Waschbär fährt auf Kirchenglocken ab

KINA - Wie der Waschbär nach Deutschland kamWir haben zwar erst Januar – aber folgende Meldung aus dem fabelhaften Reich der Tiere landet am Ende dieses Jahres mit Sicherheit unter den „Top Ten“ der witzigsten Nachrichten über Tiere (oder sie schafft es in die „Top Twelve“, wenn man jeden Monat eine auswählt).

Die Geschichte hat sich kürzlich im romantischen Bad Nauheim (Hessen) zugetragen. Haupt“person“ ist ein Waschbär, der offenbar das Geräusch von Kirchenglocken heiß und innig liebt. Weil das Geläut einer Nauheimer Kirche gerade keinen Ton von sich gab, entschloss sich der Waschbär zur Selbsthilfe: Für das Tier war es dank seiner Kletterkünste ein Leichtes, vom Kirchdach aus in das Gebäude hineinzugelangen. Technisch versiert, wie dieses „Procyon“-Exemplar (so der wissenschaftliche Name) offenbar ist, ist es zielsicher zu dem Knopf gelaufen, mit dem sich die Glocken in Bewegung setzen lassen.

Der Kleinbär mag sich gefreut haben – die in der Nähe des Gotteshauses lebenden Menschen fanden die Angelegenheit weniger lustig. Es war nämlich vier Uhr morgens, als sie von dem Läuten unsanft aus dem Schlaf gerissen wurden. Der Herr Pfarrer und der Mesner hingegen scheinen so an das bimmelnde Geräusch gewöhnt zu sein, dass sie selig weiterschlummerten wie die Murmeltiere und erst nach hartnäckigem Klingeln an der Haustür aufwachten. Die Kirchenglocken hatten die Anwohner zu diesem Zeitpunkt schon seit ein paar Stunden genervt.

Der kleine Einbrecher kam übrigens auch nicht ganz unbeschadet davon: Er hatte sich beim Einstieg in die Kirche verletzt. Man konnte ihn einfangen und schaffte ihn ins Tierheim, wo er medizinisch versorgt wurde. Auf dem Krankenlager hat der gewiefte Räuber (ich meine natürlich: das gewiefte Raubtier) bestimmt schon von seinem nächsten Glocken-Konzert geträumt…

Gottes Segen für Tiere

Ökumenischer Tiergottesdienst in TrierSo religiös die Menschen hier in Bolsena (nur gut 100 Kilometer entfernt vom Zentrum der Katholischen Kirche in Rom) auch sein mögen – das würde ihnen wohl niemals einfallen: einen Gottesdienst für Tiere abzuhalten.

In Deutschland dagegen, wo die Kirchenbesucher im Gegensatz zu hier immer weniger werden, sind Tiergottesdienste im Kommen. Egal, ob Hund oder Katze, Goldhamster, Zwergkaninchen oder Wellensittich – Tierbesitzern ist es offenbar wichtig, dass auch ihre tierischen Schützlinge Gottes Segen erhalten. Die Herrchen und Frauchen erhoffen sich vom Besuch solcher Veranstaltungen, dass ihre Lieblinge gesund bleiben und möglichst lange leben.

In manchen Städten werden schon regelmäßige Tiergottesdienste organisiert; meist kümmern sich die örtlichen Tierschutzvereine darum. Katholische Priester, die das Ganze zelebrieren, stehen auf dem Standpunkt, dass Tiere genauso Teil der Schöpfung sind wie Menschen. Für sie sind Tiersegnungen deshalb nichts Besonderes, sie gehören schließlich längst zur Tradition. Denn früher ließen die Bauern häufig ihre Nutztiere segnen, um sie vor Krankheiten, Seuchen oder sonstigem Unheil zu schützen. In der Evangelischen Kirche stand man Tiergottesdiensten bisher eher reserviert gegenüber. Aber auch dort scheint sich jetzt die Einstellung zu ändern; man hat erkannt, dass für viele Menschen Tiere als Gefährten und Begleiter eine immer wichtigere Rolle spielen. In einigen Städten – wie etwa in Trier, wo auch das Foto oben entstand – hat es sich als praktisch erwiesen, Tiergottesdienste als ökumenische Veranstaltung anzubieten.

Bolsena als Filmkulisse

In diesen Wochen um Ostern herum sieht man in Bolsena jede Menge Pilger aus allen möglichen Gegenden Italiens. Man gewöhnt sich an den Anblick dieser Gruppen, die in riesigen Bussen anreisen und meist von Priestern begleitet beziehungsweise geführt werden. Aber vor ein paar Tagen habe ich doch gestockt, als ich auf dem Weg zum Einkaufen diese Szene gesehen habe: Junge Männer in Priestergewändern filmten im Stadtteil Santa Cristina mit Videokameras eigenwillig kostümierte Gestalten. Zum Glück hatten Freunde, die gerade in Bolsena zu Besuch waren, einen Fotoapparat dabei und haben das Ganze für mich erst mal im Bild festgehalten.

Dann waren wir natürlich neugierig und sprachen die „Priester“ an. Sie erzählten uns, sie seien Mitglieder beim „Institut des fleischgewordenen Wortes“, einer Ordensgemeinschaft, die 1984 in Argentinien unter dem Namen „Instituto del Verbo Encarnado“ – abgekürzt IVE – gegründet wurde. Die Mitglieder sind Ordenspriester. Der Name IVE bezieht isch auf das Johannes-Evangelium, in dem es heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden…“ Ziel des Ordens ist es, mit allen Kräften das Evangelium zu verkünden. Die Mitglieder der Gemeinschaft sind in Pfarreien tätig, aber auch in Bildungszentren und anderen Weiterbildungseinrichtungen. Sie arbeiten außerdem mit Kindern und Jugendllichen und unterstützen ökumenische Projekte. Im Jahr 2001 wurde das „Internationale Seminar San Vitaliano Papa“ in Segni (Provinz Rom) eingerichtet, das zur Ausbildung von Priestern dient. 2012 ist das Seminar nach Montefiascone – ganz in der Nähe von Bolsena – umgezogen.

Das Video, das in Bolsena gedreht wurde, soll bei einer Veranstaltung morgen, am 1. Mai, der hier in Italien groß gefeiert wird, vorgeführt werden. Wir haben allerdings nicht ganz herausfinden können, worum es sich inhaltlich genau handelt. Aber jede Menge Spaß gemacht hat es allen Beteiligten auf jeden Fall – auch uns!