Kein schlechtes Wolfsjahr


Das Jahr geht zu Ende, und für die Wölfe in Deutschland (Foto: dpa, aufgenommen in einem Gehege des Biotopwildparks Anholter Schweiz) war es kein ganz schlechtes – was mich als Wolf natürlich besonders freut. Meine „Artgenossen“ haben sich heuer bei uns wieder ein wenig vermehren können.

Inzwischen sind hierzulande 60 Rudel nachgewiesen. Diese Zahl stammt vom Bundesamt für Naturschutz und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes. Dort geht man von 150 bis 160 erwachsenen Wölfen aus. Vor einem Jahr waren es 140. Die Zahlen werden in den Bundesländern erhoben und kommen durch überprüfbare Nachweise zustande: Zum Beispiel durch das Auswerten von Kot und anderen Spuren, die Wölfe hinterlassen. Auch Aufnahmen aus Fotofallen helfen bei der zahlenmäßigen Erfassung weiter. Amtlich werden Rudel, Paare und sesshafte Einzelwölfe erfasst, die für die Fortpflanzung eine Rolle spielen. Die eindeutige Erfassung der Welpen ist allerdings schwierig, weil sie oft früh sterben. Schließlich kann auch die Anzahl der Wölfe pro Rudel stark schwanken.

Die Wolfspopulation hat sich in einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten Deutschlands verdichtet. Trotzdem hat sich ihr Verbreitungsgebiet nicht so stark ausgeweitet, wie man es anhand der Rudelzahlen vermuten könnte. Das wundert auch die Experten. Die meisten Wölfe leben in Brandenburg und Sachsen, insgesamt sind sie jetzt in sieben Bundesländern anzutreffen– auch in Bayern.

Bisher stellen Straßen die größte Gefahr für die Wölfe dar: Seit dem Jahr 2000 waren bei 140 von rund 200 tot gefundenen Tieren Verkehrsunfälle die Todesursache. Außerdem wurden zwischen dem 1. Mai 2016 und dem 30. April 2017 fünf Wölfe illegal getötet. Damit ist die Zahl solcher Straftaten seit dem Jahr 2000 auf 26 gestiegen. Viele Nutztierhalter und Jäger wollen erreichen, dass Wölfe abgeschossen werden dürfen, weil sie dem Weidevieh gefährlich werden könnten. Umweltschützer fordern dagegen verstärkte Prävention, zum Beispiel durch Elektrozäune oder Herdenschutzhunde.

Bestimmte Interessengruppen schüren auch die Angst vor Wölfen bei der Bevölkerung. Dabei ist bisher kein einziger Angriff auf Menschen bekannt, seit sich diese wunderbaren Tiere wieder in Deutschland angesiedelt haben. Unsere Gesellschaft muss einfach lernen, Wölfe als selbstständige und freie Tiere zu respektieren. Es gibt aber auch einige Verrückte, die Wölfe für Fotos „anfüttern“. Dabei kann es wirklich gefährlich werden, wenn sich Wölfe erst mal an Menschen gewöhnen. Ich halte auch die Forderung einer Obergrenze für Wölfe in Deutschland für unsinnig (genauso unsinnig übrigens wie eine Obergrenze für Flüchtlinge). Deutschland ist groß – groß genug für noch mehr Wölfe!

Es gibt übrigens auch Neues über die vor über zwei Monaten im Bayerischen Wald entlaufenen Wölfe: Eines der beiden überlebenden Tiere zieht derzeit vermutlich durch Österreich, und zwar durch den Raum Linz, auch im Landkreis Passau wurde er bereits gesichtet. Über den Verbleib des zweiten noch lebenden Wolfes weiß man im Augenblick nichts. Ich hoffe, auch er hat es geschafft, sich irgendwie durchzuschlagen. Ursprünglich war ja behauptet worden, die Wölfe seien in Freiheit nicht überlebensfähig, weil sie im Nationalparkgehege immer gefüttert wurden. Wirklich bedauerlich finde ich, dass zwei der freigelassenen Wölfe erschossen wurden.

Das Tiergarten-Jahr 2016

Während die meisten deutschen Zoos ihre „Inventur“ für die Medien immer schon um den Jahreswechsel durchführen, lässt sich der Nürnberger Tiergarten stets etwas mehr Zeit für seinen Jahresrückblick. Heute war es wieder so weit. Und das Interesse der Journalisten ist auch diesmal wieder groß gewesen, was das Interesse der Bevölkerung ja durchaus widerspiegelt. Auf dem Weg zur Pressekonferenez sind wir bei den Grauen Riesenkängurus vorbeigekommen, die munter in ihrer verschneiten Anlage herumhüpften.

Große Höhepunkte gab es 2016 für den Zoo am Schmausenbuck nicht. Es war ein Jahr ohne wirklich attraktiven Nachwuchs (siehe unten), aber zum Glück auch eines ohne ganz schlimme Nachrichten. Zumindest, wenn man vom „Dauerbrenner“ undichte Delfinlagune absieht, die für teures Geld saniert werden muss. Deshalb wird jetzt auch das nicht-öffentliche Delfinarium II (hier im Bild) für rund 1,2 Millionen Euro renoviert, um Große Tümmler oder Seelöwen ausquartieren zu können, wenn es bei der Lagunen-Reparatur zu laut oder zu staubig wird. Erfreulicher Ausblick für das neue Jahr: Rechtzeitig zu den Osterferien soll die Außenanlage der Totenkopfäffchen fertig saniert sein; dort ziehen dann – als neue Tierart – Sumpfmeerschweinchen mit ein. Und für den Herbst ist die Fertigstellung des Wüstenhauses angekündigt, das durch den Umbau des alten Flusspferdhauses entsteht.

Und das war das Tiergarten-Jahr 2016 in Zahlen:

Zum Jahresende lebten 3802 Tiere aus 287 Arten am Schmausenbuck, davon 216 Wirbeltierarten mit 2727 Individuen.
Nachwuchs: sechs Alpenmurmeltiere, sechs Pelikane, vier Flamingos, regelmäßige Zucht von Seidenspinnen
Abgabe von Tieren: drei Große Tümmler (Kai, Noah und Arnie) nach Portugal und Lanzarote, zwei Kleine Pandas nach Köln und Kerkrade und ein Tiger nach Hannover
Nachwuchs: sechs Alpenmurmeltiere, sechs Pelikane, vier Flamingos, regelmäßige Zucht von Seidenspinnen
Todesfälle: ein männlicher Gepard und das Zuchtpaar der Buntmarder (Gorbi und Alisa). Für die Tochter der beiden kam ein Partner aus dem Tierpark Berlin nach Nürnberg.
Auswilderung: drei Habichtskäuze (seit 2003 gingen 14 dieser Jungvögel in den Nationalpark Bayerischer Wald, neun in das Biosphärenreservat Wienerwald und in das Wildnisgebiet Dürrenstein).
Führungen: Von der Zoopädagogik wurden 16.147 Teilnehmer (Kinder und Erwachsene) in 1412 Führungen und anderen Angeboten betreut. Außerdem gab es fast 40 Vorträge im Naturkundehaus.
Tierpatenschaften: 770 Tierpaten mit einer Spendensumme von 132.517 Euro. 470 Tierpaten (61 Prozent aller Paten) setzten ihre Patenschaft nach einem Jahr fort.
Besucher: 1.087.360 Besucher (3,3 Prozent weniger als 2015)

So tierisch war das Jahr 2016

Der tierische Jahresrückblick ist in meinem Blog mittlerweile schon zur lieben Gewohnheit geworden. Ich muss mich da bei meinen Kollegen von den Presseagenturen bedanken, die auch eine Menge Material zusammengetragen haben. Für meine Leser habe ich die schönsten und komischsten Geschichten herausgepickt. Über das eine oder andere Ereignis habe ich schon im Laufe des Jahres geschrieben, manches klingt schier unglaublich – aber alles ist wahr.

Erst vor ein paar Wochen spielte sich die dramatische Rettungsaktion um ein Eichhörnchen in München ab. Der kleine Nager steckte in einem Gullydeckel fest, weil er zu viel Speck angesetzt hatte. Man sieht: Tiere können sehr menschliche Probleme haben. Zum Glück wurde dem Eichhörnchen sein Übergewicht nicht zur tödlichen Falle. Es wurde befreit!

Ähnlich anrührend ist das, was Faultier in Ecuador auf der Straße erlebt hat. Es klammerte sich verängstigt an einen Pfosten – warum, ist nicht bekannt. Die Polizei machte ihrem Ruf als Freund und Helfer alle Ehre und rettete das niedliche Tier. Später ließ man es in einem Wald wieder frei.

Ein großes Abenteuer dürfte Krake Inky erlebt haben, der spurlos aus einem Aquarium in Neuseeland verschwunden war. Laut Vermutung der Mitarbeiter in dem Aquarium hatte sich Inky eines Nachts durch ein Abflussrohr verdünnisiert – ein Rohr, das in den Pazifischen Ozean führt. Die Angestellten sahen am nächsten Morgen die nasse Spur auf dem Boden, die bis zu dem Rohr führte. Ob die Geschichte ein gutes Ende genommen hat, weiß niemand. Inky ist nicht wieder aufgetaucht.

Viele Menschen haben sich im zu Ende gehenden Jahr auch für den Wombat Derek interessiert, ein verwaistes Beuteltier-Baby in Neuseeland. Weil seine Mutter gestorben war, suchte man per Internet einen „Wombat-Kuschler“. Der Sieger durfte nach Neuseeland fliegen und dort für ein paar Tage Dereks Ersatz-Mama spielen. Und wenn wir schon bei niedlichen Tieren sind: In diese Rubrik gehören auch die ebenfalls elternlosen Fuchswelpen in Niedersachsen, für die es Rettung in einer Einrichtung für wilde Tiere gab.

Noch ein tierisches Happy-End: Zwei Papageien, die in einem Loch in der Außenwand eines Wohnhauses in Düsseldorf gebrütet hatten, sahen dieses Loch plötzlich verschlossen. Jemand hatte es mit Bauschaum gefüllt. Die Vogel-Eltern pickten und hackten so lange an der Fassade herum, bis sie ihre Küken befreien konnten.

Wie eng Freud´und Leid auch in der Tierwelt zusammenliegen, zeigte sich in der Stuttgarter Wilhelma. Dort feierte man erst den 50. Geburtstag von Hannibal, dem wohl ältesten Zwergflusspferd der Welt  – sechs Wochen später starb er dann. Sein Alter kann man getrost als „biblisch“ bezeichnen, denn es entsprach ungefähr 140 Menschenjahren.

Im Karlsruher Zoo fand Papagei Douglas eine neue Bleibe. Er wurde einst durch den Film „Pippi in Taka Tuka Land“ berühmt, in dem er allerdings Rosalinda hieß. Seine Berühmtheit nützte ihm jedoch wenig: Weil es in einem schwedischen Zoo keinen Platz für ihn gab, sollte er eingeschläfert werden. Karlsruhe zeigte sich gnädig.

Weil mit dem Ende des alten Jahres ja auch ein neues beginnt, zum guten Schluss hier noch etwas Zukunftsweisendes: Die Orang-Utan-Damen Sinta und Conny in der Wilhelma setzen in Sachen Liebe auf Video-Dating. So wurden sie mit Männchen in Hamburg und Belgien verkuppelt. Ob das nun ein Fortschritt ist, wenn Tiere es den Menschen gleichtun, oder eher eine Gefahr – die Zukunft wird es zeigen. Deshalb: Auf die Zukunft, auf das Jahr 2017!!!

Tiergarten-Bilanz Nummer zwei

CHoffmannFischkatzeTiergarten-Bilanz für 2015, Nummer zwei. Neben der erfreulichen Besucherstatistik war 2015 für den Tiergarten Nürnberg auch sonst ein gutes Jahr: Viele Tierbabys kamen zur Welt, und mit 3431 Tieren aus 286 verschiedenen Arten hatte der Zoo etwas mehr Bewohner als 2014. Erstmals können Besucher seit vergangenem Frühjahr Fischkatzen am Schmausenbuck sehen, ebenso neu sind Steppenmurmeltiere, die aber noch Winterschlaf halten. Fischkater Ratu hat seit Herbst eine Partnerin: Singha kam im November aus dem Katzenpark in Nesles (Frankreich). Beide sind drei Jahre alt, sie eher ein zartes Wesen, er von der Figur her ein Garfield. Noch hatten die beiden keinen direkten Kontakt. Im Tiergarten wartet man ab, bis sie rollig ist. Am Gitter oder durch die Glasscheibe des Gewächshauses in ihrem Gehege haben sie sich aber schon beschnuppert (wie auf diesem Foto, CHoffmann). Das Paar scheint sich wohlzufühlen in dem ehemaligen Brillenbärengehege, das für die Fischkatzen umgestaltet wurde. Von den 66.000 Euro Baukosten kamen 50.000 Euro an Zuschüssen vom Verein der Tiergartenfreunde.

Die Zoobesucher könnrn sich im Jahr 2016 auch auf die neue begehbare Bartgeiervoliere freuen, die um Ostern herum fertig werden soll. Dort haben dann auch die schon erwähnten Steppenmurmeltiere und Alpensteinhühner ihre „Wohnung“. Saniert wird in diesem Jahr die Innenanlage der Totenkopfäffchen. Die beliebten „Pippi-Langstrumpf“-Affen sind bereits in die Quarantänestation umgezogen und deshalb leider nicht zu sehen. Die Besucher müssen auch noch weiter ausharren, bis sie wieder ins Flusspferdhaus dürfen. Das wird umgebaut zu einem Wüstenhaus unter dem Motto „Ur-Amazonas“. Die Arbeiten können heuer beginnen, fertig wird das mit einer Million Euro veranschlagte Projekt jedoch nicht vor dem Sommer 2017. Im Mittelpunkt werden darin Mistkäfer stehen. Diese Insekten werden bis zu fünf Zentimeter groß und können fliegen. Zum Trost für alle, die lieber niedliche Tiere sehen: In dem Haus werden zum Beispiel auch Kurzohr-Rüsselspringer leben.

Noch eine neue, äußerst erfreuliche Nachricht: Panzernashorn-Dame Sofie aus dem britischen Zoo Bewdley, die im September 2015 mit der in Nürnberg geborenen Seto Paitala ausgetauscht wurde, könnte trächtig sein. Der Nürnberger Bulle Ropen deckte sie bereits. Der alte Gentleman hat sie im Sturm erobert.  In England war sie nie brünstig, in Nürnberg ging das sehr schnell. Ob die Paarung erfolgreich war, kann im Moment allerdings noch niemand sagen. Die Tragzeit bei dieser Art dauert 16 Monate.

Der Tiergarten hat im abgelaufenen Jahr auch einiges an Arbeit und Geld in Forschung und Artenschutz gesteckt: Ein Treffen des Konsortiums „Franciscana“ in San Francisco zur Erhaltung des stark bedrohten La Plata-Delfins wurde ebenso unterstützt wie die Geierforschung in Europa und Projekte zur Auswilderung von Uralkäuzen. Als Bildungseinrichtung war der Tiergarten äußerst rührig: Die Zoopädagogen betreuten rund 4600 Kinder, Jugendliche und Lehrer im Rahmen von Führungen, Übernachtungsangeboten und Zeltlagern, die Zoobegleiter fast 10.000 Teilnehmer. Kürzlich hatte schon der Nürnberger Bürgermeister und Tiergartenreferent Christian Vogel gefordert, dass der Tiergarten für seine Bildungsarbeit finanziell mehr Unterstützung verdiene. Diese Forderung wurde nun  von der Zooleitung bekräftigt.

Der tierische Jahresrückblick

ErdmaennDie Erdmännchen haben zwar im Tiergarten Nürnberg im zu Ende gehenden Jahr keine Schlagzeilen gemacht. Trotzdem gehören sie zu den beliebstesten Zootieren überhaupt, und deswegen habe ich für meinen traditionellen Jahresrückblick dieses Foto ausgewählt. Auch, weil es so etwas Erwärmendes hat, nicht nur temperaturtechnisch gesehen. – Nun aber mal zu den harten Fakten. Der Tiergarten war 2015 mit außergewöhnlich vielen Tierbabys gesegnet: Charlotte, Aljoscha, Volodya, Kang-Ju, Ayana, um nur die attraktivsten Publikumsmagneten zu nennen:

  • Eisbärenmädchen Charlotte gehört mit ihrem Geburtstag am 21. November 2014 streng genommen noch zu den Vorjahresbabys. Doch erst im März 2015 kommt sie zum ersten Mal mit Mama Vera aus der Wurfhöhle und stellt sich dem Publikum vor. Ein echter Wonneproppen!
  • Groß ist die Freude, als am 6. Juli die Tigerzwillinge Aljoscha und Volodya das Licht der Welt erblicken. Vor dem Raubtierhaus bilden sich Besucherschlangen.
  • Bei den Schneeleoparden stellt sich mit Kang-Ju und Ayana nur ein paar Wochen später Nachwuchs ein.
  • Die im Juni geborenen beiden Kleinen Pandas (auch Katzenbären genannt) werden bald zu Halbwaisen: Ihre Mutter Patna liegt eines Tages tot im Gehege – Herzversagen! Die Babys wachsen und gedeihen per Handaufzucht trotzdem gut.

Außer den Geburten gab es auch eine Reihe von Neuzugängen im Tiergarten. So sind seit April  zum ersten Mal überhaupt im Zoo am Schmasuenbuck Fischkatzen zu sehen, und zwar im früheren Gehege der Brillenbären. Besser gesagt, ein Fischkater. Er wartet immer noch auf eine Partnerin. Ein neuer Tiergartenbewohner ist auch Sofie. Die neunjährige Panzernashorndame kam im Oktober für Seto Paitala, die in Nürnberg geborene „Weißfüßige“. Sonst hätte es Inzucht mit Seto Paitalas Vater Ropen geben können. Nun hofft man, dass sich Ropen und Sofie gut verstehen und die bedrohte Tierart zu erhalten helfen.

Für überregionales Presse-Interesse sorgte der Tiergarten 2015 aber mit Bewohnern, die plötzlich vom oder im Erdboden verschwanden. Schaf Rosi wird im Mai nach München ins Bordell entführt, von der Polizei aufgespürt und schließlich zurückgebracht. Anders die Präriehunde, die nach dem Winterschlaf nicht mehr aus ihrem unterirdischen Höhlensystem auftauchten. Spätere Suchaktionen mit Baggern brachten auch keinen Erfolg. Ein chinesischer Muntjak, der mit den Panzernashörnern in einer WG lebte, suchte im Juni das Weite. Warum und wohin, bleibt sein Geheimnis.

So, und nun wünsche ich meinen Lesern und allen Tieren einen schönen Jahreswechsel ohne zu lautes Böllern und ein wunderbares 2016!

Eine traurige und eine gute Nachricht

Das neue Jahr im Nürnberger Tiergarten hat  leider mit einem traurigen Ereignis begonnen: Die schon seit längerem kranke Brillenbärin La Bamba wurde am 2. Januar eingeschläfert. Sie war mit ihren fast 33 Jahren zwar das älteste Exemplar ihrer Art in Europa, hatte sich in letzter Zeit aber meist in ihrem Gehege zurückgezogen und war deshalb für die Besucher nicht immer zu sehen. Die Obduktion ergab, dass La Bamba unter schmerzhafter Arthrose in der Lendenwirbelsäule sowie im Hüft- und Kniegelenk litt. Das Tier hatte  am 13. Januar 1981 im Zoo Basel das Licht der Welt erblickt und war am 30. Oktober 1981 in den Tiergarten Nürnberg gekommen. Die Bärin zog im Laufe ihres Lebens vier Jungtiere erfolgreich auf. Mit dem Tod von La Bamba wird die Haltung von Brillenbären im Nürnberger Tiergarten beendet. Welche anderen Tiere in das Gehege in der Nähe des Raubtierhauses einziehen sollen, darüber wird derzeit noch diskutiert.

Ich habe hier im Blog ja schon eine Rückschau auf das Jahr 2013 im Nürnberger Tiergarten gehalten. Nun hat die Zooleitung – wie jedes Jahr Anfang Januar – selbst dazu eine Pressekonferenz abgehalten. Dabei kam natürlich auch der Besucherrückgang noch mal zur Sprache, über den ich hier ja auch schon geschrieben hatte. Damals war allerdings die positive Entwicklung, die sich im Dezember eingestellt hat, noch nicht abzusehen: Dieser Monat wird von den Besucherzahlen her als der beste in der Geschichte des Tiergartens verzeichnet werden – das milde Wetter hat sich offenbar günstig ausgewirkt. Die Millionengrenze wurde fast noch erreicht: Am Ende waren es 997 474 Besucher. Für die Zooleitung gibt es noch eine erfreuliche Meldung: Es wurden noch nie so viele Dauerkarten verkauft – nämlich 5800. Die rentieren sich beim fünften Tiergartenbesuch und sind daher für alle, die den Zoo am Schmausenbuck gern öfter mal besuchen, wirklich rentabel.

Zum Jahresende wurden am Schmausenbuck auch Tiere gezählt: 2972 Tiere aus 291 verschiedenen Arten wurden erfasst, darunter 216 Wirbeltier-Arten mit 2033 Individuen.

Ein Jahr mit Höhen und Tiefen

Nach dem allgemeinen Jahresrückblick auf tierische Kuriositäten heute ein spezieller Blick zurück auf das Jahr 2013 im Tiergarten Nürnberg, mit ich mich in meinem Blog ja besonders intensiv beschäftige – zur Freude eines großen Teils meiner Leser, während der Tiergarten bei einigen anderen immer ein Reizthema zu sein scheint. – Sei´s drum! Für den Tiergarten war es ein Jahr wie in einer Berg-und-Tal-Bahn: Es ging ständig rauf und runter.

Publikumslieblinge: Auf Erdmännchen fliegen alle, sie liegen in den Zoos auf der Beliebtheitsskala inzwischen vor Klassikern wie Elefanten oder Menschenaffen. Besucher umlagern auch in Nürnberg das Gehege, seit die possierlichen Tiere im Juli dort eingezogen sind. Sie leben dort zusammen mit Fuchsmangusten. Riesig ist die Begeisterung, als im Oktober vier Erdmännchenbabys das Licht der Welt erblicken.

Unnahbar: Katinka, die Sibirische Tigerin, „zickt“ ein wenig herum. Als sie im Mai von Moskau am Schmausenbuck eintrifft, zeigt sie sich den Besuchern erst mal selten – schließlich stammt sie aus einem Zentrum für bedrohte Tierarten und ist keine Menschen gewöhnt. Im September wäre es der Raubkatze beinahe gelungen, die Mauer ihres Freigeheges vom Wassergraben aus zu überwinden; Besucher hatten sie provoziert. Ob Samur, der Tiger aus dem Zoo Wuppertal, der Katinka seit November Gesellschaft leistet, das Herz der jungen Wilden erobern kann?

Niedlich: Während Tigernachwuchs noch in weiter Ferne liegt, hat es bei den Kleinen Pandabären geklappt: Patna und Rex junior sind nun stolze Eltern zweier Babys, ebenso wie die Buntmarder Gorbi und Alisa. Auch bei den Seelöwen in der Lagune und im Aquapark ist die einjährige Babypause überwunden – gleich vier Jungtiere erblicken das Licht der Welt. Daran könnte sich Schabrackentapir-Dame Pinola mit ihrem neuen Partner Manado aus England ein Beispiel nehmen.

Traurig: Mit Gepardin Kelly verliert der Tiergarten im September ein wertvolles Zuchttier. Ganz aufgeklärt wird die Todesursache nicht, die Raubkatze litt auf jeden Fall an Gastritis. Seekuh Luna stirbt im Oktober kurz vor ihrem zehnten Geburtstag an einer Autoimmunerkrankung. Die altersschwache Iberische Wölfin Cora wird im Juli eingeschläfert. Sie ist die letzte ihrer Art am Schmausenbuck – die Wolfshaltung wird bis auf weiteres eingestellt; in das Gehege sollen demnächst Luchse einziehen.

Umzüge: Die Delfingruppe in der Lagune erhält im Juni Verstärkung durch die beiden Männchen Kai und Rocco aus Harderwijk. Im Gegenzug tritt der Bulle Joker die Reise nach Holland an. Einen Wechsel gibt es auch im Menschenaffenhaus bei den Gorillas: Für Hakuna Matata, die zur Zucht nach Budapest abgegeben wird, kommt im Januar die sanfte Louna aus dem Zoo Leipzig. Abschied nehmen heißt es auch von den Eisbärenzwillingen Gregor und Aleut, die seit April im Warschauer Zoo leben.

Tierischer Rückblick auf das Jahr 2013

Wer hat an der Uhr gedreht, frage ich mich wie früher Paulchen Panther. Kann es sein, dass dieses Jahr schon fast wieder vorbei ist? Den Jahresrückblicken nach zu schließen, die überall erscheinen oder gesendet werden, müssten wir ja seit Wochen schon kurz vor Silvester stehen. Aber nun dauert es tatsächlich nicht mehr lange, bis 2014 beginnt. Ich möchte an meiner Tradition festhalten, einen tierischen Blick zurück auf das zu Ende gehende Jahr zu werfen – auf die kuriosen Ereignisse, die zum Teil fast unglaublich klingen, aber tatsächlich alle passiert sind.

Zu erstaunlicher Berühmtheit hat es ein Lama in Frankreich gebracht: Betrunkene ließen das Zirkustier aus seinem Käfig frei, um es anschließend zu ihrer nächtlichen Tour durch Bordeaux mitzunehmen – nicht etwa zu Fuß, nein, in der Straßenbahn. Klar, dass heutzutage ein solches Ereignis fotografiert und ins Internet gestellt wird. So war über Nacht ein neuer tierischer Star geboren.

Nicht alle Tiere sind so beliebt. Es gibt sogar welche, die man bekämpft – wozu man notfalls einen professionellen Helfer engagiert. Ein solcher Kammerjäger in Neuseeland ging bei seinem Kampf gegen Mäuse in einer Bäckerei nicht ganz so gründlich vor, wie sich der Bäcker das gewünscht hätte: Eine Maus landete in einer Brot-Backform. Ich kann mir die Szene ganz gut ausmalen, wie der Bäcker dieses Brot in seinem Laden anschneidet – die Empörung kannte keine Grenzen. Die Geschichte landete in einem „Ekel-Buch“, das im Herbst von Gesundheitsschützern herausgegeben wurde.

Liebe kann beflügeln und Kräfte verleihen, die man nicht für möglich gehalten hätte. Den Beweis dafür lieferte ein Esel in Saarbrücken. Er hatte sich in die Stuten auf einem Reitgelände verknallt, und seine Liebesnot war so groß, dass er tagtäglich den Zaun der Pferdekoppel durchbrach, um die Pferdedamen – zumindest aber sich selbst – zu beglücken. Diagnose: „hormonelle Reizüberflutung“. Die Besitzerin musste das Gatter verstärken lassen.

Schwer Herr werden konnte man auch einer Wildschweinrotte, die sich an der Autobahn bei Heilbronn verschanzt hatte. Die Polizei wollte sie zurück in den Wald locken und sperrte dafür die Autobahn für ein paar Stunden. Doch die Aktion missglückte – von den Wildschweinen fehlte praktisch jede Spur.

Schlagzeilen machte ein englischer Zoo mit Kleidervorschriften für seine Besucher. Stoffmuster wie Tigerstreifen oder Leopardenfell hatten die Zoobewohner beinahe durchdrehen lassen. Daraufhin beschloss die Tierparkleitung: Wer mit solcher Kleidung an der Kasse erscheint, muss entweder wieder gehen oder einen vom Zoo zur Verfügung gestellten grauen Anzug überstreifen. – Diese Vorschrift wurde allerdings inzwischen wieder abgeschafft.

Und dann gab es da noch Tiere, die Menschen über einen längeren Zeitraum zum Besten hielten. Zum Beispiel ein Storch in Mecklenburg-Vorpommern, der mit seinem Schnabel auf Autos einhackte, sie verbeulte und auf diese Weise auch Glasscheiben an Haustüren zerschlug – möglicherweise, weil er sich in den glänzenden Objekten spiegelte und dieses Spiegelbild für einen Rivalen hielt. Die Bewohner des Ortes Bergholz wussten sich schließlich nicht anders zu helfen, als die Scheiben mit Decken zu verhüllen. Auch „Lotti“, die bayerische Version des Ungeheuers von Loch Ness, geisterte monatelang durch die Medien. Die Alligator-Schildkröte, die ihr Unwesen angeblich am Oggenrieder Weiher bei Irsee trieb, wurde jedoch nie gesehen. Dafür machte ein Bäcker mit „Lotti“-Semmeln Geschäft. Und die Suche nach dem Fabelwesen soll im nächsten Jahr weitergehen. – Na dann, auf mehr Erfolg im neuen Jahr!

Das war das Tiergarten-Jahr 2012

Einen tierischen Rückblick aufs Jahr 2012 gab es in meinem Blog ja hier schon zu lesen. Zum Jahreswechsel möchte ich aber auch noch einmal die wichtigsten Ereignisse im Tiergarten Nürnberg Revue passieren lassen.

Wir erinnern uns: Der Tiergarten hat im Mai sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Der Alte Nürnberger Tiergarten war am 11. Mai 1912 im Luitpoldhain eröffnet worden. Er musste 1939 an den Schmausenbuck umziehen, als die NS-Machthaber Platz für das Reichsparteitagsgelände brauchten.

Vor allem die Geparden sorgten dafür, dass das Jubiläumsjahr recht stürmisch verlief. Gepard Turbo brach im Januar aus seinem Gehege aus und sprang auf ein Shetlandpony los, das mit seiner Pflegerin am Gehege vorbeispazierte. Doch das Pony – die vier Jahre alte Graciella – wehrte sich, versetzte der geschmeidigen Raubkatze Tritte mit den Hufen und schlug sie in die Flucht. Nach zwei Stunden wurde Turbo mit leichten Verletzungen wieder eingefangen. (Mehr dazu hier)

Im März durfte Turbo dann Vaterfreuden genießen. Seine Partnerin Kelly brachte Fünflinge zur Welt, drei Kater und zwei Katzen. (Mehr dazu hier) Teilweise scheinen die Jungen den Freiheitsdrang von Turbo geerbt zu haben: Im Juni gelang es einem von ihnen, die Mauer, die das Gehege umgibt, und die Stromsicherung zu überwinden. Eineinhalb Tage dauerte der Ausflug des kleinen Ausreißers, dann ging er seinen Fängern ins Netz. Zum Glück, denn sonst wäre er wohl verhungert. (Mehr dazu hier)

Zu den traurigen Nachrichten dieses Tiergarten-Jahres gehörte der Tod von Tiger Cornelius im Oktober. Der Sibirische Tiger und sein Bruder Claudius sind eigentlich in Straubing zu Hause und nur vorübergehend in Nürnberg untergebracht, während in ihrem Heimatzoo eine moderne Raubtieranlage gebaut wird. Obwohl die sechs Jahre alten Zwillinge seit ihrer Geburt zusammenlebten und sich gut verstanden, kam es zwischen ihnen zu einer Rauferei, die nicht wie sonst spielerisch ablief. Vielmehr trug Cornelius schwere Verletzungen davon, die er nicht überlebte. (Mehr dazu hier)

Abschied nehmen hieß es im November auch von Purana, der 20-jährigen Panzernashorndame. Sie erholte sich nicht mehr von einer Fehlgeburt, die zu einer schweren Infektion führte. Während ihrer 19 Jahre am Schmausenbuck hatte sich Purana zu einem der beliebtesten Zootiere entwickelt – vor allem, weil sie drei gesunde Babys zur Welt brachte und liebevoll großzog: Die beiden Söhne Albrecht und Hans sowie eine Tochter, die wegen ihres heller gefärbten linken Vorderbeins Seto Paitala heißt. Das bedeutet auf Nepalesisch so viel wie „Weißer Fuß“. (Mehr dazu hier)

Plagiate und falsche Rekorde

Es naht mit Riesenschritten, das Jahr 2012. Nach dem eher ernsten Rückblick auf das alte Jahr vor ein paar Tagen soll es in meinem Blog heute, der Silvesterlaune entsprechend, mit einigen eher amüsanten Tiergeschichten von 2011 zu Ende gehen.

Irgendwie war es das Jahr der Plagiate. Karl Theodor hat es vorgemacht – und er hat auch in der Tierwelt Nachahmer gefunden. Nehmen wir zum Beispiel einen berühmten Schimpansen, respektive Schimpansendame: Cheetah aus den Tarzan-Filmen der 30er Jahre. Kürzlich lief die Meldung über die Nachrichtenagenturen, der Affe sei im biblischen Alter von 80 Jahren gestorben – echt rekordverdächtig, denn normalerweise werden diese Menschenaffen in menschlicher Obhut höchstens 60 Jahre alt. Das Foto entstand kurz vor dem Tod von Cheetah.

War das tote Schimansenweibchen tatsächlich die Filmpartnerin von Johnny Weissmüller in den 30er und 40er Jahren, wie in diesem Video zu sehen? Und schreibt sie sich nun mit oder ohne H am Ende? – Fest steht nur, dass eine ganze Reihe von Schimpansen diese Rolle übernommen haben, von denen schon in den 1930er Jahren einer das Zeitliche segnete. Die Besitzerin der jetzt gestorbenen Cheetah, die ein Menschenaffen-Altersheim an der Golfküste Floridas leitet, hat angegeben, ihre Großeltern hätten Cheetah ungefähr 1960 von Johnny Weissmüller bekommen. Beweisen kann sie das allerdings nicht. Sie selbst ist 51 Jahre alt und behauptet, sie kenne das Tier schon, solange sie lebe, und als sie selbst noch ein Kleinkind war, sei Cheetah bereits ein ausgewachsener Schimpanse gewesen. Sollte das nicht stimmen, wäre es nicht die erste Cheetah-Fälschung. Denn bereits im Jahr 2008 war in Kalifornien der Tod von Tarzan-Cheetah gemeldet worden. Ein Journalist der „Washington Post“ kam aber dahinter, dass dieses Tier erst um 1960 geboren worden war.

Einen Rekord, der nicht lange hielt, gab es 2011 auch in Australien. Dort schaffte es „Cassius Clay“ mit seinen fast fünfeinhalb Metern als größtes in Gefangenschaft lebendes Krokodil ins Guinness-Buch der Rekorde. Doch der Stolz währte nur kurze Zeit: Mittlerweile wurde auf den Philippinen ein Krokodil gefangen, das Cassius Clay um 90 Zentimeter überragt!

Wagen wir zum Schluss einen Blick in die Zukunft. Da befürchte ich schon die nächste tierische Fälschung. Und zwar in Zusammenhang mit dem Pinguin Happy Feet – Sie wissen schon, der Pinguin, der im Sommer Tausende Kilometer entfernt von seiner Heimat in der Antarktis vor Neuseeland gestrandet war, schwach und krank, weil er beim Fressen Sand mit Schnee verwechselt hatte. Als er wieder gesundet war, rüstete man ihn mit einem Peilsender aus und ließ ihn frei. Das Tier sollte auf dem Rückweg in seine Heimat geortet werden können. Der Kontakt riss aber bald ab, aus welchen Gründen auch immer. – Wetten, dass Happy Feet im neuen Jahr irgendwo wieder auftaucht? Spätestens aus dem Sommerloch 2012, als Ersatz für das Ungeheuer von Lochness, das dieses Loch in früheren Zeiten zu füllen pflegte?

Aber bis dahin liegt noch ein halbes Jahr vor uns. Sehen wir zu, dass es tierisch gut wird!