Der Juchtenkäfer hat´s geschafft!

Was Menschen nicht hinbekommen haben, hat er also tatsächlich geschafft: Der Juchtenkäfer stoppt erst einmal wichtige Vorarbeiten für das Bahnprojekt Stuttgart 21. So etwas hatte ich ja hier vor über einem Jahr schon vermutet. Die Käferart wird Schuld daran sein, dass es Verzögerungen von ungefähr einem Vierteljahr beim Bau geben wird.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat heute einer Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) stattgegeben und Nachbesserungen beim Artenschutz im Stuttgarter Schlossgarten verlangt, der an den Bahnhof angrenzt. Das misslungene Grundwassermanagement hat nach Ansicht der Richter Auswirkungen auf die Natur, die nicht berücksichtigt wurden, vor allem auf  Bäume im mittleren Schlossgarten. Auf denen lebt eben der geschützte Juchtenkäfer.

Laut BUND sind auch die Folgen für Vogel- und Fledermausarten nicht richtig geprüft worden. Der BUND will jetzt Vorschläge zum Schutz der Tiere machen. So sollen zum Beispiel keine Bauarbeiten während der Brutzeit stattfinden und kein zu starkes Licht eingesetzt werden.

So mächtig können kleine Tiere sein

urn:newsml:dpa.com:20090101:101004-99-00790Täglich demonstrieren Zehntausende von Menschen gegen Stuttgart 21. Ob ihr Protest den Bau des umstrittenen unterirdischen Bahnhofs verhindern kann? Man wird sehen. Vielleicht macht aber ein kleines Tier dem Projekt noch einen Strich durch die Rechnung: der Juchtenkäfer, gerade mal so groß wie ein Mistkäfer.

Wie das? Dieser vom Aussterben bedrohte Käfer kommt ausgerechnet auf dem Gelände von Stuttgart 21 vor. Und zwar auf  Bäumen, die zum Teil allerdings schon gefällt wurden. Deshalb hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bereits Anzeige gegen die Deutsche Bahn erstattet. Der Juchtenkäfer, der auch unter dem Namen Eremit bekannt ist, lebt zurückgezogen in Baumhöhlen – besonders in sehr alten Eichen, wie sie auf dem Stuttgart-21-Gelände stehen. Oft verbringt dieses seltene Tier sein ganzes Leben in den Höhlen. Nicht einmal zur Nahrungsaufnahme muss es sie verlassen, denn es ernährt sich von Mulm, also vom zersetzten toten Holz alter Laubbäume. Der Name Juchtenkäfer lässt sich folgendermaßen erklären: An heißen Tagen kriechen die männlichen Käfer manchmal an den Eingang der Baumhöhlen und verströmen einen intensiven Geruch nach mit Öl behandeltem Juchtenleder.

Der Juchtenkäfer ist übrigens nicht das erste Tier, das ein riesiges Bauvorhaben zumindest gefährden könnte. Die Deutsche Presseagentur hat aus ihrem Archiv einige interessante Beispiele ausgegraben, wie kleine Tiere große Projekte (fast) schon gestoppt haben. Ein tolles Thema, das ich hier gerne an meine Leser weitergeben möchte.

Die Agentur erinnert etwa an die Kleine Hufeisennase: Diese bedrohte Fledermausart hat es immerhin geschafft, den Bau der Dresdener Waldschlösschenbrücke eine Zeitlang lahmzulegen. Die Belange dieser Tierart seien nicht ausreichend berücksichtigt, urteilte damals das Verwaltungsgericht Dresden. Das war im Jahr 2007. Auch wenn der Bau nicht verhindert wurde, ordnete das Gericht zumindest an, dass Auflagen zum Schutz der Tiere beachtet werden mussten.

Noch bei einer anderen Fledermausart, nämlich der großen Mopsfledermaus, wurde die Nachrichtenagentur fündig. Diese Tiere haben den Ausbau der Start- und Landebahn am Hunsrück-Flughafen Hahn in Rheinland Pfalz um eineinhalb Jahre bis 2007 verzögert.

Auch dem Frankfurter Flughafen kam beim Bau einer 150 Millionen teuren Halle schon einmal ein kleines Tier in die Quere: der Hirschkäfer. Erst als der Betreiber des Flughafens dafür gesorgt hatte, dass die Käferbrut umgesiedelt wurde, erhielt er die Erlaubnis, Wald für die Halle zu roden.

Den Bau der Ostseeautobahn A 20 konnte der Wachtelkönig (ein mittelgroßer geschützter Vogel) zwar nicht stoppen. Aber immerhin gelang es ihm, in Hamburg im Stadtteil Neugraben 1997 ein großes Wohnungsbauprojekt zu verhindern. Und wegen Kammmolchen musste im Jahr 2005 die Streckenführung der Autobahn A 49 zwischen Kassel und der A 5 bei Gemünden geändert werden.