Nanuq soll überleben!

Ich muss zugeben: Eigentlich war ich nie ein so großer Eisbären-Fan. Das hat sich allerdings schlagartig geändert, als in Nürnberg Flocke geboren wurde und ich für die „Nürnberger Zeitung“ und dieses Blog monatelang über das winzige weiße Fellbündel berichtet und die kleine Eisbärin beim Aufwachsen begleitet habe. Dieses Tier ist mir doch sehr ans Herz gewachsen.

UrkundeSo bin ich, sagen wir, ziemlich sensibilisiert, was das Thema Eisbären angeht. Und als vor einiger Zeit wieder mal Post vom WWF bei mir eintrudelte, der um eine Spende für ein Klimaschutz-Projekt bat, wurde ich natürlich sofort schwach. Die Eisbären-Mama auf dem Foto mit ihren drei knuddeligen Babys hat mich so sehr an die jetzt schon zwei Jahre zurückliegenden Ereignisse im Tiergarten Nürnberg erinnert, dass ich nicht umhin konnte und eine Überweisung ausgefüllt habe.

In diesem Fall hatte ich aber nicht nur das gute Gefühl, etwas für die Umwelt und „Nanuq“ – wie die Inuit den Eisbären nennen – getan zu haben. Einige Zeit nach meiner Spende war nämlich wieder Post vom WWF im Briefkasten – und als ich sie öffnete, steckte die hier abgebildete Eisbären-Urkunde im Umschlag. Urkunden, oh Gott! Die finde ich normalerweise lächerlich. Diese aber nicht – ich hänge sie jetzt gleich in meine Eisbären-Ecke in der Wohnung!

Macht vorwärts mit dem Klimaschutz!

Der Klimawandel macht den Eisbären noch viel mehr zu schaffen als bisher befürchtet: Die Umweltstiftung WWF hat jetzt alarmierende neue Forschungs-
ergebnisse bekanntgegeben. Demnach ist der Eisbären-Bestand im Vergleich zur letzten Überprüfung im Jahr 2005 weiter zurückgegangen, zwei Drittel der von Experten untersuchten Eisbär-Populationen schrumpfen. Nach ihrer Prognose wird die Zahl aller am Nordpol lebenden Eisbären bis zum Jahr 2050 fast um ein Drittel zurückgehen.

Schuld ist die Erderwärmung, die das gesamte Ökosystem der Arktis auf den Kopf stellt. Und das geht viel zu schnell, als dass die Eisbären sich anpassen könnten. Weil sie sich hauptsächlich von Robben ernähren, brauchen sie das Packeis zur Jagd. Doch das Packeis schmilzt ihnen im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Hintern weg. Die Eisbären drohen aber nicht nur zu verhungern. Sie müssen auch immer weitere Strecken zwischen geschlossenen Eisdecken schwimmend überwinden. Dafür sind sie nicht gebaut und laufen deshalb Gefahr zu ertrinken oder an Erschöpfung zu sterben.  

Umso wichtiger wäre es, dass international Maßnahmen zum Klimaschutz schneller umgesetzt würden, als es der Fall ist. Und umso trauriger ist es, dass der Gedanke im Nürnberger Tiergarten, Eisbärin Flocke als Botschafterin für den Klimaschutz einzuspannen, leider nicht den eigentlich erwünschten Effekt hatte. Viele Besucher wollen gern ein süßes Eisbärenbaby bestaunen, aber wenn es darum geht, den Lebensraum von Flockes Artgenossen in freier Wildbahn zu erhalten, erlischt das Interesse bei den meisten offenbar. Vielleicht glauben sie auch,  persönlich keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten zu können. Oder – und das wäre wirklich am schlimmsten – sie haben die Hoffnung schon längst aufgegeben, dass die Menschheit in dieser Hinsicht überhaupt noch etwas bewirken kann, weil die Mächtigen der Welt einfach keine ausreichenden Maßnahmen ergreifen. Verstehen könnte man die Resignation, aber man muss auf jeden Fall dagegen angehen!

Originelle Werbung für den Klimaschutz

Werbung für Flocke und den Klimaschutz: Wir erinnern uns an die wenig originellen Plakate, die sich man sich bei der Metropolregion Nürnberg zu diesen Themen hat einfallen lassen. Auf den Spruch „Knut war gestern“ hatten nicht nur Tierfreunde sauer reagiert.

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Dass es auch anders geht, zeigt diese Idee der New Yorker U-Bahn. Die macht mit einer witzigen, fast schon künstlerischen Aktion über U-Bahn-Lüftungsschächten geschickt gleich doppelt Werbung: für den Klimaschutz und dafür, dass möglichst viele Leute das Auto stehen lassen und U-Bahn fahren.

Eisbär wird zum Brillenbären

brillenbaer.jpgSo schnell kann ein Eisbär zu einem „Brillenbären“ mutieren. Ein Optiker in Fürth hat die Zeichen der Zeit bzw. des Klimawandels erkannt und seine Schaufenster (wegen der Spiegelung in den Scheiben ist die Bildqualität nicht optimal, bitte zu entschuldigen!) entsprechend gestaltet: In der Arktis müssen sich die Eisbären heutzutage auf Sonne pur einstellen und sich mit Sonnenschutz rüsten, will uns diese Dekoration wohl sagen.

Genau das ist ja auch der Grund, warum Flocke morgen ganz offiziell Botschafterin für den Klimaschutz wird und deshalb einen der obersten Klimaschützer der Welt als Patenonkel kriegt. Eisbären sind eben die prominentesten Opfer der Erderwärmung. Flocke und ihre Artgenossen mahnen, dass es höchste Eisenbahn ist, weltweit eine Umkehr einzuleiten, um von den Ökosystemen der Erde zu retten, was noch zu retten ist.

Flocke hat jetzt einen Patenonkel

steiner.JPGKnut in Berlin hat Umweltminister Sigmar Gabriel als Patenonkel, unsere Flocke hat lange warten müssen, bis auch sie Paten“kind“ eines bedeutenden Menschen wurde. Jetzt ist es endlich so weit: UN-Klimaschützer Achim Steiner macht´s. 

Für alle, die den Mann nicht kennen: Er ist als Direktor des Umweltschutzprogramms UNEP (United Nations Environment Programme) sozusagen die Stimme der Umwelt bei den Vereinten Nationen (UN) und hat dieses Amt 2006 von Klaus Töpfer „geerbt“.

Nun ist Flocke zwar auch ohne Paten bisher prächtig gewachsen und gediehen. Aber sie hat ja noch höhere Aufgaben: Sie soll weltweit Botschafterin für den Klimaschutz werden. Und das schafft so ein Eisbärenmädchen halt nicht ganz allein. Mit Flocke und Steiners Hilfe soll den Menschen auf der Welt nun verklickert werden,  dass ohne Klimaschutz den Eisbären das Eis der Arktis unter dem Hintern wegschmilzt und dass deshalb dringend umgedacht und entsprechend gehandelt werden muss.

Ob die Mächtigen der Welt so vernünftig sind, bleibt abzuwarten. Flocke und ihr Patenonkel wollen jedenfalls ihr Möglichstes tun, um sie zu einer globalen grünen Ökonomie zu bewegen. Denn nur auf diesem Weg können die Eisbären überleben.

Die Patenschaft wird am Mittwoch in Bonn offiziell besiegelt, und zwar auf der UN-Naturschutzkonferenz 2008, „Expo der Vielfalt“.