Skandal in Kanada

Ich bin eigentlich ein großer Fan von Kanada und der liberalen, toleranten Politik in diesem Land – gerade im Vergleich zu den USA. Zu den Dingen, die ich in Kanada ablehne, gehört allerdings die kommerzielle Robbenjagd, die nur die Interessen der Industrie befriedigt. In diesem Jahr ist es besonders schlimm: Die Jagdsaison wurde mit Erlaubnis der Regierung Trudeau statt – wie vorgesehen – am 7. April schon vergangene Woche eröffnet. Dabei wäre auch der 7. April schon ein sehr früher Beginn der Jagdsaison gewesen – eigentlich gilt nämlich bis Mitte April ein Jagdverbot. Das Einknicken der Regierung vor dem Kommerz bedeutet also, dass die Jäger wesentlich länger als sonst Jagd auf ausgewachsene Sattelrobben machen.

Der Zeitpunkt Mitte April war bislang so gewählt, damit die Robbenmüter ihre Babys in Ruhe zur Welt bringen und säugen können. Es war eine der ohnehin wenigen Schutzmaßnahmen, die es in Kanada für die Robben gibt. Der vorverlegte Zeitpunkt hat grausame Folgen für die Robbenbabys: Werden ihre Mütter während der Gebär- und Stillphase getötet, verhungern sie jämmerlich. Sie haben allein keinerlei Chance zu überleben. Was da in diesen Tagen passiert, ist also nur als Skandal zu bezeichnen, der unbedingt gestoppt werden muss.

Der International Fund for Animal Welfare (IFAW), von dem ich auch obiges Foto verwendet habe, hat einen internationalen Aufruf gestartet, um die kanadische Regierung zum Umdenken aufzufordern. Ich möchte mich in meinem Blog gerne dieser Aktion anschließen und dafür werben, die Petition zu unterzeichnen.

Die eigentlichen Erfinder der La-Ola-Welle

Sie gehören auch im Tiergarten Nürnberg zu den Lieblingen der Zoobesucher: Präriehunde. Die in Nordamerika beheimateten Nagetiere sind Verwandte der europäischen Murmeltiere. Ihr Gehege am Schmausenbuck befindet sich dort, wo früher einmal das Badebecken der Flusspferde war – direkt am gleichnamigen Haus.

Fußballfans in aller Welt kennen die sogenannte La-Ola-Welle. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wer sie erfunden hat. Wir Tierfreunde aber wissen schon lange: In Wahrheit waren es die Präriehunde. Wenn es ein Mitglied einer Kolonie plötzlich auf die Hinterbeine hochreißt, macht ihm das ein Tier nach dem anderen nach, so dass es wie die „Welle“ beim Fußball aussieht.  Kanadische Forscher sind nun der Frage nachgegangen, warum die Präriehunde das tun – schließlich sind sie doch gar keine Fußballfans.

Bisher mussten mehrere Erklärungen dafür herhalten: Die Tiere würden damit ihr Territorium markieren, es würde Entwarnung nach einer Gefahr bedeuten oder zeige einfach eine stärkere soziale Bindung einzelner Koloniemitglieder zu ihren Nachbarn. Wissenschaftler in Winnipeg haben diese Annahmen jetzt entkräftet. Sie haben genau beobachtet, was die Tiere tun, wenn sie so eine Welle ins Rollen gebracht haben. Dabei stellten die Biologen folgendes fest: Je mehr Artgenossen mitmachen und je länger die „Welle“ deshalb dauert, desto länger geht das Tier danach auf Futtersuche. Die Kolonie ist während dieser Zeit besonders wachsam, so dass sich das Einzeltier sicherer fühlen kann als sonst. Die Stdie wurde jetzt  im Fachjournal „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlicht.

Nicht überall beliebt: der Biber

Jahrzehntelang galt er als ausgestorben, in den letzten Jahren siedelte er sich nach erfolgreicher Auswilderung wieder bei uns an. Zunächst war die Freude groß, doch schon möchten ihn manche wieder loswerden: Die Rede ist vom Biber.

Tierschützer sind begeistert und begrüßen es, dass Europas größte Nagetiere mit ihren Dämmen und Biberburgen Gewässerläufe naturnah umgestalten. Denn dadurch schaffen sie auch wieder Lebensraum für andere Tiere, zum Beispiel für den grünen Laubfrosch, der auch wieder häufiger bei uns gesichtet wird, seit der Biber sich breit macht.

Andere ärgern sich hingegen über die Aktivitäten der Biber, die zur Überflutung von Wiesen ebenso führen wie zur Untertunnelung von Wegen. Landwirte müssen für den von Bibern verursachten Schaden durch Fraß an Bäumen und Feldfrüchten selbst aufkommen und gehören deshalb auch nicht unbedingt zu den Biber-Fans. Außerdem nehmen die Klagen zu, dass Biber wertvolle Bäume fällen, die von Naturschützern gehegt und gepflegt werden. Inzwischen gibt es in verschiedenen Regionen Fachleute oder Biberbeauftragte, die für ein spezielles Bibermanagement zuständig sind und versuchen, die verschiedenen Interessen auszugleichen.

Wie nützlich Biber sein können, hat sich jetzt erst wieder in Kanada gezeigt. Dort hat in der Provinz Alberta ein Biberdamm dazu beigetragen, eine Ölkatastrophe zu verhindern. Als fast 30 000 Barrel Öl aus einem Leck in einer Ölleitung austraten, wurde die weitere Ausbreitung des Öls in der Landschaft durch einen Biberdamm verhindert.

 

Den Eisbären wird´s zu warm

In der kanadischen Hudson-Bay bringen die Eisbären-Weibchen immer weniger Jungtiere zur Welt. Wissenschaftler der Universität von Alberta warnen bereits, dass die gesamte Population in diesem südlichsten Lebensraum der Eisbären in der Arktis bedroht ist. Ursache für die stark rückläufige Geburtenzahl ist nach Erkenntnissen der Forschung die Erderwärmung, die in der im Osten von Kanada gelegenen Bucht immer kürzere Frostperioden zur Folge hat: Die Eisschmelze beginnt in der Hudson-Bay pro Jahrzehnt um eine Woche früher – damit verkürzt sich die Jagdsaison für die Eisbären.

Normalerweise war die Bucht im Winter acht Monate lang zugefroren. In dieser Zeit jagen die Eisbären nach Robben, die ihre wichtigste Nahrungsgrundlage bilden. Ist das Eis geschmolzen, müssen die Bären auf dem Festland von ihren Fettpolstern zehren, denn im Wasser haben sie keine Chance, die für sie viel zu schnell schwimmenden Robben zu erlegen. Die Fettreserven sind besonders für die Weibchen wichtig. Nur kräftige Weibchen können für ausreichend Nachwuchs sorgen, um die Population zu erhalten. Sind sie zu schwach, sind kleinere Würfe oder Fehlgeburten die Folge – oder sie werden gar nicht erst trächtig. Schon im letzten Jahrzehnt ging die Eisbären-Population in der westlichen Hudson-Bay um ein Viertel zurück.

Sollte das Frühjahr in der Region – wie erwartet – künftig noch früher einsetzen, dann sieht es tatsächlich düster aus für die Eisbären.

Tierische Olympia-Maskottchen

Den Vorschlag von „mandy wagenknecht“, die in ihrem Kommentar auf meinen letzten Beitrag über Wölfe die Idee hatte, auch mal was über Werwölfe zu schreiben (gerade jetzt, da dieses Thema groß im Kino rauskommt), finde ich an sich gut. Aber der Aktualität wegen muss ich mich heute unbedingt um ein anderes Thema kümmern, das ich schon seit Tagen vor mir herschiebe: die Olympischen Spiele, die morgen in Vancouver beginnen.

Was soll denn Sport mit Tieren zu tun haben, mag sich nun vielleicht mancher fragen. Doch er vergisst, dass auf der Welt alles irgendwie zusammenhängt. Also: Auch bei diesen Spielen kommen wieder einmal tierische Maskottchen zum Einsatz. Das macht die sportlichen Ereignisse, die ich zu einem guten Teil auch am Fernseher verfolgen werde, für mich noch viel interessanter. Wenn ich schon vor einem Wettkampf den netten Glücksbringern begegne, steigt bei mir die Laune gleich ein Stück weiter nach oben. Und auch als Souvenirs werden sie eine Menge Geld in die Kassen spülen.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100203-99-02064Diesmal heißen sie Sumi, Miga und Quatchi. Drei Figuren, denen die Kanadier jetzt dauernd über den Weg laufen und umgekehrt. Es handelt sich um Wesen, die für die Ureinwohner Kanadas eine bedeutende Rolle spielen. Sumi, das ist der Schutzengel für Tiere – womit ich wieder bei meinem oben erwähnten Beitrag „Schutzengel für die Wölfe“ wäre. Sumi besitzt Flügel, nämlich die des Donnervogels. Wenn er nicht fliegt, sondern geht, dann tut er das auf den starken Fellbeinen des Schwarzbären. Miga ist ein sportliches Seebär-Mädchen, das gerne surft und snowboardet. Miga ist halb Orca, halb Bär. Das rührt daher, dass sich in den Mythen der kanadischen Urbevölkerung Orca-Wale an Land in Bären verwandeln. Das Ungetüm Quatchi mit den Riesenfüßen und dem dicken Fell soll es tatsächlich gegeben haben. Quatchi ist allerdings ein sanfter, fast schüchtern zu nennender Riese, und er hat eine Schwäche für Eishockey. Toll: Da kommt wirklich (fast) alles zusammen, was Kanada ausmacht!

Dann gibt es da noch einen Vierten im Bunde, der allerdings kein offizielles Olympia-Maskottchen ist: Mukmuk, das Murmeltier. Mukmuk heißt in der Sprache der Ureinwohner so viel wie Essen, und das deutet auch schon auf MukMuks Lieblingsbeschäftigung hin: Er widmet einen großen Teil seiner Zeit der Nahrungsaufnahme.

Im Vergleich zu diesen Gestalten nehmen sich die Maskottchen früherer Olympischer Winterspiele direkt langweilig aus. Ich erinnere mich trotzdem gern an den Waschbären von Lake Placid (1980), der auf den schönen Namen Roni the Raccoon hörte. Oder an den kleinen Wolf Vucko von Sarajevo (1984), der immer so süß „Sarajevooooooooo“ heulte und dafür sorgte, dass das vorher schlechte Image der als ekelhafte Räuber verschrienen Wölfe sich schlagartig verbesserte. Und dann fallen mir noch die zwei Eisbären von Calgary (1988) ein, Hidy und Howdy. Ob die beiden auch ein wenig zum allgemeinen Eisbären-Hype beigetragen haben, der in den letzten Jahren überall auf der Welt ausgebrochen ist?