Blick auf das „Barometer des Lebens“

Es ist kein Jubiläum, das Anlass zum Feiern gibt, aber eines, das für die Tierwelt und den Naturschutz äußerst wichtig ist: Die „Rote Liste“, auf der die gefährdeten und vom Aussterben bedrohten Tierarten geführt werden, gibt es seit 50 Jahren. Auf der Liste, die als absolute Richtschnur für den internationalen Naturschutz gilt, steht zum Beispiel auch das WM-Maskottchen Fuleco, über das ich hier auch geschrieben habe.

Die Weltnaturschutzorganisation IUCN hat die Liste 1964 ins Leben gerufen; die Organisation hat ihr Hauptquartier in Gland in der Schweiz. Am Anfang wurden nur Säugetiere und Vögel erfasst, inzwischen enthält die Liste alle Tierarten und zusätzlich Pflanzen. Nach dem neuesten Stand sind 22 000 Tier- und Pflanzenarten in ihrer Existenz bedroht. Dazu gehört das Dreibindengürteltier Fuleco ebenso wie die Feuchtnasenaffen in Madagaskar, die Japanischen Aale oder mehrere Nashornarten in Afrika.

Rote ListeDie Liste wird an Tausende von Fachleuten verschickt. Es handelt sich mittlerweile um die umfangreichste – und leider ständig wachsende – Datensammlung, die den aktuellsten Zustand der Tier- und Pflanzenwelt wiedergibt und zusätzlich dokumentiert, was die einzelnen Arten für das Leben auf der Erde insgesamt bedeuten. In Fachkreisen wird die Liste auch als „Barometer des Lebens“ bezeichnet.

Auf der Liste gibt es neun verschiedene Stufen. Ganz unten steht „LC“ für Least Concern, was so viel wie „nicht gefährdet“ bedeutet. „VU“ ist die Abkürzung für „Vulnerable“ und kennzeichnet die als „verletzlich“ einzustufenden Arten, die einem hohen Risiko ausgesetzt sind, schon in naher Zukunft auszusterben – wie etwa das WM-Maskottchen. „CR“ heißt „Critically Endangered“: Diese Arten sind in unmittelbarer Gefahr, auszusterben, und mit „EX“ („Extinct“) werden bereits ausgestorbene Arten markiert.

So alarmierend die Berichte sind, so haben sie immerhin schon dazu beigetragen, dass in verschiedenen Teilen der Welt Naturschutzmaßnahmen ergriffen wurden, die ohne sie wohl niemals zustandegekommen wären. Trotzdem sterben Fachleuten zufolge jedes Jahr einige Tausend Tier- und Pflanzenarten aus. Das klingt erst einmal niederschmetternd, muss jedoch mit folgender Zahl in Zusammenhang gebracht werden: Nach Schätzungen existieren auf der Erde bis zu 100 Millionen Arten. Dazu zählen winzige Pilzkulturen ebenso wie riesige Meeressäugetiere. Auf der Roten Liste sind bisher „nur“ 74 000 Arten erfasst – es bleibt für die Mitarbeiter der IUCN also noch unendlich viel zu tun: Die Organisation hat sich vorgenommen, bis zum Jahr 2020 die Zahl der aufgeführten Arten auf 160 000 zu bringen. Eine wahre Mammutaufgabe – und eine teure dazu, denn pro Jahr kosten Dokumentation und Aktualisierung der Roten Liste immerhin fünf Millionen Dollar.

Diese Liste macht Angst

Immer wieder mal behandle ich hier in meinem Blog das Thema bedrohte Tierarten. Das sind höchst unerfreuliche Meldungen, aber leider kann man das Thema nicht ausblenden, wenn man heutzutage über Tiere schreibt.

Nun hat die IUCN, die International Union for the Conservation of Nature, zum ersten Mal eine Liste öffentlich gemacht, auf der die 100 am stärksten vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten der Erde zusammengestellt sind. Sie enthält Arten aus 48 Ländern, darunter das Java- und das Sumatra-Nashorn, das Zwergfaultier, das nur noch auf einer Insel vor Panama existiert, der Hainan-Gibbon in China, von dem es nicht einmal mehr 20 Exemplare gibt, die asiatische Saola-Antilope, die Baumratte in den Bergen Kolumbiens (hier auf einem Foto der Lizzie Noble Foundation/dapd zu sehen), dazu eine Reihe von Fröschen, Kröten, Reptilien, Fischen und Vögeln wie etwa die Indische Riesentrappe. Bei manchen Arten weiß man nicht einmal, wie viele Individuen von ihnen noch existieren.

Die 8000 Forscher der IUCN, die an der Liste mitgearbeitet haben, betonen, dass bei fast allen bedrohten Arten der Mensch daran Schuld hat, dass die Gefährdung ein so großes Ausmaß angenommen hat. Er zerstört wider besseres Wissen die Lebensräume der Tiere, indem er Wälder rodet, Flüsse staut, Feuchtgebiete trockenlegt. Einige Arten werden als Opfer des Klimawandels bezeichnet, zum Beispiel der Galapagos-Riffbarsch, der möglicherweise schon ausgestorben ist. Aber auch der Klimawandel ist ja auf den Menschen zurückzuführen.

Die Forscher sehen noch nicht ganz schwarz für alle Arten auf ihrer Liste. Aber sie warnen: Es müssen sofort gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um bestimmte Arten vor dem Aussterben zu retten. Das hat in der Vergangenheit ja schon einige Male funktioniert, etwa bei den Przewalski-Pferden oder auch beim Buckelwal.

Ob der Alarmruf der IUCN und anderer Organisationen von denen erhört wird, die in der Position sind, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen? Man kann es nur hoffen. Für einige Arten, fürchte ich, dürfte es aber schon zu spät sein.

Noch mehr Arten auf der Roten Liste

So nett Geschichten über feige Zuchtbullen oder ungebetene Hausgäste auch sein mögen – heute heißt es erst mal, zum Ernst des Lebens zurückzukehren. Und der dreht sich im Vorfeld des UN-Gipfels für Nachhaltigkeit in Rio de Janeiro um gefährdete Tiere und Pflanzen. Die Weltnaturschutzunion IUCN, das weltweit größte Netzwerk staatlicher und nichtstaatlicher Umweltorganisationen, hat ihre aktualisierte Rote Liste vorgelegt. Die zeigt leider einen negativen Trend: Die Zahl der bedrohten Tiere und Pflanzen ist trotz aller Schutzbemühungen weiter angestiegen.

Laut IUCN sind von den 64 000 untersuchten Tier- und Pflanzenarten derzeit fast 20 000 vom Aussterben bedroht. Die aktuellen Zahlen sehen folgendermaßen aus: Die Liste der bedrohten Arten führen die Amphibien an, von denen 41 Prozent betroffen sind. Bei den Korallen sind es 33 Prozent, bei den Säugetieren 25 Prozent, bei den Vögeln 13 Prozent. Neu in die Liste aufgenommen wurden unter anderen der Caqueta-Springaffe, der Tintenfisch Sepia apama, der Netz-Peitschenschwanz-Rochen, der Große Feuerfalter, der Rotkehl-Brilliantkolibri, der Rote Fruchtvampir (oben im Bild zu sehen) und der Python bivittatus.

Niederschmetternd: Die neue Rote Liste

Es ist ein Trauerspiel: Die neueste Ausgabe der Roten Liste bedrohter Tier- und Pflanzenarten, die jetzt von der Weltnaturschutzunion IUCN veröffentlicht wurde, malt ein düsteres Bild. Von den 47 677 untersuchten Tier- und Pflanzenarten sind 17 291 bedroht – noch einmal mehr als bei der letzten Erhebung zur Jahresmitte. Dabei sollte die Aussterberate eigentlich ab kommendem Jahr gesenkt werden. Das wird laut IUCN nicht mehr zu schaffen sein.

Am schlechtesten sieht es für die Amphibien aus: Von den 6285 bekannten Arten sind fast ein Drittel – nämlich 1895 Arten – vom Aussterben bedroht. Nun sind Tiere wie Frösche, Kröten, Unken, Molche und Salamander den meisten Menschen möglicherweise nicht sonderlich sympathisch. Aber auch ein Blick auf die Säugetiere auf der Roten Liste verheißt nichts Gutes: 21 Prozent der Säugetiere gelten demnach als akut gefährdet, ebenso wie 12 Prozent aller Vögel, 28 Prozent der Reptilien und 37 Prozent der Süßwasserfische.

So mancher Zeitgenosse mag das alles für Zahlenspielerei, vielleicht auch für Schwarzmalerei halten. Und er wird nicht wahrhaben wollen, dass fast ausschließlich durch den Menschen verursachte Umweltveränderungen verantwortlich für den Artenschwund sind.  Es macht aber keinen Sinn, die Augen davor zu verschließen. Wenn Arten von unserer Erde verschwinden, hat das schnell Folgen für das ökologische Gleichgewicht. Und wenn wir die erst einmal alle zu spüren bekommen, ist es zu spät.

Regelmäßig wird die Rote Liste der bedrohten Arten aktualisiert. Die Warnungen der Umweltschützer sind nicht neu. Sie dürfen nicht länger beiseite gewischt werden.