Ab nach Kassel!

„Faszination Spinnen“ heißt eine neue Ausstellung im Naturkundemuseum Kassel, die ich allen ans Herz legen möchte, die Angst vor Spinnen haben. – Ja, gerade denen! Ich habe es selbst schon mehrmals erfahren: Angst hat man vor Dingen – oder Lebewesen -, die man nicht richtig kennt. Das habe ich auch im Tiergarten Nürnberg erlebt, als ich einmal eine Vogelspinne auf den Arm nehmen durfte (siehe Foto) – wer nicht glaubt, dass ich das bin, der braucht nur hier zu klicken.
Ekel und Angst, das sind bei vielen Menschen die Gefühle, wenn sie an Spinnen nur denken, geschweige denn, mit einem Exemplar direkt konfrontiert sind. Das wissen auch die Macher der Ausstellung in Kassel. Sie wollen den Besuchern die Angst nehmen und sogar Sympathie wecken für die Achtbeiner. In der Ausstellung sind über 40 Terrarien aufgebaut. „Stars“ der Schau sind die größte Vogelspinne der Welt und die berühmt-berüchtigte „Schwarze Witwe“. Auch Spinnen-verwandte Tiere kann man begutachten, etwa Tausendfüßler und Skorpione. Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche untergliedert: die Lebensweise von Spinnen, ihre Fortpflanzung, ihre interessanten Jagdmethoden usw. Weltweit gibt es übrigens zirka 46 000 verschiedene Arten von Spinnen; in Deutschland leben nur um die 1000.
Die Ausstellung dauert bis zum 15. März 2014. Sie findet im Naturkundemuseum Ottoneum statt (Steinweg 2, Kassel). Öffungszeiten: Dienstag sowie Donnerstag bis Samstag 10-17 Uhr, Mittwoch 10-20 Uhr, Sonntag 10-18 Uhr. Weitere Infos hier. Na dann: ab nach Kassel!

Schweinisches Spielzeug

Schweinisches Spielzeug – keine Angst: Mit Beate Uhse hat der folgende Beitrag nichts zu tun, auch wenn die deutsche Sex-Pionierin vor zehn Jahren gestorben ist. Nein, wir bleiben anständig hier. Es geht tatsächlich um Spielzeug – Spielzeug für Schweine. So etwas haben jetzt Forscher der Uni Kassel erfunden. Harmlos ist das Thema trotzdem nicht. Denn die Wissenschaftler haben sich das Ganze ausgedacht, um Mastschweinen das Leben wenigstens ein wenig erträglicher zu machen.

Wie sieht dieses Spielzeug aus? – Da haben sich die Forscher am Menschen orientiert, der ja bekanntlich vieles mit dem Schwein gemeinsam hat. Menschen lieben Ikea, und Menschenkinder lieben das „Bad“ in den vielen kleinen bunten Bällen, das es in jeder Filiale der Möbelhauskette gibt. Das Schweine-Spielzeug besteht praktisch aus solch einem kleinen Ikea-Ball, der auf eine Feder montiert wurde. Fast sieht es aus wie eine Glühbirne, die da über dem Futtertrog in einem nordhessischen Schweinestall angebracht wurde. Auf diesem Bauernhof wird wohlgemerkt keine Massentierhaltung betrieben – die Wissenschaftler haben sich einen Bio-Bauernhof ausgesucht, um das Spielzeug zu testen.

Vielleicht ist das der Grund dafür, dass die Schweine dort sich nicht übertrieben für das gelb leuchtende Ding interessieren, das ihren Spiel- und Wühltrieb befriedigen soll. Die Bio-Schweine wühlen und spielen nämlich lieber in echtem Dreck, wozu sie im Gegensatz zu ihren Kollegen in Mastbetrieben ja auch genügend Gelegenheit haben. Das eigentliche Zielpublikum für das Spielzeug muss sich jedoch mit nackten Betonböden und engen Boxen ohne Tageslicht begnügen. Unter diesen Bedingungen werden auch Schweine schnell aggressiv und geraten leicht in Streit, was so weit gehen kann, dass sie sich gegenseitig verletzen.

Dagegen soll die von den Kasseler Forschern entwickelte, leuchtend bunte Kugel auf der Feder helfen, die angeblich gleich mehrere Sinne der Borstentiere anspricht. Stupst ein Schwein die Kugel an, macht der Ball eine nicht vorhersehbare Bewegung, was wiederum die Neugierde der intelligenten Rüsseltiere wecken, ihrer Intelligenz angemessen sein und ihrem Wühltrieb entsprechen soll. Das Bad in den Bällen, das wir von Ikea kennen, hat sich bei Schweinen den Forschern zufolge nicht bewährt. Für den genialen „Wühlkegel“ erhoffen sie sich nun den Segen der EU: Die schreibt für schweinisches Spielzeug ab 2013 vor, dass es „veränderbar“ zu sein hat.

Da fällt mir auf: Beate Uhses Vater war Landwirt. Vielleicht hat der ja auch mit schweinischem Spielzeug herumexperimentiert?