Wasch mir den Pelz…

Es ist absurd, wie sich die Tierwelt entwickelt. Einerseits sterben Tierarten in ihrer ureigensten Heimat aus, weil der Mensch ihnen den Lebensraum stiehlt und damit die Grundlage zum Überleben. Andererseits vermehren sich Tiere wie die Karnickel in Gebieten, wo sie gar nicht hingehören – verhalten sich also selbst ein wenig wie Menschen im schlimmsten Fall. Zum Beispiel Waschbären, die deutsche Wälder unsicher machen. So unsicher, dass sie abgeschossen werden müssen. Deutsche Jäger haben in der vergangenen Saison so viele Waschbären erlegt wie nie zuvor: nämlich 67 706, wie es in der neuesten, gerade veröffentlichten Statistik des Deutschen Jagdschutzverbandes heißt. Irgendwie beängstigend, vor allem, wenn man bedenkt, dass es vor 20 Jahren noch nicht mal 400 abgeschossene Waschbären waren. Die Tiere, so der Verband der Jäger, würden sich explosionsartig vermehren und heimische Tierarten gefährden. – Und irgendwie passend, dass man in diesem Winter wieder Pelz trägt, wie hier schon angeprangert.

Unsicher machen auch in Niederbayern gerade zwei Tiere ihre Umwelt – und zwar nicht den Wald, sondern den Straßenverkehr: Im Landkreis Landshut sind jetzt schon zum wiederholten Male ein Geißbock und ein Esel aus ihrem Gatter ausgebüxt. Offenbar will das ungleiche Gespann gemeinsam die Welt erkunden und geht zusammen auf Wanderschaft. Die Polizei fängt die zwei Ausreißer immer wieder ein, damit es auf der nahegelegenen Kreisstraße nicht zu Unfällen kommt. Weil Esel und Geißbock schon mehrmals ihr angestammtes Quartier verlassen haben, muss die Besitzerin der beiden Tiere nun für den Polizeieinsatz bezahlen.

Ob es sich bei den zwei Tieren um eine moderne Version der Bremer Stadtmusikanten handelt? – Ich weiß es nicht, aber vielleicht sollte man die beiden beim nächsten Mal nicht einfangen, sondern lieber beobachten, ob sie sich weitere Begleiter suchen und versuchen, eine tierische Pyramide zu bilden? Wäre doch interessant.

 

 

 

 

23 000 "Osterhasen" tot

Auch auf die Gefahr hin, dass den einen oder anderen das  Thema Ostern bzw. Osterhase jetzt nach den Feiertagen nerven könnte: Eine kleine Nachlese zu den bedrohten Kaninchen muss heute doch sein. Denn aus Neuseeland erreichen uns traurige Nachrichten. In der Provinz Otago wurde ausgerechnet an Ostern zur Jagd auf Kaninchen geblasen. Über 23 000 Tiere sind dabei ums Leben gekommen.

Nun verurteile ich ja nicht das Jagen per se. Die Neuseeländer werden offenbar der Kaninchenplage nicht anders Herr. Die Nager vermehren sich – wie das Sprichwort schon sagt – „wie die Karnickel“ und fressen Kühen und Schafen das Gras weg. Deshalb findet schon seit 19 Jahren eine „Osterjagd“ statt. Heuer war sie – aus Jägersicht – besonders erfolgreich: Es gab die zweithöchste Abschusszahl seit Einführung dieser Jagd.

Trotzdem frage ich mich: Muss man die Jagd unbedingt gerade zum Osterfest veranstalten?

Löwen bedrohen Dorf in Kenia

Nachdem es viele Jahrtausende umgekehrt abgelaufen ist, beginnen in letzter Zeit an ganz verschiedenen Orten auf der Welt, Tiere den Menschen auf die Pelle zu rücken und sie in ihrem Lebensraum einzuschränken, wenn nicht gar zu bedrohen. Vielleicht gab´s das früher ja auch schon öfter, und man hat nur nichts davon erfahren. Wie dem auch sei – ich stoße  in letzter Zeit beim Durchforsten von Tier-Nachrichten für mein Blog immer wieder auf solche Geschichten. Sei es in Australien, wo wilde Kamele ein Dorf belagert haben, oder in Sibirien, wo massenweise mongolische Gazellen eingefallen sind.

Nun gibt es einen neuen Fall von „Tier-Terror“ gegenüber Menschen: Ein Löwenrudel macht keine Jagd auf  seine üblichen Wildtiere mehr, sondern reißt Ziegen, Kühe und Esel in einem Dorf  in der Region Laikipia (Zentralkenia). Die Viehzüchter und Bauern dort leben mittlerweile in Furcht und Schrecken, die Dorfbewohner trauen sich kaum noch aus den Hütten, und die Kinder haben Angst, auf dem Schulweg von den Raubtieren angefallen zu werden.

Angeblich kommen die Löwen aus einem privaten Schutzgebiet. Deshalb beklagen sich die Dorfbewohner nun bei der staatlichen Naturschutzbehörde KWS, weil die nichts zum Schutz der Menschen in der Gegend unternehme. Als dann doch Mitarbeiter von KWS ins Dorf kamen, um die Lage zu checken, vertrieben die Dorfbewohner sie kurzerhand. Sie hätten zu spät reagiert, lautete ihre  Begründung.

Jetzt wollen die Menschen des Dorfes die Sache selbst regeln. Es sieht nicht so aus, als würde das etwas Gutes für die Löwen bedeuten: Möglicherweise lautet der Plan, die Tiere zu töten. Und das ist das Traurige an all den geschilderten Fällen: Am Ende sind immer die Tiere die Opfer.

Wölfe in Schweden einfach abschießen?

1rb20157Da bin ich schon ein wenig zusammengezuckt, als ich am Wochenende bei der Durchsicht der Meldungen von Nachrichtenagenturen auf folgende Überschrift der Deutschen Presseagentur (dpa) stieß: „Erste Wolfsjagd in Schweden seit über 40 Jahren“.

So was tut mir – namensbedingt – erst mal regelrecht weh. Doch beim Durchlesen der Meldung stellte sich mir eine grundsätzliche Frage: Kann das Töten von Tieren ein probates Mittel gegen genetische Defekte sein?

Doch zunächst mal die Tatsachen: Seit über vier Jahrzehnten war in Schweden die Jagd auf Wölfe verboten, da diese Tierart in Europa vom Aussterben bedroht war. Die derzeitige Wolfspopulation in Schweden, die rund 220 Tiere umfasst, geht auf drei (!) Wölfe zurück. Die waren in den 80er und 90er Jahren des letzten Jahrhunderts aus Finnland und Russland „eingewandert“.

Durch Inzucht kam es bei den schwedischen Wölfen zu Herz- und Nierenleiden. Langfristig sei deshalb das Überleben der Tiere in Gefahr, meint der schwedische Umweltminister. Die gegenwärtige Population müsse sich erneuern. Aus diesem Grund hat das schwedische Parlament im vergangenen Jahr eine lizensierte Wolfsjagd beschlossen: Bis zum 15. Februar dieses Jahres sind 27 Wölfe zum Abschuss freigegeben.  Allein bei der ersten Jagd wurden 21 Wölfe erschossen.

Naturschützer haben Bedenken gegen die Freigabe der Wolfsjagd angemeldet: Dadurch werde eine vom Aussterben bedrohte Tierart gefährdet und eine Abkehr von der Naturschutz-Tradition in Schweden signalisiert.

Und was meint Ihr/meinen Sie dazu? Muss man die Wolfsjagd in Schweden akzeptieren, um genetisch bedingte Schwachpunkte auszumerzen?