Lasst Vera möglichst bald wieder decken!

Nun haben wir also das amtliche Ergebnis, woran die die Zwillinge von Eisbärenmutter Vera im Nürnberger Tiergarten gestorben sind: Sie sind einer Kokzidiose zum Opfer gefallen, haben die Tierpathologen im Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen herausgefunden.

Nur: Wie und wo sie sich diese Kokzidien eingefangen haben, bleibt weiterhin ein Rätsel. Kokzidien, das sind parasitärte Einzeller, die sich hauptsächlich im Magen-Darm-Trakt ihrer Wirtstiere ansiedeln, sich dort vermehren, die Darmschleimhaut schädigen und schließlich zerstören.  Das führt dann zu Durchfällen, außerdem kann die Nahrung durch die Darmschleimhaut nicht mehr resorbiert werden.

Das passt genau zu den Beobachtungen, die Tiergartenmitarbeiter über die Kamera in der Wurfhöhle gemacht haben: Die Zwillinge wurden regelmäßig und ausreichend gestillt und waren nicht hungrig, weil ihr Magen ja immer gefüllt wurde. Doch dieser Schein trog. Weil die Nahrung nicht resorbiert werden konnte, wurden die Bärchen immer schwächer. Zuletzt konnten sie auch keine Nahrung mehr aufnehmen. Wahrscheinlich zehrten sie tagelang von ihrem bisschen Körperfett. Über die Kamera war das natürlich nicht zu erkennen.

Niemand hat aber eine Erklärung dafür, wie es zum Kokzidienbefall kommen konnte. Denn weder bei Vera noch bei Flocke im Nachbargehege wurden Kokzidien im Kot nachgewiesen. Trotzdem geht man davon aus, dass Vera die Überträgerin der Kokzidien war.

Bei Eisbären stellt sich folgendes Problem: Im Gegensatz zur Arktis ist die Umwelt in Zoos nicht keimfrei. Eisbärenbabys können sich dort also alle möglichen Keime einfangen, auf die ihr Körper überhaupt nicht eingestellt ist.  Wohlgemerkt: Sie können sich Keime einfangen. Das muss jedoch nicht zwangsweise passieren. Genauso gut können Eisbärenjunge in Zoologischen Gärten es über die kritischen ersten Wochen hinweg schaffen. Wie in einem frühren Blog-Beitrag schon gesagt: Das hat früher schon mehrmals im Nürnberger Tiergarten geklappt, das klappt auch immer wieder in anderen Zoos, wie zuletzt in der Stuttgarter Wilhelma bei Wilbär.

Also: Man sollte es Vera  weiterhin versuchen lassen. Denn sie hat ja alles richtig gemacht und ihre Kleinen gut versorgt. Schon im Frühjahr kann sie wieder gedeckt werden, da sie nach dem Tod ihres Nachwuchses wieder aufnahmebereit ist. Am besten wäre es, wenn Felix sie wieder beglücken würde. Aus der Vergangenheit wissen wir ja: Die beiden sind wie die Turteltauben und gehen sehr zärtlich miteinander um. So etwas ist im Tierreich eher die Ausnahme.