Mancher Karpfen(esser) ist ganz schön verwegen!

Uns Franken ist der Karpfen ja am liebsten, wenn er auf dem Teller liegt, vorzugsweise gebacken. Allerdings müssen wir bis zum Beginn der nächsten Karpfensaison im September noch etwas warten – bekanntlich isst man Karpfen nur in den Monaten mit einem R im Namen. Das Thema Karpfen ist trotzdem aktuell. Denn Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei und Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben sich mit den Fischen beschäftigt, und zwar in einer Studie über die Persönlichkeit von Karpfen. Kein Witz! Die Forscher haben herausgefunden, dass verschiedene Karpfenrassen unterschiedlich risikobereit sind: Gezüchtete Spiegelkarpfen zeichnen sich demnach durch Draufgängertum und Dreistigkeit aus, während die ursprüngliche Rasse der Schuppenkarpfen eher scheu und schüchtern ist. Dafür wurden die Karpfen bei identischen Versuchsreihen in Teichen und in Labortanks beobachtet. Bei der Futtersuche zeigten sich die verwegenen Spiegelkarpfen äußerst risikobereit, die ängstlichen Schuppenkarpfen dagegen wagten sich nur sehr zögerlich aus ihrem Versteck.

Tja, das ist ganz ähnlich wie bei den Menschen, die Karpfen verspeisen. Da gibt es ja durchaus auch gewisse Unterschiede in der Risikobereitschaft: Manche bestellen mutig einen extrascharfen Pfefferkarpfen, andere sind vorsichtig und lassen den Pfeffer lieber ganz weg. Solche „Studien“ habe ich selbst schon in meiner bevorzugten Karpfenwirtschaft betrieben. Und die werde ich im September, gleich bei meinem ersten Karpfen der Saison, auf jeden Fall fortsetzen. Die ganz verwegenen Karpfenesser, die darauf bestehen, auch das Ingreisch (für Nicht-Franken: die Eingeweide; in diesem Fall Rogen und Samenzellen) serviert zu bekommen, werde ich wohl in die Kategorie der Draufgänger einordnen. Zu dieser Spezies gehöre ich übrigens selber auch.

 

Hamsterkäufe von Koi-Karpfen

Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat Auswirkungen, auf die man zunächst nicht einmal im Traum käme: Sie hat mittlerweile zu Hamsterkäufen von japanischen Koi-Karpfen bei uns in Deutschland geführt.

Gartenteichbesitzer, die Koi-Karpfen halten, sorgen sich nämlich, dass die besonders schönen, kräftig gefärbten Fische aus Japan künftig verstrahlt sein könnten. Viele dieser Tiere stammen aus speziellen Farmen in der Nähe von Niigata. Das liegt ungefähr 200 Kilometer entfernt von Fukushima. Aber derzeit kann niemand einschätzen, wie schnell sich verstrahltes Wasser über diese Distanz verbreitet und die gr0ßen Koi-Züchter in Japan erreicht.

Aus Angst, dass die Koi aus Japan im nächsten Jahr verstrahlt sind, haben auch verschiedene deutsche Koi-Händler, die ihre Karpfenbestellung für dieses Jahr eigentlich schon abgeschlossen hatten, noch einmal nachbestellt. Die Kunden wiederum ordern jetzt auch schon Koi-Futter auf Vorrat, weil sie verunsichert sind und nicht wissen, wie sich die Verstrahlung in Zukunft entwickelt.

Übrigens: Von amtlicher Seite gibt es in Deutschland bisher noch keinen Grund zur Beunruhigung. An den Flughäfen in Frankfurt und München, wo Maschinen mit Koi-Lieferungen aus Japan landen, haben die Veterinärämter noch keine verstrahlten Karpfen festgestellt.