie) und die sardinenähnlichen kleinen „laterini“. Ich bin mal gespannt, was der Koch draus macht!

Mein neues Zuhause

So sieht es also aus, mein neues Zuhause in Bolsena: Auf dem Foto ist der Hauseingang zu sehen, meine Wohnung liegt im Hochparterre im rechten Flügel des Hauses (man sieht über den Palmen am Treppenaufgang rechts eines meiner beiden Wohnzimmerfenster).

Meine Vermieterin heißt Germana und ist das, was man sich im besten Sinne unter einer italienischen „mamma“ vorstellt: resolut und das Herz am rechten Fleck. Sie ist offenbar um mein leibliches Wohl besorgt: Ich habe schon frischen Spinat von ihr geschenkt bekommen, außerdem Salat, frische Eier und einen halben „Panettone“ (den berühmten italienischen Kuchen).  Nun bin ich damit beschäftigt, das alles nach und nach in meinen Speiseplan einzubauen. Schmeckt jedenfalls alles köstlich!

Als nächstes will ich auf meiner Terrasse (an der Rückseite des Hauses) verschiedene Blumen pflanzen (Zitronenbäumchen stehen schon dort) – doch dazu später mehr. Aus Nürnberg und Fürth bekomme ich auch die eine oder andere Nachricht. Sehr traurig bin ich über den Tod von Willy Prölß. Er war ja unter anderem auch ein wichtiges Mitglied beim Verein der Tiergartenfreunde, und wir haben immer einen guten Kontakt gehabt und gut zusammengearbeitet. Schade, dass ausgerechnet das die erste Nachricht aus Nürnberg war, die mich hier in Bolsena erreicht hat! – Ich hoffe demnächst auf bessere Neuigkeiten aus der Heimat!