In Nürnberg leben keine Delfine aus Taiji

Ich habe es befürchtet und deshalb letzte Woche keinen Blog-Beitrag über Taiji geschrieben, wo wieder das alljährliche grausame Delfin-Abschlachten stattfand. In der Online-Ausgabe der NZ wurden in Kommentaren zum dort veröffentlichen Artikel über Taji die irrwitzigsten Beziehungen zu den Delfinen im Nürnberger Tiergarten hergestellt. Das ist  eine der großen Gefahren des Internets: Jeder kann jeden Mist veröffentlichen.

Einer der Kommentatoren (@Redaktion), der nicht diesen unsäglichen Schreibern zuzuordnen ist, hat angeregt, dass Journalisten der Frage nachgehen sollten, woher die Delfine in Nürnberg stammen. Ich habe zwar immer wieder in Artikeln in der Printausgabe der NZ und auch hier im Blog geschrieben, woher die Tiergarten-Delfine kommen. Daraus müsste man eigentlich schließen können, dass der Nürnberger Tiergarten und Taiji nichts, aber auch gar nichts, miteinander zu tun haben. Es stimmt: Die schönsten der in Taiji gefangenen Tümmler werden an Delfinarien verkauft, jedoch ausschließlich in Japan, China und vereinzelt an die Türkei. In keinem einzigen europäischen Zoo, der mit Großen Tümmlern am Erhaltungszuchtprogramm EEP beteiligt ist, werden Tiere aus Taiji gekauft, und kein Zoo der Welt wird in den Zoo-Weltverband aufgenommen, wenn er ein Tier von dort halten würde.

Mir liegt die Liste aller Großen Tümmler vor, die in der Delfinlagune des Nürnberger Tiergartens leben und lebten. Für jedes einzelne Tier ist die Herkunft genau nachgewiesen (das ist auch in jedem anderen Zoo so). Die Großen Tümmler, die direkt nach der Eröffnung des alten Delfinariums im Tiergarten und in den folgenden 1970er Jahren hier gehalten wurden, waren noch Wildfänge. Das hat auch noch nie jemand abzustreiten versucht. Diese Tiere stammten aber nie aus Taji, sondern aus den Küstengewässern Floridas und kamen über andere Delfinarien (vor allem Duisburg und Nerja/Spanien) hierher. Darunter waren auch Tiere, die krank gefangen und im Dinnes Memorial Tier-Hospital (Texas) wieder aufgepäppelt worden waren. Und – ganz wichtig: Auch Moby, der Senior der Nürnberger Delfine, ein Wildfang aus Florida, der mittlerweile über 50 Jahre alt ist, lebt seit 1971 in Nürnberg und ist nach wie vor putzmunter.

Bereits in den 80er Jahren gab es Nachzuchten der ehemaligen Wildfänge (darunter Moby), die im Tiergarten geboren wurden. Einige davon starben innerhalb weniger Wochen, andere leben noch heute. Bei Anke und Nynke handelt es sich um Wildfänge aus dem Jahr 1985, die später vom Zoo Münster nach Nürnberg abgegeben wurden. Noah ist 1993 in Nürnberg als Sohn von Eva (Wildfang) und Moby (Wildfang) geboren und lebt noch hier. Naomi (geb. 1998), eine Schwester von Noah, lebt in Harderwijk. Die aus dem Heidepark Soltau stammenden und nach Nürnberg abgegebenen Delfine Sunny, Joker und Arni waren bereits Delfinariums-Geburten und leben teils hier, teils in der Meeres-Delfinlagune Harderwijk. Rocco und Kai sind beide in Harderwijk geboren.

Es gab in Nürnberg – wie in anderen Delfinarien auch – Tot- und Fehlgeburten sowie Jungtiere, die kurze Zeit nach der Geburt gestorben sind. Das passiert aber auch bei anderen Zootieren und wurde nie verheimlicht, sondern immer in der örtlichen Presse veröffentlicht. Es wäre schön, wenn die unsägliche Legendenbildung um die Delfine endlich mal abgeschlossen würde – aber ich fürchte, das werde ich nicht mehr erleben.

 

Delfinjagd ist rückläufig

Der August hat in meinem Blog mit einem traurigen Beitrag über ausgesetzte Tiere begonnen. Nun kann ich diesen Monat halbwegs versöhnlich ausklingen lassen: Die Jagd auf Delfine in Japan ist rückläufig. Das gibt die Tierschutz-Organisation Pro Wildlife bekannt, allerdings aus einem weniger erfreulichen Anlass: Im September beginnt die traditionelle Jagd auf die Meeressäuger im Land der aufgehenden Sonne.

In den vergangenen zehn Jahren ist laut Angaben von Pro Wildlife die Zahl der gejagten Delfine und Kleinwale um 83 Prozent zurückgegangen: von 18 369 Tiere auf 3104. Die japanische Regierung bestätigt diesen Trend. Grund für die positive Entwicklung ist aber nicht nur die Einsicht der Jäger. Es gibt einige andere Ursachen. So sind bei der Tsunami-Katstrophe im März 2011 auch viele Fischerboote zerstört worden. Die jungen Leute in Japan wissen außerdem, dass Delfin-Fleisch mit Giftstoffen belastet ist – unter anderem auch durch die Atomkatastrophe von Fukushima, die ja infolge des Tsunami über Japan hereinbrach.

In der wegen der Delfinjagd berühmt-berüchtigten Bucht von Taji wählen die Treiber die schönsten Delfine und Kleinwale aus. Diese Tiere verscherbeln sie dann für Tausende von Dollar an Delfinarien – hauptsächlich an Einrichtungen in Japan, China, Thailand, Mexiko und in der Türkei. Die restlichen Tümmler zerren sie in eine Nachbarbucht, die nicht so gut einsehbar ist, und stechen sie brutal ab. Pro Wildlife fordert, dass diese Massaker endlich beendet werden.

 

Hype um Panda-Paarung

Sie zählen zu den am meisten bedrohten Tierarten auf unserer Erde: die Großen Pandas. In freier Wildbahn in China gibt es nur noch 1600 Exemplare, dazu kommen 300 in Zoos.Vielleicht lässt sich dadurch der Hype erklären, der im Augenblick um das Thema Panda-Paarung in Japan und in Schottland entstanden ist. Ganz Japan flippt aus, seit aus dem Zoo von Tokio die frohe Nachricht kam: Die beiden Pandabären Shin Shin und Ri Ri hatten Sex miteinander – und das, obwohl Pandas als Sexmuffel verschrien sind. Umso unglaublicher, dass die beiden sich in dieser Woche schon zweimal gepaart haben – einmal abends, und dann am nächsten Morgen schon wieder.

Das „Liebesspiel“ wurde auf einem Video und auf der Webseite des Zoos veröffentlicht. Das Video war sogar in den Haupt-Abendnachrichten des größten öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders zu sehen. Schon im vergangenen Jahr hatte es eine ähnliche landesweite Aufregung gegeben, als bekannt wurde, dass sich die zwei Pandabären, die 2011 als Leihgabe aus China nach Tokio gekommen waren, zum ersten Mal gepaart hatten. Im Juli 2013 erblickte sogar ein Pandababy das Licht der Welt. Es wurde aber nur eine Woche alt und starb dann an einer Lungenentzündung. Damals wurden für diese traurige Nachricht alle Fernseh- und Radiosendungen unterbrochen. Nun fiebert eine ganze Nation mit, dass es diesmal besser läuft und ein Happy End gibt. Pandamania in Japan!

Auch die Schotten geraten in Sachen Panda völlig aus dem Häuschen. Im Zoo von Edinburgh richten sich alle Hoffnungen auf die Großen Pandas Tian Tian und Yang Guang, die sich laut Expertenmeinung in den nächsten Wochen ebenfalls paaren werden. Weil die beiden im vergangenen Jahr offenbar keine Lust dazu hatten, helfen die Zoo-Mitarbeiter jetzt ein wenig nach, um möglichst günstige Voraussetzungen für ein Techtelmechtel der beiden Pandas zu schaffen. So ahmen sie zum Beispiel die natürlichen Lichtverhältnisse der Außenwelt im Gehege nach. Die beiden Bären durften auch einige Zeit im Gehege des Partners verbringen, um dort Duftmarken zu setzen oder aufzunehmen. Wenn es nichts wird mit dem natürlichen Sex, will man es mit künstlicher Befruchtung versuchen. Ob das alles von Erfolg gekrönt sein wird, bleibt abzuwarten. Denn Pandas bekommen nur selten Nachwuchs in Zoos.

Hamsterkäufe von Koi-Karpfen

Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat Auswirkungen, auf die man zunächst nicht einmal im Traum käme: Sie hat mittlerweile zu Hamsterkäufen von japanischen Koi-Karpfen bei uns in Deutschland geführt.

Gartenteichbesitzer, die Koi-Karpfen halten, sorgen sich nämlich, dass die besonders schönen, kräftig gefärbten Fische aus Japan künftig verstrahlt sein könnten. Viele dieser Tiere stammen aus speziellen Farmen in der Nähe von Niigata. Das liegt ungefähr 200 Kilometer entfernt von Fukushima. Aber derzeit kann niemand einschätzen, wie schnell sich verstrahltes Wasser über diese Distanz verbreitet und die gr0ßen Koi-Züchter in Japan erreicht.

Aus Angst, dass die Koi aus Japan im nächsten Jahr verstrahlt sind, haben auch verschiedene deutsche Koi-Händler, die ihre Karpfenbestellung für dieses Jahr eigentlich schon abgeschlossen hatten, noch einmal nachbestellt. Die Kunden wiederum ordern jetzt auch schon Koi-Futter auf Vorrat, weil sie verunsichert sind und nicht wissen, wie sich die Verstrahlung in Zukunft entwickelt.

Übrigens: Von amtlicher Seite gibt es in Deutschland bisher noch keinen Grund zur Beunruhigung. An den Flughäfen in Frankfurt und München, wo Maschinen mit Koi-Lieferungen aus Japan landen, haben die Veterinärämter noch keine verstrahlten Karpfen festgestellt.

 

Der ewige Streit über den Walfang

walfangEs gibt Themen, bei denen kommen die Vertreter gegnerischer Positionen einfach nicht näher zusammen. So ein Thema ist der Walfang. Der Streit darüber zwischen Ländern, die Walfang betreiben, und solchen, die die Meeressäuger streng schützen wollen, nimmt kein Ende. Bei Verhandlungen der Internationalen Walfangkommission, die kürzlich in Agadir stattfanden, wurde nicht der angestrebte Kompromiss über Walfangquoten erzielt. Der hätte folgendermaßen ausgesehen: Aussetzung des kommerziellen Fangverbots für einen Zeitraum von zehn Jahren. Im Gegenzug sollten Quoten für den Fang der Meeressäuger festgelegt werden, die niedriger sind als die Zahl der tatsächlich jedes Jahr getöteten Wale (das sind etwa 2000 pro Jahr).

88 Staaten haben an den Beratungen teilgenommen. Die großen Walfangnationen Japan, Norwegen und Island peilten eine Lockerung des kommerziellen Walfang-Verbots an und hätten dafür niedrigere Fangquoten in Kauf genommen. Dagegen haben Australien und mehrere Länder in Lateinamerika ein komplettes Walfang-Verbot im Antarktischen Ozean gefordert.
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Unglücklich über den "Oscar"

urn:newsml:dpa.com:20090101:100226-99-03360Das war fast vorhersehbar: Der Film „Die Bucht“ hat den „Oscar“ für den besten Dokumentarfilm gewonnen. Der Streifen über das Delfin-Abschlachten in der japanischen Taiji-Bucht ist überall in den Kinos nach einer riesigen Werbekampagne angelaufen und hat – wie es beim Thema Delfine immer der Fall ist – große Emotionen und lebhafte Diskussionen ausgelöst.

Jetzt, nach der „Oscar“-Verleihung, steht das japanische Fischerdorf Taiji noch mehr im Mittelpunkt des Weltinteresses. Nicht unbedingt zur Freude der Einwohner: Sie fühlen sich als grausame Tierquäler an den Pranger gestellt. Dass die Delfinjagd und der Verzehr von Delfinfleisch zu den uralten Traditionen Japans und auch zur dortigen Kultur gehören, wird ihrer Meinung nach vernachlässigt.
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