Menschenrecht für Affendame Sandra?

SandraTierrechtler feierten es vor einem knappen halben Jahr als riesigen Erfolg: Sie hatten gerichtlich durchgesetzt, dass das alte Orang-Utan-Weibchen Sandra aus dem Zoo von Buenos Aires freigelassen werden müsse. Der Fall machte vor allem deswegen Schlagzeilen, weil in dem Urteil ein Menschenaffe den Menschen rechtlich teilweise gleichgestellt worden war. Doch dann hörte man nichts mehr von Sandra.
Wie sich nun herausstellt, lebt der 29 Jahre Orang-Utan nach wie vor im Zoo der argentinischen Hauptstadt. Die Affendame ist 1986 in Rostock geboren und zog 1994 nach Buenos Aires um. Vor dem spektakulären Gerichtsurteil hatte der Zoo erwogen, sie in einem Reservat für Menschenaffen unterzubringen, davon aber Abstand genommen, weil das zu riskant für das betagte Tier sei.
Jetzt lässt das Gericht von Fachleuten prüfen, ob man Sandra freilassen kann oder ob das praktisch ihr Todesurteil wäre, weil sie schließlich immer in einem Zoo gelebt hat. Auch ihr hohes Alter ist ein Argument dagegen: Sie hat das Höchstalter von in freier Wildbahn lebenden Orang-Utans erreicht, aber in „Gefangenschaft“ können diese Tiere durchaus 40 Jahre alt werden. Weil Sandra im Gegensatz zu den im Nachbargehege des Zoos untergebrachten Schimpansen eher lethargisch wirkt, ist die Argentinische Anwaltsvereinigung für Tierrechte (Afada) der Meinung, sie leide unter einer Depression – vor allem, seit ein Jungtier, mit dem sie sich das Gehege geteilt hatte, nicht mehr im Zoo lebt. Deshalb hatte sich die Afada auf die „Habeas Corpus“- Akte berufen: Sandra befinde sich in „ungerechtfertigter Gefangenschaft“. Weil sie emotional wie ein Mensch reagiere, wäre sie in Freiheit glücklicher.
Die Zooleitung ist dagegen der Aufassung, das Affenweibchen sei eben ein sehr ruhiges Tier, das als Einzelgängerin gelte. Mit männlichen Orang-Utans haben die Weibchen nur zur Paarung Kontakt, mit Jungtieren nur so lange, bis diese geschlechtsreif sind. Deshalb lebt Sandra nun allein.

Schweig, Pfau!

PfauneuUnglaublich, aber wahr: Ein Gericht muss sich mit der Frage beschäftigen, ob die Pfauen im Tiergarten Mönchengladbach während der Balzzeit nachts zu laut schreien. Die bösen Vögel haben vielleicht sogar eine Ehe zerstört: Die geschiedene Frau des Klägers behauptet, sie sei wegen des Vogelgeschreis manche Nacht bis zu fünfmal aufgewacht, und ihr Mann habe am nächsten Morgen völlig übermüdet und  schlechtgelaunt am Frühstückstisch gesessen. Das mag auch noch andere Ursachen gehabt haben – jedenfalls zog die Frau die Konsequenz und aus dem Haus aus.

Eine Nachbarin der Beiden will hingegen nicht von Pfauen, sondern von irgendeinem anderen lauten Vogel aus dem Tierpark um den Schlaf gebracht worden sein. Erst soll dieses unverschämte Tier immer nachts um drei seinen Schnabel zu weit aufgerissen und daraufhin auch noch Antwort von einem anderen Schreihals bekommen haben. Inzwischen sei dieses geheimnisvolle Vogelwesen allerdings verstummt – aus welchem Grund auch immer. Die  Gerichtsverhandlung ähnelte immer mehr einem absurden Theaterstück. Der Kläger-Anwalt sprach den Verdacht aus, jemand aus dem Tierpark habe den vogeligen Störenfried wohl um die Ecke gebracht. Das stritt natürlich der Anwalt des Tierparks ab: Dort würden weder seltsame Vögel noch andere Tiere getötet.

Menschliche Nachtruhe, die durch Tiergeräusche gestört wird – eine schwierige Frage. Zumindest bisher gibt es keine Grenzwerte, wie laut solche Geräusche sein dürfen. Das Gericht will deshalb möglicherweise ein Gutachten zur Lautstärke erstellen lassen. Insgesamt muss geklärt werden, ob der
Nachbar durch die Tiergeräusche wesentlich beeinträchtigt wird.

Es leben die Robben!

Klar: Minderheiten wie die Inuit muss man schützen und ihre Rechte stärken. Aber im Zweifelsfall finde ich den Tierschutz immer noch wichtiger. Und der hat jetzt glücklicherweise einmal gesiegt bei einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Der Handel mit Robbenprodukten bleibt demnach in der EU – wie gesetzlich vorgesehen – weitgehend verboten, weil die Tötung der Tiere als zu grausam eingestuft wird. Ureinwohner von Kanada, die dieses Gesetz als ungerecht empfinden, haben gegen diese Handelsbeschränkung geklagt – und verloren. Der Europäische Gerichtshof hat die Klage zurückgewiesen. Und das Beste daran: Eine Berufung ist nicht möglich; die Inuit scheiterten im April dieses Jahres schon in erster Instanz vor dem EU-Gericht. Allerdings sind einige Fragen zu EU-Regelungen vom Europäischen Gerichtshof nach wie vor nicht entschieden.

In Europa dürfen Robbenerzeugnisse nur unter sehr strengen Auflagen verkauft werden, etwa wenn sie aus traditioneller Jagd stammen und zum Lebensunterhalt von Ureinwohnern dienen. Diese Regelung gilt aus Gründen des Tierschutzes. Die erneute Klage der Ureinwohner Kandas sei nicht zulässig, so die Richter. Die Inuit hatten sich auf eine Erweiterung der Klage-Möglichkeiten von Bürgern vor EU-Gerichten berufen. Doch diese Begründung akzeptierten die Richter nicht, ihrer Meinung nach lässt sie sich nicht auf den Handel mit Robbenprodukten anwenden.

Happy End in Bangladesch

Tiergeschichten, die zu Herzen gehen, spielen sich nicht tagtäglich ab. Aber auf der Suche nach Themen für dieses Blog bin ich wieder mal auf eine gestoßen – eine besonders schöne, wie ich finde.

Hauptfigur ist eine Papageiendame namens Prinzessin. (Schon das hört sich ja beinahe wie im Märchen an.) Diese Papageiendame lebt seit fünf Jahren in einem Privatzoo in Bangladesch. Der Zoodirektor hatte das Vogelweibchen in Brasilien gekauft, weil er für einen einsamen Papageienmann namens Prinz eine Partnerin suchte. Besagter Prinz wohnte ebenfalls in dem Privatzoo, seit ihn sein früherer Besitzer dorthin verliehen hatte. Der Mann war umgezogen und hatte in seiner neuen Wohnung keinen Platz mehr für den Ara. Nun waren Prinz und Prinzessin in dem Zoo fünf Jahre lang ein glückliches Paar. Das Glück schien perfekt, als sich die beiden im September 2011 über dreifachen Nachwuchs freuen konnten.

Doch eines Tages überlegte es sich der Besitzer von Prinz wieder anders – er verlangte seinen Papagei zurück. Der Zoo wollte das Tier zwar zunächst nicht mehr herausrücken, aber der Besitzer zog vor Gericht und gewann. Anfang Januar wurden die beiden Tiere also getrennt. Doch Papageiendame Prinzessin verkraftete das nicht und war so von Trennungsschmerz gebeutelt, dass sie in den Hungerstreik trat. Das Tier wurde von Tag zu Tag schwächer, verweigerte aber trotzdem jede Nahrung.

Die Richter zogen daraufhin ihre Anordnung zurück und verfügten, dass Prinz wieder zu seiner Prinzessin zurückkehren darf. Das Gericht wollte schließlich nicht für den drohenden Tod der Papageiendame verantwortlich sein. Die beiden Aras sind jetzt wieder vereint – ein Happy End, wie es sich kein Drehbuchautor schöner ausdenken könnte.

Stierkampf in Frankreich weiter erlaubt

Mit Spannung wurde darauf gewartet, nun hat der Verfassungsrat in Frankreich seinen Beschluss gefasst: Im Süden Frankreichs dürfen auch weiterhin Stierkämpfe abgehalten werden – sie verstoßen nicht gegen die französische Verfassung. Ein harter Schlag für alle Tierschützer!

Die eigentlich spanische Corrida, also der Stierkampf, an dessen Ende der Stier mit einem Degenstoß getötet wird, hat sich längst auch in Südfrankreich einen festen Platz erobert. In Städten wie Nimes oder Arles zieht er scharenweise Touristen an und spielt deshalb natürlich eine wichtige wirtschaftliche Rolle.

In Frankreich tobt aber auch seit Jahren ein Streit zwischen den Anhängern des Stierkampfs und den Gegnern. Die Befürworter argumentieren, die Kämpfe gehörten zum Gemeinwohl der Region und seien Ausdruck eines kulturellen, sozialen und regionalen Pluralismus. Dagegen empören sich Tierschützer über die Grausamkeit und Brutalität des Spektakels. Vor allem die Schauspielerin Brigitte Bardot ist seit Jahren als Kämpferin gegen den Stierkampf bekannt. Zusammen mit  ihren Leinwand-Kollegen Jean-Paul Belmondo und Alain Delon hat sie einen Aufruf verfasst, in dem es heißt: „Es ist Fakt, dass der spanische Stierkampf nicht Teil der französischen Kultur ist.“

Übrigens ist in Frankreich jeder „Akt der Grausamkeit“ gegen Tiere verboten. Bei einem Verstoß drohen bis zu zwei Jahre Gefängnis und Geldstrafen bis zu 30 000 Euro. Bisher gab es jedoch Ausnahmen bei Stier- und Hahnenkämpfen in Gegenden, wo sie als örtliche Tradition gelten. Diese Ausnahmeklausel hat der Verfassungsrat nun als verfassungsgemäß erklärt.
In Spanien selbst ist der Stierkampf in der Region Katalonien verboten, und zwar seit 2010 – darüber habe ich hier schon gechrieben.

Ein neuer Coup von PETA

Von den Tierschutz-Aktivisten der Vereinigung PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) sind wir in Nürnberg ja schon einiges gewöhnt. Ich habe über verschiedene Aktionen und Vorwürfe der Organisation, vor allem solche gegen den Tiergarten Nürnberg, in meinem Blog schon öfter geschrieben, zum Beispiel hier.

Jetzt aber hat sich der US-amerikanische PETA-Verband etwas einfallen lassen, auf das ich in meinen kühnsten Träumen – oder soll ich lieber sagen: schlimmsten Albträumen? – nicht gekommen wäre:  PETA-Mitglieder haben bei einem Gericht in San Diego Klage im Namen von fünf Orcawalen eingereicht. Sie wollen allen Ernstes prüfen lassen, ob das in der amerikanischen Verfassung verankerte Verbot der Sklaverei auch für Meeressäugetiere gilt. Die Klage geht gegen „Seaworld“ und bezieht sich auf fünf Orcas, die nach Ansicht von PETA von dem Erlebnispark-Unternehmen wie Sklaven gehalten würden: Kritisiert wird die Haltung in zu kleinen Becken und die Tatsache, dass die Tiere täglich in den Freizeitparks in Shows auftreten müssten.

„Seaworld“ und dessen Anwälte argumentieren, die PETA-Klage sei bar jedes gesunden Menschenverstandes. Der Zusatz in der Verfassung der USA gegen die Sklaverei beziehe sich eindeutig nur auf Menschen, nicht auf Tiere. Nach Medienberichten soll der Richter ebenfalls dieser Meinung sein.

Typisch für PETA ist die Tatsache, dass die Organistion wieder einmal die Augen vor Dingen verschließt, die sie nicht wahrhaben will oder die nicht in ihr Feindbild von den bösen Zoos und Aquarien passt: „Seaworld“ hat zur gleichen Zeit, als die Klage vorwärts gebracht wurde, vier Seelöwen aufgepäppelt und wieder ins freie Meer entlassen. Aber PETA setzt nun mal auf öffentlichkeitswirksame Aktionen. Hauptsache ist es für die Tierrechtler, auf irgendeine Art und Weise groß in den Medien herauskommen, egal, wie die Dinge in Wirklichkeit stehen. Das kennen wir, wie gesagt, aus Nürnberg zur Genüge.

War die Tötung der Tiger richtig?

SibirischerTigerEs gibt wieder einmal einen interessanten Fall vor Gericht, der sich um Tiere dreht – genauer gesagt: um Zootiere. Dem Direktor des Zoos von Magdeburg und dreien seiner Mitarbeiter wird ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorgeworfen. In dem Zoo waren im Jahr 2008 drei kleine Tiger eingeschläfert worden. Der Tötungsgrund: Sie waren angeblich nicht für die Zucht geeignet, weil ihr Vater kein reinrassiger Sibirischer Tiger – also so einer wie hier auf dem Foto – war. Den Angeklagten drohen nun Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen.

Der Verein „animal public“ hatte den Fall seinerzeit durch eine Anzeige ins Rollen gebracht. Laut diesen Tierschützern hat es keinen vernünftigen Grund gegeben, der gerechtfertigt hätte, die drei gesunden Tiger zu töten. Der Zoodirektor dagegen vertritt die Auffassung, zum Einschläfern der Raubkatzen habe es keine Alternative gegeben. Der Weltzooverband hat ihn darin bestärkt. Schließlich sei man in dem Zoo davon ausgegangen, dass der Vater der drei Tigerbabys reinrassig sei – er war über das Europäische Erhaltungszucht-Programm (EEP) nach Magdeburg gekommen.
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Knut und der Krieg der Zoos

So etwas hat es in der deutschen Zoogeschichte noch nicht gegeben: Ab heute streiten sich der Berliner Zoo und der Tierpark Neumünster vor Gericht darum, wieviel für wen vom Millionengewinn abfällt, den Eisbär Knut in Berlin eingespielt hat.

Zum Hintergrund des Zwists: Neumünster pocht auf seinen Anteil, weil von dort Knut-Vater Lars an Berlin ausgeliehen wurde. Laut Vertrag gehöre Knut sogar dem Tierpark Neumünster. Berlin ist da anderer Meinung.

Statt Millionen vom Kuchen abzugeben, hat der Berliner Zoo-Chef großzügig „ein paar Pinguine“ als Gegenleistung vorgeschlagen. Damit hat er den Leiter des Tierparks in Schleswig-Holstein auf die Palme gebracht. Piguine habe man dort selbst. Er will Geld aus den Knut-Einnahmen sehen, um dringend nötige Renovierungen in seiner Anlage durchführen lassen zu können.

Nun wird es spannend, wie das Gericht den Fall behandelt. Ob der Berliner Zoo überhaupt offenlegen muss, was er an Knut verdient hat und noch verdient, bleibt abzuwarten. Außerdem ist der Fall interessant, weil sich andere kleinere Zoos, die fast alle unter chronischem Geldmangel leiden, den Fall als Vorbild für etwaige eigene Klagen nehmen könnten.