Schneeschuhhasen in Gefahr

Eigentlich hat die Natur gut für sie vorgesorgt: Die im Norden der USA, in den Rocky Mountains, in Kanada und Alaska lebenden Schneeschuhhasen (nicht zu verwechseln mit Schneehasen!) wechseln im Winter ihre Fellfarbe von braun in weiß. Damit besitzen sie im Schnee eine perfekte Tarnung vor ihren Feinden. Schneeschuhhasen sind außerdem durch ihre besonders großen Füße perfekt an ihren Lebensraum angepasst – sie sinken damit fast nicht im Schnee ein.

Nun aber haben Wissenschaftler der University of Montana in Missoula herausgefunden, dass die weiße Tarnfarbe für die Hasen zunehmend eine Gefahr darstellt. Denn durch die Erderwärmung verkürzt sich die Schneeperiode auch dort, wo diese Tiere vorkommen. Weiße Hasen, die durch braun-grüne Wälder und Tundra-Gebiete hoppeln, sind für ihre Feinde auch aus größerer Entfernung besonders gut zu erkennen (Foto: Dr. L. Scott Mills Research Photo).

Die Forscher haben rund 150 Schneeschuhhasen über drei Winter lang im Nordwesten der USA beobachtet. In diesem Zeitraum gab es die längste und die kürzeste Schneesaison seit 1970. Im Herbst dauerte die komplette Umfärbung des Hasenfells von braun auf weiß bis zu 40 Tage, im Frühjahr verzögerte sich die Rückfärbung bei einer längeren Schneeperiode um über zwei Wochen. Der Wechsel der Fellfarbe hängt nach den Erkenntnissen der Biologen von der Länge des Tageslichts ab, weniger davon, ob Schnee liegt oder nicht.

Die Wissenschaftler gehen aufgrund von Klimamodellen davon aus, dass Schnee während des Winters in den Verbreitungsgebieten der Schneeschuhhasen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts etwa einen Monat kürzer liegen wird, als es derzeit noch der Fall ist. Wenn sich das Klima tatsächlich so entwickelt und die Tiere den Fellwechsel im Herbst nicht hinausschieben könnten, müssten sie eine längere Zeit mit der Fehlanpassung leben. Das zu überleben, dürfte für einen Großteil der Tiere äußerst schwierig werden, denn mit dem leuchtenden Weiß wären sie ihren natürlichen Feinden sozusagen auf dem Präsentierteller ausgeliefert. Füchse, Kojoten, Luchse und Wölfe hätten dann mit ihrer Beute ein leichtes Spiel.

Arktische Tierwelt im (Klima-)Wandel

Da wir gerade schon bei möglichen Auswirkungen der Erderwärmung waren, hier gleich noch etwas zum Thema Klimawandel: Norwegische Forscher warnen aufgrund einer neuen Studie davor, dass der Klimawandel stärkere Auswirkungen auf die Tierwelt in der Arktis haben dürfte als bisher angenommen.

Klimaforscher nehmen an, dass die Erderwärmung mehr extreme Wetterereignisse in vielen Gebieten der Erde mit sich bringt. Die norwegischen Wissenschaftler untersuchten die zahlenmäßige Entwicklung der Tierwelt auf der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen im Zeitraum zwischen 1991 und 2009. In Spitzbergen kommt es immer öfter zu starken Regenfällen, die zu einer harten Eisschicht auf der Schneedecke führen. Diese wiederum macht den im Winter dort lebenden – wegen der schwierigen Bedingungen sowieso schon sehr wenigen – Tierarten zu schaffen: Die Pflanzenfresser wie das Spitzbergen-Rentier, das Alpenschneehuhn und die Osteuropäische Feldmaus kommen durch den Eispanzer kaum noch an ihre spärlichen Futterpflanzen heran. Viele verhungern in solchen eher milden Wintern, die Zahlen ihrer Populationen gehen stark zurück und bleiben auch im folgenden Winter auf einem niedrigen Niveau. Das macht dann, um ein Jahr versetzt, dem Polarfuchs (Foto von Brage B. Hansen/Universität Trondheim) Probleme, der sich hauptsächlich von Rentieren ernährt. Er findet dann ebenfalls nicht mehr genügend Futter.

Mit ihrer Studie beweisen die Forscher, dass extreme Wetterbedingungen Schwankungen bei mehreren Tierarten eines Nahrungsnetzes bewirken, nicht nur bei einzelnen Arten, wie es bisher gezeigt wurde.

Der Klimawandel dürfte für Tierarten, die in der Arktis leben, also große Nachteile mit sich bringen. Andererseits könnte er Vorteile für subarktische Arten haben: Tierarten aus etwas südlicheren Gebieten wie der Tundra werden künftig nach Wetter-Modellrechnungen von schwedischen Wissenschaftlern aufgrund der Erwärmung in der Lage sein, ihre Lebensräume weiter nach Norden zu verlegen. Wie sich das auswirkt, dürfte Inhalt weiterer Studien zum Klimawandel sein – ein Thema, das uns wohl auch in diesem Blog immer wieder beschäftigen wird.

 

 

Dem Panda drohen hungrige Zeiten

Dass der Große Panda zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Tierarten auf unserer Erde gehört, ist bekannt. Der Mensch trägt die Hauptschuld daran, weil er die angestammten Lebensräume dieser Bären – bambusreiche Wälder an Berghängen – systematisch abholzt. Doch nun kommt auf die Pandas noch weiteres Ungemach zu: der Klimawandel. Der wiederum sorgt dafür, dass die Hauptnahrung der Pandabären, nämlich verschiedene Arten von Bambus, infolge der Erwärmung  in den nächsten Jahrzehnten regional zu verschwinden drohen.

Internationale Forscher haben dazu in einem Panda-Schutzgebiet in den chinesischen Qin-Ling-Bergen Studien betrieben. Mit Hilfe von Computersimulationen und verschiedenen Erderwärmungs-Szenarien des Weltklimarates haben sie errechnet, dass in dem Schutzgebiet zwischen 80 und 100 Prozent der Bambusbestände bis zum Ende des 21. Jahrhunderts der Erwärmung zum Opfer fallen werden; bei einigen Szenarien war der Bambus sogar schon bis zur Mitte des Jahrhunderts ausgestorben. In den Qin-Ling-Bergen leben 270 Große Pandas, das entspricht 17 Prozent aller noch verbleibenden Exemplare dieser Tierart – also fast einem Fünftel. Den Pandas wäre damit – zumindest in diesem Gebiet – die Überlebensgrundlage entzogen. (Auf dem hier gezeigten Foto von Yange Yong sieht man, wie einer der wilden Pandas in dem Schutzgebiet bei der Zählung der Tiere erfasst wird.)

Fast alle Bambusarten reagieren äußerst anfällig auf höhere Temperaturen. Hinzu kommt, dass Bambus im Gegensatz zu den meisten anderen Pflanzen nicht jedes Jahr Samen produziert. Manchmal blüht er nur alle paar Jahrzehnte einmal. Das macht es ihm besonders schwer, sich Klimaveränderungen anzupassen bzw. sich in anderen Gebieten zu verbreiten, die vom Klima her besser für Bambus geeignet wären.

Auf die Pandas kommen also, salopp gesagt, hungrige Zeiten zu.

Der Sonnenröschen-Bläuling hat Glück

Der Klimawandel macht allen möglichen Tierarten große Probleme, manche Arten gefährdet er ganz besonders. Darüber habe ich immer wieder geschrieben, zuletzt hier. Da erreicht uns eine gute Nachricht aus Großbritannien: Ein Schmetterling, der auf den schönen Namen Kleiner Sonnenröschen-Bläuling hört und noch in den 1980er Jahren als gefährdet galt, profitiert offenbar vom Klimawandel.

Wie das? Laut britischen Forschern kann sich der Bläuling dank der immer wärmeren Sommer deutlich weiter nach Norden ausbreiten. Bisher brauchte er zur Eiablage das Gelbe Sonnenröschen als Wirtspflanze: Diese Pflanze wächst fast nur an sonnigen Südhängen und bot den Schmetterlingseiern die besten Voraussetzungen zur Entwicklung. Dank der wärmeren Sommer der letzten Jahre ist der Kleine Sonnenröschen-Bläuling aber nicht mehr auf das Gelbe Sonnenröschen angewiesen; wenn er seine Eier auf anderen Pflanzen ablegt, klappt es mit der Nachkommenschaft genauso gut.

Die Schmetterlinge kommen nun schon 80 Kilometer weiter nördlich als noch in den 1990er Jahren vor. Laut Wissenschaftlern der Universität von York reagiert diese eigentlich sesshafte Art damit außergewöhnlich schnell auf den Klimawandel. Mittlerweile suchen sich die Bläulinge meist Storchschnabelgewächse aus, um ihre Eier abzulegen. Diese Gewächse sind wesentlich weiter verbreitet als das Gelbe Sonnenröschen. Die Schmetterlinge haben deshalb bessere Bedingungen, sich fortzupflanzen.

Stellt sich nur noch die Frage, ob der Schmetterling bald umbenannt werden muss, wenn er mit dem Sonnenröschen gar nichts mehr am Hut hat. Vielleicht heißt er bald Kleiner Storchschnabel-Bläuling? Klingt aber längst nicht so poetisch.